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„Ich will nicht mehr regiert werden!“

Bild: Gesichtet auf der Demo „Tag der Freheit“ am 1.8.2020 in Berlin

Lars Vollmer, ein Unternehmensberater und Autor vieler Bücher, den ich sehr schätze, hat sich ein weiteres Mal zu unserer Krise geäußert. Mit einem längeren Text, in dem er über seine Sicherheit, aber auch Ungewissheit spricht. Und über eine Regierungsweise, die in dieser Zeit der Unwissenheiten nicht mehr funktionieren kann. Und über den großen Teil der Menschen, die sich wieder eine starke Führung wünschen, aus ihrer panischen Angst heraus. Ich erlaube mir, hier seinen Abschlussteil zu veröffentlichen, den ich so gut nachvollziehen kann:

Ein bohrendes Gefühl

Und jetzt? Jetzt wächst mein unruhiges Gefühl weiter. Denn innerhalb des hierarchischen paternalistischen Systems fällt mir keine Lösung ein. Der Korridor des Möglichen und Erwartbaren ist so breit, dass wir eigentlich ganz Vieles gleichzeitig ausprobieren müssten. Wir müssten unterschiedlichste Ideen fördern. Wir müssten von Region zu Region sehr unterschiedliche Experimente durchführen, um schnell herauszufinden, was funktioniert und was nicht.

Aber ich weiß ja: Das würde die Kompetenzvermutung, die der Regierung zugeschrieben wird, untergraben. Das kann sich die Regierung nicht erlauben, immerhin stehen ja im Herbst 2021 Wahlen an.

Alle Beteiligten müssen das Spiel jetzt weiterspielen: Die Politiker, die Medien, die Experten … Aus Sicht der Regierung wäre es aus taktischen Gründen jetzt sehr logisch, die Krise kommunikativ bis zur Wahl zu verlängern. Und das bedeutet vermutlich: Die Angst regelmäßig schüren und so am Lodern halten, damit man mit sich selbst als denjenigen werben kann, die es hinbekommen.

Nur kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die permanente Angst und die dauerhaften Freiheitseinschränkungen spurlos an uns vorübergehen. Ich vermute, dass sich bis zur Wahl darum die Kluft zwischen Kollektivisten und Individualisten in unserer Gesellschaft weiter vergrößern wird. Schon jetzt spüre ich das. Die einen sagen über die Schutzmaske: Ach, das bisschen Stoff … Die anderen: Der Maulkorb ist das Freiheitsberaubungssymbol! – Beide Seiten übertreiben dabei, aber beide Seiten wähnen sich auf der richtigen, auf der guten Seite.

Dramatischer noch: Manche Wirtschaftszweige werden uns bei anhaltenden Einschränkungen komplett um die Ohren fliegen. In Schulen geht uns dramatisch viel Bildung verloren, weil nur noch ein Rumpfprogramm aufrechterhalten wird. An Universitäten sieht es wohl etwas besser aus. Dennoch: Bildung wird künftig noch mehr als bisher schon außerhalb des staatlichen Bildungssystems vermittelt werden. Und das bedeutet: Die Aufstiegsmöglichkeiten aus bildungsfernen Milieus werden noch geringer.

Im Klartext: Es ist aus meiner Perspektive offensichtlich, dass das zentralistische, paternalistische, verantwortungsentziehende, von der Unmündigkeit der Bürger ausgehende Regierungssystem grundsätzlich nicht mehr funktioniert. Bei der Grundstücksadministration im Katasteramt funktioniert es natürlich weiterhin, bei derart komplexen Aufgaben wie einer Pandemie funktioniert es nicht mehr. Verwalten geht so. Regieren nicht. Die Zeit des Regierens ist vorbei.

Nur leider ist nach meinem Eindruck der Wunsch, regiert zu werden in der Bevölkerung groß. Und hier stehe ich im Abseits. Ich will nämlich nicht regiert werden. Ich möchte lediglich informiert werden bzw. mich frei informieren können, ich möchte geordnete und sauber verwaltete Verhältnisse, ich will faire Rechtsstaatlichkeit, ich will dass das Strafrecht hart aber gerecht durchgesetzt wird und dass der Straßenverkehr maßvoll geregelt wird. Ich lehne den Staat also keineswegs ab. Aber ich will nicht regiert werden! Ich traue es nämlich prinzipiell niemandem mehr zu, so ein riesiges Land in einer derart komplexen Welt zu regieren.

Aber ich werde ständig regiert. Und das stört mich.

Und nicht nur mit Blick auf meinen eigenen Freiheitsdrang: Wenn es nur um mich ginge, wäre es ja nicht so schlimm. Aber ich ahne, dass die Steuerung des Systems Gesellschaft durch die aktuelle Form von Regierung schlimme, dramatische Folgen haben kann. Dass es so durch, mit oder trotz der Regierung wirtschaftlich weiter bergab gehen kann, dass das Bildungsniveau absackt, dass die Meinungen noch unversöhnlicher aufeinanderprallen und die Spaltung der Gesellschaft zunimmt, dass all das passiert, gerade weil wir es mit untauglichen Mitteln verhindern wollen.

Jeder, der mir erzählen will, was in dieser Situation kommen wird, dem glaube ich kein Wort und frage mich eher, was er mit seinen Prognosen bezwecken will.
Ich richte mich in dieser bohrenden Ungewissheit ein. Ich bereite mich auch auf einen schlechten Ausgang vor. Und ich versuche mich geistig fit und informiert zu halten, um möglichst viele der parallel ablaufenden Entwicklungen wahrzunehmen.

Innerlich allerdings fühle ich derzeit im Kontrast zu alldem irgendwie ein hohes Grundvertrauen zu mir selbst. Mir wird schon was einfallen! Und ich habe Menschen um mich herum, denen ich vertraue und denen schon was einfallen wird.

Und ihr so?
Lars Vollmer

Quelle, deren erster Teil auch sehr lesenswert ist:
EUCH FÄLLT SCHON WAS EIN!

Nachtrag: Dirk Müller zeigt auf, dass die Angst Jener, die extreme staatliche Übergriffe auf die Freiheit der Menschen, auf ihre Unversehrtheit befürchte, in Dänemark begonnen hat:

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