Archiv

Posts Tagged ‘Bindung’

Sind wir auf dem Weg in eine bindungslose Gesellschaft, den Wenigen zum leichteren Nutzen?

Februar 13, 2017 3 Kommentare
Dagmar Neubrunner von Bewusst.TV

Dagmar Neubrunner von Bewusst.TV

Im Anschluss an ihr Interview zur Analyse, was Hollywood-Filme mit uns machen, möchte ich ferne noch ein weiteres mit Dagmar Neubronner bringen, dessen Thema mir noch viel brisanter zu sein schein, beobachte ich doch, wie auch in meinem Umfeld (eigentlich?) intelligente Menschen sich dem Druck der Karriereleiter beugen und ihre Kleinsten möglichst schnell in der Kita abgeben. Es geht im Kern darum, mit wem unsere Kleinsten Bindungen aufbauen. Und das darf Eltern doch nicht egal sein oder? Aber horcht mal selbst rein:

Auf dem Weg in die bindungslose Gesellschaft?

Viele kennen George Orwells Zukunftsroman „1984“ und seinen skizzierten Überwachungsstaat, der sich mittlerweile fast wie eine Puppenstube ausnimmt gegenüber bereits existierenden Überwachungsmethoden. Doch nur wenige kennen Aldous Huxleys „Schöne Neue Welt“ (Brave New World), in der eine in Kasten gegliederte Gesellschaft entworfen wird – die Menschen werden in der Retorte erzeugt – deren oberstes Prinzip die absolute Bindungslosigkeit und die schnelle Befriedigung körperlicher Bedürfnisse durch Konsum und Sex (als Religionsersatz) darstellt. Die Droge „Soma“ hemmt darüber hinaus das selbstständige und kritische Denken. Auch Dagmar Neubronner hielt diesen Roman damals für eine Warnung, mittlerweile sieht sie darin eher eine Agenda.

Von der Gesellschaft praktisch unbemerkt vollzieht sich der Wandel in diese Richtung auf allen Ebenen: ein Drittel aller Kinder in Deutschland kommen mittlerweile per geplantem Kaiserschnitt zur Welt, während freie Hebammen durch praktisch unbezahlbare Haftpflichtversicherungs-Policen systematisch zur Aufgabe ihres Berufes genötigt werden. Es gibt schon Politikerinnen, die insgesamt den Frauen das Gebären ersparen wollen. Durch KiTas und Ganztagsschulen werden Kinder von ihren Eltern entfremdet und orientieren sich zunehmend ausschließlich an Gleichaltrigen (Peergroups), die familiäre Bindung, und damit der seelische Schutz und Raum für Heilung von Verletzungen geht immer mehr verloren.

Dagmar Neubronner lernte durch die Mutterschaft von zwei freilernenden Weiterlesen …

„Warum der Kindergarten unserem Kind nicht gut tat“

Oktober 28, 2016 1 Kommentar

Ich hatte den Artikel im Juni begonnen und ganz übersehen, ihn noch auf die Reise zu schicken. Nun aber, von Amy:

Überall hört und liest man es: Der Kindergarten ist ein oder sogar der Eckpfeiler der Kindheit. Kontakt zu Gleichaltrigen ermöglichen das Erlernen sozialer Kompetenzen. Ausgebildete Fachkräfte sollen unsere Kleinen von vorne bis hinten fördern und durch die professionelle Betreuung unserer Lieblinge wird uns Eltern die Ausübung des Berufes ermöglicht, wir sind kein verschwendetes Humankapital. Juhu!

Ich finde das alles etwas übertrieben und vorBaby & Kleinkind Halt geben allem vermisse ich da die Bedürfnisse der Kinder. Gerade im Krippenbereich gruselt es mich, denn ich frage mich, wie man den Kindern bei einem Betreuungsschlüssel von 1:5 gerecht werden will. In den ersten Lebensjahren geht es vor allem um Bindung, Verlässlichkeit und Sicherheit. Was wir in unseren ersten Lebensjahren erleben, prägt uns für unser gesamtes Leben, obwohl wir uns an diese Zeit nicht erinnern können. Da frage ich mich: Fühlt mein Kind sich sicher, wenn ich es gegen seinen Willen abgebe? Empfindet es mich als verlässlich, wenn es meine Nähe braucht, um sich sicher zu fühlen, und ich gehe trotzdem? Das Konzept Geld verdienen kann es ja noch nicht begreifen.

Für mich stand jedenfalls fest, dass meine Kinder frühestens woanders betreut werden, wenn sie sich verständlich ausdrücken können. Wenn sie Sorgen haben, möchte ich diese verstehen können.

Wird der Kindergarten den Kindern gerecht?

Ich wage tatsächlich, dies zu bezweifeln. Wenn ich überlege, wie viel Platz X Kinder haben, dann sehe ich zu wenig Raum für Bewegung und zum Aus-dem Weg-gehen oder Sich-zurückziehen. Wenn ich überlege, wie viele Kinder zusammen kommen, fallen mir vor allem der Lärm und die Unordnung (damit meine ich nicht das verstreute Spielzeug) auf. Wenn ich mir den tatsächlichen Betreuungsschlüssel, der selten beim empfohlenen 1:3 liegt, anschaue, dann sehe ich ungestillte Bedürfnisse, übersehene Trauer, Angst und Sorgen…

Ja, sie tun ihr Weiterlesen …

Lassen Sie Ihr Kind nicht alleine, wenn es weint!

Geborgenheit (c) Foto Helene Souza - pixelio.de

Geborgenheit (c) Foto Helene Souza – pixelio.de

Nur wer als Baby und Kind in Stress- und Angstsituationen erfahren hat, dass ihm jemand beisteht, entwickelt die Fähigkeit sich mit der Zeit selbst beruhigen zu können und kann Erregungszustände besser regulieren.

Dass etwas mit unserem Weltbild die Bildung betreffend nicht in Ordnung ist und das mit dem Entwickeln mündiger Bürger in unseren Schulen immer weniger gut gelingen scheint (u.a. weil der heimliche Plan hinter Aus-bildung ein ganz anderer als von uns angenommener war), haben wir hier schon reichlich angeschaut. Auch dass wir unseren Kleinen mit Blick auf Bindung und Abgabe in Kitas nicht wirklich etwas Gutes tun (hier, und hier). Und was passiert, wenn mit den Kleinsten ganz anders umgegangen wird, haben wir von Jean Liedloff kennen gelernt (hier).

Nun lasst uns auch nochmals einen Blick auf unsere aller Kleinsten werfen, den Babies. Auch hier ist wohl besser umzudenken. Ich habe es als 1958er noch erleiden müssen, was die Nazidoktrin zur Abhärtung von kleinen Mens-chen bedeutete, und habe das bei meinen Kindern schon anders machen können. Aber lest selbst:

Wenn ein Baby weint, dann gibt es hierfür immer gute Gründe.

Es hat entweder Angst, Durst, Hunger, Schmerzen, ist erschöpft, fühlt sich alleine, ist überstimuliert, ist gelangweilt, hat zu warm oder zu kalt oder spürt die Sorgen und Anspannung der Eltern. Manchmal ist es nicht zu enträtseln warum das Kind weint. Aber nie schreien Babys um Eltern zu ärgern, um Macht über Sie zu erlangen, aus Spaß oder aus Boshaftigkeit. Und doch, wie oft weinen Säuglinge im Kinderwagen oder nachts im eigenen Zimmer, ohne dass jemand kommt und es herausnimmt und es beruhigt.

Weinen ist ihre einzige Überlebensgarantie.

Weinen ist für Babys die einzige Möglichkeit ihr Unwohlsein zu zeigen. Wenn Babys weinen fühlen sie sich hilflos und alleine. Der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie Karl Heinz Brisch schreibt in seinem Buch SAFE – sichere Ausbildung für Eltern: „Für Eltern ist es ausgesprochen wichtig zu wissen, dass Säuglinge selbst noch nicht in der Lage sind größeren Stress ausreichend zu regulieren, also auch nicht sich selbst zu beruhigen. Sie brauchen von Anfang an mindestens eine Bindungsperson, die durch feinfühligen Körperkontakt, etwa zärtliche Berührung, Blickkontakt und verständnisvolle Worte, ihren Stress mit ihnen zusammen reguliert und abbauen hilft. Auf diese Weise vermittelt die Bindungsperson ein Gefühl von emotionaler Sicherheit. Erst durch viele solcher hilfreichen Erfahrungen lernt der Säugling wie Stressregulation möglich wird.“

Was hilft am besten den Stress der Kinder zu beruhigen?

Weiterlesen …

Schmerzgrenze – wann sind wir aggressiv?

November 8, 2015 26 Kommentare

Zu kooperieren, Anderen zu helfen und Gerechtigkeit walten zu lassen, ist eine global anzutreffende, biologisch verankerte Grundmotivation.
Joachim Bauer

Was löst Aggressionen aus? Die Neurowissenschaft stellt nun fest, dass der Mensch eben nicht von einem Aggressionstrieb gesteuert wird. Unser primärer Antrieb ist der der Bindung zwecks Gelingens einer sozialen Kooperation.

Schmerzen lösen Aggressionen aus. Aber, und das ist eine neue Erkenntnis: Die Schmerzsysteme in unserem Gehirn reagieren nicht nur, wenn unser Körper Gewalt erfährt sondern auch dann, wenn ein Mensch sozial ausgegrenzt wird, gedemütigt, nicht geachtet wird (= Verachtung) wird oder wenn er wichtige Bindungen verliert, wenn sich Jemand abwendet. Nun wird klar, warum auf Ausgrenzungen und Demütigungen ein Mensch aggressiv reagiert.

Damit wird auch nochmals die kindliche Bindung zu den Eltern interessant. Die Eltern müssten das Kind nicht verwöhnen. Das Kind muss insgesamt spüren: diese Eltern mögen mich, sie sind an mir leidenschaftlich interessiert. In einer solchen Bindung machen vollzogene Strafen zu Korrektur von Verhalten dem Kind nichts aus. Das Kind braucht solche emotionalen Bindungen mit Erwachsenen. Aber auch Erwachsene brauchen ein soziales Netz, in dem vertraut werden kann.

Aber auch Gesellschaft mit einer größeren Spanne von Armut und Reichtum geraten in das Spannungsfeld von größerer Aggressionen. Arme Menschen nehmen sich gegenüber jenen im Reichtum lebenden als ausgegrenzt wahr. In solchen Ländern sind die Mord und Selbstmordraten deutlich höher.

In dem folgenden Video spricht Joachim Bauer über die neuen Erkenntnisse der Neurowissenschaften rund um das Thema Aggression, über die er auch in seinem Buch Schmerzgrenze: Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt schreibt. Ein hörenswerter Beitrag, wie ich finde, da er mit einem alten Mythos des von Grund auf schlechten Menschen aufräumt:

Weitere interessante Bücher von Joachim Bauer:
Selbststeuerung: Die Wiederentdeckung des freien Willens
Das Gedächtnis des Körpers: Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern
Arbeit: Warum sie uns glücklich oder krank macht

Der Mensch, ein faszinierendes Wesen – der Schale erster Teil

September 27, 2015 27 Kommentare

Schnappfisch-1283Die Facetten des Menschen sind vielfältig wie alle Wesen, welche die Natur – und damit unseren Planeten – bevölkern. Im Kern sind wir vereint, dieser Wesens-Kern jedoch ist von vielen Schalen umgeben und gleicht den Schichten einer Zwiebel. Dieser Beitrag soll eine der äußeren Schalen beleuchten – wohl wissend, dass immer nur auf diese Seite der Betrachtung Licht fallen kann, welche dem Betrachter zugewandt ist.

Wo der Mensch in dem globalen Dorf derzeit steht, beschreiben unzählige Beiträge – nicht nur auf diesem Blog, sondern in der gesamten Blogsphäre ausführlich. Der kritische Mensch ist aufgerufen, sich ein eigenständiges Bild der Lage zu machen, was unser Geldsystem, Wirtschaftssystem, Sozialsystem, aber auch die Auswüchse des Verteilungskampfes von Arm nach Reich und dessen Wirkungen in Form von Kriegen und Flüchtlingswellen betrifft.

Schauen wir uns nun die erste Schale an.

Wir leben in einer Welt, die kaum noch zeitliche Reserven bietet – zumindest in den technologie-fortschrittlichen westlichen Staaten. Um diese soll es hier im Kern zuerst einmal gehen. Dass Zeit zu haben ein wesentlicher Aspekt ist, welcher das kritische Denken beflügelt, die Kreativität freisetzt und Voraussetzung ist, sich selbst zu entdecken, wird jeder nachvollziehen können, wenn er sich eine Auszeit nimmt. In dem stetigen Fluss von Arbeit, Terminen, Familie und Konsum bleibt noch ein kleiner Teil für den Schlaf, dann sind die 24 Stunden verplant und der Zyklus setzt sich am nächsten Tag fort. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen würde alleine 1 Stunde tägliche Reflektionszeit ausreichen – nur woher nehmen, wenn nicht stehlen?

So nutzen wir lieber die Zeit zur scheinbaren Erholung vor dem Fernseher oder bei Massenveranstaltungen – gerne auch im Weiterlesen …

Über die wirkungsvollste Art, Kriminalität vorzubeugen …

Jean Liedloff starb 2011 mit 84 Jahren

Jean Liedloff starb 2011 mit 84 Jahren

Erkennen wir einmal die Folgen unserer Behandlung von Babys, Kindern, anderen und uns selbst und lernen, das wirkliche Wesen unserer Gattung zu respektieren, dann werden wir unvermeidlich sehr viel mehr erfahren über unsere Anlage zur Freude.
Jean Liedloff

Ich habe auf meiner letzten Heimreise mal wieder in dem Buch Auf der Suche nach dem verlorenen Glück: Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit von Jean Liedloff geschmökert und eine Passage gefunden, die gerne vorstellen möchte. Jean war lange Zeit im Amazonas bei den Yequaner und hat 1977 über ihre Erkenntnisse dort besonders mit Blick auf den Umgang mit den Kleinsten geschrieben. Ich bin Baujahr 1958, also noch zu einer Zeit auf die Welt gekommen, in der Babys in ihrer wichtigsten Zeit im Krankenhaus lange Zeit abseits der Mutter in sterilen Betten, also ohne Bindung herumliegen und mit dem dabei entstehenden Stress irgendwie umzugehen lernern mussten. Jean prägt in diesem Buch den Begriff des Kontinuumsbedürfnisses, das die Yequaner-Babys in den Armen ihrer Mütter bei Bedarf jederzeit ausbilden dürfen und das uns Kindern der Nachkiegszeit definitiv in der Regel nicht gewährt wurde. Den Abschnitt, den ich aus dem Buch zitieren möchte, zeigt sehr gut auf, was das mit einer Gemeinschaft von Menschen macht:

Yaquener-Mutter mit getragenem Kind

Yequaner-Mutter mit getragenem Kind

Das Kind, das eine feste Grundlage von Kontinuum und Erfahrungen hinter sich hat, nimmt Zuflucht zu körperlichem Trost von seiner Mutter nur in Notfällen. Ein Yequaner-Junge, den ich kannte, kam zu mir, während er sich an seine Mutter festklammerte und vor Zahnschmerzen aus vollem Halse schrie. Er war etwa 10 Jahre alt und von so und erschüttern sicher und Abhängigkeit und Hilfsbereitschaft, dass ich ihn für äußerst diszipliniert gehalten hatte. In meiner „zivilisierten „Sicht schien er einen Meister darin, Gefühle für sich zu behalten; daher erwartete ich, dass er sich in der vorliegenden Situation gewaltige Mühe geben würden, nicht zu weinen beziehungsweise von keinem seiner Gefährten in einem der artigen Zustand gesehen zu werden. Es war jedoch klar, dass er weder seine Reaktion auf den Schmerz noch sein Bedürfnis nach dem ursprünglichen Trost der mütterlichen Arme zu unterdrücken versuchte.

Weiterlesen …

%d Bloggern gefällt das: