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Posts Tagged ‘Anarchismus’

Regiert sein heißt …

September 24, 2017 18 Kommentare

Zum Ausklang der Wahl zum 19. Bundestag der Bundesrepublik Deutschland möchte ich ergänzend die Erkenntnisse des Anarchisten Pierre-Joseph Proudhon würdigen:

Pierre Joseph Proudhon (1809 – 1865), französischer Politiker, der sich als erster einen Anarchist nannte (Foto: Wikipedia)

Regiert sein heißt, bei jeder Handlung, bei jedem Geschäft, bei jeder Bewegung versteuert, patentiert, notiert, registriert, erfasst, taxiert, gestempelt, vermessen, bewertet, lizensiert, autorisiert, befürwortet, ermahnt, behindert, reformiert, ausgerichtet, bestraft zu werden.

Es heißt, unter dem Vorwand der öffentlichen Nützlichkeit und im Namen des Allgemeininteresses ausgenutzt, verwaltet, geprellt, ausgebeutet, monopolisiert, hintergangen, ausgepresst, getäuscht, bestohlen zu werden; schließlich bei dem geringsten Widerstand, beim ersten Wort der Klage unterdrückt, bestraft, heruntergemacht, beleidigt, verfolgt, mißhandelt, zu Boden geschlagen, entwaffnet, geknebelt, eingesperrt, füsiliert, beschossen, verurteilt, verdammt, deportiert, geopfert, verkauft, verraten und obendrein verhöhnt, gehänselt, beschimpft und entehrt zu werden. Das ist die Regierung, das ist ihre Gerechtigkeit, das ist ihre Moral.

Gefunden in: Idée générale de la révolution au dix-neuvième siècle (Garnier frères, 1851, p. 341)

Und zur Anregung gleich noch eine Breitseite zum Thema Wahlen hinterher:

Die 100 größten Irrtümer über das Wählen

In diesem Artikel können wir gleich zum Anfang lesen:

Durch Wählen hat man als Bürger faktisch Null Einfluss auf politische Entscheidungen. Was die Politiker nachher untereinander in Fraktionen und Koalitionen auskungeln, da hat der Bürger nichts zu melden, kein Veto, kein Volksentscheid, kein gar nichts: Klappe halten und applaudieren. Mehr wird dem Bürger trotz großschwafeligen Reden von „Mitbestimmung“ nach wie vor nicht zugestanden. Auch alles Fakt. Und nicht selten wird das genaue Gegenteil von dem was vorher versprochen oder ins Parteiprogramm gedruckt wurde, gemacht. Nicht mal die Richtung der Politik wird somit durch den Wähler bestimmt. Von daher ist das Postulat einer Richtungsentscheidung durch Wählen reine Makulatur. Wahlen sind reine Personalentscheidungen und hierzulande (Deutschland) bedeutet das eine demokratisch unkontrollierte Blankovollmacht für die gewählten Politiker.

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Kein Gott, kein Herr! Eine kleine Geschichte der Anarchie

David Graeber (Foto: Wikipedia)

Mit großer Wahrscheinlichkeit bist auch Du ein Anarchist.
So titelt ein Artikel des Anarchisten David Graerber

Ich las vor einiger Zeit schon einmal über die Geschichte der Anarchie, ein Buch von Horst Stowasser, nun fand ich eine recht gute Dokumentation, die aufzeigt, warum die Medien der Herrschenden das Bild von Chaos und Gewalt an die Wand werfen, und Andere sagen, dass Anarchismus die höchste Form der Organisation sei, weil sie auf dem Mut des Ungehorsams gründet. Aber schaut wie immer mal selbst rein in dieses bewegende 20. Jahrhundert, von dem wir in den Schulen eher sehr wenig erfahren können:

Der Anarchismus ist das natürliche Kind der Aufklärung, die Anerkennung des Individuums, Herr seiner selbst zu sein. Der Anarchismus ist die Antwort auf die dunklen Seiten des Kapitalismus und wurde im Schatten der großen industriellen und landwirtschaftlichen Ausbeutung geboren. Der Anarchismus stellt die Frage nach der Moral des Menschseins, die ein Leben ohne Staat, Geld und Grenzen auf Grundlage von Freiheit, Vernunft und Gleichheit idealisiert.

Der Anarchismus brachte die Welt immer wieder ins Wanken, ermöglichte aber auch die ersten sozialen Errungenschaften und beeinflusste die großen Revolutionen des 20. Jahrhunderts. Wo nahm diese Bewegung ihren Anfang, die seit 150 Jahren jeden Herrn und jeden Gott ablehnt? Warum ist der Anarchismus, der eine bessere Welt wollte als die, die sie früher war, noch immer aktuell?

Vom Aufstand der Pariser Kommune 1871 bis zur Gründung der ersten großen Gewerkschaften, von der Entstehung libertärer Milieus mit alternativen Lebensentwürfen bis hin zur Einrichtung freier Schulen: Die anarchistische Bewegung hat die ersten Revolutionen angestoßen und gehört zu den entscheidenden Triebkräften großer sozialer Errungenschaften. Die zweiteilige Dokumentation beleuchtet von Frankreich über Japan bis nach Chicago und Buenos Aires die Ursprünge dieser politischen Philosophie und porträtiert die geistigen Väter der anarchistischen Bewegung wie etwa Pierre-Joseph Proudhon oder Michail Bakunin. Darüber hinaus beleuchtet der Film Ereignisse und Meilensteine der Arbeitergeschichte vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts und bringt so die bedeutende Rolle der Anarchisten für die sozialen Bewegungen unserer Zeit ans Licht. Die Dokumentation befasst sich unter anderem mit der Gründung der Ersten Internationale, dem Tag der Arbeit, dem Kampf um den Achtstundentag und den Attentaten während der Belle Epoque.

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Zum 140. Geburtstag des Literaten und Pazifisten Hermann Hesse

Juli 2, 2017 26 Kommentare

Heute ist der 140. Geburtstag
von Hermann Hesse, 1877-1962

Wer wird wohl dem großen, preisgekrönten Literaten,
dem prinzipiell überzeugten, friedliebenden, verunsicherten,
selbstkritischen, aber positiv praktizierenden Pazifisten
einige würdigende Worte der Anerkennung widmen…
oder wird man abermals, in üblich nihilistischem Nachhinein,
nur Gegensätzliches und Widersprüchliches auflisten?
Wer wird ihn wirklich achten und ehren?
Wer wird ihn abermals denunzieren
und destruktiv entwerten und entwürdigen?
Wer wird im Inhalt seiner Werke wühlen?
Wer wird abermals die persönliche Problematik
seines Werdens und Wirkens
abermals vollkommen, entstellen, verdrehen und verwirren? Weiterlesen …

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Keine Macht für Niemand

Ich begann den Blog mit der Ahnung, dass es um unsere Demokratie als der besten aller Regierungsformen nicht zum Besten stand, und so sah ich mich nach Alternativen neben dem real existierenden, aber genauso wenig anziehenden Kommunismus/Sozialismus um. Und so fand ich Hinweise, dass die Ideen des Anarchismus, von dem uns in den Medien immer ein Bild von Chaos und Gewalt gezeichnet wird, recht gute Ansätze hätte. Ich ging der Empfehlung zu Horst Stowassers Buch Anarchie!: Idee – Geschichte – Perspektiven nach, das ich anschließend meinem Vater zur Lektüre gab, und das dann meine unpolitische Mutter mit damals 77 Jahren sogar noch zuerst las und anschließend zu mir völlig begeistert sagte: „Das war ja ein richtig spannendes Buch. Und ja, so zu leben kann ich mir gut vorstellen.“

Kurz nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, fand ich noch einen weiteren sehr spannenden Artikel. Er beschäftigt sich auch mit den Ereignissen, deren 25. Jährung gerade von dem Einen oder Anderen gefeiert wurde, von zunehmend mehr Deutschen aber wohl eher nicht, da auch hier die Wahrheiten zunehmend besser erkannt werden. Vielen Dank jedenfalls an den Autor Jochen Schmück, der mir erlaubte, seinen Artikel hier nochmals zu veröffentlichen!

Vorab noch ein kurzer Hinweis auf ein Interview, das ich vor 3 Wochen führte, und auch gut zum Thema passt: Alle Macht für niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten – Interview mit dem Autor Dr. Andreas Zeuch

Keine Macht für Niemand

ZUR ERINNERUNG AN DIE FRIEDLICHE REVOLUTION IN DER DDR 1989/90

Ostberlin, 4. November 1989. Mehr als eine halbe Million Menschen demonstrieren auf dem Alexanderplatz gegen das SED-Regime für Meinungs-, Versammlungs- und Reisefreiheit. Es ist die größte frei organisierte Massendemonstration, die die Deutsche Demokratische Republik jemals erlebt hat, und sie markiert ihren historischen Wendepunkt.

Das Machtgefüge der SED-Diktatur, in der die Macht der Mächtigen auf der Ohnmacht der Ohnmächtigen beruhte, war im Herbst 1989 aus dem Lot geraten. Immer mehr Menschen waren das erniedrigende Schweigen und Dulden leid und leisteten mit friedlichen Mitteln Widerstand. Dem hatte das politische System, das mehr als vier Jahrzehnte lang das Leben seiner Bürger kontrolliert und reglementiert hatte, nichts mehr entgegenzusetzen. Von da ab ging es für das SED-Regime nur noch abwärts. Genaugenommen implodierte es, sein Herrschaftsapparat brach einfach in sich zusammen. Das war seltsam und in der jüngeren Geschichte Europas ein bis dahin einzigartiges Phänomen. Niemand war mehr da, der die Macht mit aller Macht verteidigen wollte und noch seltsamer war: Niemand mehr wollte die Macht haben, eine Zeitlang zumindest schien es so.

Keine Macht für Niemand! Die Losung der Anarchisten aus Weimar

Eine Gruppe von Anarchisten aus Weimar auf der historischen Demo vom 4. November 1989.
© Günter Blutke, Berlin 2009

„Keine Macht für Niemand!“, diese Losung propagierten einige Weiterlesen …

Was ist so schlecht an Nazis?

Larken Rose

Larken Rose

Der Satan selbst ist der Großmeister aller Politik. Politiker sind die Stellvertreter Satans auf Erden und die Richter sind ihre Knechte. Ihre Aufgabe ist es, Unrecht als Recht zu verkaufen und aus gewissenhaften Menschen unkritische Befehlsempfänger zu machen.
Jakob Lorber, Prophet (1800 – 1864)

Dieter Broers erzählt in seinem Buch Der verratene Himmel: Rückkehr nach Eden davon, dass er seit über 30 Jahren danach forscht, was das Leid in unserer Welt erzeugt, und ist sich relativ sicher, dass es die Archonten sind (siehe).  Larken Rose dagegen sieht als Grund für das Leid auf unserem Planeten unsere Regierungen, die auf Basis einer Verfassung mit dort festgeschriebener Wahrung der Menschenrechte Macht zum Wohle der Gesellschaft ausüben „dürfen“. Rudolf Engemann (Danke an ihn) hat sich die Mühe gemacht, das Video mit dem Titel: „What’s so bad about Nazis?“ zu übersetzen. Hat Larken Recht mit seiner Analyse?

Was ist so schlecht an Nazis?

Hey, hier ist Larken Rose, ich möchte, dass ihr mir sagt, was so schlecht an den Nazis ist… Und dies ist nicht etwa eine rhetorische Frage, sondern ich möchte tatsächlich eine Antwort. Was ist so schlecht an Nazis?

Die meisten Menschen werden unabhängig von ihrem tatsächlichen Geschichtswissen oder ihrer Philosophie antworten: Na ja, die Nazis haben eine Menge Menschen umgebracht. Ja… und das ist tatsächlich schlecht. Das ist etwas, was sie getan haben. Doch als die Nationalsozialistische Partei sich in Deutschland zur Wahl stellte und auch gewählt wurde, lautete ihr Programm nicht: Wählt uns und wir werden einen Haufen Menschen umbringen. Niemand hat so ein Wahlprogramm, weil damit niemand gewählt werden würde. Nun, ich hätte dieses Video auch nennen können: Was ist schlecht an den Kommunisten oder am Kommunismus… weil die Antwort auf beide Fragen gleich ist.

Der Grund warum ich diese Fragen stelle ist, weil die meisten Menschen diese Schubladen in ihren Köpfen haben… Nazis oder Kommunisten… Und sie haben eine ungefähre Idee, dass irgendetwas daran schlecht sein muss, aber sie wissen nicht genau was. Und wenn du sie fragst, was das eigentliche Problem und der tatsächliche Fehler an den Nazis war, wissen sie es nicht genau. Wenn du sie fragst, ob sie die dahinterliegende Philosophie definieren oder auch nur beschreiben können, haben sie keine Ahnung. Es waren eben einfach irgendwelche bösen Deutsche… Nun, es hatte nichts damit zu tun ein Deutscher zu sein und es hatte auch nichts damit zu tun, dass sie das Swastika benutzt haben, nach dem Motto, du bist böse, wenn du das Swastika‐Zeichen benutzt…

Aber es gibt tatsächlich etwas fundamental Böses in der Philosophie der Nazis und das ist der Grund, warum es so geendet ist. Und dasselbe fundamental Böse befindet sich auch im Kommunismus und auch im Sozialismus.  Und wenn das in Politik umgesetzt wird und eine Regierung damit arbeitet… dann werden eine Menge Menschen sterben.

Nochmal… als Mao an die Macht wollte… als Stalin an die Macht wollte ‐ nimm wen du willst ‐ niemand von denen hat vor der Wahl gesagt: Weiterlesen …

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