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Posts Tagged ‘Griechenland’

Warum massenhaft Schafe jubelnd den Wölfen folgen …

Unserem Glück auszuweichen haben wir alles unternommen.
Vlado Kristl

Wir hatten hier auf dem Blog schon einmal das Thema der Selbstentfremdung (siehe z.B. Dem Leben entfremdet …). Auch diesen Faden möchte ich nochmals aufgreifen und einen Text von Götz Eisenberg bringen, in dem er der Frage nachgeht, wie man es sich erklären kann, dass Massen von Menschen politischen Kräften folgen, die ihnen Schaden zufügen. Die Dressur zum Gehorsam in der frühen Kindheit und die ein Leben lang wirksame „Identifikation mit dem Aggressor“ verhindere die Entwicklung der Fähigkeit zu Mitgefühl und Solidarität– mit uns und anderen:

Götz Eisenberg, Gefängnispsychologe

Götz Eisenberg, Gefängnispsychologe

Das „falsche Selbst“ und die Wendung gegen das (eigene und fremde) Glück – .

„Früh in der Kindheit“, berichtet Theodor W. Adorno in seinem Buch Minima Moralia, „sah ich die ersten Schneeschaufler in dünnen schäbigen Kleidern. Auf meine Frage wurde mir geantwortet, das seien Männer ohne Arbeit, denen man diese Beschäftigung gäbe, damit sie sich ihr Brot verdienten. Recht geschieht ihnen, dass sie Schnee schaufeln müssen, rief ich wütend aus, um sogleich fassungslos zu weinen.“

Der kleine Theodor reagiert zunächst ganz im Sinne der Erwachsenenwelt, deren Urteile und Vorurteile er sich zu eigen gemacht hat. Die Schneeschaufler trifft seine mitleidlose Wut. Dann aber kriegt er die Kurve und er beginnt zu weinen – aus Scham wegen seiner Anpassung und aus Mitleid mit den frierenden Menschen. Der kleine Junge schlägt sich auf die Seite der gequälten Männer, in deren Leiden er sich wiedererkennt.

Reif und erwachsen werden bedeutet für die meisten Kinder und Jugendlichen, sich die beschädigte Existenz des durchschnittlichen Erwachsenen zu eigen zu machen. Unter dem Druck elterlicher Strafandrohungen und Strafen identifiziert sich das Kind mit den Normen und Werten der Erwachsenen. Ein Kind kann ohne das Wohlwollen und die Zuwendung der Erwachsenen nicht existieren, zu groß ist seine Angst vor Liebesverlust und Verlassenheit. Arno Gruen beschreibt diesen Vorgang in seinem neuen Buch Wider den Gehorsam so:

Wenn ein Kind von demjenigen, der es schützen sollte, körperlich und/oder seelisch überwältigt wird und das Kind zu niemandem fliehen kann, wird es von Angst überwältigt. Eine Todesangst sucht das Kind heim. Es kann nicht damit leben, dass die Eltern sich von ihm zurückziehen. Ohne Echo für seine ihm eigene Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit kann ein Kind nicht überleben. Es übernimmt, um seine Verbindung aufrechtzuerhalten, die Erwartungen der Eltern. Auf diese Weise wird das seelische Sein eines Kindes in seiner autonomen Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit geradezu ausgelöscht.

Das Kind unterwirft sich den elterlichen Weiterlesen …

Griechenland betreffend: Die Deklaration von Delphi vom 21. Juni 2015

Rise_up_Face_the_enemy_Widerstand_Aufstand_Rebellion_Revolte_revolt_Uprising_Insurrektion_Staatsgewalt_Austerity_NATO_OTAN_Kapitalismus_capitalism_imperialism_Kritisches_NetzwerkDie Konferenz in Delphi über die von Washington geschaffene europäisch-russische Krise gab eine Erklärung heraus, die den Angriff der Europäischen Union auf Griechenland zurückweist.

Unter den Teilnehmern an der Konferenz befanden sich Michael Hudson und James K. Galbraith aus den Vereinigten Staaten von Amerika; ich fuhr nicht hin, schickte aber einen Beitrag, der verteilt wurde (Sie finden diesen > HIER, derzeit leider nur auf englisch – bitte lesen!). Weiters nahmen Intellektuelle aus Europa und Russland teil.

Die Deklaration von Delphi appelliert an die Völker Europas, besonders an die Deutschen, das Richtige zu tun und sich gegen die Plünderung Griechenlands durch das Eine Prozent zu stellen. Dieser Appell an den guten Willen wird wahrscheinlich auf taube Ohren stoßen, auch wenn die Ausplünderung Griechenlands einen Präzedenzfall schaffen wird, der dann auf Italien, Spanien, Frankreich und sogar auf Deutschland angewendet werden kann.

Der Finanzsektor im Westen finanziert keine realen Investitionen mehr in Produktionsstätten und deren Ausstattung. Ein großer Teil der produzierenden Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika ist ins Ausland verlagert worden, und der Mangel an Einkommen auf Seiten der Konsumenten bedeutet, dass die Investitionsmöglichkeiten in den Vereinigten Staaten sehr eingeschränkt sind. Mit den Derivaten scheint fremdfinanzierte Finanzspekulation an ihre Grenzen gestoßen zu sein. Das alles weist darauf hin, dass die Ausplünderung von Ländern unter dem Vorwand, ihre Schulden zu sanieren, den neuen Weg zur Schaffung von Reichtum bildet.

Der Finanzsektor hat sich der Ausplünderung des öffentlichen Sektors in den westlichen Ländern selbst zugewendet. Durch die Zerstörung westlicher Systeme der sozialen Wohlfahrt, wie das in Griechenland geschehen ist, werden öffentliche Mittel frei, die das Eine Prozent erbeuten kann. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist Obamacare ein Mechanismus, der es privaten Versicherungsgesellschaften erlaubt, die für das Gesundheitswesen bestimmten öffentlichen Mittel zu plündern. Der Beispiele gibt es viele, und Privatisierungen werden den Untergang öffentlicher Güter zur Folge haben, vom Gesundheitswesen über Bildung bis zu Pensionen.

Die Deklaration von Delphi erkennt das und warnt zu Recht die Italiener, Spanier, Franzosen und Deutschen, dass sie die nächsten auf der Liste der Weiterlesen …

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Vom fiskalischen Waterboarding Griechenlands – offener Brief an die Deutschen

Ich möchte einen Artikel rebloggen, der zeigt, mit welchen Mitteln die Herrscher dieser Welt es gelingt, die Bürger Griechenlands und Deutschlands aufeinanderzuhetzen und sich dabei die auch noch ungeniert die Taschen füllen:

Deutsche haben von SYRIZA in Griechenland nichts zu befürchten (Quelle)

Alexis Tsipras

Alexis Tsipras

Alexis Tsipras legt in einem offenen Brief in der deutschen Zeitung Handelsblatt die Ziele einer SYRIZA-Regierung in Griechenland dar.

Mittels der Zeitung Handelsblatt richtete Alexis Tsipras am Dienstag (13 Januar 2015) einen offenen Brief an die deutschen Bürger zu dem Zweck, zu versichern, dass Deutschland von einer SYRIZA-Regierung in Griechenland nichts zu befürchten hat.

Nachdem er sich auf die Fehler und harten Auswirkungen der “Rettung” des Landes bezog, strebt Tsipras die Vorurteile gegenüber der SYZRIZA aufzulösen an, indem er die Ziele erklärt, die seine Partei haben wird, und betont, sein Ziel sei nicht, mit seinen Partnern zu kollidieren.

Kollision mit “Interessen”, nicht den Partnern

Alexis Tsipras spricht von einer Kollision mit Interessen (welchen Weg die vorherigen Regierungen wegen “Verstrickung und Kleptokratie” nicht beschritten), der Forcierung “einschneidender Reformen in der Funktion des Staates” sowie auch einer “neuen Vereinbarung für ganz Europa im Rahmen der Eurozone“.

Konkret unterstreicht er: “Deutschland, und speziell der hart arbeitende deutsche Steuerzahler, hat von einer SYRIZA-Regierung nichts zu befürchten. Im Gegenteil. Unser Ziel ist nicht die Kollision mit unseren Partnern. Unser Ziel sind nicht mehr Kredite oder das Recht auf neue Defizite. Unser Ziel sind die Stabilisierung, die primär ausgeglichenen Haushalte und – natürlich -, dass der Aderlass der Steuerzahler aufhört, den nun vier Jahre lang eine nicht umsetzbare Kreditvereinbarung sowohl in Griechenland als auch in Deutschland verursacht.

Weiter merkt er an: Weiterlesen …

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