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»Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!«

September 3, 2016 20 Kommentare

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Ich höre schon des Dorfs Getümmel, / Hier ist des Volkes wahrer Himmel, / Zufrieden jauchzet groß und klein: / »Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!«

Die letzte Zeile wird in der Regel zitiert, um auszudrücken, dass MENSCH sich in einer bestimmten Umgebung frei von Zwängen fühlt und sich so geben kann, wie man ist. (Fundstelle)

Wir hatten hier im Blog schon mehrfach sehen können, dass Goethe weit hinter den Vorhang unserer herrschenden Bühnenbildner geschaut hatte und den damaligen Zeitgenossen in seinem Faust die Erkenntnisse verschlüsselt angereicht hat (siehe u.a. hier, Schiller ermordet?, Hexeneinmaleins).

Das folgende Video geht nochmals auf die rechtliche Begriffsbestimmung von MENSCH und PERSON ein, dieses Mal der Frage nachgehend, ob MENSCH Steuern zahlen muss.

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Noch eine versteckte Botschaft in Goethes ’Faust’ …

Johann Wolfgang von Goethe (Foto:Wikipedia – Ölgemälde von Joseph Karl Stieler, 1828)

Der Spachforscher Sven Möbius, den ich schon einige Male zu Wort kommen ließ, hat einen neuen Beitrag auf der alternativen Netzwerkplattform informisten.de veröffentlicht, der zum Schmunzeln und Grübeln einlädt. Dass Goethe in seinen Werken Faust-dicke Botschaften hinterließ, ist kein Geheimnis (siehe z.B.: Friedrich Schillers Tod: Sensationelle Entdeckung bestätigt den Mordverdacht). Sven fand nun eine weniger brisante Botschaft, aber dennoch eine, die auch als Mahnung an den angehenden Wissenschaftler gericht ist, so seine neue Interpretation, aber lest selbst:

Die versteckte Botschaft in Goethes ’Faust’ …

Als ich mich mit Goethes ‚Faust‘ beschäftigte, fiel mir auf, dass er in einer Szene seines Stückes den Teufel (Mephistopheles) in die Rolle des Gelehrten schlüpfen ließ. In dieser Rolle schrieb Mephistopheles, als Faust verkleidet, einem Schüler, der auf der Suche nach einem Meister war, folgenden Rat in sein Stammbuch:
„Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum.“

Diese Stelle machte mich sehr stutzig und ich fragte mich, wie ein Volksdichter dazu kam, in seinem Werk lateinische Worte zu gebrauchen, obwohl das Volk überhaupt kein Latein verstand. Und das noch an einer solch wichtigen Stelle, an der einem Schüler ein Rat in sein Stammbuch geschrieben wurde. Was für ein Rat?

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Vom mechanistischen zum organischen Denken und Handeln!

Leseempfehlung, daraus ein Auszug:

…Goethe und Sheldrake ging und geht es vor allem um eine dem Lebendigen angemessenen Erkenntnishaltung. Daraus resultiert natürlich auch eine veränderte Handlungsweise.

Es wurde bereits dargestellt, wie Rupert Sheldrakes morphogenetische Felder von einer punktuellen Betrachtung wegführen. Unter anderem zeigt er auf, wie jedes Wesen in seinen Beziehungen lebt, welche durch ein verbindendes Feld als wirkende Realität vorstellbar werden. Die duale Subjekt-Objekt Beziehung wird in eine Subjekt und Objekt als Polaritäten umfassende Feldgesamtheit verwandelt. Das ist zunächst schwer zu denken. Wenn es sich jedoch mehr und mehr als wissenschaftlich sinnvoll erweist und sich im allgemeinen Bewusstsein durchsetzt, so wird es sicherlich zu einem veränderten Empfinden, Verhalten und Handeln führen. Nicht Objekte und momentane Konkretisierungen, sondern ein Fluss sich wandelnder lebendiger Beziehungen, Verbundenheit und gegenseitige Abhängigkeit würde unsere Existenz ausmachen und das Handeln bestimmen.

Goethe war es wichtig aufzuzeigen, wie die Art der Betrachtung der Weiterlesen …

Krieg hat seine Ursache im Inneren des Menschen …

Die ältere Philosophie kannte noch den Gegensatz zwischen Mensch und Tier und schrieb dem Menschen, den man kosmologisch zwischen Göttern und Tieren ansiedelte, die Möglichkeit zu, entweder über sein Menschsein hinauszuwachsen und sich dem göttlichen Dasein anzunähern, oder aber mit größter Bestialität sogar unter das Tierische hinunterzusinken. Goethe, der vielfach aus der Weisheit der Antike schöpfte, hat dem Ringen dieser Doppelnatur des Menschen, das zerrissen-sein zwischen seiner göttlichen und seiner menschlichen Natur in seinem „Faust“-Drama künstlerischen Ausdruck verliehen. So lässt er Faust beim berühmten Osterspaziergang sprechen:

Goethe Osterspaziergang (Bildquelle: http:www.goethezeitportal.de)

Goethe Osterspaziergang (Bildquelle: http:www.goethezeitportal.de)

 

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen: die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dust zu den Gefilden hoher Ahnen.

Jeder Mensch kennt diese beiden „Seelen“ wohl zu gewissem Grad aus eigener Erfahrung und bei demjenigen der sie meint, nicht zu kennen, dürfen wir vermuten, dass der Kampf zwischen beiden Seiten seiner Natur zwar vorhanden ist, aber ihm infolge gewisser Kompensationsstrategien noch nicht bewusst geworden ist.

So liegt der „Krieg“, der Kampf der beiden Seelen gegeneinander, schon in der Natur des Menschen begründet und vieles hängt davon ab, wie sich der Einzelne dieser in ihm liegenden Entwicklungsforderung stellt. Hier, im Herzen des Menschen scheint der eigentliche Kampf stattzufinden und ob wir im Frieden mit uns selbst sind und damit auch um uns herum Frieden herrschen kann, hängt davon ab, inwiefern es uns gelingt, diese beiden „Seelen“ auf günstige Weise miteinander zu versöhnen.

Wird eine der beiden Seiten unseres Wesens unterdrückt oder kompensiert, sind wir, ob bewusst oder unbewusst, in einem Zustand des Unfriedens mit uns selbst, der auch nach Aussen, zu unseren Mitmenschen hin, als Druck, Ausgrenzung oder Verurteilung spürbar werden kann.

Philosophie und Religion der verschiedenen Kulturen und Menschheitsepochen beschäftigten sich daher seit jeher mit dieser zentralen Frage: Wie kann der Mensch – hineingestellt zwischen Geist und Materie – eine günstige, entwicklungsfreudige Synthese zwischen seinen Idealen und geistigem Verlangen und seiner irdischen Natur finden? Ist ihm das überhaupt möglich? Oder bleibt ihm nur die Möglichkeit, eine dieser beiden Seiten bestmöglich zu unterdrücken, um die andere Leben zu können?

Ich möchte behaupten, dass es dem Menschen möglich ist, eine solche Synthese von Geist und Welt zu leisten, wenn er dieser Entwicklungsanforderung, die nicht von Aussen, sondern von Innen an ihn herantritt, nicht ausweicht und sich überdies seiner Individualität und schöpferischen, Gegensätze verbindenden Kraft als Mensch bewusst wird.

 Prometheus

Prometheus brachte dem Menschen das Feuer. In einer erweiterten Betrachtung können wir sagen, dass er dem Menschen damit das Ich überbrachte, das von alters her mit dem Feuerelement gleichgesetzt wurde. Bezeichnenderweise kommen mit der Büchse der Pandora in der Folge auch Krankheit, Tod und alle Übel in die Welt. Das Ich, das den Menschen von seiner Umgebung trennt und ihn damit aus der Schöpfung abschliesst und isoliert ist so in der Sage einerseits Grund für das Übel, aber andererseits, sofern er seine Feuerkraft zu nutzen versteht, auch Mittel zur Überwindung der Leiden des Menschen.

Wir können uns ebensowenig ungestraft von unserem Drang zu Entwicklung und Evolution trennen, wie wir uns einfach über unsere emotionalen Grundbedürfnisse, Triebe und Ängste hinwegsetzen können, ohne früher oder später von ihnen eingeholt zu werden. Wenn wäre es, wenn – wie es Goethe wohl ausdrücken würde – die Götter uns die Gabe verliehen hätten, Himmel und Erde miteinander zu versöhnen, aber uns die Freiheit liessen, uns dieser Fähigkeit zu bedienen? Würden sie es nicht als Frevel ansehen, wenn wir diese Möglichkeit nicht wahrnehmen würden?

Wären sozialer Unfriede und letztlich Krieg dann nicht die logische Folge eines nicht ergriffenen Kampfes im eigenen Inneren? Ist es nicht zwangsläufig so, dass wir, sobald wir das Ringen um die Synthese zwischen unseren Idealen und dem äußeren, praktischen Leben nicht ergreifen, diesen Kampf nach Aussen tragen müssen indem wir immer größere Ungleichgewichte, Drücke und letztlich Unfrieden und Krieg erzeugen?

Bereits ein kleiner Blick auf die äußeren Faktoren der gegenwärtigen Weltlage z.B. die Ungerechtigkeiten in der Weltwirtschaft, lässt uns erahnen, dass der von übermäßigem Konsum geprägte Lebensstil unserer Kulturen, unsere Gier nach Rohstoffen und Energie, die so viel Leid und soziale Ausbeutung mit sich bringt, ihre Ursache nur in einer inneren Leere und einem emotionalen unbefriedigt sein haben können. Kein Mensch braucht diese Überfülle an Konsumgütern, und künstlichen Erfahrungs- und Erlebenswelten um glücklich und zufrieden leben und arbeiten zu können. Unsere gegenwärtige Kultur zeichnet sich durch eine einseitige Betonung des Diesseitigen aus, oder um im Bilde Goethes zu bleiben, in der Betonung desjenigen Seelenanteils in uns, der „in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen“ bindet. Goethe, der zu seiner Zeit noch von einem tieferen, integraleren Bild des Menschen ausging, zeigt schon mit seiner Formulierung „klammerns“ dass es sich dabei um eine Art Angst handeln muss, die den Menschen treibt, sein Heil ganz im Diesseitigen zu suchen und den anderen Seelenanteil, der immerwährend danach strebt, bisher unbekannte Ideale und die Grenzen des bisherigen sprengende neue Lebenszielsetzungen in das Dasein zu integrieren möglichst zu negieren, sich „ganz von ihm zu trennen“. Eine solche Lebenshaltung muss in einer Welt mit endlichen Ressourcen wohl zwangsläufig zu Verteilungskämpfen und schliesslich zu und Krieg und Zerstörung führen.

Euer Bernhard Spirkl

Erstveröffentlichung auf meinem Blog Move on Freedom
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