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Posts Tagged ‘Gewohnheit’

Geht das, Arbeiten auf Augenhöhe in der Verwaltung?

Während meiner Zeit des Ausgesperrtseins aus meinem Blog war ich nicht untätig. Ich unterstützte derweil eine Gruppe von Menschen, die das Forum Agile Verwaltung ins Leben gerufen haben, über das die Ideen der Agilität und des Arbeitens auf Augenhöhe auch in die öffentlichen Verwaltungen getragen werden soll. Auf dem Blog des Forums sollen Artikel mit entsprechenden Beispielen gepostet werden. Zudem ist ein Kongress für Anfang des nächsten Jahres geplant, auf dem jene Führungspersonen erreicht werden sollen, die spüren, dass die alten Methoden ausgedient haben und der Staub der Jahrhunderte aus den behördlichen Hallen gefegt werden sollten.

Schimpanse

Schimpanse

Zudem war ich gestern noch auf der Filmpremiere des zweiten Films AUGENHÖHE, der nun den Zusatz wege erhalten hat. Während der erste Film Menschen von Firmen vorgestellt hat, die Führung und Arbeit schon ganz anders gestalten (siehe), zeigt der neue Film, was Firmen unternommen haben, um dorthin zu kommen. Hier meine Nachlese von gestern. Ich sprach mit einem Mitarbeiter einer Aachener Verwaltung darüber, was denn der hemmende Faktor in den Behörden wäre, Arbeit anders zu gestalten, eben nicht Top-Down sondern selbstorganisiert in Teams. Seine Antwort war einfach: Weil es schon seit Jahrhunderten so gemacht wird und sich die Menschen darin definieren, womöglich auf der Karriereleiter ein paar Stufen erklimmen zu können uns so Reputation zu erlangen. Ich griff den Faden mit  der Geschichte über die fünf Affen auf, die zeigt, warum es so schwer ist, Gewohnheitspfade zu verlassen.

Nun könnte mir die Frage gestellt werden, warum ich mich denn noch immer im System bewege, wo ich doch so kritisch mit ihm bin. Ich könnte mich ja komplett raustziehen, so wie es z.B. die Freemen tun. Ich habe aber für mich entschieden, ein Sowohl als Auch zu leben. Ich nehme das was ist an und versuche in meinem kleinen Rahmen so zu wirken, dass das Leben möglichst zuträglich für alle mit mir zusammen Seienden ist. Dabei werde ich weiter unermüdlich das ins Licht rücken, was mit meiner bisherigen Erkenntnis für die Gemeinschaft auf Dauer eher unzuträglich.

 

Philosophie als Entpassivierung unserer selbst

Gilbert Dietrich

Gilbert Dietrich hat auf Geist und Gegenwart wieder Mal einen bedenkenswerten Artikel über unsere Gedanken und Trägheit geschrieben. Er kommt zu einem Fazit, das ich gerne unterstreichen mag:

Dieser philosophische Dreischritt, der sich im Aneignen der Leidenschaften, im Gestalten der Gewohnheiten und im Ordnen der Gedanken zeigt ist ganz wesentlich auf Aktivität ausgerichtet. Zum einen manifestiert sich darin die – soweit wir wissen – einzigartige Fähigkeit des Menschen, sein Leben zu führen, zu gestalten, anstatt nur den Umständen ausgeliefert zu sein und sich der Umwelt anzupassen. Zum anderen hat es auch politische und damit ethische Relevanz. Denn verharrt man aus Trägheit und Faulheit – und andere Gründe gibt es beinahe gar nicht – in der Passivität, dann degradiert man sich selbst zur Verhandlungsmasse der herrschenden Mächte. Man gehört dann zum Heer der Bauern im Schachspiel der Macht oder zur Infanterie von Armeen, am Ende – um es zuzuspitzen – kann man Aufseher in einem KZ werden, aber Mensch im Sinne von Subjekt ist man damit nicht. Das ist die Pointe praktischer Philosophie, hier wird Philosophie wichtig – jeden Tag und für uns alle.

Gilbert hatte in seinem Artikel zur Sozialisierung zuvor schon das Thema der Gewohnheit besprochen und hatte hierzu geschlossen:

Werde, die oder der du insgeheim schon bist!

… Hier wird deutlich, dass sich Gewohnheit als eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung darstellt. Denn nur Gewohnheit, die auch bei neuartigen Situationen noch funktioniert, kann erfolgreich sein. Das ist alles andere, als die faule Routine. In diesem Sinne ist Gewohnheit bereits eine Art Training, ein Üben. Die alten Philosophen wie Aristoteles oder Thomas von Aquin, von denen Sloterdijk redet, sahen in der Gewohnheit ein eingeübtes Weiterlesen …

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