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Darüber, wie wir unsere menschlichen Tötungsmaschinen züchten …

Wir haben schon festgestellt, dass Menschen, die anderen Menschen ohne sich selbst zu Schaden, Leid zufügen können, das normale empathische Empfinden nicht haben und auch kein Gewissen. Was mich seit Tagen umtreibt, ist die Frage, wie solch ein Tun auf Soldaten wirkt, die keine Psychopathen sind. Und eine weitere Frage ist, ob wir empathische Menschen zu Tötungsmaschinen umprogrammieren können.

Aus der Zeit der Indianermassaker in der heutigen USA war immer wieder zu hören, dass ganz normale Familienväter an den Mordaktionen an hilflosen Alten, Frauen und Kindern teilnahmen.

Als die Überlebenden in der Dämmerung aus ihrem Versteck krochen, sahen sie erst, welch furchtbares Gemetzel hier stattgefunden hatte – ihre Lieben, sogar Babies und schwangere Frauen, von Chivingtons Soldaten aufgeschlitzt und brutal verstümmelt … (Quelle: Das Massaker am Sand Creek, 1864)

Auch aus der Zeit des zweiten Weltkriegs sind entsprechende Berichte zu lesen, wo die Bevölkerung ganzer Dörfer im Blutrausch niedergemetzelt wurden. Und auch aus Vietnam:

Ich fragte mich, was sind das für Menschen, die so wahllos um sich schießen, sind das überhaupt Menschen? Dann wurde ich am Oberschenkel getroffen. Es war ein Steckschuss, ich fiel um, lief dann aber trotz großer Schmerzen weiter. Wir flehten die Amerikaner an, doch sie sagten nichts und feuerten einfach weiter. Da gab es einen alten Mann, der schon seit langem, seit dem Tod seiner Eltern, im Tempel lebte. Sie holten ihn heraus. Er zeigte ihnen ein Papier, aber sie schüttelten nur den Kopf. Sie wussten nichts, wahrscheinlich wussten sie überhaupt nichts. Sie fragten ihn noch nach dem Bewässerungskanal, dann töteten sie ihn. Es war eine Unmenge von Soldaten. Sie hatten so eine Art Baskenmütze auf dem Kopf und alle eine sehr rote Haut, die aussah wie chinesischer Lack. Wir alle schrien und weinten, doch unbeeindruckt wüteten sie weiter, schossen auch auf die kleinen Kinder, die nach ihren Müttern riefen. Sie trieben die Menschen in den ausgetrockneten Kanal und feuerten auf sie. Auch mein Kind wurde getötet. Irgendwann verlor ich das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Boden des Kanals, um mich herum nur Leichen.

So berichtete die Vietnamesin Ha Thi Quy, Augenzeugin des Massakers von My Lai 1968. Dass Soldaten, die an solchen Aktionen beteiligt waren, eben nicht einfach zur Tagesordnung zurück kehren konnten, zeigten Untersuchungen, so fand ich:

Die Soldaten berichteten von Depressionen, Ängsten, Alpträumen oder Schlaflosigkeit. 1970 gab es dazu die erste Anhörung im Kongress. 1979 wurde PTSD als psychische Störung im Hinblick auf die Probleme der Vietnam-Veteranen eingeführt, während gleichzeitig festgestellt wurde, dass die Soldaten desto eher psychische Probleme hatten, je intensiver die Kampfeinsätze waren. (Quelle: Die psychischen Kosten des Kriegs)

Weiter liest man in dem Artikel über Soldaten, die in Afghanistan und im Irak zum Einsatz kamen, u.a. über weitere Kriegskosten:

Die psychischen Probleme führen zu Selbstmorden, zum Herausfallen aus der Gesellschaft durch den Gang in die Obdachlosigkeit, zu Arbeitslosigkeit oder Drogenkonsum, aber auch zu Gewalt, zum Zerbrechen der Beziehungen oder zu Folgen für die Kinder, so dass das Kriegstrauma sich über Generationen fortsetzt. Wie es sich gehört, werden die Folgen Weiterlesen …

Kategorien:Ethik, Gesellschaft, Politik Schlagwörter: , , ,
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