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Posts Tagged ‘Selbstbewusstsein’

Freundliche Gewalt

AngstIn Anknüpfung an Guidos letzten Artikel zur Propaganda möchte ich einen Artikel von Martin Scheuringer bringen, der die Auswirkungen der zunehmenden Manipulation unserer Kinder im kapitalistischen System anspricht und darauf aufmerksam macht, dass die Unterdrückung negativer Gefühle zum Tragen freundlicher Masken nicht gut ausgehen kann, aber lest selbst:

Freundliche Gewalt

Dem ausgebildeten eingewobenen Subjekt der kapitalistischen Weltordnung erscheinen die mit der abstrakten Arbeit einhergehenden Grässlichkeiten Krieg, Land Grabbing, Mobbing, Beschleunigung etc. als Folge unzureichender Vermarktung der sozialen Beziehungen sowie ihrer Trägereinheiten. Ungeheuerliche Mengen psychischer und physischer, latenter und manifester, chronischer und akuter Gewalt werden meist nicht wahrgenommen, selten ernst genommen, aber niemals ursächlich mit dem Kapitalismus in Verbindung gebracht.

Zähmung einer Delusion

Falschen Begründungen für Gewalt ist Tür und Tor geöffnet: Sie entstünde im schlecht erzogenen, seine Gefühle nicht beherrschenden Individuum. Voller Sorge vermeint ein von einer solchen Annahme geprägter Erwachsener Gewalt unterbinden zu können, wenn er die Äußerung aggressiver Gefühle bei Kindern verbietet. Voller Eifer werden die vermeintlichen Ursprünge von Krieg und Terror bekämpft, indem Kindern untersagt wird ihren Zorn, ihre Wut, ihren Frust oder ihren Hass zu zeigen. Voller Verblendung unterdrücken so aufgeklärte Erwachsene wesentliche Reaktionen ihrer Kinder auf die Zumutungen ihrer Einpassung. Durch Tabuisierung von Aggression wird mit Gewalt eine gewaltförmige Herrschaftsweise reproduziert. Kinder, die in einer bunten, glitzernden, von Spielzeug angefüllten Welt aggressiv auf die für sie unerträgliche Forderung der Subjektivierung reagieren und den kleinen Spielwaggon gegen die Wand schleudern, sind für Erwachsene kaum zu ertragen. (Vgl. Creydt, Streifzüge 60, S. 39)

Konform zum überlagernden dichotomen Bewertungsschema teilt das Subjekt seine Gefühle ein, wobei die guten (Fröhlichkeit) in die Scheinwelt des Distributionshimmels gehören und die schlechten (Neid, Zorn, Hass, Frust, Wut) im rückständigen Rest lokalisiert werden. Die als negativ abgewerteten Gefühle grantiger Kinder hätten in China, Brasilien oder Indien ihren berechtigten Ort, dort gibt’s ja Armut, Gewalt und kein Spielzeug, da darf das Kind schon mal wütend sein. Unfähig die Berechtigung des Weiterlesen …

Von den Bäumen kann man lernen. Die Natur ist so viel weiser als der Mensch.

sichtbares Wurzelwerk (Foto: Christiane Ginschel - pixeliio)

sichtbares Wurzelwerk (Foto: Christiane Ginschel – pixeliio)

Die Stille und Ruhe gönnen dem inneren Sein eine tiefe Macht und freieres Walten, und es ist immer besser, wenn das Innere nach außen, als wenn umgekehrt das Äußere nach innen strömt.
Friedrich Wilhelm Christian Karl Ferdinand
Freiherr von Humboldt

Der Fingerphilosoph hat gerade in einem Kommentar mit einer These hinterlassen, die ich gerne hier zur weiteren Diskussion stellen möchte.

Man kann nicht ein SELBST haben und gleichzeitig SELBST-LOS sein

Ein SELBST ist per Definition ein Für-sich-Zurückbehalten. Wer ein SELBST hat oder ist, bringt sich nicht voll und ganz ein und reagiert nicht mehr mit allem, was er IST, sondern nur mit einem Teil von sich. Das SELBST ist das große Hindernis. Ob man das nun SELBST, EGO, ICH oder SEELE nennt, ist völlig wurscht. Es sind bloß verschiedene Wörter für dasselbe Phänomen. Man kann nicht ein SELBST haben und gleichzeitig SELBST-LOS sein, wie die Erleuchteten behaupten. Bewusstsein kann man außerdem nicht HABEN. Bewusstsein ist, wie der Name schon sagt, ein SEINSZUSTAND. Damit entzieht er sich der Beschreibung, ja sogar der Erkenntnis.

Das Bewusstsein ist ein Geheimnis, und alles, was wir Menschen so treiben, besteht darin, über das Geheimnis nachzudenken. Dieses “Nachdenken über” nennen wir dann Bewusstsein. Da das Bewusstsein ein Geheimnis ist, weiß ich nicht, ob es zerstörbar ist oder nicht. Ich finde das auch nicht wichtig.

Vom Wesen der Bäume

Bäume reagieren mit ihrem ganzen SEIN auf die Umwelt. Bäume behalten nichts für sich zurück. Sie sind ein authentisches Abbild des Bewusstseins. Deshalb kann man von Bäumen viel lernen. Beispielsweise, dass sie eine Doppelnatur haben.

Vom lichten Teil

Der eine Teil über dem Erdboden reckt und streckt sich der Sonne entgegen, geht ganz auf im Sonnenlicht. Es ist dem Baum dabei völlig egal, ob er Weiterlesen …

Auf der Suche nach dem Selbst

Januar 16, 2013 5 Kommentare

Die neuen Modelle des Geistes zeigen, dass das, was in uns abläuft, am ehesten einem Marktplatz gleicht. Viele rufen gleichzeitig und kämpfen um den Fokus der Aufmerksamkeit: Du musst noch den anrufen – warum bist Du so müde? – Du könntest auch mal wieder ein Stück Schokolade essen – jetzt aber erst mal fertig spülen … Unterschiedliche Impulse und Sub-Selbste kämpfen um Aufmerksamkeit und letztendlich um die Kontrolle des Verhaltens, das schließlich am Ende dieses Prozesses steht.

Dabei sieht es sehr danach aus, dass es so was wie ein Selbst gar nicht gibt, sondern Myriaden von gleichzeitigen Handlungsimpulsen und Wunschvorstellungen. Ähnlich wie Vögelchen, die alle im Nest ihren Schnabel nach oben recken, wenn die Mama angeflogen kommt. Alle schreien: Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit! Haben, Haben, Haben! Gerade so, als ob die Evolution, der grausame Wettkampf zwischen den Lebewesen um das pure Dasein, auch in uns noch einmal stattfindet. Also: Wettbewerb gibt es nicht nur außen, sondern in unserem eigenen Geist. Variation und Selektion, Tod und Wiedergeburt. Und das ist natürlich eine unschöne Entdeckung. Aber es scheint wirklich so zu sein, dass eine Art von Konflikt und Wettbewerb von der Evolution in uns eingebaut wurde, dass unser Geist normalerweise so  funktioniert, von Moment zu Moment. Sich dieser Tatsache gewahr zu werden ist nichts Einfaches.

gefunden in dem sehr anregenden Artikel: Auf der Suche nach dem Selbst auf dem nicht minder anregenden Blog Leben ohne Limit

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10 Gründe, warum Du gerade feststeckst

Dezember 22, 2012 12 Kommentare

Wir haben schon so viel darüber geschrieben, dass wir mit unserer Erziehung durch Eltern, Schulen und Arbeitgeber dafür sorgen, dass wir eher des vermeintlich äußeren Friedenswillens den Wünschen dieser Anderen entsprechen wollen als den eigenen, hier eine schöner Text, sich selbst auf den Weg zu machen, den ich auf myMONK gefunden habe (Wolfgang weiß):

10 Gründe, warum Du gerade feststeckst (und was Du dagegen tun kannst)

Kennst Du die Albträume, in denen Du davonlaufen willst, aber keinen Meter vorankommst? Manchmal ist das echte Leben ähnlich. Schmerzhaft und frustrierend, ein zäher Brei, in den man immer weiter einzusinken droht, ganz gleich wie sehr man sich abstrampelt. Oder wie im Film Blair Witch Project: Du versuchst, dem bösen Wald zu entkommen, einige Stunden später kommt Dir ein Baum bekannt vor, dann noch einer, und Du begreifst: Du bist im Kreis gelaufen, keinen einzigen Meter weiter, dafür noch verzweifelter und verlorener als vor der letzten Runde.

Du bist wieder oder immer noch in einem Job den Du hasst, einer Beziehung, die Dich zerstört, einem Verhalten, das Dich unglücklich macht. Du steckst fest. Und dafür gibt es Gründe. Zum Beispiel einen der zehn folgenden. In dem Moment, in dem Du den Grund erkennst, hast Du einen Wegweiser in der Hand, um herauszukommen aus dem bösen Wald.

#1 Du bist nicht ehrlich zu Dir

Die Selbsttäuschung beherrscht der Mensch noch sicherer als die Lüge.
– Fjodor Dostojewskij

Bist Du sicher, dass das, was Du willst, das ist, was Du wirklich willst? Tief in Deinem Herzen?

Wenn nicht, wirst Du es entweder Weiterlesen …

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Lob und Tadel – die Selbstvertrauen zerstörende Kraft

November 1, 2012 5 Kommentare

Seit ich beobachten durfte, wie sich Menschen hinsichtlich ihrer Motivation positiv verändern, wenn sie sich innerhalb eines SCRUM-Prozesses im Team selbst organisieren können, hat mich das Thema Lob und Tadel noch mehr gefesselt. Meine Eltern hatten für uns Kinder, drei an der Zahl, ein Belohnungssystem für gute Zensuren in Klassenarbeiten und Zeugnissen eingeführt. Resultat: es wurde nun mehr für das Geld als für das eigene Interesse an den dem Erkenntnisgewinn durch das Erlernte gearbeitet. Da ich das nachträglich intuitiv als nicht zielführend erachtete, habe ich das meinen drei Kindern nicht mehr angeboten. Sie sollten es allein als subjektiv-eingefärbtes Feedback für ihren Arbeitsstand auffassen.

Nun hat Hannelore Vonier einen weiteren wichtigen Artikel auch zu dieser Thematik auf ihrem Blog veröffentlicht, den ich hier ebenfalls nochmals bringen möchte. Reiht er sich doch gut in die Schaffung einer zuträglicheren Bildung und Organisation ein, aber lest wieder selbst:

Lob und Tadel – die Selbstvertrauen zerstörende Kraft, von Hannelore Vonier

Yequana-Kinder

Yequana-Kinder

Kinder verhalten sich von sich aus sozial. Eine Vorstellung, die uns fremd ist. Durch Erziehung wird das natürliche Sozialverhalten untergraben.

Im Dschungel Venezuelas trifft eine junge Amerikanerin auf die Yequana-Indianer. Fasziniert vom offenkundigen Glück dieser “Wilden”, bleibt sie insgesamt zweieinhalb Jahre bei dem Stamm und versucht, die Ursachen dieses glücklichen Zusammenlebens herauszufinden. Vertraute Denkweisen werden ihr dabei immer fragwürdiger, immer größer wird ihre kritische Distanz zu Zivilisation. Sie erkennt, wie unsere Gesellschaft in jedem Menschen neu die angeborenene Glücksfähigkeit zerstört, und schreibt ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Kindererziehung ohne Zivilisationsneurosen. Mit ihrem Buch wurde Jean Liedloff weltbekannt.

Jean Liedloff schreibt viel über die das Selbstvertrauen zerstörende Kraft von Lob und Tadel. Hier ein Ausschnitt:

Ich war Zeuge der ersten Augenblicke im Arbeitsleben eines kleinen Mädchens. Die Kleine war ungefähr zwei Jahre alt. Ich hatte sie bei den Frauen und Mädchen gesehen; während diese Maniok in einen Trog rieben, spielte sie. Jetzt nahm sie ein Stück Maniok vom Haufen und rieb es an dem Weiterlesen …

Ein Briefwechsel zum Thema Gefühle, Empathie und Bewusstsein bei Tieren

Wolfgang hat vor nicht allzulanger Zeit seinen ersten Artikel zum Thema Fleischkonsum hier gepostet, nun hatte meine Älteste und ich einen Briefwechsel mit einem ähnlich gelagerten Thema gehabt. Es ja mehrere Gründe, auf Fleisch zu verzichten. Wolfgang wie auf unsere Gesundheit hin, und das wir mehr Menschen satt bekommen, wenn wir weniger Fleisch essen.

Maren und mich interessierten eher so genannte „ethische“ Aspekte. Denn was, wenn ein Teil der Tiere, die wir essen, genauso Gefühle, Empathie und ein Bewusstsein über sich selbst hätten, ja sogar sprechen könnten. Maren begann ihren Brief so:

Lieber Papa,

ja, auch bei mir bemerke ich in letzter Zeit immer häufiger, dass wenn bei mir ein Stück Fleisch auf dem Teller landet, ich mich dabei erwische, wie ich dieses Stück Fleisch – oder auch Wurst – anstarre und mich frage, was ich da eigentlich tue. Ist es rechtens, dass ein denkendes und fühlendes Wesen sein Leben Weiterlesen …

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