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Posts Tagged ‘Soldaten’

Kriegspropaganda nicht auf den Leim zu gehen, ist eine Kunst … aber es geht!

Schuld am Krieg sind immer die anderen, und die Gründe für einen Waffengang werden meistens so frisiert, dass der Waffengang als moralisch unausweichlich erscheinen kann. Über Gewinne und Verluste dagegen wird sich gerne ausgeschwiegen. Menschliche Opfer werden begrifflich als Kollateralschäden noch einmal ausradiert.

Nach welchen Prinzipien funktioniert eigentlich diese Kriegspropaganda, hat sich die belgische Historikerin Anne Morelli gefragt und darüber ein Buch geschrieben. Lüge in Kriegszeiten: Am Beispiel des Ersten Weltkriegs formulierte Arthur Ponsonby 1928 die Strukturgesetze der Kriegspropaganda – sie gelten, wie die aktuelle Berichterstattung über die Ukraine zeigt, noch immer:

Wir wollen den Krieg nicht. Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung. Der Führer des Gegners ist ein Teufel. Wir kämpfen für eine gute Sache. Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm. Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache. Unsere Mission ist heilig. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

In ihrem Buch über Die Prinzipien der Kriegspropaganda (Präzisionsschläge sorgen für Kollateralschaden) hat die Historikerin Anne Morelli 2004 diese von Ponsonby definierten Prinzipien auf ihre Gültigkeit abgeklopft und vom Zweiten Weltkrieg bis zu den Kriegen in Jugoslawien und Irak zahlreiche Belege dafür gefunden:

Wir schenken heute Lügenmärchen genauso Glauben wie die Generationen vor uns. Als die USA sich 1990 anschickten, den Irak militärisch aus Kuwait zu vertreiben, vermutete Noam Chomsky, dass sämtliche offiziellen Rechtfertigungen für den Einsatz selbst von einem Teenager in zwei Minuten widerlegt werden könnten. Der Krieg aber fand statt und kostete vielen das Leben!

 

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Darüber, wie wir unsere menschlichen Tötungsmaschinen züchten …

Wir haben schon festgestellt, dass Menschen, die anderen Menschen ohne sich selbst zu Schaden, Leid zufügen können, das normale empathische Empfinden nicht haben und auch kein Gewissen. Was mich seit Tagen umtreibt, ist die Frage, wie solch ein Tun auf Soldaten wirkt, die keine Psychopathen sind. Und eine weitere Frage ist, ob wir empathische Menschen zu Tötungsmaschinen umprogrammieren können.

Aus der Zeit der Indianermassaker in der heutigen USA war immer wieder zu hören, dass ganz normale Familienväter an den Mordaktionen an hilflosen Alten, Frauen und Kindern teilnahmen.

Als die Überlebenden in der Dämmerung aus ihrem Versteck krochen, sahen sie erst, welch furchtbares Gemetzel hier stattgefunden hatte – ihre Lieben, sogar Babies und schwangere Frauen, von Chivingtons Soldaten aufgeschlitzt und brutal verstümmelt … (Quelle: Das Massaker am Sand Creek, 1864)

Auch aus der Zeit des zweiten Weltkriegs sind entsprechende Berichte zu lesen, wo die Bevölkerung ganzer Dörfer im Blutrausch niedergemetzelt wurden. Und auch aus Vietnam:

Ich fragte mich, was sind das für Menschen, die so wahllos um sich schießen, sind das überhaupt Menschen? Dann wurde ich am Oberschenkel getroffen. Es war ein Steckschuss, ich fiel um, lief dann aber trotz großer Schmerzen weiter. Wir flehten die Amerikaner an, doch sie sagten nichts und feuerten einfach weiter. Da gab es einen alten Mann, der schon seit langem, seit dem Tod seiner Eltern, im Tempel lebte. Sie holten ihn heraus. Er zeigte ihnen ein Papier, aber sie schüttelten nur den Kopf. Sie wussten nichts, wahrscheinlich wussten sie überhaupt nichts. Sie fragten ihn noch nach dem Bewässerungskanal, dann töteten sie ihn. Es war eine Unmenge von Soldaten. Sie hatten so eine Art Baskenmütze auf dem Kopf und alle eine sehr rote Haut, die aussah wie chinesischer Lack. Wir alle schrien und weinten, doch unbeeindruckt wüteten sie weiter, schossen auch auf die kleinen Kinder, die nach ihren Müttern riefen. Sie trieben die Menschen in den ausgetrockneten Kanal und feuerten auf sie. Auch mein Kind wurde getötet. Irgendwann verlor ich das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Boden des Kanals, um mich herum nur Leichen.

So berichtete die Vietnamesin Ha Thi Quy, Augenzeugin des Massakers von My Lai 1968. Dass Soldaten, die an solchen Aktionen beteiligt waren, eben nicht einfach zur Tagesordnung zurück kehren konnten, zeigten Untersuchungen, so fand ich:

Die Soldaten berichteten von Depressionen, Ängsten, Alpträumen oder Schlaflosigkeit. 1970 gab es dazu die erste Anhörung im Kongress. 1979 wurde PTSD als psychische Störung im Hinblick auf die Probleme der Vietnam-Veteranen eingeführt, während gleichzeitig festgestellt wurde, dass die Soldaten desto eher psychische Probleme hatten, je intensiver die Kampfeinsätze waren. (Quelle: Die psychischen Kosten des Kriegs)

Weiter liest man in dem Artikel über Soldaten, die in Afghanistan und im Irak zum Einsatz kamen, u.a. über weitere Kriegskosten:

Die psychischen Probleme führen zu Selbstmorden, zum Herausfallen aus der Gesellschaft durch den Gang in die Obdachlosigkeit, zu Arbeitslosigkeit oder Drogenkonsum, aber auch zu Gewalt, zum Zerbrechen der Beziehungen oder zu Folgen für die Kinder, so dass das Kriegstrauma sich über Generationen fortsetzt. Wie es sich gehört, werden die Folgen Weiterlesen …

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Was kann authentischer sein, als ein Soldat, der sich für seinen Irak-Einsatz schämt?

Ich habe einen Film von viereinhalb Minuten gefunden, indem ein Soldat über seinen Einsatz, seine Eindrücke dort und seine Eindrücke im eignen Land schildert. Die Ansprache sind mit entsprechenden Bildern unterlegt.

http://info.kopp-verlag.de/video.html?videoid=150

Ich wurde schon mehrfach als Gutmensch abgetan, aber: Ich bin gegen jedweden Krieg, denn keiner kann gewonnen werden. Und am Ende profitieren nur ganz Wenige. Leiden muss dies die Zivilbevölkerung, die man vorgibt zu befreien, und die Soldaten. Wenn sie nicht fallen, sind sie doch anschließend moralischen Krüppel, die ihre Bilder nie wieder loswerden.

Wann kommen wir von diesem Wahn endlich los. Warum wird nicht verhandelt? Warum stehen WIR nicht auf und empören uns. Es sind unsere Kinder und unsere Gelder, und unsere Brüder und Schwester in den anderen Ländern, denen wir Unrecht antun, weil wir schweigen und wegschauen oder den Lügen glauben. Noch immer, wo wir das doch wahrlich gelernt haben sollten.

Wie war das noch: „Von deutschem Boden soll nie wieder ein Krieg ausgehen.“ Unsere Soldaten sind von hier losgeflogen und unsere in Deutschland gefertigten Waffen werden überall auf der Welt im Krieg benutzt.

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