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Posts Tagged ‘Neoliberalismus’

Genossenschaften als Motor einer gesellschaftlichen Transformation?

Februar 7, 2020 9 Kommentare

Wir sehen seit dem Mauerfall eine zunehmend neoliberalere Welt, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Erkennbar wird dabei der Riss, der durch die Gesellschaft geht, zwischen Jenen, die ihren Reichtum immer stärker zu mehren als auch zu verteidigen wissen, und den Armen, die kaum noch über die Runden kommen. Es fühlt sich zunehmend nach gewaltsam ausgetragenem Konflikt dieser Pole an. Da stellt sich Mensch die Frage, ob das so sein muss, und ob es nicht doch Alternativen gibt. Und ja, es gibt sie:

Die Genossenschaften von Mondragón

In den 70er Jahren machte ein Artikel des Wissenschaftlers Robert Oakshott mit dem Titel „Mondragon – Spains Oasis of Democracy“ auf ein einzigartiges Experiment aufmerksam: die Genossenschaften der Mondragón-Bewegung im spanischen Baskenland. MCC (Corporacion Cooperativa Mondragón) ist heute das siebtgrößte Unternehmen Spaniens und gilt als das weltweit erfolgreichste genossenschaftliche Unternehmen.

Zu MCC gehören 103 Genossenschaften mit 120 Tochterunternehmen, die 14 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Von den knapp 80.000 Beschäftigten arbeiten 63.000 in Spanien (davon 31.000 im Baskenland) und ca 80 % sind Genossenschaftsmitglieder – also EigentümerInnen der Unternehmen.

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Der Schizophrän: Wie der Mensch sich selbst und andere belügt

Dennoch ist er unbeirrt der Meinung, das Richtige zu tun.

Von Christian Jakob

Seit dem Jahr 2000 wird unter Geologen vermehrt der Begriff Anthropozän diskutiert. Der niederländische Chemiker, Atmosphärenforscher und Nobelpreisträger Paul Josef Crutzen untersuchte zusammen mit seinem Kollegen, dem US-amerikanischen Biologen Eugene F. Stoermer, die geologischen, biologischen und atmosphärischen Auswirkungen auf dem Planeten Erde durch den Menschen. Beide kamen damals zu der Erkenntnis, das die Veränderungen und Eingriffe, sowie Verschmutzungen und Zerstörungen durch den Menschen in eine geochronologische Epoche gefasst werden sollten – dem Anthropozän.

Im Jahr 2016 verständigte sich die Internationale Kommission für Stratigraphie (International Commission on Stratigraphy / ICS) auf einen zeitlichen Beginn dieser Epoche, und legte das Jahr 1950 zugrunde. Von diesem Zeitpunkt an sind in verschiedensten Richtungen Auswirkungen durch den Menschen als relevant erkannt worden.

  • exponentielles Wachstum der Erdbevölkerung
  • oberirdische Atombombentests
  • explosionsartige Energiegewinnung durch Kohle und Erdöl
  • Entwicklung der Erosionsraten sowie Kunstdüngereinsatz in der Landwirtschaft
  • Flugasche und Abgase
  • Enormer Anstieg der Produktion und Weiterverarbeitung von Plastikpartikeln
  • Produktion von Aluminium und Beton
  • Globaler Transport von Tieren und Pflanzen

Kurz gesagt: das wirtschaftliche Wachstum in den Industrieländern, welches immer mehr Ressourcen, Energie und Arbeitskraft verlangte, trug nicht nur zum Wohlstand der Gesellschaften bei, sondern hinterließ seitdem auch markante Spuren in der geochronologischen Epoche.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen sie bitte …

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Die verhinderte Demokratie

November 11, 2019 31 Kommentare
Foto: Anton Watman/Shutterstock.com

Nach der Wiedervereinigung eroberten die Sieger die Deutungshoheit und vereitelten so die historische Chance eines wirklichen Neubeginns.

Der folgende Text stammt von Rainer Mausfeld und wurde auf Rubikon unter einer Lizenz veröffentlicht, die es mir erlaubt, ihn auch hier ins Regal zu stellen. Es geht um den Zustand der Eliten!-Demokratie speziell hier in Deutschland. Nach allem, was ich bisher recherchiert habe: ziemlich gut auf den Punkt gebracht:

Eine Vereinigung — das wäre eigentlich ein Vorgang der Kompromissfindung, bei dem beide Seiten ihre Vorstellungen und Erfahrungen einfließen lassen. Aus These und Antithese könnte eine Synthese entstehen, die das Beste aus beiden Welten auf einer höheren Ebene vereinigt. Während des Wendeprozesses 1989/90 war vor allem Ostdeutschland ein Laboratorium kreativer Ideen, das Hoffnung auf die Schaffung einer wirklichen sozialen Demokratie weckte. Aber die Ostdeutschen wurden bewusst mit den Lockungen der Warenwelt eingekauft; die westdeutschen Lämmer schwiegen, eingelullt vom Versprechen des „Weiter so“. Der Endsieg des profitgetriebenen Kapitalismus erstickte alle Ansätze zu wirklich Neuem im Keim. Weder gab es eine gesamtdeutsche Verfassung noch ein Zusammenwachsen der beiden unterschiedlichen Mentalitäten. All das geschah auch, weil das Hauptwerkzeug eines sanften Totalitarismus, die West-Medien, in den Hirnen und Herzen der Deutschen ganze Arbeit geleistet hatte.

Das Schweigen der Lämmer ist kein unabwendbares Schicksal. 1989 hat das Volk sich selbst zum Sprechen ermächtigt und seine Stimme gegen die Zentren der Macht politisch wirksam werden lassen. Es hat den alten Hirten die Gefolgschaft gekündigt — und sich neue gesucht, die seine „Vertreibung ins Paradies“, so das treffende Bild von Daniela Dahn, organisierten: das Paradies der kapitalistischen Warenwelt, der grenzenlosen Reise- und Redefreiheit; das kapitalistische Paradies der individuellen Bedürfnisbefriedigung, der bunten Medienvielfalt und der unerschöpflichen Zerstreuungs- und Unterhaltungsindustrie. Keine Frage: Nach den Kriterien des westlichen Vorbilds ist der Lebensstandard für eine Mehrheit der Menschen in Ostdeutschland gestiegen — und mehr noch das Ausmaß sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Spaltungen.

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Mit der neoliberalen Revolution ist der öffentliche Debattenraum kollabiert und damit die politische Intelligenz geschrumpft …

Prof. Dr. Rainer Mausfeld: „Während der neoliberalen Revolution wurden die Reichen durch die Sozialdemokraten systematisch von Beiträgen für die Gemeinschaft entlastet. Wir sprechen über 55 Milliarden € pro Jahr.“
Bild: entnommen aus seinem Vortrag, via Klick auf das Bild erreichebar

Das Gerechte ist nichts anderes als das für den Stärkeren Zuträgliche!
Platon, in der Staat

Wir hatten Herrn Mausfeld schon einige Mal hier hören können, immer wieder zum Thema, wie es  um unsere Demokratie steht, und warum das so ist, speziell das Meinungsmanagement ansprechend, das die wahren Mächte hinter unserem politischen Bühnenbild über ihre Medien befeuert (1, 2). In dem folgenden Beitrag geht Herr Mausfeld auf die aktuelle öffentliche Debattenkultur ein, die derzeit so im Argen liegt, dass von den Ideen der Demokratie als Schaffung einer Welt von Freien und Gleichen nichts mehr zu sehen sei.

Er führt dies auf eine schleichend stattgefundene Revolution der neoliberalen Ideologie zurück, bei der sogar die Sozialisten kräftigst mitgemischt haben. Er stellt dabei fest, dass dennoch viele ihrer Stammwähler noch immer meinten, dass sie ihnen wohlgesonnen seien. An dem folgenden Bild macht er klar, wie aus einem gesunden möglichen Debattenraum nur noch ein minimaler Teil des alternativlosen Denkens übriggeblieben ist:

Herr Mausfeld stellt dazu fest, dass ein großer Teil der Intellektuellen der Meinung ist, dass man das Volk nicht an wichtigen Entscheidungen beteiligen müsse: Weiterlesen …

Der Fehler liegt im System und nicht bei Merkel …

Marie Kahlen hat auf Facebook heute folgende Meinung kund getan, und ich stimme ihr hier voll zu:

Das politische Schicksal von Merkel beherrscht derzeit wieder die Schlagzeilen. Aus gutem Grund wird Politik von den Medien ständig personalisiert. Eine von vielen verwirrenden Nebelkerzen, um vom Wesentlichen . Denn es ist völlig unerheblich, ob die Dame mit der Raute oder ein Friedrich Merz, den man derzeit in Stellung bringt, oder wer auch immer diese kriegerische und antisoziale Koalition des Schreckens anführt. Sie alle folgen einer knallharten neoliberalen Agenda und gehen dabei offensichtlich über ungezählte Leichen, nehmen die Flucht von Millionen und massive Probleme in den aufnehmenden Gesellschaften billigend in Kauf, weil sich das für die Strippenzieher im Hintergrund , die von Krieg und Ausbeutung enorm profitieren, rechnet. Sie ist nur eine Handlangerin, eine willfährige Marionette. Und der / die nächste wird das auch sein. Der Fehler liegt im System….

Dazu passt dieses ehrliche Zitat eines „Investors“:

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Über die unheilige Allianz von Kapitalismus und Faschismus …

Februar 25, 2018 5 Kommentare

Kapitalismus und Faschismus haben mehr gemeinsam als man denkt.
von Chris Hedges

Chris Hedges, Pulitzerpreisträger

Hat sich der Kapitalismus der letzten demokratischen Reste entledigt, gedeihen nicht nur Kleptokratie, Korruption und Militarismus. Auch der Faschismus erhebt wieder sein Haupt — und hat überall dort leichtes Spiel, wo das Leben der Menschen zum Existenzkampf gerät. Pulitzerpreisträger Chris Hedges entdeckt Clara Zetkins „gespenstisch prophetische“ Beobachtungen zur Entstehung des Faschismus neu, die heute so aktuell sind wie einst.

Clara Zetkin in den 1920er Jahren, während ihrer Zeit als Reichstagsabgeordnete in der Weimarer Republik (Foto: Wikipedia)

1923 berichtete die radikale Sozialistin und Feministin Clara Zetkin bei der Kommunistischen Internationalen über die Entstehung einer politischen Bewegung namens Faschismus. Viele Liberale, Sozialisten und Kommunisten schrieben den Faschismus, der damals noch in den Kinderschuhen steckte, als bloße Pöbelherrschaft, Terror und Straßengewalt ab.

Doch Zetkin, eine deutsche Revolutionärin, erkannte seine Boshaftigkeit, sah, welche Verführung und welche Gefahr er darstellte. Sie warnte davor, dass der Faschismus umso attraktiver werde, je länger man dabei zusehe, wie eine dysfunktionale Demokratie stagniere und verkomme.

Und heute, da sich die kapitalistische Demokratie im Amerika des Weiterlesen …

Ist die zunehmende Unterdrückung unserer Individualität die Ursache aller menschlichen Probleme?

November 18, 2017 43 Kommentare

Dr. Ulrich Mohr, Arzt und Philosoph

Wie weit wir uns von gelebter Individualität haben entfernen lassen, wie weit wir uns zur Personen haben reduzieren lassen, können wir daran festmachen, dass wir uns einen halben Kasten Bier reinschrauben müssen, um mal zwei, drei Tage auf Befehl rund um Fasching, ein bisschen bunter, eben individueller sein zu dürfen. Dass wir dafür sogar saufen müssen an Tagen, an denen es gestattet ist.
Ulrich Mohr, ‚Erfinder‘ der Simplonik

Laut Ulrich Mohr leben wir in einem Organismus, der hochgradig krank ist. Er wäre geführt von einem Kreis von Psychopathen, besser, von Personen, deren einziges Ziel es ist, in ihrer Selbstverlorenheit, in ihrer inneren Isolation nach außen hin die maximale Macht, die maximale Sicherheit, die maximale Kontrolle, und zwar ausschließlich für das eigene Leben sicherzustellen. Aber am Ende machten es auch alle nicht so mächtigen Personen (explizit nicht Mensch) in ihrer Isolation: es würden diese Weihnachten viele Überwachungskameras unter dem Weihnachtsbaum liegen. Und da wir uns zunehmend von unserem individuellen Wesen entfernen, in dem wir eine Rolle in dieser Gesellschaft spielen, führe es dazu, dass ‚wir‘ zunehmend das wollen, was uns kaputt macht. Es wird verstärkt, indem Kinder schon in aller ersten Jahren das kopieren (siehe Kita), was der Neoliberalismus im Arbeitsalltag fordert (siehe: ‚Förderung‘).

Eine absolute Weiterbildungsempfehlung, um wieder gesund zu werden, indem Mensch sich wieder über sein Rollenspiel bewusst wird:

Nun können wir uns fragen, wie es denn so gut gelingen kann, dass Menschen gleichgeschaltet werden. Dazu möchte ich auf einen aktuellen Artikel auf Rubikon hinweisen, der das am Beispiel von Wikipedia und dem Begriff ‚Esoteriker‘ aufzeigt. Darin lesen wir u.a.:

Was Sie hier erkennen, ist: Es gibt die guten, tüchtigen Unternehmer und die bösen Gauner. „Gauner“, also zum Beispiel „Esoteriker“ (wie wir ja alle brav gelernt haben), sind dabei auf der einen und „tüchtige Unternehmer“ auf der anderen Seite zu finden. So dienen sie als Vehikel für gut und böse (Freund und Feind) – und sind im Wandel der Zeit sogar austauschbar. Auf jeden Fall wurde der Begriff Esoteriker in unseren Köpfen mit etwas Negativem verknüpft. Diese Verknüpfung ist sehr stark und wird durch ständige Weiterführung des Prozesses auf uns aufrecht erhalten. Das, die Entlarvung von Esoterikern und Scharlatanen war ja auch Psirams primäre Aufgabe, als es noch unter EsoWatch firmierte.

Der dabei kaum beachtete hässliche Trick ist die Verknüpfung einer sehr wohl notwendigen Eigenschaft kollektiven Zusammenlebens: des bloßen anders Denkens (!) einerseits mit einer Fülle moralisch verurteilter Kategorien andererseits (so zum Beispiel Lügen, Betrügen, …).

„Es geht letztlich gar nicht um den konkreten Inhalt des anders Denkens, sondern darum, dass es ÜBERHAUPT anders ist; dass es schlicht von der Einheitsmeinung abweicht! Das schließt die vertretene Meinung gleichermaßen ein, wie den Prozess über den man zu dieser Meinung gelangte. Das Einzigartige wird so als fremd und Angst machend verstanden. Und damit können die entsprechenden Reaktionen der Menschen beliebig getriggert werden.“

Warum wird so etwas getan?

Es geht um Feindbilder, denn sie sind für Machterhalt unverzichtbar. Greifen können sie allerdings nur, wenn sie über einprägsame Namen (Marken) angewandt werden können. Damit sind wir in der Lage, wenn man es von unserem Unterbewusstsein abfordert, die Zuordnung von Menschen zu dieser Marke vorzunehmen und sie als Feinde zu betrachten. So sind wir infolge einer andauernden, sanften Manipulation auch geneigt, zum Beispiel Esoteriker als Feindbild zu akzeptieren.

Wozu nun jedoch das Gewese um eine Plattform, deren Wiki-Portalin einem halben Jahrzehnt insgesamt ein paar hunderttausend Zugriffe zu registrieren hatte? Mich interessiert, warum Wikipedia-Administratoren Psiram für relevant halten.
(Quelle: Selbst Psiram liebt den Rubikon)

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