Startseite > Ökonomie > Marx für Dummies – die Vierte

Marx für Dummies – die Vierte

Dieser Artikel setzt die drei ersten Artikel 1, 2 und 3 fort:

Halle und Warenströme aus der Vogelperspektive

Karl Marx in der typischen
Pose eines Freimaurers
Foto: Wikipedia

Aus der Vogelperspektive auf die Halle geschaut, gehen dort Waren ein und aus. Im Marxschen Sinne Kapitalinvestition sind allein diejenigen Waren, die in die Halle eingehen, um dort (ab)genutzt oder verbraucht zu werden, nämlich Maschinen, Arbeitsmittel, Roh- und Hilfsstoffe plus die unmittelbar händisch warenproduzierenden Arbeitenden. Auch diese repräsentieren bei Marx Warenströme, nämlich die Ströme jener Waren, welche die Arbeitenden der Halle zur Aufrechterhaltung ihrer Arbeitskraft benötigen und von ihren Löhnen kaufen können. In der Person des Arbeitenden gehen quasi Waren in die Halle ein. Politisch-ökonomisch ist alles Warenstrom.

Der aus der Halle ausgehende Warenstrom verzweigt sich je nach Branche sehr verschieden. Konsumgüter gehen an Arbeiter, Angestellte, Unternehmer, Beamte, Freiberufler, Militärangehörige, Rentner, Arbeitslose, Privatiers, Kinder, kurz: an Alle, ob groß oder klein, jung oder alt. Investitionsgüter gehen an Staat und Unternehmen. Allen Warenströmen gemeinsam aber ist der Rückfluß von Geld vom Käufer an den Verkäufer. Mit diesem Rückfluß ist Konkretes zu Abstraktem geworden, Niederes zu Höherem, Materielles zu Geistigem. Aus Waren wurde Geld.

Am Rande bemerkt, ergibt sich der in Geld ausgedrückte gesamtmarkträumlich durchschnittliche Mehrwert einer Arbeitsstunde näherungsweise, wenn der marxseitig definierte betriebliche Profit (= Warenverkaufserlös minus Kapitalaufwand für die Halle) eines gesamtmarkträumlich durchschnittlichen Unternehmens durch die Anzahl der Arbeitsstunden geteilt wird, für welche an die Halle Lohn gezahlt wurde.

Werden nun sämtliche Hallen des gesamten öffentlichen Marktraums gedanklich zu einer gigantischen GESAMTHALLE zusammengefaßt, und werden die den Hallen zugehörigen Betriebsabteilungen gedanklich ebenfalls zu einem gigantischen Komplex zusammengefaßt, entsteht ein Unternehmen, das alle Waren eines Gesamtmarktraums produziert. Mit dem Bild dieses imaginären Unternehmens im Zentrum all dessen, was im Gesamtmarktraum sonst noch an Unternehmen, Einrichtungen, Dingen und Menschen anzutreffen ist, wird Marxens politische Ökonomie kinderleicht verständlich.

Kapital als Warenstrom

Dem so genannten variablen Kapital rechnet Marx jene in die imaginäre Gesamthalle einströmenden Waren zu, die vom Lohn der unmittelbar händisch warenproduzierenden und -transportierenden Arbeitenden gekauft werden – ganz gleich, ob diese Waren innerhalb oder außerhalb der Halle gekauft, konsumiert oder verbraucht werden. Die das so genannte „konstante“ Kapital darstellenden Waren sind diejenigen in die Gesamthalle einströmenden Waren, die in der unmittelbar händischen Warenproduktion und im Warentransport zum Käufer hin als Maschinen, Arbeitsmittel, Roh- und Hilfsstoffe zum Einsatz kommen.

Mehrprodukt als Warenstrom

Dem Mehrprodukt entsprechen ALLE die Gesamthalle verlassenden Waren, die nicht wieder als vom konstanten und variablen Kapital gekaufte Waren in die Gesamthalle ein- bzw. zurückströmen werden.

ALLES, was die Gesamthalle mit dem Ziel verläßt, außerhalb von dieser (ab)genutzt, benutzt, verbraucht und konsumiert zu werden, ist Mehrprodukt. Erst wenn diese Waren nicht nur gekauft und geliefert, sondern auch bezahlt worden sind, wird aus Mehrprodukt Geld bzw. aus einem Warenstrom ein Geldstrom, nämlich der Profit. Profit ist zu Geld verstoffwechseltes Mehrprodukt.

Allgemein besehen, steht das Mehrprodukt all jenem Einkommen zum Kauf gegenüber, das für Tätigkeiten außerhalb der Halle gezahlt wird. Im einzelnen handelt es sich um die Einkommensarten:

Sozialtransfers, Renten, Löhne außerhalb der Halle, Gehälter, Saläre, Honorare, Dienstbezüge, Beihilfen, Aufwandsentschädigungen, Zulagen, Unternehmergewinne, Gewinnbeteiligungen, Dividenden, Lizenzeinnahmen, Kapital- und Vermögenseinkommen.

Dem Mehrprodukt zum Kauf gegenüber stehen zudem die
Ausgabenbudgets für Personal und Sachmittel der folgenden
Einrichtungen:

Gesundheitswesen, Staat (Parlament, Verwaltungen oder
Behörden wie Bildung, Militär, Polizei, Justiz usw.), private
Verwaltungen und Behörden, Handel, Geldwesen (Banken,
Versicherungen usw.), Kunst und Kultur, Medien und
Politik.

Es ließe sich nun lustig über z.B. die Frage debattieren, ob ein Arzt, der nicht nur ein Medikament verschreibt, sondern eine Galle operiert, nicht doch zur Halle zu rechnen ist, weil er eine materielle Veränderung an einem materiellen Ding vornimmt. Falls es sich bei dem Patienten nicht um einen Sklaven handeln sollte, für den am Markt ein Verkaufserlös zu erzielen ist, muß die Antwort Nein lauten, denn ein Mensch ist keine Ware. Falls es sich jedoch um einen in der Halle Beschäftigten handeln sollte, ist er immerhin Träger einer Ware, nämlich seiner Arbeitskraft, welche einen in Zahlenwert und physikalischer Einheit exakt angebbaren Wert besitzt: auf den Jahresdurchschnitt gerechnet kalendertäglich etwa fünf Stunden. Wer dies tun möchte, mag sich nun den letzten, mit „Am Rande bemerkt…“ beginnenden Textkasten noch einmal anschauen und zu grübeln beginnen.

Was aber ist mit einem bildenden Künstler, der an einem materiellen Ding eine materielle Veränderung vornimmt und für sein Produkt am Markt einen Erlös erzielen wird. Gehört er zur Halle? Nein, nicht, da seinem Produkt die immer gleiche Wiederholbarkeit und so zugleich der Warencharakter fehlt.

Fortsetzung folgt

Kategorien:Ökonomie Schlagwörter: , ,
  1. Du hast noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: