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Posts Tagged ‘authentisches Selbst’

Die Kunst der radikalen Ehrlichkeit

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einem Geschäftskollegen über unsere Rollenspielereien im Business, und dass ich mich inzwischen bemühte, mehr nach meinem Naturell zu agieren. Ich sage dazu gerne, mich mit anderen Menschen ‚auf Augenhöhe‘ zu begegnen. Ich habe schon so häufig erlebt, welche Profession erreicht werden kann, auch ohne studiert zu haben. Der erwähnte Kollege meinte ergänzend, das er keine Lust hätte zu lügen. Das wäre ihm viel zu anstrengend, denn er müsse sonst viel Energie darauf verwenden, sich an alle Lügen zu erinnern, um sich nicht im eigenen gesponnenen Netz zu verfangen. Ich möchte dazu noch einen weiteren Text anreichen, den ich auf der empfehlenswerten Transinformation – Information zum Wandel gefunden habe. Es geht um die Kunst der radikalen Ehrlichkeit:

Wir lügen ständig.

Wir belügen uns selbst. Wir belügen alle anderen. Wir verdrehen die Wahrheit. Wir lassen Informationen weg.

In unserer Gesellschaft ist es normal zu lügen. Wir gehen sogar so weit, dass kleine Lügen gut sind, weil sie verhindern, dass Menschen verletzt werden. Für mich ist das nur ein Ansporn für das Ego, um sich selbst in seinen heimtückischen Tricks zu verwickeln.

Seit einigen Wochen experimentiere ich mit radikaler Ehrlichkeit.

Und was ich mit radikaler Ehrlichkeit meine, ist dies:

  1. Integrität – Totale Ausrichtung zwischen meinen Gedanken, Worten und Handlungen
  2. Keine relevanten Informationen zurückhalten

Radikale Ehrlichkeit bedeutet NICHT, sich auf dem Weg zu machen, um Leute zu beleidigen. Wenn jemand im Raum ist, der stark übergewichtig ist, werde ich nicht zu ihm hingehen und sagen: „Hey, du bist fett.“ Das tut nur ein Idiot. Wenn diese Person jedoch zu mir käme und fragte, ob sie übergewichtig sei, würde ich „ja“ sagen. Nicht mit der Motivation, gemein zu sein, sondern weil es ehrlich und relevant ist.

Denke daran, es gibt keine festen Regeln in dieser Sache. Es geht darum, dir selbst treu zu sein und sich engagiert jeder einzelnen Situation zu nähern.

Wie Unehrlichkeit uns kaputt macht

Jeder wird dir sagen, dass Lügen „schlecht“ ist und Ehrlichkeit „gut“ ist. Also werde ich nicht darauf eingehen.

Es gibt jedoch einige subtile, heimtückische Probleme, die Unehrlichkeit erschaffen …

Mehrere Gedankenstränge Weiterlesen …

Warum massenhaft Schafe jubelnd den Wölfen folgen …

Unserem Glück auszuweichen haben wir alles unternommen.
Vlado Kristl

Wir hatten hier auf dem Blog schon einmal das Thema der Selbstentfremdung (siehe z.B. Dem Leben entfremdet …). Auch diesen Faden möchte ich nochmals aufgreifen und einen Text von Götz Eisenberg bringen, in dem er der Frage nachgeht, wie man es sich erklären kann, dass Massen von Menschen politischen Kräften folgen, die ihnen Schaden zufügen. Die Dressur zum Gehorsam in der frühen Kindheit und die ein Leben lang wirksame „Identifikation mit dem Aggressor“ verhindere die Entwicklung der Fähigkeit zu Mitgefühl und Solidarität– mit uns und anderen:

Götz Eisenberg, Gefängnispsychologe

Götz Eisenberg, Gefängnispsychologe

Das „falsche Selbst“ und die Wendung gegen das (eigene und fremde) Glück – .

„Früh in der Kindheit“, berichtet Theodor W. Adorno in seinem Buch Minima Moralia, „sah ich die ersten Schneeschaufler in dünnen schäbigen Kleidern. Auf meine Frage wurde mir geantwortet, das seien Männer ohne Arbeit, denen man diese Beschäftigung gäbe, damit sie sich ihr Brot verdienten. Recht geschieht ihnen, dass sie Schnee schaufeln müssen, rief ich wütend aus, um sogleich fassungslos zu weinen.“

Der kleine Theodor reagiert zunächst ganz im Sinne der Erwachsenenwelt, deren Urteile und Vorurteile er sich zu eigen gemacht hat. Die Schneeschaufler trifft seine mitleidlose Wut. Dann aber kriegt er die Kurve und er beginnt zu weinen – aus Scham wegen seiner Anpassung und aus Mitleid mit den frierenden Menschen. Der kleine Junge schlägt sich auf die Seite der gequälten Männer, in deren Leiden er sich wiedererkennt.

Reif und erwachsen werden bedeutet für die meisten Kinder und Jugendlichen, sich die beschädigte Existenz des durchschnittlichen Erwachsenen zu eigen zu machen. Unter dem Druck elterlicher Strafandrohungen und Strafen identifiziert sich das Kind mit den Normen und Werten der Erwachsenen. Ein Kind kann ohne das Wohlwollen und die Zuwendung der Erwachsenen nicht existieren, zu groß ist seine Angst vor Liebesverlust und Verlassenheit. Arno Gruen beschreibt diesen Vorgang in seinem neuen Buch Wider den Gehorsam so:

Wenn ein Kind von demjenigen, der es schützen sollte, körperlich und/oder seelisch überwältigt wird und das Kind zu niemandem fliehen kann, wird es von Angst überwältigt. Eine Todesangst sucht das Kind heim. Es kann nicht damit leben, dass die Eltern sich von ihm zurückziehen. Ohne Echo für seine ihm eigene Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit kann ein Kind nicht überleben. Es übernimmt, um seine Verbindung aufrechtzuerhalten, die Erwartungen der Eltern. Auf diese Weise wird das seelische Sein eines Kindes in seiner autonomen Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit geradezu ausgelöscht.

Das Kind unterwirft sich den elterlichen Weiterlesen …

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