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Marx für Dummies – die Achte

Dieser Artikel ist die Fortsetzung von 123456 und 7:

Karl Marx in der Post eines Freimaurers
Bild: Wikipedia

4.) Tendentieller bzw. schleichender Fall der Profitrate

Carthaginem esse delendam – Karthago muß zerstört werden. Nein, nicht doch. Die große Stadt des Moloch zerstört sich selbst. Will dieser Text Panik verbreiten? Nein, nicht. Die Definition eines Problems ist der erste Schritt zu dessen Lösung.

Im Augenblick ihrer Geburt stieg Aphrodite in vollendeter Gestalt aus der Gischt des Meeres hervor, strahlend rein und betörend schön. Die modernen Produktionsweisen bzw. die modernen Gesellschaften bzw. die Industriegesellschaften kamen auf andere Weise zur Welt. Ihr Jahrhunderte währender blutiger Geburtsvorgang war erst abgeschlossen, als die große Mehrzahl der Konsumtions- und Produktionsmittel nicht mehr von ihren Konsumenten für sich selbst oder für kleine lokale Märkte, sondern in großer Stückzahl als Waren für den Verkauf auch auf den entferntesten Märkten hergestellt wurden. Moderne ist Warenproduktion für große öffentliche Markträume.

Alle guten Dinge haben etwas Lässiges
und liegen wie Kühe auf der Wiese.

wußte Nietzsche, Prophet des totalen Fiaskos der Moderne

Die wissenschaftlich-technischen bzw. modernen Produktionsweisen sind keine auf der Wiese liegende Kuh, sondern ein galoppierendes Pferd, welches mit jedem zurückgelegten Meter größer, schneller und stärker wird. Und infolge des tendentiellen Falls der Profitrate zugleich hungriger, wütender und verzweifelter. Mag die gesamtmarkträumlich durchschnittliche organische Zusammensetzung des Kapitals anfangs bei 1 zu 9 gelegen haben, sprich: 10 Prozent des Kapitals sind konstant, tote Arbeit, und 90 Prozent sind variabel, lebendige Arbeit, so liegt dieses Verhältnis heute – wer weiß das schon genau – bei vielleicht 10 zu 1; die organische Zusammensetzung des Kapitals wächst mit der Zeit. Immer weniger Menschen produzieren immer mehr und auch neuartige Waren, und es werden diese Waren – Ausnahmen gibt es leider mehr als genug – in der Regel billiger, leistungsfähiger und besser.

Das konstante Kapital, die tote Arbeit, ist zu einem unvorstellbar mächtigen Verstärker des variablen Kapitals geworden, der lebendigen Arbeit. Und diese Verstärkung schreitet voran, sie wird vom Wettbewerb erzwungen.

Die organische Zusammensetzung läßt sich nicht beliebig wählen, sie folgt dem Zwang zur Erhaltung der marktlichen Wettbewerbsfähigkeit durch Steigerung der pro Zeiteinheit produzierten Warenstückzahl, was einer Verbilligung – bei Marx „Verwohlfeilerung“ – der Waren gleichkommt. „Herstellkosten senken!“ lautet die den Unternehmen infolge des marktlichen Wettbewerbs aufgenötigte Devise. Exakt dies meint auch das Wort Produktivitätssteigerung. Investition in Maschinerie steigert die Produktivität, falls die Investitionskosten niedriger als die Lohnkosten der von der investierten Maschinerie ersetzten lebendigen Arbeitskraft sind.

Der sich in der Summe ergebende Effekt, ein verringerter Einsatz von Wert, kommt einem Sinken der im Produktionsprozeß insgesamt verausgabten Summe von konstantem und variablem Kapital bzw. von toter und lebendiger Arbeit gleich. So auch von gesamtmarkträumlich überhaupt verausgabter Arbeitszeit. Was die Quelle allen Mehrwerts und so zugleich die reale Basis allen Profits schwächt.

Der sogerade beschriebene Zusammenhang, von Marx «tendentieller Fall der Profitrate» genannt, zeigt sich schlicht anhand von im Laufe der Zeit sinkenden unternehmerischen Profiten. Für die private Ökonomie, die Betriebswirtschaft, gibt es kein Ding, das Mehrwert heißt. Wie unsichtbar der Mehrwert auch immer sei, wird jedesmal, wenn ein warenproduzierender oder -transportierender Betrieb variables Kapital durch konstantes ersetzt, die Mehrwertproduktion dieses Betriebes um einen bestimmten Betrag verringert. Exakt um diesen Betrag nimmt der gesamtmarkträumlich verfügbare Profit ab.

Spart ein warenproduzierendes oder -transportierendes Unternehmen Arbeitszeit ein, ergibt sich der dem gesamtmarkträumlichen Kapital verlorengehende Profit, indem der eingesparte Arbeitslohn mit der gesamtmarkträumlich durchschnittlichen Mehrwertrate multipliziert wird. Eingedenk der enormen Höhe dieser Rate – hierzu gleich mehr – geht es nicht um Kleinigkeiten. Zwar wirkt die mit dem Wachsen der organischen Kapitalzusammensetzung gegebene Verringerung des betrieblich insgesamt eingesetzten Kapitals sofort und unmittelbar entlastend auf die betriebliche Profitrate. Doch die Konkurrenz schläft nicht und zieht schnell nach. Sobald das Strohfeuer kurzzeitigen wettbewerblichen Kostenvorteils erst einmal verpufft ist, werden die Verkaufserlöse mittel- bis langfristig sinken. Da nun aber die Kosten der Altinvestitionen ungemindert weiter fortbestehen und zu bedienen sind, sinkt mit den Verkaufserlösen der Profit. Den letzten beißen die Hunde, und wer der letzte ist in der langen Reihe derer, die Zahlungsmittel aus dem Profit entnehmen, ist kein Geheimnis. Es ist die *Kapitalrendite* oder der Unternehmergewinn.

Die nichtmarxsche politische Ökonomie hat für das Schrumpfen des gesamtmarkträumlichen Profits keine Erklärung – muß ihr doch mit Mehrarbeit, Mehrprodukt, Mehrwert und deren gesamtmarkträumlicher Begrenztheit zugleich die Obergrenze für den gesamtmarkträumlich zu realisierenden Profit unbekannt sein.

Fortsetzung folgt

Kategorien:Ökonomie Schlagwörter: , , ,
  1. Oktober 11, 2020 um 3:21 pm

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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