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Posts Tagged ‘Leiden’

Philosophie als Entpassivierung unserer selbst

Gilbert Dietrich

Gilbert Dietrich hat auf Geist und Gegenwart wieder Mal einen bedenkenswerten Artikel über unsere Gedanken und Trägheit geschrieben. Er kommt zu einem Fazit, das ich gerne unterstreichen mag:

Dieser philosophische Dreischritt, der sich im Aneignen der Leidenschaften, im Gestalten der Gewohnheiten und im Ordnen der Gedanken zeigt ist ganz wesentlich auf Aktivität ausgerichtet. Zum einen manifestiert sich darin die – soweit wir wissen – einzigartige Fähigkeit des Menschen, sein Leben zu führen, zu gestalten, anstatt nur den Umständen ausgeliefert zu sein und sich der Umwelt anzupassen. Zum anderen hat es auch politische und damit ethische Relevanz. Denn verharrt man aus Trägheit und Faulheit – und andere Gründe gibt es beinahe gar nicht – in der Passivität, dann degradiert man sich selbst zur Verhandlungsmasse der herrschenden Mächte. Man gehört dann zum Heer der Bauern im Schachspiel der Macht oder zur Infanterie von Armeen, am Ende – um es zuzuspitzen – kann man Aufseher in einem KZ werden, aber Mensch im Sinne von Subjekt ist man damit nicht. Das ist die Pointe praktischer Philosophie, hier wird Philosophie wichtig – jeden Tag und für uns alle.

Gilbert hatte in seinem Artikel zur Sozialisierung zuvor schon das Thema der Gewohnheit besprochen und hatte hierzu geschlossen:

Werde, die oder der du insgeheim schon bist!

… Hier wird deutlich, dass sich Gewohnheit als eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung darstellt. Denn nur Gewohnheit, die auch bei neuartigen Situationen noch funktioniert, kann erfolgreich sein. Das ist alles andere, als die faule Routine. In diesem Sinne ist Gewohnheit bereits eine Art Training, ein Üben. Die alten Philosophen wie Aristoteles oder Thomas von Aquin, von denen Sloterdijk redet, sahen in der Gewohnheit ein eingeübtes Weiterlesen …

Delfin bittet Taucher um Hilfe …

Februar 1, 2013 1 Kommentar

In dem Video ist zu sehen, dass ein Delfin um die Befreiung eines Stück Angelschnurs bittet:

Diese Kombination von geistiger Kapazität und Verletzlichkeit ist nach traditionellem Verständnis allein dem Menschen zu eigen. Wenn der Delfin sie im Verlauf seiner fast 60 Millionen Jahre langen Evolution ebenfalls erworben haben sollte, stünden ihm ähnliche Rechte zu, wie sie der Mensch für sich beanspruche, argumentiert der Ethikprofessor.

Der Ethik-Professor Thomas White von der Loyola Marymount Universität in Los Angeles wies nach, dass Delfine alle Voraussetzungen erfüllen, um als Individuum definiert zu werden.

Sie haben positive und negative Empfindungen, Emotionen, Selbstbewusstsein und seien in der Lage, ihr Verhalten zu steuern. Delfine erkennen einander und begegnen sich mit Respekt, meist sogar mit offener Zuneigung. Sie erkennen sich im Spiegel – eine Leistung, die außer ihnen nur Menschen und Menschenaffen vollbringen – gehen analytisch und planmäßig vor und lösen komplexe Aufgaben. Außerdem haben sie die Kapazität, körperlich und gefühlsmäßig intensiv und langanhaltend zu leiden.

Diese Kombination von geistiger Kapazität und Verletzlichkeit ist nach traditionellem Verständnis allein dem Menschen zu eigen. Wenn der Delfin sie im Verlauf seiner fast 60 Millionen Jahre langen Evolution ebenfalls erworben haben sollte, stünden ihm ähnliche Rechte zu, wie sie der Mensch für sich beanspruche, argumentiert der Ethikprofessor.

Daher dürfen Delfine nicht “wie Sklaven” für Tiershows vermarktet und zu Hunderttausenden im östlichen Pazifik gejagt und geschlachtet werden. Die geselligen Meeressäuger dürfen nicht als Eigentum betrachtet, sondern müssen mit Achtung behandelt werden.

Für den Menschen bietet der Delfin nach Ansicht des Experten die Chance, eine Ethik zu entwickeln, die eine Wende in dem Verhältnis von Homo sapiens und anderen intelligenten Arten auf unserem Planeten herbeiführt.

Quelle: Delfin bittet Taucher um Hilfe.

Inzwischen als erstes Land hat Indien die Delphine zu nicht-menschlichen Personen anerkannt und unter Schutz gestellt. Wenn jetzt auch noch die Frauen in diesem Land  entsprechend wertgeschätzt würden …

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Leiden.schafft.Vorsprung oder darüber, dass Leid uns erst überleben lässt …

Wikipedia: Passionsprozession in Stuttgart-Bad Cannstatt

Wikipedia: Passionsprozession in Stuttgart-Bad Cannstatt

Können wir an das Ende des Chaos nur gelangen, wenn uns die Gier möglichst viel Leid antut, so dass wir dann erst zu jener Leidenschaft gelangen, eine liebevolle, achtsame Welt schaffen zu wollen?

Ich hatte heute gelesen, dass der Lehrer George Gurdjieff zu der Erkenntnis gelangte (zu finden in PD Ouspenskys „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“):

Ein Mensch wird jeder Freude entsagen, die du willst, aber er wird nicht sein Leiden aufgeben. Der Mensch ist gemacht in einer Weise, dass er nichts so sehr anhaftet, wie seinem Leiden.

Das hört sich dann allerdings noch dramatischer an. Als wäre das Leiden genauso wichtig wie die Gier, damit wir überhaupt den Drang zum Überleben verspüren. Würden wir ohne Leid nichts mehr schaffen wollen?

Auf Wikipedia hatte ich noch gefunden, dass der Ausdruck Leidenschaft von Philipp von Zesen (1619 – 1689) für das lateinische Wort passio – Passion Jesus, der Leidensweg (siehe Bild oben) – in die deutsche Sprache eingeführt wurde.

Inzwischen ist der Begriff Leidenschaft eher positiv besetzt. „Ich bin ein leidenschaftlicher Weiterlesen …

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