Archiv

Posts Tagged ‘Commons’

Grundrisse einer freien Gesellschaft

Dezember 29, 2014 10 Kommentare

aufbruch-ins-ungewisse

Das Verrückte … : Entgegen dem Augenschein werden nahezu zwei Drittel der gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten nicht in der Warenform (vulgo: bezahlt) erbracht, sondern … mehr oder minder freiwillig.

Ich möchte an dem Text Wenn der Handel ein Webfehler unserer gesellschaftlichen Ordnung ist, was dann? von Bernd Mullet anknüpfen, da auch der folgende Artikel von Stefan Meretz sich Gedanken darüber macht, wie eine gesellschaftliche Organisation zur Versorgung ihrer Bedarfe ohne Handel und Geld aussehen kann:

Grundrisse einer freien Gesellschaft (Quelle)

[Artikel aus: Aufbruch ins Ungewisse]

Viele Ansätze erdenken neue Gesellschaften, indem sie interessante aktuelle Entwicklungen prognostisch verlängern. Im Zentrum stehen meist neue Technologien – Jeremy Rifkin (2014) und Ludger Eversmann (2014) machen es vor. Ob die prognostizierte neue Gesellschaft wirklich “neu” oder doch nur eine modernisierte Variante des Gehabten ist, wird selten thematisiert. Doch was macht das Neue einer Gesellschaft aus? Was überhaupt ist eine Gesellschaft?

Gesellschaft ist der soziale Zusammenhang, in dem Menschen ihre Lebensbedingungen herstellen und den sie herstellen. Gesellschaft ist somit doppelt bestimmt. Sie ist Bedingung des Machens und Gemachtes. Als Vorfindliches ist sie Rahmen des Handelns, als Aktuelles ist sie Ergebnis des (all-)täglichen Handelns. Kapitalismus als derzeit dominante Weise der Herstellung der Lebensbedingungen ist keine Veranstaltung außerhalb von uns, sondern wir stellen die sozialen Formen, die den Kapitalismus ausmachen, her. Jeden Tag, mit Notwendigkeit.

Das Neue einer neuen Gesellschaft ist nun ebenso doppelt bestimmt. Neu ist eine Gesellschaft nur, wenn die Lebensbedingungen qualitativ auf andere Weiterlesen …

Wieder Kooperation: Dynamische soziale Netzwerke verhindern die “tragedy of the commons”

Oktober 4, 2012 4 Kommentare

Ich habe gerade wieder eine wichtige Studie zu meinem Hauptthema der Kooperation entdeckt, bzw. eine Kurzbesprechung derselben, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Von Heinz Wittenbrink aus „lost and found“

Nicholas A. Christakis

Nicholas A. Christakis

Wann funktioniert Kooperation in Netzwerken dauerhaft, wann funktioniert sie nicht? Nicholas A. Christakis  von der Harvard-Universität hat in einer experimentellen Studie (PDF hier) gezeigt, dass kooperatives Handeln sich in Netzwerken durchsetzt, wenn die Mitglieder ihre Bindungen zu anderen frei knüpfen und lösen können. Wenn sie nicht oder nur selten entscheiden können, mit welchen Partnern sie kooperieren, versandet die Kooperation. Für das Lernen und die Zusammenarbeit mit sozialen Medien legt die Studie nahe: Sie werden immer dann scheitern, wenn die Partner nicht laufend selbst entscheiden können, mit wem sie sich austauschen wollen.

Die Studie, die Christakis und seine Kollegen unternommen haben, versucht eines der alten Probleme der Sozialwissenschaften zu lösen: Wann handeln die Mitglieder einer Gruppe (oder auch nur eines Paares) uneigennützig, obwohl sie nicht sicher sein können, dass sich dieses Verhalten für sie lohnt? Wenn die Mitglieder einer Gruppe ihr Handeln nur nach sicheren Vorteilen für sich selbst ausrichten, kommt es zur Weiterlesen …

Acht Orientierungspunkte für eine Transformation unserer Ökonomie hin zu Commons – über das Commoning

August 27, 2012 1 Kommentar

In vielen Artikeln haben wir fest gestellt, dass unsere neoliberale Ökonomie uns immer klarer aufzeigt, dass sie ein böses Ende nehmen wird. Also tun wir gut daran, uns nach anderen Ökonomien umzuschauen, die uns in ein nachträglich zuträglicheres Leben führen kann. Ich hatte schon einige Male auf die Commons geschaut. Hier ist man wieder einen Schritt weiter, geht es doch darum, die kleinen übrig gebliebenen Keime wieder zum Wachsen zu bringen. Stefan Meretz hat dazu den folgenden Artikel auf keinform.de veröffentlicht, den ich hier für weitere Ideen auch bringen möchte:

Wie sich Commons entfalten können, von Stefan Meretz:

Elinor Ostrom hat vor über 20 Jahren acht Commons-Prinzipien formuliert. Eine Arbeitsgruppe auf der ersten Commons-Sommerschule hat sich entschlossen, sie neu zu formulieren. Hier ist das Ergebnis. Unten folgt ein Kommentar von mir.

Acht Orientierungspunkte für das Commoning

Elinor Ostrom und andere haben Designprinzipien für die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen formuliert. Sie sind die Essenz unzähliger Feldstudien. Sie wurden aus einer wissenschaftlichen Perspektive verfasst und bleiben für die Commons-Bewegung von großer Bedeutung.

Unsere Perspektive ist die der aktiven Commoners, der Menschen, die Commons machen. Uns geht es weniger um Institutionen, sondern um Räume der Gemeinschaftlichkeit und Kooperation, die wir uns schaffen. An den Ressourcen interessiert uns weniger ihre Beschaffenheit, sondern wie wir sie erhalten und nutzen können. Wir beziehen uns folglich sowohl auf materielle wie nicht-materielle Weiterlesen …

Ubuntu-Philosophie

Auf meiner Suche nach einer besseren Welt bin ich immer mehr zu der Überzeugung gekommen, dass ein nachhaltiges Miteinander nur in Kooperation, in der alle gemeinsam und gewinnen, gelingen kann und nicht in Konkurrenz, in der am Ende ein neuer Rassismus steht, in dem vermeintlich Wertvolle auf die verlorenen Wertlosen schimpfen (siehe Facebook-Gruppe Kooperation anstatt Konkurrenz). Nun habe ich wieder einen wichtigen Artikel dazu gefunden, den ich aufgrund seiner CC BY-SA-Lizensierung hier veröffentlichen darf.

Das Thema Ubuntu hatte ich schon einmal in dem Artikel Ich bin weil wir sind! Ego versus Gemeinschaft aufgegriffen.

Stefan Meretz ist der Autor, und er veröffentlichte auf keimform.de den Artikel Ubuntu-Philosophie, aber lest selbst:

<<<<< Beginn des Artikels >>>>>>

Die strukturelle Gemeinschaftlichkeit der Commons

Gemeingüter sind so vielfältig wie das Leben, und dennoch teilen alle Mitwirken­den, alle »Commoners«, gemeinsame Grundüberzeugungen. Um diese verstehen zu können, muss man sich klarmachen, was Gemeingüter praktisch bedeuten, welche Funktion sie haben und schon immer hatten. Das wiederum schließt ein, dass wir uns mit den Menschen befassen, denn Gemeingüter sind eben nicht nur »Güter«, sondern auch eine soziale Praxis, in der gemeinsam Ressourcen und Gü­ter genutzt, erzeugt und bewahrt werden. Es geht also um die Commons-Praxis, das »Commoning« – und damit um uns. Die Debatte um die Commons ist auch eine um Menschenbilder. Treten wir deshalb einen Schritt zurück, um mit der all­gemeinen Frage nach den Lebensbedingungen zu beginnen.

Menschen finden ihre Lebensbedingungen nicht einfach vor, sondern sie stel­len sie aktiv her. Dabei steht jede Generation auf den Schultern ihrer Vorfahren. Das Neuschaffen und – wenn möglich – verbesserte Weitergeben des Geschaffe­nen an die folgenden Generationen war seit jeher Bestandteil des Handelns der Menschen. Die historischen Formen, in denen dies geschah, haben sich allerdings stark gewandelt. Aus heutiger Perspektive besonders markant ist der Übergang zum Kapitalismus, zur Marktwirtschaft. Es gab zwar auch vorher Märkte, aber die­se hatten keine derartig zentrale Funktion wie im Kapitalismus. Sie geben den Ton an. Sie bestimmen Weiterlesen …

Wird die Transformation unserer Gesellschaft von der Ware zu den Commons laufen?

Ich verfolge seit dem letzten Jahr den Blog keimform.de, auf dem das Thema Commons immer wieder behandelt wird. Ich hatte auch schon darüber geschrieben und gefragt: Ist das Gemeingüter-basierte Leben die Lösung für alle unsere Probleme?.

Stefan Meretz

Stefan Meretz

Nun hat Stefan Meretz, Ingenieur und Informatiker, der sich mit der politischen Ökonomie Freier Software und Commons befasst und dazu schreibt, einen Vortrag in Kassel im Rahmen der Vortragsreihe Auf der Suche nach anderen Wegen zu einem schönen Leben des AK SPUNK gehalten, in dem er den Übergang von einer Kapital-orientierten zu einer Commons-basierten Gesellschaft diskutiert hat.

Die Ankündigung zu dem Vortrag verfasste er so:

Emanzipatorische Bewegungen verbindet zwei Gewissheiten: Der Kapitalismus verstößt gegen die Lebensbedürfnisse vieler Menschen und er ist endlich. Den Kapitalismus aufzuheben, ist also historisch notwendig. Ist eine Aufhebung aber auch möglich? Welche Konzeptionen der Aufhebung gab und gibt es? Warum reden wir überhaupt von „Aufhebung“ und nicht bloß von „Abschaffung“?

Um diese und andere Fragen klären zu können, benötigen wir ein begriffliches Verständnis des Kapitalismus. Begriffen ist eine Sache dann, wenn ihre „widersprüchliche Selbstbewegung“ gedanklich erfasst werden kann. Was sind die Elemente der widersprüchlichen Weiterlesen …

Ist das Gemeingüter-basierte Leben die Lösung für alle unsere Probleme?

Auf keimform.de – Ein Blog auf der Suche nach dem Neuen im Alten – ist wieder ein innovativer Artikel erschienen, der ein Leben auf Basis von Gemeingütern aus vielen Richtungen beleuchtet und mich sehr angesprochen hat, da er wieder Vieles anspricht, was ich in meinen Artikeln auf der Suche nach einer besseren Welt schon selbst vorgeschlagen habe.

Der Artikel lautet Produzieren ohne Geld und Zwang und wurde von Christian Siefkes eingestellt.

Für Christian ist eine Zukunft denkbar, in der wir alle gleichberechtigt leben und dabei produzieren, was uns Spaß macht (was ja auch die Gruppe Realexperiment – sinnvoll Wirtschaften vertritt), und in der wir dabei sogar ohne Geld auskommen können, ja sogar ohne Tauschen. Denn in dieser Gesellschaft ist alles Bedürftige für alle vorhanden und kann genommen werden.

Er zeigt auf, dass Vieles in seinem Gesellschaftsmodell auch heute schon erkennbar ist. So haben schon viele Open Source Software-Produkte kapitalistisch produzierte Waren vom Markt zurück gedrängt: Weiterlesen …

Sollten wir besser gleich ganz ohne Geld leben?

Motiviert durch die aktuellen Finanzkrisen habe ich mich etwas weiter ins Thema vertieft. Dabei  hatte ich auf dem Blog keimform.de, der sich im Wesentlichen um Commons, also Gemeingüter dreht, einen Dialog begonnen und Fragen gestellt. Aufhänger war, dass ich als wesentliche Lösung neben den Gemeingütern Energie, Wasser und Lebensmittel auch noch die Umstellung unseres Geldsystems auf ein zinsloses vorgeschlagen hatte. Neben einem Schwall Unverständnisses, dass ich so einen unsinnigen Vorschlag unterbreiten konnte, gab es die folgende hilfreiche Antwort:

Der Witz bei den Commons ist, dass die Regeln, wann wer was nehmen kann, selbst verabredet werden. Und da gibt es nichts pauschales, sondern die Regeln müssen zu der Art der Ressourcen und Produkte sowie den Bedürfnissen der beteiligten Menschen passen. Selbstbestimmte Regeln sind da am besten geeignet. Bei Wissensgütern, das war Dein Beispiel, sind »open access« Regeln oft perfekt: Sie fördern die maximale Verbreitung. Wichtig: open access ist eine vereinbarte Regel, und keine Selbstverständlichkeit für alle Commons.

Bei rivalen Gütern (solche mit Nutzungskonkurrenz) sieht das anders aus. Hier kann »open access« sinnvoll sein, wenn genug da ist. Wenn nicht genug da ist, besteht die Gefahr Weiterlesen …

Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter: , ,
%d Bloggern gefällt das: