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„Im Zeitalter der Kooperation wird das Leben zum permanenten Eiertanz“

Im Zeitalter der Kooperation ist der Stress gegenüber dem Zeitalter der Konkurrenz noch mal größer geworden.

Wie versprochen, hier also mal ein paar “gegenläufige Gedanken” zum Thema Kooperation (siehe: Konfliktbewältigung im Umfeld von Kooperation oder Konkurrenz …)

Es ist ein paar Monate her, da zeigte mir ein Siebenjähriger voller Stolz sein erstes Zeugnis. Es war ein Text, der über sage und schreibe zweieinhalb Seiten ging: eine akribische Beurteilung vor allem des Sozialverhaltens des Kindes: arbeitet mit anderen zusammen, benimmt sich freundlich, macht im Unterricht mit, verhält sich in der Gruppe entgegenkommend, geht aktiv auf andere zu, übernimmt Verantwortung, reagiert bei Konflikten so und im Umgang mit Schwächeren so und so weiter und so fort. Lose dazwischen eingebettet ein paar Informationen über die Leistungen im Rechnen, Schreiben, Lesen.
Ich dachte an mein erstes Zeugnis: da gab es Noten in sechs Fächern (Mitarbeit, Betragen, Lesen, Rechnen, Schrift und Rechtschreibung). Für zusätzliche Bemerkungen waren damals zwei Zeilen vorgesehen.

Heute leben wir im Zeitalter der Kooperation. Das heißt, für erbrachte Leistungen werden keine Noten mehr verteilt, die die Kinder miteinander vergleichen können, stattdessen wird der Charakter des Kindes zerlegt und selbst zur Leistung gemacht. Freundlichsein, Lächeln, Mitmachen, Teilen, Rücksicht nehmen, Zuhören, Akzeptieren, Sich-freuen-können, Friedfertigkeit usw. sind im Zeitalter der Kooperation die neuen Leistungen, die erbracht werden müssen, wenn man ein guter Schüler sein und es später im Beruf zu etwas bringen will.

Der folgenschwere Irrtum besteht also darin zu glauben, dass es keine Konkurrenz mehr gibt, wo man sich Weiterlesen …

Wachsen unsere Kinder in einem zu großen Möglichkeitsraum auf?

... an die Hand nehmen ...

… an die Hand nehmen …

Oder lassen wir ihnen einfach nur zu wenig Zeit für Phantasiererei via Langeweile, weil wir sie mit zu viele Dingen ablenken wollen?

Ich las gerade den Artikel Wie wir das Leben unserer Kinder zerstören, ohne es zu merken, in dem u.a. zu lesen ist:

Payne führte eine Studie durch, in der er das Leben von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom vereinfachte. Innerhalb von nur vier Monaten wurden 68 Prozent der Kinder wieder als klinisch unauffällig eingestuft, bei denen vorher klinische Auffälligkeiten festgestellt worden waren. … Er stellte fest, dass viele Kinder aus wohlhabenden Familien die gleichen Verhaltensmuster zeigten wie die Kinder, die er in Kriegsgebieten beobachtet hatte. Warum wiesen diese Kinder, die in völliger Sicherheit lebten, ähnliche Symptome auf?

Heutzutage sind Kinder einer ständigen Informationsflut ausgesetzt

Payne erklärt, dass sie sich zwar körperlich in Sicherheit befänden, doch psychisch lebten sie ebenfalls in einer Art Kriegsgebiet. „…
Heutzutage sind Kinder einer ständigen Informationsflut ausgesetzt, die sie nicht verarbeiten oder rationalisieren können. Sie werden schneller erwachsen, weil wir sie in die Rolle von Erwachsenen drängen und unsere Erwartungen an sie erhöhen. Deshalb suchen sie nach anderen Bereichen ihres Lebens, die sie kontrollieren können. …
In Simplicity Parenting wird empfohlen, Kindern weniger Spielsachen zu geben, damit sie sich stärker mit dem Spielzeug beschäftigen, das sie haben. Laut Payne bestehen die vier Säulen des Überflusses aus zu viel materiellem Besitz, zu vielen Wahlmöglichkeiten, zu vielen Informationen und zu viel Geschwindigkeit.

Die Autorin des Artikels erzählt, Weiterlesen …

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„Im Ergebnis beschleunigen wir alles“

Dezember 26, 2013 13 Kommentare

Hartmut Rosa(Foto: Wikipedia

Ich habe seit zwei Wochen einen Artikel mit dem boigen Titel auf meinem Schreibtisch liegen, dessen Thema schon einen meiner ersten Artikel auf meinem Blog beschäftigte: Wie viel Beschleunigung in der Wirtschaft hält der Mensch aus?

Der Zeitforscher Hartmut Rosa über die Gewschwindigkeitssteigerung der Gesellschaft, die alle Lebensbreiche und alle Schichten betrifft.

So lautet der Untertitel im Kölner Stadtanzeiger vom 14./15. Dezmber 2013, indem es um unser Zeitempfinden geht, dem Pänomen der Beschleunigung in unserer „Moderne“. Auf die Frage, warum Herr Rosa derzeit so gefragt sei, kommt die Anwort prompt:

Weil ganz viele Menschen mittlerweile das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt. Egal, ob in Wirtschaft, Kirchen, Pflege, Bildung – auf jedem Sektor haben sie das Gefühl, die Beschleunigung betrifft nicht nur ihre Arbeit, sonder die ganze Art des Lebens. Sie ist zur nagenden Erfahrung geworden, die Jeder kennt.

Er sieht die Beschleunigung etwas seit Weiterlesen …

Das Demokratievakuum – ein Plädoyer für demokratische EntscheidungsKulturen in Unternehmen.

November 14, 2012 28 Kommentare

Das höchste Gut

Was ist in unserer „westlichen“ Gesellschaft das höchste Gut? Es ist das Fundament zu so vielen anderen Annehmlichkeiten, die wir fast täglich genießen: Unsere Demokratie. Wir sind nicht mehr Sklaven, Leibeigene, Geknechtete, tumbe Masse. Wir dürfen uns jederzeit, sofern wir die (verfassungs-)rechtlichen Spielregeln einhalten, erheben und unsere Meinung sagen. Wir dürfen nicht nur, wir sind sogar aufgefordert, regelmäßig unsere Landes- und Bundesregierungen und deren zahlreiche Varianten in diversen Ländern frei ohne Furcht zu wählen. Sobald die Wahlbeteiligung niedrig ist, kritisieren wir dies. Sollten wir nicht einverstanden sein mit dem, was eine Regierung leistet, dann wählen wir sie ab. Ob dadurch unsere Vorstellungen und Ziele besser vertreten werden, ist eine andere Frage. Unbenommen bleibt die wertvolle Freiheit, mitzugestalten. Und wem das Wählen oder die Meinungskundgabe alleine nicht reicht, kann jederzeit selbst die politische Bühne betreten. Wer gegen die demokratische Grundordnung agiert, bekommt ein Problem. Zu Recht. Oder möchte jemand von Euch das Feudalsystem, die Monarchie oder vielleicht gleich am besten eine Tyrannei reaktivieren?

Das Demokratievakuum

Irrwitzigerweise haben wir aber kollektiv eine gewaltig globale Ausnahme geschaffen: Unsere Unternehmen. Der passende Spruch dazu wird gleich gratis mitgeliefert: „Das hier ist keine demokratische Veranstaltung!“ Ein markiger Spruch, dreisterweise noch in den Mantel der Aufklärung gehüllt.

Ist es nicht im höchsten Maße erstaunlich, dass wir berechtigterweise stolz sind auf unsere demokratische Gesellschaft und dies als zentralen Wert feiern, in der täglichen Arbeit aber plötzlich wieder zu alter, längst überkommener Ungleichheit greifen? Nur kurz zur Erinnerung: Weiterlesen …

Kooperation statt Konkurrenz?

September 11, 2012 13 Kommentare

Wolfgangs neuer Leitsatz „So wenig Konkurrenz wie nötig, soviel Kooperation wie möglich.“ hatte mich inspiriert, den folgenden Artikel für das Online Magazin Open Source Sponsoring – the knowlegde Magazin zu schreiben:

Kooperation statt Konkurrenz?

Yin und Yang - polar einander entgegengesetzt und dennoch aufeinander bezogene Kräfte

Yin und Yang – polar einander entgegengesetzt und dennoch aufeinander bezogene Kräfte

Der Volksmund spricht: „Konkurrenz belebt das Geschäft“.
Götz Werner, Gründer der Drogeriekette DM, ergänzt: „…, keine noch mehr“.

Von Kindesbeinen an lernen wir, besser sein zu müssen.
Denn der Ernst des Lebens beginnt spätestens nach der Ausbildung, so wird uns eingetrichtert.
Und wer es sprichwörtlich nicht bis zum Meister schafft, findet sich schnell am unteren Ende der Gesellschaft wieder.

Das Hartz-IV-Schwert hängt imaginär über unseren Köpfen.
Also sehen wir zu, dass wir im Hamsterrad ordentlich zu Recht kommen.
So beginnt der Leistungskampf um die besten Plätze inzwischen schon im Kindergarten.

Aufgrund der aktuellen Krisen, deren Ende nicht in Sicht ist, überdrehen aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, immer mehr …

Bitte lest weiter auf dem Online-Magazin

Hier geht es noch zur Facebook-Gruppe Kooperation statt Konkurrenz

Ich werde am 25.09.2012 einen Vortrag mit dem Titel Kooperation und Konkurrenz auf der Veranstaltung Jack in the City in Köln halten.

Christian Felber hat ein Buch Kooperation statt Konkurrenz – 10 Schritte aus der Krise geschrieben, in der er auf die Deregulierungen des Finanzmarktes eingeht und am Ende sagt, was jede und jeder Einzelne dazu beitragen kann, damit wir es möglichst rasch – gemeinsam statt gegeneinander – aus der Krise schaffen.

Nachtrag vom 30.12.2013: Ich habe aus dem Buch die 5 Mythen der Konkurrenz kurz hier zusammengefasst:
Über die Mythen der Konkurrenz

Fazit: Wettbwerb ist ein hochgradiges Charakter-, Beziehungs- und Gesellschaftsgift.

Warum Schüler unsinnig büffeln müssen – Brief eines Vaters an seine Tochter zur Erklärung

Prolog vom 29.09.2013: Wenn ich nach den Klickraten dieses Artikels beurteilen sollte, ob das Thema Schule unter den Fingernägeln brennt, dann muss ich deutlich mit ja antworten. Über 115.000 Tausend Aufrufe bedeuten ein Fünftel aller Klicks auf diesem Blog. Der Frust, das Leid und die Empörung, die ja notwendig ist, dass sich was ändert, scheint nun Fahrt aufzunehmen. Ich wünsche allen unseren Kindern, aber auch den Eltern und Lehrern, dass wir unser Bildungssystem so umgestalten können, dass ein gesundes geistiges und soziales Wachsen die Regel wird!

Den Eltern und zukünftigen Eltern möchte ich die folgende Erkenntnis des Dichters von Gibran Khalil Gibran vor der weiteren Lektüre mit auf den Weg geben: Eure Kinder sind nicht Euer Besitz, sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst…

Und noch etwas: inzwischen gibt es eine ganze Reihe „Köpfe“, die zur Um-Bildung unseres Schulsystem aufrufen. BeGEISTerung solle im Vordergrund stehen. Siehe die Referenten des diesjährigen Vision Summit EduAction.

Den im Folgenden aus Gründen des Urheberrechts nur kurz hier wiedergegebene, sehr ergreifenden Brief, hat Henning Sußebach an seine Tochter geschrieben und auf Zeit Online veröffentlicht. Der Vater zeigt an vielen Punkte auf, woran so Vieles auch in der Aus-bildung krankt.

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Liebe Marie,

erinnerst Du Dich noch an den Tag, an dem wir das letzte Mal im Kino waren? An diesen Tierfilm, den Du so gerne sehen wolltest? Wie hieß der bloß noch? Ich glaube, Tiger, Bären und Vulkane, aber sicher bin ich mir nicht. Denn unser Ausflug liegt schon ein paar Monate zurück. Wir sind alle zusammen mit dem Auto in die Stadt gefahren: Mama, Henri, Du und ich. Es war Sonntag – und wir beide saßen mit Karteikarten auf der Rückbank und haben gelernt. Wie viel ist 172? Wie viel 56? Wie viel 28? Auf dem Weg nach Hause dann noch mal: 27 = 128, 182 = 324, 56 = 15625. Und noch mal. Und zur Sicherheit gleich noch mal.

Wir hätten so viel Sinnvolleres tun können auf unserem Heimweg! Den Bildern der Bären nachhängen und Bonbons lutschen zum Beispiel. In dem Zauber verweilen, den jeder kennt, der aus dem Kinodunkel ins Licht tritt – als laufe man erwachend durch einen Traum. Aber noch nicht mal an einem Sonntag ist es mir gelungen, Dich das Kind sein zu lassen, das Du sein solltest mit zehn Jahren.

Bitte mach mir diesen Mist nicht nach, wenn Du erwachsen bist, Marie!

Du merkst schon: Der Brief, den ich Dir schreibe, ist eine verzwickte Angelegenheit. Du wirst ihn genau lesen müssen, damit Du alles verstehst. Und dass Du verstehst, ist wichtig: Denn es geht um Dein Leben und um das, was wir Erwachsenen daraus machen.

Ich werde Dir von Schülern berichten, die krank werden vom dauernden Üben. Von Bildungsexperten, die Euch vorm Lernen warnen. Und von Eltern, die ihre Kinder trotzdem nicht Weiterlesen …

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