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Posts Tagged ‘Aggression’

Arbeitsteilung als Ursache für überschießende Aggression

Arbeitsteilung von Charly Chaplin parodiert …

Der Blogger-Kollege fingerphilosoph hat einen bedenkenswerten Artikel auf seinem Blog veröffentlicht, den er mir erlaubt hat, auch hier noch Mals zu bringen. Geht es doch um ein wichtiges Thema: Woher kommt unsere Aggressivität und damit unsere Kriege? Stellt sich die Frage, ob das Bewusstsein über die Zusammenhänge ausreichen würden, keine Kriege mehr anzuschieben. Aber lest selbst:

Arbeitsteilung als Ursache für überschießende Aggression

Seit es Menschen gibt, soll es ungefähr 15.000 Kriege mit geschätzten 3,5 Milliarden Toten gegeben haben. Das heißt: bei 100 Milliarden Menschen, die insgesamt gelebt haben, wäre in der Vergangenheit jeder 30. durch Krieg und Gewalt umgekommen. Im 20. Jahrhundert starben 100 bis 185 Millionen Menschen in weit über 100 Kriegen. Was den Zeitraum nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute betrifft, wird von mindestens 25 Millionen Kriegstoten ausgegangen. Wie fragwürdig solche Zahlenspiele auch immer sein mögen, geben sie doch wider, womit wir es zu tun haben, wenn von menschlicher Aggression die Rede ist.

Mich beschäftigt immer wieder die Frage nach dem Ursprung dieser Aggression, für deren Ausmaß es im Tierreich keine Entsprechungen gibt. Natürlich verhalten sich auch Tiere aggressiv und Gewalt ist durchaus ein Erfolgsrezept der Evolution, wenn auch kein häufig angewandtes. Dennoch sprengt die Aggression, wie sie beim Menschen zutage tritt, diesen “natürlichen” Rahmen bei Weitem.

Die Sonderrolle des Menschen wird häufig mit dem Zivilisationsprozess in Verbindung gebracht. So behauptet Erich Fromm, dass die Kriegslust mit der Zivilisation zugenommen hat und macht dafür den Besitz verantwortlich. Je mehr Besitztümer es zu erwerben und zu verteidigen gibt, desto größer werden nach Fromm in einer Gesellschaft Habgier, Hass und Neid. Tatsächlich gibt es einige egalitär organisierte, unspezialisierte und “unzivilisierte” Jäger- und Sammlergesellschaften, die so friedlich wie Bonobos zusammenleben, wozu beispielsweise verschiedene Pygmäenstämme in Zentralafrika gehören.

Umgekehrt wird jedoch genauso behauptet, dass der Zivilisationsprozess den Menschen friedlicher mache, als er von Natur aus ist. Auch diese Aussage kann mit Zahlen belegt werden. Die höchsten Homizidraten gibt es ebenfalls in von der Zivilisation relativ unberührt gebliebenen Jäger- und Sammlerkulturen. Bei den !Kung in der Kalahari beträt sie 30 bis 50 pro 100.000 im Jahr, bei Urvölkern in Papua-Neuguinea oder im Amazonas sogar 100 bis 550. Im Vergleich dazu kommt Deutschland auf gerade mal 2 pro 100.000 und sogar die USA samt ihrem Waffenkult schaffen auch nicht mehr als 10 pro 100.000 im Jahr.

Merkwürdigerweise scheint beides zu stimmen: der Zivilisationsprozess macht die Menschen einerseits friedlicher und andererseits kriegerischer. Was kann man mit einer solchen Aussage also anfangen?

Was die friedlichen Jäger und Sammler betrifft, ist mir folgendes aufgefallen: Weiterlesen …

Schmerzgrenze – wann sind wir aggressiv?

November 8, 2015 26 Kommentare

Zu kooperieren, Anderen zu helfen und Gerechtigkeit walten zu lassen, ist eine global anzutreffende, biologisch verankerte Grundmotivation.
Joachim Bauer

Was löst Aggressionen aus? Die Neurowissenschaft stellt nun fest, dass der Mensch eben nicht von einem Aggressionstrieb gesteuert wird. Unser primärer Antrieb ist der der Bindung zwecks Gelingens einer sozialen Kooperation.

Schmerzen lösen Aggressionen aus. Aber, und das ist eine neue Erkenntnis: Die Schmerzsysteme in unserem Gehirn reagieren nicht nur, wenn unser Körper Gewalt erfährt sondern auch dann, wenn ein Mensch sozial ausgegrenzt wird, gedemütigt, nicht geachtet wird (= Verachtung) wird oder wenn er wichtige Bindungen verliert, wenn sich Jemand abwendet. Nun wird klar, warum auf Ausgrenzungen und Demütigungen ein Mensch aggressiv reagiert.

Damit wird auch nochmals die kindliche Bindung zu den Eltern interessant. Die Eltern müssten das Kind nicht verwöhnen. Das Kind muss insgesamt spüren: diese Eltern mögen mich, sie sind an mir leidenschaftlich interessiert. In einer solchen Bindung machen vollzogene Strafen zu Korrektur von Verhalten dem Kind nichts aus. Das Kind braucht solche emotionalen Bindungen mit Erwachsenen. Aber auch Erwachsene brauchen ein soziales Netz, in dem vertraut werden kann.

Aber auch Gesellschaft mit einer größeren Spanne von Armut und Reichtum geraten in das Spannungsfeld von größerer Aggressionen. Arme Menschen nehmen sich gegenüber jenen im Reichtum lebenden als ausgegrenzt wahr. In solchen Ländern sind die Mord und Selbstmordraten deutlich höher.

In dem folgenden Video spricht Joachim Bauer über die neuen Erkenntnisse der Neurowissenschaften rund um das Thema Aggression, über die er auch in seinem Buch Schmerzgrenze: Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt schreibt. Ein hörenswerter Beitrag, wie ich finde, da er mit einem alten Mythos des von Grund auf schlechten Menschen aufräumt:

Weitere interessante Bücher von Joachim Bauer:
Selbststeuerung: Die Wiederentdeckung des freien Willens
Das Gedächtnis des Körpers: Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern
Arbeit: Warum sie uns glücklich oder krank macht

Vom Nutzen des Fußballspiels … mit Blick auf #WM2014

Fussballplatz (Foto: Peter Smola - pixelio.de)

Fussballplatz (Foto: Peter Smola – pixelio.de)

Marian hat einen lesenswerten Kommentar zu meinem Artikel Warum ich mich dafür entscheide, dem maximal Profit-orientierten WM-Rummel nicht durch mein Zuschauen weiter zu unterstützen geschrieben, den ich hier gerne als eigenständigen Artikel zur weiteren Diskussion stellen möchte, zeigt er doch auf, dass Fußballspiele einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten im Stande sind. Ich habe den Text minimal angepasst, so dass er hier für sich alleine stehen kann.

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… In einem Fussballspiel hat man beides auf kleiner Fläche vereint: Aggression einerseits und Zusammenhalt andererseits. Manchmal kochen die Aggressionen hoch und manchmal kocht das Wir-Gefühl hoch. Aggressionen führen in der Verstärkung manchmal zu Schlägereien und das Wir-Gefühl zur Verbrüderung mit seinem Ausbeuter.

Ich bin grad deshalb ein Befürworter von Fussball: Fussball zeigt, wie der Mensch wirklich ist. Da fallen die Masken. Ansonsten spielen wir nämlich meistens bloß Rollen und uns gegenseitig was vor. Mir ist es lieber, ich weiß, mit wem ich es zu tun habe. Ich bin lieber mit den Menschen, wie sie sind, in Kontakt, als mit Menschen, die sich gegenseitig nur geschönte Selbstbilder voneinander präsentieren.

Meiner Erfahrung nach ist es ein geschöntes Selbstbild, wenn wir von uns als Menschen glauben, dass wir alle friedlich und immer nett zueinander wären, wenn bloß die Umstände oder die Weiterlesen …

“Freiheit” ist für viele echtes Gift …

Chattison hat zum Artikel Meine Hypothese: Faschistoider Geist sitzt im Kern des Lebens einen Kommentar verfasst, der einen eigenen Artikel Wert ist, als:

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Ich greife mal das Stichwort “Muster” auf: “Aggression” = lat. aggredi = “ich gehe auf etwas zu”.

Das Muster der Aggression wäre demnach ursprünglich das eines Kontaktbestrebens.

Ein Kontakt wiederum ist immer eine Schnittstelle, über die Transformation durch Austausch läuft.
Im Austausch kommt es zu Vermischungen, Verwirbelungen, Integration, Desintegration, um bestehende Muster zu erhalten oder neue Muster zu erzeugen. (siehe Gene, siehe Luft-Wasser-Erde-Grenzflächen, siehe Kommunikation etc.).

Damit ist das Prinzip der Aggression ein unverzichtbarer Bestandteil der Erzeugung, des Erhalts und der Erweiterung des Lebens selbst.

Was ist nun mit der „faschistoiden“ Aggression?

Ein ursprünglich positives Moment kehrt sich hier in sein Gegenteil um.
Eine Abtrennung (quasi die Verweigerung oder zumindest Einschränkung der Kommunikation, des Wandels, der Integration etc.) ist für das Entstehen, den Erhalt und die Erweiterung des Lebens ebenfalls wichtig (z.B. Membrane, zur Entstehung/Erhalt von Potentialgefällen, Grenzflächen als Friktions- und damit auch Fraktalgenerator selbst).

Es liegt also eine “entartete” Aggression vor, dergestalt, dass die prinzipiell sinnvolle Balance zwischen Abgrenzung und Austausch gestört ist.
Sie wird unverhältnismäßig zu Gunsten der Abgrenzung verschoben (sozusagen statt Osmose/Semipereabilität nur noch Extremklausur – lässt sich ja auch schön an diversen Staatengebilden und Regierungsmustern beobachten).

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