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Posts Tagged ‘Selbstausbeutung’

Einfach leben! Oder: wird unsere Welt besser, wenn die Menschen authentisch bleiben?

November 21, 2017 36 Kommentare

Bild: Das Liebste – ein Geschenk von MiA

Ich hatte vor einiger Zeit einen Artikel über hochsensitive Menschen gepostet (Hochsensitivität – das schwierige Leben in einer unehrlichen Welt). Mich hatte das Thema beschäftigt, da ich sehr authentisch wirkende Menschen traf, die über ihre Fähigkeiten sprachen, die ich selbst nicht habe, mir aber immer vorstellen konnte. Ihre Fähigkeiten waren ganz unterschiedlich. Die Eine war Hellsichtichkeit, eine Andere konnte seit kindesbeinen an ohne Problem außerkörperlich unterwegs sein, dann wieder hatte sich Einer als kleiner Junge selbst seine vorherigen Leben anschauen können uns so diverse Traumata lösen können, wieder eine andere konnte die Gefühle anderer in sich stark wahrnehmen, was sie zum Teil stark durcheinander brachte, etc. Eines hatten aber alle gemeinsam: „Als ich mir bewusst wurde, war ich völlig irritiert darüber, dass die Menschen um mich herum alle logen. ganz besonders verleugneten Sie ihr eigenes Selbst.“

Dass diese Selbstverleugnung, Arno Gruen nennt es auch Selbstentfremdung (siehe: Wo bleibt der freie Wille, wenn wir uns selbst durch erfahrene Unterdrückung ein unbekannter Fremder sind?), ein anderer sieht uns dabei zunehmend in der Selbstausbeutung (siehe: „Jeder ist heute ein selbstausbeutender Arbeiter seines eigenen Unternehmers“), dieses Spielen aufgezwungener (?) Rollen krank macht, scheint immer offensichtlicher zu sein.

Eine Krankheit ist wie eine Warnlampe auf dem Armaturenbrett eines Autos. Wenn wir zum Arzt gehen, nimmt er aber in der Regel nur die Warnlampe weg. Das eigentliche Problem auf einer ganz anderen Ebene schleppen wir aber weiter mit uns herum.

Das sagt uns diese junge Frau in dem folgenden Video, in dem sie über ihre hochsensitiven Wahrnehmungen spricht. Sie spricht auch darüber, was für sie ein glückliches Leben bedeutet: einfach leben! Eben authentisch sein, auf das innere Gefühl horchen und das tun, was sich gut anfühlt. Und nicht das, was man meint, dass andere Menschen verlangen könnten. Ich stell es mal wieder ins Regal: Weiterlesen …

„Jeder ist heute ein selbstausbeutender Arbeiter seines eigenen Unternehmers“

Das neoliberale Herrschaftssystem ist ganz anders strukturiert. Hier ist die systemerhaltende Macht nicht mehr repressiv, sondern seduktiv, das heißt, verführend. Sie ist nicht mehr so sichtbar wie in dem disziplinarischen Regime. Es gibt kein konkretes Gegenüber mehr, keinen Feind, der die Freiheit unterdrückt und gegen den ein Widerstand möglich wäre.

Der Neoliberalismus formt aus dem unterdrückten Arbeiter einen freien Unternehmer, einen Unternehmer seiner selbst. Jeder ist heute ein selbstausbeutender Arbeiter seines eigenen Unternehmers. Jeder ist Herr und Knecht in einer Person. Auch der Klassenkampf verwandelt sich in einen inneren Kampf mit sich selbst. Wer heute scheitert, beschuldigt sich selbst und schämt sich. Man problematisiert sich selbst statt der Gesellschaft.

Das unterworfene Subjekt ist sich nicht einmal seiner Unterworfenheit bewusst

Ineffizient ist jene disziplinarische Macht, die mit einem großen Kraftaufwand Menschen gewaltsam in ein Korsett von Geboten und Verboten einzwängt. Wesentlich effizienter ist die Machttechnik, die dafür sorgt, dass sich Menschen von sich aus dem Herrschaftszusammenhang unterordnen. Ihre besondere Effizienz rührt daher, dass sie nicht durch Verbot und Entzug, sondern durch Gefallen und Erfüllen wirkt. Statt Menschen gefügig zu machen, versucht sie, sie abhängig zu machen. Diese Effizienzlogik des Neoliberalismus gilt auch der Überwachung. In den 1980er-Jahren hat man heftigst gegen die Volkszählung protestiert. Sogar die Schüler gingen auf die Straße.

Fundstelle in der Süddeutsche Zeitung: Warum heute keine Revolution möglich ist

Siehe dazu ergänzend: Selbstausbeutung: das neue Leiden des 21. Jahrhunderts?

Was passiert, wenn Menschen nur noch zum Ausbeuten da sind ….

Ilija Trojanow

Ilija Trojanow, Schriftsteller (Foto: Wikipedia)

… so beginnt Martin Schenk sein Gespräch mit dem Schriftsteller Ilija Trojanow.

Wer nichts produziert und nichts konsumiert, ist überflüssig.

Das sei die gefährliche Logik des Spätkapitalismus, die Ilija in seinem Buch Der überflüssige Mensch analysiert.

Ich möchte Euch einladen, Euch das Gespräch anzuhören, unterstreicht es doch ein weiteres Mal, das es Zeit zum Wandel wird. Die folgenden Themen werden angesprochen:

Gratissitzen und – stehen von Müßiggängern würde zunehmend verboten. Die Wegnahme des öffentlichen Raums erfolgt durch die Ersetzung durch Security-Kräfte. Der einmal „privatisierte Raum“ wird durch die Macht des Reichtums für immer durch „Legionen“ verteidigt.

Die Anzahl der Gefängnisinsassen nimmt zu, während die Anzahl „wirklicher“ Verbrechen abnimmt, sprich die Intoleranz nimmt zu.

 

Der Arbeitslose werde zunehmend beschuldigt, dass er aus der Arbeitswelt herausfällt, anstatt festzustellen, dass das System nicht in der Lage ist, für Vollbeschäftigung zu sorgen.

Wir haben die Freiheit, an uns selbst zu arbeiten.
Dazu steht uns ein großer Umfang an Angeboten zur Verfügung.

Diese Selbstoptimierung reicht vollständig in die Freizeit hinein, so dass die gleiche BeWERTungen hier trainiert werden wie in der Beschäftigung in der Ökonomie. (Siehe auch: Selbstausbeutung: das neue Leiden des 21. Jahrhunderts?).

Die Automatisierungen sorgen dafür, dass sich der Mensch zunehmend der Konkurrenz mit der Maschine stellen muss, um nicht auch aus dem Arbeitssystem zu fallen (siehe auch: Robots will steal your job, but that’s OK).

Der Arbeitsmarkt wirkt durch den Billiglohn-Mechanismus ausgrenzend, was die Gewerkschaften Weiterlesen …

Kapitalismuskritik: Manifest gegen die Arbeit

Antreiben

Motivation zur Arbeit …

Der Gauner hatte die Arbeit zerstört,
trotzdem aber den Lohn eines Arbeiters sich weggenommen;
nun soll er arbeiten ohne Lohn,
dabei aber den Segen des Erfolgs und Gewinnes
selbst in der Kerkerzelle ahnen.
[…] Er soll zur sittlichen Arbeit als einer freien persönlichen Tat erzogen werden durch Zwangsarbeit.
Wilhelm Heinrich Riehl, Die deutsche Arbeit, 1861

Auf die Seite krisis – Kritik der Warengesellschaft, auf der ich diesen „Über“-Text gefunden habe …

Kapitalismuskritik heißt für uns: Kritik einer Gesellschaft, die auf Warenproduktion, abstrakter Arbeit und Verwertung des Werts beruht und einer verselbstständigten historischen Dynamik unterliegt, welche im gegenwärtigen Krisenprozess kulminiert. Diese Krise hat einen fundamentalen Charakter. Sie untergräbt nicht nur die Grundlagen der kapitalistischen Verwertung, sondern bedroht zugleich auch die Bedingungen menschlichen Zusammenlebens überhaupt und wirft daher die Frage nach einer emanzipatorischen Aufhebung des Kapitalismus mit neuer Dringlichkeit auf.

… bin ich vor einiger Zeit schon gestoßen und habe interessante Gedanken mitnehmen können. Gestern las ich noch als Nachtlektüre ihr Manifest gegen die Arbeit, in dem es so richtig zur Sache geht, ähnlich wie Nick Mott in seinem sehr kritischen Text “Arbeit” ist per definitionem Sklavenwerk. So findet man in dem Manifest u.a. diese bedenkeswerte Passage: Weiterlesen …

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