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Posts Tagged ‘Peer-Produktion’

Beitrag statt Tausch: Kann die Peer-Ökonomie die Welt retten?

Dezember 10, 2016 10 Kommentare
Stefan Siefkes

Stefan Siefkes

Die meisten Menschen haben wahrscheinlich noch nicht verstanden, dass der Kapitalismus die tiefere Ursache dieser Probleme ist, aber immer mehr Menschen glauben auch nicht mehr ernsthaft daran, dass er sie lösen könnte. Noch zögern viele, sich diese Tatsache einzugestehen (oder sie gar offen auszusprechen), da sie keine besseren Alternativen kennen – und eine unbegründete Hoffnung scheint immer noch besser als Hoffnungslosigkeit. Aber sobald klar wird, dass es eine Alternative gibt, besteht kein Grund mehr, in dieser Selbsttäuschung zu verharren.
Christian Siefkes

Im letzten Artikel hat Stefan Wehmeier die Lanze für eine freie Marktwirtschaft mit einem Geldsystem gebrochen, dass die Menschen nicht als Zinssklaven ausbeuten lässt (siehe: Nimmt die Sklaverei immer mehr zu?). Nun möchte ich  ein weiteres Mal auf eine Ökonomie hinweisen, in der die Menschen nicht wie in den letzten Jahrhunderten – oder auch der freien Marktwirtschaft – in Equivalenten tauschen sondern einfach nur beitragen, ohne direkt davon partizipieren zu wollen. Es geht um ein Wirtschaften, das unter der Bezeichnung Peer-Ökonomie bekannt geworden ist.

Christian Siefkes hat seine eigenen Erfahrungen in seinem Buch mit dem Titel Beitragen statt tauschen: Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software nieder geschrieben und wagt ein Blick in die Zukunft. Er hat die Unterschiede der uns bisher bekannten Produktionssystematiken mit der Peer-Ökonomie herausarbeitet und zudem untersucht, ob diese im Umfeld der Software-Entwicklung aufgekommene Produktionsweise auch bei mit materiellen Gütern möglich wäre.

Gerne möchte ich seinen Ausblick des Buches hier zur Diskussion stellen:

Ausblick – Die Entwicklung einer Peer-Ökonomie

Dieser Text begann mit der Frage, wie weit das Potenzial der Peer-Produktion reicht – Produktion auf Basis von Teilen und Kooperation statt von Eigentum und Konkurrenz. Es stellte sich heraus, dass es keinen Grund gibt, warum die Peer-Produktion auf Dauer auf der Nische der Informationsgüter beschränkt bleiben sollte, wo sie zuerst entstand.

Wir haben gesehen, dass die Menschen ihre Wünsche als Produzent/innen und ihre Bedürfnisse als Konsument/innen in Übereinstimmung bringen können, indem sie unangenehme Aktivitäten wegautomatisieren, indem sie Aufgaben so gestalten, dass sie mehr Spaß machen und indem sie weniger angenehme oder unbeliebtere Aufgaben höher gewichten (Aufgabenversteigerung). Dies ermöglicht es allen, nach eigenem Ermessen zu entscheiden, was für Aufgaben sie übernehmen und wie viel Zeit sie darauf verwenden wollen. Die Ergebnisse der Kooperation können, soweit sie frei kopierbar sind (wie etwa Information), allen unbeschränkt zur Verfügung stehen (»Teile, was du kannst«); andernfalls können sie unter den Beitragenden gemäß deren Präferenzen und Wünschen aufgeteilt werden. Hier sind verschiedene Modelle denkbar – Flatrate, flache Allokation, maßgeschneiderte Produktion mit Abrechnung gemäß Produktionsaufwand oder Präferenzgewichtung (Produktversteigerung) -, mit denen die interne Aufteilung auf faire Weise und ohne Beschränkung individueller Wünsche organisiert werden kann.

Menschen können Peer-Projekte initiieren oder ihnen beitreten, um gemeinsam die Dinge herzustellen, die sie Weiterlesen …

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Produzieren ohne Geld und Zwang – vom Commonismus

September 20, 2015 54 Kommentare

Spreche ich mit Anderen über unser derzeitiges Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, so steht da meist die Erkenntnis: So wie sie derzeit eingerichtet sind, scheinen wir an ihr systemisches Ende zu geraten. Und so machen sich immer mehr Gedanken darüber, wie eine Welt anders gestrickt sein könnte, eben nachhaltiger als es die kapitalistische, auf Profitmaximierung und damit fortwährendes Wachstum basierte. Der folgende Text beschäftigt sich mit einer alternativen Wirtschaft, einer bedürfnisorientierten Produktionsgemeinschaft. Es ist der Beitrag von Christian Siefkes für die Konferenz „Andere mögliche Welten?“ (¿Otros mundos posibles?), die im Mai in Medellín (Kolumbien) stattfand. Alle Beiträge der Konferenz werden in einem Sammelband der Rosa-Luxemburg-Stiftung erscheinen, der Ende des Jahres in deutscher sowie in spanischer Sprache veröffentlicht werden soll.

otros-mundos-posibles

Die Bewegung zum Commonismus – (Fundstelle: Keimform)

Stellen wir uns eine Welt vor, in der Produktion und Reproduktion bedürfnisorientiert zum Wohle aller stattfinden, organisiert von Menschen, die sich niemandem unterordnen müssen und sich freiwillig in die erforderlichen Tätigkeiten teilen. Ich nenne eine solche Gesellschaft Commonismus, weil ich glaube, dass darin die Commons, die Gemeingüter, eine wichtige Rolle spielen werden.

Man mag einwenden, dass eine solche Gesellschaft unmöglich sei, weil es sie noch nicht gab oder weil sie der Natur des Menschen widerspreche. Doch daraus, dass es etwas noch nicht gab, kann man nicht schließen, dass es unmöglich ist; und Argumente zur „Natur des Menschen“ übersehen, dass die Menschen nicht nur die Gesellschaft machen, sondern umgekehrt auch durch die Gesellschaft beeinflusst und geprägt werden. Ändern sich die Strukturen, ändert sich auch das Verhalten der Menschen.

Der Commonismus bliebe allerdings eine abstrakte Idee, wenn er nicht das Zeug hätte, aus der heutigen Gesellschaft, dem Kapitalismus, heraus zu entstehen. Karl Marx (1859, 9) sagte dazu, dass „die materiellen Existenzbedingungen“ neuer Produktionsverhältnisse „im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet“ werden müssen.

Eine commonistische Gesellschaft hat meiner Ansicht nach zwei wesentliche Voraussetzungen, deren Entwicklung durch die kapitalistische Logik zum Teil begünstigt wird, während ihre vollständige Umsetzung im Widerspruch zum Kapitalismus steht: (1) Menschliche Arbeit verschwindet aus dem Produktionsprozess, sie wird durch Automatisierung und Selbstentfaltung ersetzt. (2) Der Zugang zu Ressourcen und Produktionsmitteln steht allen gleichermaßen offen.

Wie diese Voraussetzungen die Produktionsprozesse verändern, wird bislang im Bereich der digitalen Produktion von Software und anderen Informationsgütern am deutlichsten sichtbar. Weiterlesen …

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