Archiv

Posts Tagged ‘Antifaschismus’

Zeit für eine Begriffsklärung: Was genau ist eigentlich Faschismus?

Februar 22, 2020 11 Kommentare
Bild: Wikipedia

Inzwischen wird der Begriff des Faschisten dermaßen inflationär ohne wirkliche Schärfung benutzt, dass es mir ein Anliegen war, doch einmal genauer auf seine innere Bedeutung zu schauen. Und schon kam mir dieses Gespräch von Eva Herman mit Andreas Popp von der Wissensmanufaktur passend daher. Fazit: Faschismus bedeutet im Kern, die Bündelung vieler kleiner Kräfte zu einer großen. Spontan musste ich gar an den Slogan der Genossenschaftsbewegung denken:

Was einer allein nicht schafft, schaffen viele.

Im alten Rom wurde die Bündelung von Macht mit den Fasces symbolisiert. Auf Wikipedia lesen wir:

Die Fasces (lateinisch fascis, is m.: Bündel, i. d. R. Plural Fasces) sind ein Rutenbündel, in dem ein Beil steckt. Fasces waren das Amtssymbol der höchsten Machthaber bei den Etruskern und später im Römischen Reich. Die Rutenbündel wurden diesen von ihren Amtsdienern (Liktoren) vorangetragen, weshalb sie auch Liktorenbündel genannt werden. In neuerer Zeit wurde das Symbol in Staaten verwendet, die sich auf das alte Rom berufen, etwa von den Vereinigten Staaten von Amerika, dem republikanischen Frankreich sowie dem faschistischen Italien.

Eine mögliche Deutung könnte die Symbolik sein, dass ein einzelner Stab leichter zu brechen ist als ein Stabbündel. Das Beil stand als Symbol für die Todesstrafe, die von den Amtsträgern angeordnet werden konnte.

Zitiert aus Wikipedia

Und dann kommen wir doch ins Staunen, wer sich mit dieser Symbolik auf höchster Ebene behängt, sprich sich als Faschist outet: „In God we Trust“, so das US-Amerikanische Regierungssystem.

Weiterlesen …

Der Faschist in uns

Offizielles Logo der Antifaschistischen Aktion , leicht geändert zu jener aus 1932 (Quelle: Wikipedia)

Mich verstören seit geraumer Zeit die Aktivisten der Anti-Faschisten, denn ich nehme sie inzwischen genauso faschistisch wahr, wie sie ihre Feinde, die Faschisten. Nun habe ich einen Text gefunden, der darauf schaut, was denn die treibende innere Kraft ist, ein Faschist zu sein. Und da scheint klar zu werden: Wer Angst vor Freiheit hat, wird sich unterordnen, aber auch selbst Andere drangsalieren wollen. Also auch das ab ins Regal:

Faschismus

Nicht zufällig wurde in diesem Buch deutlich, dass sich Gruppierungen, seien es politische Parteien oder Glaubensgemeinschaften, gegenseitigen Faschismus vorwerfen. Weiter oben habe ich bereits ausgeführt, dass insbesondere bei diesem Thema die Mechanismen des blinden Flecks und die Negierung des Schattens greifen, mit anderen Worten:

Für Faschisten gilt dasselbe wie für Populisten – es sind immer nur die anderen.

Da die meisten Menschen wenig über die tiefenpsychologische Struktur des Faschismus wissen, glauben viele, das gegnerische Lager würde einer politischen Ideologie aufsitzen, man selbst aber wäre frei von jeglicher faschistoider Tendenz. Deshalb möchte ich an dieser Stelle eine kurze Begriffsklärung beziehungsweise Differenzierung von Faschismus und faschistoidem Charakter einbringen:

Faschismus im klassischen Sinne ist tatsächlich eine politische, anti-demokratische Ideologie, die sich durch Verherrlichung der eigenen In-Group (Nation, Glaubensgemeinschaft, Rasse), Führerprinzip, Totalitätsanspruch, militärische Strukturen, mythische (Ersatz-)Religion u.v.m. auszeichnet.

Weiterlesen …
Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter: ,

Keine Reaktion ohne Aktion! – Treiben die Antifa-Aktivisten die Mitte nach Rechts?

Februar 17, 2018 24 Kommentare

Offizielles Logo der Antifaschistischen Aktion , leicht geändert zu jener aus 1932 (Quelle: Wikipedia)

Der neue Faschismus wird nicht sagen:
Ich bin der Faschismus. Er wird sagen:
Ich bin der Antifaschismus.
Ignazio Silone – Sozialist und Schriftsteller,
u.a. schrieb er das Buch Der Faschismus
– seine Entstehung und Entwicklung

Der Blogger Hadmut Danisch wunderte sich stark über die Verteidigung von Merkel durch Antifaschisten auf einer Demo ‚Merkel muss weg‘ in Hamburg (siehe z.B. hier) und nahm das zum Anlass, sich in die Geschichte der Antifaschisten einzuarbeiten. Als Ergebnis seiner Recherchen stellt er über seine beiden Artikeln 80 Jahre Antifa und Merkel, Antifa und Mussolini eine für mich schlüssige These auf und vergleicht die Trends von heute mit denen um 1933:

Die äußerst ruppigen Aktionen der Antifaschistischen Aktion und ihr Wille zur Schaffung einer Mischrasse in einer global regierten Welt treiben die verstörten Menschen, die der Mittelschicht zugerechnet werden, hin zu dem, was als Rechts bezeichnet wird: eine populistische Bewegung zur Sicherung der aktuell gelebten und gewohnten, eben nicht fremden Kultur in einer Nation.

Für mich ein weiteres Aha war die Erkenntnis, dass Faschismus von dem italienischen Bündel von Reisig abgeleitet wird. Jeder kennt das Bild, dass ein einzelnes Ästchen leicht geknickt werden kann. Aber mehrere lassen sich nur schwer beugen. Dieses Bild inspirierte die italienischen Sozialisten vor 80 Jahren zur   Benennung ihrer Kampfverbände. Und am Ende ist der Kampf von Faschisten und Anti-Faschisten ein Kampf unter sozialistischen Brüdern, wobei eigentlich gemeint ist, ein Kampf zwischen Kapitalisten und Anti-Kapitalisten. Und gleichzeitig der Kampf für Anti-Rassismus (Aktion) versus den für den Anti-Anti-Rassismus (Reaktion).

Ich finden die Schlüsse, die Hadmut zieht, bedenkenswert, und ich mag seinen ruhigen, unaufgeregten Schreibstil. Also stelle ich die beiden beiden Artikel 80 Jahre Antifa und Merkel, Antifa und Mussolini  auch hier mal ins Regal. Weiterlesen …

%d Bloggern gefällt das: