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Posts Tagged ‘Marxismus’

Marx für Dummies – die Neunte

Oktober 12, 2020 5 Kommentare

Dieser Artikel ist die Fortsetzung von 1234567 und 8:

Karl Marx in der Pose eines Freimaurers
Bild: Wikipedia

Unternehmer wissen nichts von Marxscher politischer Ökonomie, nichts vom Mehrprodukt und von einem Mehrwert, dessen Volumen den gesamtmarkträumlichen Profit nach oben hin deckelt. So sucht und findet der Unternehmer allerhand Sündenböcke und Erklärungen für das Versiegen seines Profits – nur auf den tendentiellen Fall der Profitrate kommt er natürlich nicht. Er weiß nichts von solch einem Fall, der ihm seine Felle wegschwimmen läßt. Und selbst wenn ein Unternehmer bzw. ein „Agent“ oder eine „Charaktermaske“ des Kapitals, wie Marx es nicht polemisch, sondern durchaus im Bemühen um Sachlichkeit sagte, vom Fall der wegschwimmenden Felle wüßte, darf ihn dieser nicht kümmern – der Wettbewerb läßt ihm keine Wahl. Falls er zu den ersten gehört, welche verbesserte Maschinerie einsetzen, sind seine Herstellkosten immerhin so lange niedriger als die seiner Wettbewerber, wie diese sich noch mit unverbesserter Maschinerie begnügen. Während dieser Zeit kann er seinen Profit steigern, da sein Betrieb nun produktiver als der gesamtmarkträumliche Durchschnitt ist. Doch währt dieses Glück meist nicht lange und ändert nichts am mittel- bis langfristigen Schrumpfen des betrieblichen Profits und so auch des Gewinns.

Da die unbezahlte Arbeit, die Mehrarbeit, all jene Waren hervorbringt, die nicht in den Konsum der unmittelbar händisch in Warenproduktion und -transport Arbeitenden einfließen, liegt die Mehrwertrate enorm hoch. Mindestens 85 Prozent des Arbeitstags werden wohl der Mehrarbeit dienen. Aus dieser Sicht müßte der tendentielle Fall der Profitrate eigentlich galoppieren. Er wird aber durch Gegentendenzen so weit abgefangen, daß er, so konstatierte Marx zu seiner Zeit noch, eher „schleichend“ ist. Beim heute gegebenen Stand der organischen Zusammensetzung des Kapitals aber kann von einem Schleichen längst nicht mehr die Rede sein. Der tendentielle Fall der Profitrate marodiert.

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Marx für Dummies – die Achte

Oktober 11, 2020 1 Kommentar

Dieser Artikel ist die Fortsetzung von 123456 und 7:

Karl Marx in der Post eines Freimaurers
Bild: Wikipedia

4.) Tendentieller bzw. schleichender Fall der Profitrate

Carthaginem esse delendam – Karthago muß zerstört werden. Nein, nicht doch. Die große Stadt des Moloch zerstört sich selbst. Will dieser Text Panik verbreiten? Nein, nicht. Die Definition eines Problems ist der erste Schritt zu dessen Lösung.

Im Augenblick ihrer Geburt stieg Aphrodite in vollendeter Gestalt aus der Gischt des Meeres hervor, strahlend rein und betörend schön. Die modernen Produktionsweisen bzw. die modernen Gesellschaften bzw. die Industriegesellschaften kamen auf andere Weise zur Welt. Ihr Jahrhunderte währender blutiger Geburtsvorgang war erst abgeschlossen, als die große Mehrzahl der Konsumtions- und Produktionsmittel nicht mehr von ihren Konsumenten für sich selbst oder für kleine lokale Märkte, sondern in großer Stückzahl als Waren für den Verkauf auch auf den entferntesten Märkten hergestellt wurden. Moderne ist Warenproduktion für große öffentliche Markträume.

Alle guten Dinge haben etwas Lässiges
und liegen wie Kühe auf der Wiese.

wußte Nietzsche, Prophet des totalen Fiaskos der Moderne

Die wissenschaftlich-technischen bzw. modernen Produktionsweisen sind keine auf der Wiese liegende Kuh, sondern ein galoppierendes Pferd, welches mit jedem zurückgelegten Meter größer, schneller und stärker wird. Und infolge des tendentiellen Falls der Profitrate zugleich hungriger, wütender und verzweifelter. Mag die gesamtmarkträumlich durchschnittliche organische Zusammensetzung des Kapitals anfangs bei 1 zu 9 gelegen haben, sprich: 10 Prozent des Kapitals sind konstant, tote Arbeit, und 90 Prozent sind variabel, lebendige Arbeit, so liegt dieses Verhältnis heute – wer weiß das schon genau – bei vielleicht 10 zu 1; die organische Zusammensetzung des Kapitals wächst mit der Zeit. Immer weniger Menschen produzieren immer mehr und auch neuartige Waren, und es werden diese Waren – Ausnahmen gibt es leider mehr als genug – in der Regel billiger, leistungsfähiger und besser.

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