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Posts Tagged ‘Kindergarten’

Kinder brauchen kleine Dosen von Gefahr …

Takaharu Tezuka, Architekt in Japan

Ich bin sicher, Architektur kann diese Welt zum Besseren ändern.
Takaharu Tezuka

Ich bekam den Hinweis auf einen Vortrag über einen Kindergarten, der mir viel Spaß gemacht hat. Hier wird ein Kindergarten vorgestellt, der mal ganz anders als die heutigen Standards sind. Hier gibt es kleine Gefahren, weil es so gut wie keine Begrenzungen gibt. Daher gibt es kaum Kinder, die Autismus oder ADHS ausbilden. Hier ist es laut, denn Kinder brauchen dies. Und trotzdem gehen Kinder hochkonzentriert an Dinge ran. Hier können Kinder Resilienz (dazu zwei Artikel meiner Tochter, die mich gerade zum Opa macht) ausbilden, weil keine Helikopter-Eltern oder Gärtner sie vor Fehlernmachen bewahren. Einfach mal wirken lassen:

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„Warum der Kindergarten unserem Kind nicht gut tat“

Oktober 28, 2016 1 Kommentar

Ich hatte den Artikel im Juni begonnen und ganz übersehen, ihn noch auf die Reise zu schicken. Nun aber, von Amy:

Überall hört und liest man es: Der Kindergarten ist ein oder sogar der Eckpfeiler der Kindheit. Kontakt zu Gleichaltrigen ermöglichen das Erlernen sozialer Kompetenzen. Ausgebildete Fachkräfte sollen unsere Kleinen von vorne bis hinten fördern und durch die professionelle Betreuung unserer Lieblinge wird uns Eltern die Ausübung des Berufes ermöglicht, wir sind kein verschwendetes Humankapital. Juhu!

Ich finde das alles etwas übertrieben und vorBaby & Kleinkind Halt geben allem vermisse ich da die Bedürfnisse der Kinder. Gerade im Krippenbereich gruselt es mich, denn ich frage mich, wie man den Kindern bei einem Betreuungsschlüssel von 1:5 gerecht werden will. In den ersten Lebensjahren geht es vor allem um Bindung, Verlässlichkeit und Sicherheit. Was wir in unseren ersten Lebensjahren erleben, prägt uns für unser gesamtes Leben, obwohl wir uns an diese Zeit nicht erinnern können. Da frage ich mich: Fühlt mein Kind sich sicher, wenn ich es gegen seinen Willen abgebe? Empfindet es mich als verlässlich, wenn es meine Nähe braucht, um sich sicher zu fühlen, und ich gehe trotzdem? Das Konzept Geld verdienen kann es ja noch nicht begreifen.

Für mich stand jedenfalls fest, dass meine Kinder frühestens woanders betreut werden, wenn sie sich verständlich ausdrücken können. Wenn sie Sorgen haben, möchte ich diese verstehen können.

Wird der Kindergarten den Kindern gerecht?

Ich wage tatsächlich, dies zu bezweifeln. Wenn ich überlege, wie viel Platz X Kinder haben, dann sehe ich zu wenig Raum für Bewegung und zum Aus-dem Weg-gehen oder Sich-zurückziehen. Wenn ich überlege, wie viele Kinder zusammen kommen, fallen mir vor allem der Lärm und die Unordnung (damit meine ich nicht das verstreute Spielzeug) auf. Wenn ich mir den tatsächlichen Betreuungsschlüssel, der selten beim empfohlenen 1:3 liegt, anschaue, dann sehe ich ungestillte Bedürfnisse, übersehene Trauer, Angst und Sorgen…

Ja, sie tun ihr Weiterlesen …

Der heimliche Lehrplan die Schulpflicht betreffend

„Denn nur für das, was einem Menschen wichtig ist, kann er sich auch begeistern,
und nur wenn ein Mensch sich für etwas begeistert,
kommt in seinem Gehirn die Gießkanne mit dem Dünger in Gang,
werden all jene Netzwerke ausgebaut und verbessert,
die der betreffende Mensch in diesem Zustand der Begeisterung nutzt.“
Gerald Hüther

Ich las gestern vor dem Einschlafen noch die folgenden Zeilen des Artikels „Der heimliche Lehrplan – Worum geht es unseren Pflichtschulsystemen wirklich?“ von Clara Steinkellner in der Zeitschrift „oya 19 – anders denken . anders leben“:

Jean-Étienne Liotard: Kaiserin Maria Theresia, Öl auf Leinwand, 1762 (Wikipedia)

Kaiserin Maria Theresia ließ sich für den Ausbau der österreichischen Pflichtschulwesens ausgerechnet von den politischen Rivalen aus Berlin beraten. Von ihrem Staatskanzler sind einige Argumente für die Wichtigkeit eines ausgebauten Bildungssystems überliefert. Der Fürst nämlich braucht die „Köpfe, Arme und Geldsäckel“ für die „Verwirklichung seiner Pläne“, und „nichts ist auch geeigneter, sie zu formen, als Erziehung“. Weiter solle man „den Staatsbürgern Sitten lehren, bevor man Dienste von ihm verlangt“, dies seien ebenso unerlässliche Erfordernisse, wie es das Bearbeiten der Felder und die Aussaat sind, bevor man die Früchte ernten kann.“ Dieser O-Ton aus dem 19. Jahrhundert macht die grundlegende Schieflage deutlich, die dem staatlichen Schulsystem bis heute innewohnt: Der „Erziehungsgarten“ wird nicht für die Kinder gepflegt, damit sie mit Freude und vielen Anregungen aufwachsen und sich entfalten können, sondern der dient den Zwecken der Obrigkeit. Der Fürst blickt von oben auf das Volk herab. Die Degradierung sich entwickelnder Menschen zu „Humankapital“, über die wir heute so entsetzt sind, ist also nichts Neues. Sie war vom Beginn der staatlichen Pflichtschule an bewusst als Tendenz angelegt.

Als ich den Begriff „Erziehungsgarten“ las, dröhnte es in meinem Kopf: „Kindergarten

Ich hatte mich schon immer gefragt, warum diese Einrichtung Kindergarten genannt wurde. Der Garten ist die kleine Variante von Feld. Im Garten werden Früchte für den Eigenbedarf gezogen, um diese am Ende zu ernten und zu verbrauchen. Na klasse, sag ich da. Nun kann man das zum Glück aber auch wieder positiv betrachten, kommt es doch nur auf die Intention an, also darauf, was mit der Einrichtung am Ende bezweckt wird. Und da sind wir ja zum Glück mitten im Wandel, wie die vielen Artikel der oya 19 zum Thema „Lernorte bilden – Selbstbestimmtes Lernen steckt an“ zeigen.

Und dass die Strukturen des Bildungssystem mitten im Hype der Industrialisierung gelegt wurden, zeigt dieses kleine Video von RSA Animate mehr als deutlich auf. Zeit für eine starke Reformierung! Damit unsere Gesellschaft wieder gesundet und nicht in Depression und Burn-Out versinkt.


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Nachtrag vom 30.06.2014: Inzwischen gibt es einen Film darüber, wie es um unsere Schule bestellt ist, und wie unsere Kinder, die zu 98% hochbegabt zur Welt kommen, am Ende der Schulzeit zum großen Teil des selbstständigen Denkens beraubt worden sind:

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