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Posts Tagged ‘Schulpflicht’

Die Zwangs-Maschinerie

Wer meinen Blog schon länger liest, der weiß, dass mich eines stark umtreibt, nämlich die Erkenntnis, dass wir in einer Welt von Erwartungshaltungserfüllern leben, in einer Welt, in der Menschen Rollen spielen, bis hin zur rechtlichen Person in der Fiktion von Gesetzen. Und dass ein wesentlicher Teil dieser Programmierung an unserem Bildungssystem liegt, haben wir hier schon mehrfach ableiten dürfen. Nun kommt ein weiterer Begriff, den Herr Stern uns nahebringt, die strukturelle Gewalt, die in diesen unseren Bildungssystemen angewendet wird, um im Sinne der Profitierenden den Spreu vom Weizen zu trennen, sprich Aussonderung zu treiben. Und das eben via Schulpflicht, d.h. kein Kind kann dem entkommen. Zumindest nicht in Deutschland. Gerne stelle ich dieses inspirierende Gespräch ins Regal. Wer mag, kann auch noch einige Zeilen zum Gespräch vorher mitnehmen, geschrieben Birgit Assel:

Die Zwangs-Maschinerie

Die Schulen dienen nicht der Bildung, sondern der Anpassung und Unterwerfung unserer Kinder. Ein Rubikon-Videointerview wider die Untertanenfabrik.

Ein Artikel von Birgit Assel vom Rubikon, Quelle

Was ist Frieden? Frieden ist die Abwesenheit von Gewalt. So schlicht und einfach formulierte es einst der norwegische Friedensforscher Johan Galtung. Doch die Vorstellung, dass wir dann in Frieden leben, wenn wir keine direkte Gewalt durch eine bestimmte Person erfahren, ist ein Trugschluss.

Trotz aller modernen Errungenschaften sind viele Menschen, auch in Industriestaaten wie Deutschland, noch immer auf der Suche nach Frieden: Lebensratgeber, die „inneren Frieden“ und ein glückliches, friedlich-selbstbestimmtes Leben versprechen, erfreuen sich enormer Beliebtheit. Doch wie kann das sein, wo doch mittlerweile jedem von uns so viele Freiräume in der privaten Lebensgestaltung und Möglichkeiten der Selbstentfaltung offen stehen?

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Ist die Schulpflicht wider unser Grundgesetz, das Selbstbestimmung sichern soll?

Dezember 13, 2014 10 Kommentare
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden. Artikel 2 des Grundgesetzes FÜR die Bundesrepublik Deutschland stehend für Selbstbestimmung?

Hinweis: aufgrund eines aktuellen Firefox-Problems werden die Links auf die Videos nicht sauber umgesetzt. Chrome und IE funktionieren einwandfrei …

Was nützt einem ein Grundgesetzt, das nach der Feststellung der unverletzlichen Freiheit sogleich seine Einschränkung vorausnimmt? Dass uns unsere Freiheit schon früh genommen wird, wird mir erst mit zunehmendem Alter immer klarer, spätestes nach dem Zuhören der Kritiken eines Vaters, der in dem folgenden Viodeo argumentiert, warum er seinen achtjährigen Soh Jakob nicht zur Schule schickt. Gefragt wird er anfangs:

Du schickst dein Kind nicht in die Schule? Aber was ist mit der Schulpflicht?

Ihm ist bewusst, dass es diese Schulpflicht gibt, sieht in ihr allerdings eine Verletzung des Grundgesetzes. Er stellt fest, dass sein Sohn die Schule nicht vermisst und er dennoch genauso gut lesen, schreiben und rechnen kann, wie seine Freude. Er lernt nicht angeleitet sondern völlig frei. Dabei ist er sehr motiviert, da er sich mit dem beschäftigen kann, was gerade in seinem Interesse liegt. Dagegen sieht er die Schule als eher demotivierend. Auch sei es nicht weit her mit den Möglichkeiten der Sozialisierung, denn Kommunikation ist gerade untersagt, wenn der überwiegend frontale Unterricht läuft. Und von dem öden Stoff ist das Meiste schon nach 2 Jahren wieder vergessen. Ich empfehle, mal selbst in das Video reinzuhören:

Inzwischen bin ich gegenüber unserem Schulsystem auch mehr als kritisch eingestellt, und kann auch die Feststellung des folgenen Videos unterstreichen, dass die Schule im Wesentlichen die Aufgabe hat, unseren Kindern die Kritikfähig Weiterlesen …

Für das Kind ist Spielen und Lernen synonym …

September 27, 2014 65 Kommentare

… und dann kommt es in die Schule und soll nur noch lernen!

Ándre Stern, der sich zuhause bilden durfte

Ándre Stern, der sich zuhause bilden durfte

André Stern, der nicht in die Schule musste sondern zu Hause lernen durfte, spricht über unsere unsägliche Art und Weise unserer Erziehung von oben herab. In diesem Interview spricht er über die Inspirationen die er gibt, über andere Möglichkeiten nachzudenken, wie Dünger für das Gehirn gegeben wird, um in BeGEISTerung zu lernen.

So aufgewachsen bricht das Denken in Hierarchien der Berufe. Kinder, die „unbehindert“, angeleitet aufwachsen, schätzen jeden Beitrag, den ein Mensch für die Gemeinschaft gibt, egal ob Müllmann oder Rechtsanwalt.

Wir kommen auf die Welt und sind optimiert für sie, und plötzlich reißt man das kleine Kind daraus und will es für die Welt vorbereiten. In unserem starken Gefühl der Verbundenheit gehen wir auf andere Menschen zu und fördern uns gegenseitig.

André erzählt darüber, dass er in seiner Kindheit nicht in seinem fließenden Spielen unterbrochen wurden und so in seiner Begesiterung bleiben konnte. Wenn wir das Kind in seinem Spiel, seinem Experimentieren unterbrechen, weil wir meinen, dass das anders besser ginge, dann bringen wir es in die Langeweile. Zum Spielen braucht es keine fertigen Spielzeuge sondern Raum und viel Zeit zum selbstständigen Ausprobieren. Dann erfinden sich Kinder die Spielzeuge, die sie gerade benötigen, selbst.

Und noch viel mehr Interessantes ist aus diesem Gespräch zu erfahren, das uns motiviert, unser Bildungssystem von Grund auf zu erneuern, u.a. von einer Schulpflicht zu einer Weiterlesen …

Wieso, weshalb und warum macht die Schule dumm? – Hans im Unglück?

André Stern

Das Thema Schule und Begeisterung hatten wir ja schon einige Male, so dass die beiden folgenden Videos eine Wiederholung zu sein scheinen. In Teilen ja, in großen Teilen kommen allerdings doch noch reichlich neue Aspekte hinzu. Hier ist das Kontrastprogramm, zuerst André Stern, der ohne Schule und Lehre dennoch sehr kompetent wurde, und anschließend Prof. Freerk Huisken, der nochmals unser krudes Schulsystem beleuchtet.

Andrés Motto, angelehnt an „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“, ist:

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans im Glück.

Einen herrlichen Denköffner bringt er zum Thema Pubertätskrise, die wir als wichtigen Abnabelungsvorgang verstehen, Aber er meint, dass diese Krisen nur in einem gegebenem Rahmen erscheinen und wenn man sie erwartet. In seinem Fall stellt er fest:

Ich musste nicht eine Unabhängigkeit erst erringen, die ich schon immer besessen habe.

Ich musste nicht kämpfen, um eine Freiheit zu gewinnen, die ich schon immer hatte.

Ich musste nicht kämpfen, um Verantwortung tragen zu können. Ich durfte schon immer Verantwortung tragen.

Und, ich musste nicht immer die Aufmerksamkeit auf mich lenken. Ich war schon immer Gegenstand von Aufmerksamkeit.

Das Kontrastprogramm zur Begeisterung in Lernfreiheit und Selbstverantwortung zeigt Herr Huisken mit einem Bildungsprogramm zur Erzeugung von Konkurrenzsubjekten. Und wer sich beide Vorträge angehört hat, bekommt eine Ahnung, was Weiterlesen …

Der heimliche Lehrplan die Schulpflicht betreffend

„Denn nur für das, was einem Menschen wichtig ist, kann er sich auch begeistern,
und nur wenn ein Mensch sich für etwas begeistert,
kommt in seinem Gehirn die Gießkanne mit dem Dünger in Gang,
werden all jene Netzwerke ausgebaut und verbessert,
die der betreffende Mensch in diesem Zustand der Begeisterung nutzt.“
Gerald Hüther

Ich las gestern vor dem Einschlafen noch die folgenden Zeilen des Artikels „Der heimliche Lehrplan – Worum geht es unseren Pflichtschulsystemen wirklich?“ von Clara Steinkellner in der Zeitschrift „oya 19 – anders denken . anders leben“:

Jean-Étienne Liotard: Kaiserin Maria Theresia, Öl auf Leinwand, 1762 (Wikipedia)

Kaiserin Maria Theresia ließ sich für den Ausbau der österreichischen Pflichtschulwesens ausgerechnet von den politischen Rivalen aus Berlin beraten. Von ihrem Staatskanzler sind einige Argumente für die Wichtigkeit eines ausgebauten Bildungssystems überliefert. Der Fürst nämlich braucht die „Köpfe, Arme und Geldsäckel“ für die „Verwirklichung seiner Pläne“, und „nichts ist auch geeigneter, sie zu formen, als Erziehung“. Weiter solle man „den Staatsbürgern Sitten lehren, bevor man Dienste von ihm verlangt“, dies seien ebenso unerlässliche Erfordernisse, wie es das Bearbeiten der Felder und die Aussaat sind, bevor man die Früchte ernten kann.“ Dieser O-Ton aus dem 19. Jahrhundert macht die grundlegende Schieflage deutlich, die dem staatlichen Schulsystem bis heute innewohnt: Der „Erziehungsgarten“ wird nicht für die Kinder gepflegt, damit sie mit Freude und vielen Anregungen aufwachsen und sich entfalten können, sondern der dient den Zwecken der Obrigkeit. Der Fürst blickt von oben auf das Volk herab. Die Degradierung sich entwickelnder Menschen zu „Humankapital“, über die wir heute so entsetzt sind, ist also nichts Neues. Sie war vom Beginn der staatlichen Pflichtschule an bewusst als Tendenz angelegt.

Als ich den Begriff „Erziehungsgarten“ las, dröhnte es in meinem Kopf: „Kindergarten

Ich hatte mich schon immer gefragt, warum diese Einrichtung Kindergarten genannt wurde. Der Garten ist die kleine Variante von Feld. Im Garten werden Früchte für den Eigenbedarf gezogen, um diese am Ende zu ernten und zu verbrauchen. Na klasse, sag ich da. Nun kann man das zum Glück aber auch wieder positiv betrachten, kommt es doch nur auf die Intention an, also darauf, was mit der Einrichtung am Ende bezweckt wird. Und da sind wir ja zum Glück mitten im Wandel, wie die vielen Artikel der oya 19 zum Thema „Lernorte bilden – Selbstbestimmtes Lernen steckt an“ zeigen.

Und dass die Strukturen des Bildungssystem mitten im Hype der Industrialisierung gelegt wurden, zeigt dieses kleine Video von RSA Animate mehr als deutlich auf. Zeit für eine starke Reformierung! Damit unsere Gesellschaft wieder gesundet und nicht in Depression und Burn-Out versinkt.


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Nachtrag vom 30.06.2014: Inzwischen gibt es einen Film darüber, wie es um unsere Schule bestellt ist, und wie unsere Kinder, die zu 98% hochbegabt zur Welt kommen, am Ende der Schulzeit zum großen Teil des selbstständigen Denkens beraubt worden sind:

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