Startseite > Gesellschaft > „Bei „den Tafeln“ handelt es sich im Prinzip um eine Art „Entsorgungsbetrieb“ unserer Überflussgesellschaft.“

„Bei „den Tafeln“ handelt es sich im Prinzip um eine Art „Entsorgungsbetrieb“ unserer Überflussgesellschaft.“

Aktuell geht Mal wieder das Thema Tafeln durch den Blätterwald. Es werden immer mehr, die das Angebot nutzen … müssen (Beispiel: Reste-Essen: Immer mehr Menschen müssen in Deutschland Armenspeisung nutzen). Die einen sagen, dass hier klar unseren Regierungen der letzten Jahrzehnte ein Armutszeugnis auszustellen sei: Sie haben es nicht geschafft, zum Wohle des Volkes zu wirken, sondern nur seinen Nutzen [für die Eliten] zumehren (Stichwort: Amtseid). Ich veröffentlichte hier schon vor Jahren einen offenen Brief eines langjährigen Helfers der Tafeln, der erklärte, warum er nicht mehr dahinter stehen könne (hier). Udo Rohner sagt dazu:

Bei „den Tafeln“ handelt es sich im Prinzip um eine Art „Entsorgungsbetrieb“ unserer Überflussgesellschaft.

Kommentierte Udo Rohner auf Facebook

Was Udo dann zu sagen hatte, ist so gut, dass ich diese Ideen hier gerne noch ergänzen möchte:

Udo Rohner, auf Facebook

Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, es handele sich bei der Abgabe von abgelaufenen Lebensmitteln und anderen auch von Privatleuten weitergegebenen Produkten wie Kleidung, Spielzeug oder sonstigen nicht mehr benötigten Gebrauchsgegenständen um „milde Gaben“ ….

Eigentlich entlasten „die Tafeln“ unsere Gesellschaft durch die Annahme und Weitergabe von abgelaufenen Nahrungsmitteln und bereits benutzten Gebrauchsgütern, weil dadurch insgesamt betrachtet nicht nur der Entsorgungsaufwand unserer Gemeinschaft reduziert wird, sondern auch noch die Kosten für die Versorgung hilfebedürftiger Mitmenschen.

Die Tafeln tragen dazu bei, unserer Volkswirtschaft zu einer etwas besseren Ökobilanz zu verhelfen, weil ein höherer Anteil der produzierten Waren ihrem Zweck gemäß Verwendung findet anstatt weggeworfen und entsorgt werden zu müssen, und weil ein größerer Teil der sich im Wirtschaftskreislauf befindlichen Produkte über einen erheblich längeren Zeitraum hinweg benutzt wird.

Diese beiden Aspekte gilt es verstärkt hervor zu heben, entsprechend zu honorieren und strukturell auszubauen, z.B. durch die Integration von „Upcycling – Werkstätten“

Die Organisation der Verwendung überschüssiger Lebensmittel ist also im Grunde ein Segen für fast alle Beteiligten ….. nur die Ehrenamtlichen, die gehen leer aus und die Verantwortlichen, die werden verschont.

Daher würde ich zum Einen vorschlagen, das Vernichten überschüssiger Lebensmittel generell zu verbieten, und zum Anderen, 60.000 Arbeitsplätze zu schaffen, die sich hauptberuflich um die Verwertung dieser Lebensmittel kümmern und den Handel verpflichten, diese Stellen zu finanzieren.

Umgelegt auf den Umsatz der Lebensmittelbranche im Bereich der privaten Haushalte in Höhe von rund 150 Milliarden € pro Jahr, würde sich die eine Milliarde, die das in etwa kosten würde, verteilt auf alle verkauften Produkte, die in den Handel gelangen, für den Endverbraucher kaum bemerkbar machen und nur ein paar Cent pro Produkt ausmachen …

Und last but not least wäre ich dafür, zum Einen auch den produzierenden Betrieben zu verbieten, ihre überschüssige Produktion zu vernichten, und zum Anderen würde ich den Besuch der Resteküchen auch dem Rest der Bevölkerung gewähren … denn im Vordergrund sollte stets das Bestreben sein, der Vernichtung von Lebensmitteln eben so entschieden entgegen zu treten, wie der Spaltung der Nation in Arme und Reiche …..“

  1. September 22, 2019 um 3:52 pm

    Hat dies auf haluise rebloggt.

  2. September 22, 2019 um 4:15 pm

    Ja, die „Tafeln“ sind eine für die Lieferanten lukrative Form der Abfall-Beseitigung.

    Auf den ersten Blick sehen sie nach „kostenlos“, nach „Geschenk“, nach „großherziger Spende“ aus, sind aber in Wirklichkeit schlecht kaschierter Hohn.

    Denn letztlich werden diese Bürger mit Müll beworfen.
    Etwas sachlicher formuliert: Man setzt ihn diesen vor.

    Die Abfälle, die diese Menschen zu essen bekommen, hat meine Mutter früher den Schweinen in den Futtertrog gegeben.

    Das ist offener Hohn, jenseits jeglicher Philanthropie.

    Bei den „Lebensmitteln“, die an die Tafeln abgegeben werden, handelt es sich um Waren, die für die Händler und Gastronomen keinerlei Wert mehr haben. Zu deren doppelten Vorteil: Gegen eine „Spenden“-Bescheinigung geben sie ihren Müll ab und sparen auf diese Weise Abfallbeseitigungskosten und… können den Mist auch noch steuerlich absetzen.

    Eine weitere Mülltrennung findet dann anschließend bei den Tafeln – ebenfalls auf Kosten der Gemeinschaft – statt: Ein Drittel wandert dabei sofort in die Mülltonne.

    Eine Regierung, die Derartiges zuläßt oder gar fördert, hat sowohl das Gemeinwohl als auch die Menschenwürde aus den Augen verloren.

    Wem diese Art Familiensinn gefällt, wird womöglich auch den Fakt, daß man in anderen Ländern Menschen auf Müllhalden ihr Essen „stehlen“ läßt, als großzügige humanistische Geste ansehen?

    „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan.“ ~ Jesus v.N.

    Die Würde des Menschen gebietet, daß wir Lebensmittel, die eine „durchschnittliche Mutter“ in die Bio-Tonne wirft, nicht als „wohl-wollende Spende“ deklarieren.

    Nirmalo

  3. September 22, 2019 um 5:39 pm

    Tafeln = Lebensmittel? Das meint ihr wohl nicht im Ernst.

    Dieses längst nicht mehr frische Zeug / Reste / Dreck habt ihr noch für die Armen, schämt ihr euch nicht?

    Ich würde NIE NIE NIE was essen, was daher kommt. (Ganz abgesehen davon daß ich aus gesundheitlichen Gründen nur FRISCHES essen kann). Einfach so aus Prinzip, weil ich sowas nicht unterstütze. Wie man so etwas als „großzügige humanistische Geste“ bezeichnen kann, erschließt sich mir auch nicht.

    Humanistisch wäre, die Menschen hätten so viel Geld, daß sie sich ANSTÄNDIGES Essen selbst kaufen könnten. Es ist ja bekannt, daß HartzVier, Grundsicherung im Alter und Sozialhilfe in diesem reichen Land ca 180 Euro zu niedrig ausfällt. Deshalb gibt es die Tafeln, und NUR deshalb! Und jeder, der da mit macht, unterstützt die Hungergrundsicherung. Auch ihr solltet euch was schämen.

  4. E. Duberr
    September 22, 2019 um 10:46 pm

    Die sogenannten Spenden sind oft ein einziger Betrug . Die „Spender“ lassen sich eine Spendenquittung in doppelter Höhe ausstellen . Die Ware steht oft vor dem Ablaufdatum .
    Wenn der Vorsteher einer Tafel auch noch ein „ehrenwerter Spediteur“ ist , der die Spenderquittungen nur für einen großen Betrug nutzen kann , indem er die Spenden-Waren nach Polen liefert , dort verkauft und große Gewinne macht , dann kann man nur noch
    kotzen . Oder wenn Kleinbetrüger in den Tafeln tätig werden ,die auch den Spendenzettel einsetzen und nach der Abholung auf der Rückfahrt zur Tafel das große UMLADEN an den nächsten Kleinbetrüger stattfindet.
    Dann wird es schon beinahe lustig . Oder wenn der Kleinbetrüger-Einsammler so viel geklaut hat , dass sein eigenes Lager überquillt und er selbst ein Entsorgungsproblem bekommt , dann findet sein Nachbar unter Umständen einen Zentner Bananen vor seiner Haustür oder 20 Kilo Tees aller Sorten . Und alles nur , weil der Einsammler nach dem Motto handelt 50:50 für mich und die Tafel.
    Trotzdem ist das Tafelwesen eine gute Einrichtung , aber die Betrügereien sind enorm .Viele Menschen müssten hungern ohne sie . Der SCHAMLOSE UMGANG mit der Tafel wird besonders deutlich wenn der BEDÜRFTIGE mit der Harley Davidson angeritten kommt oder mit dem SUV .
    Man staunt , wenn der ehrliche Tafelmitarbeiter darüber jammert , dass zu wenig Schokolade von den Firmen gespendet wird und deshalb Kinder leer aus gehen müssen ,während der Betrüger-Einsammler ein Entsorgungsproblem mit zu viel geklauter Schokolade hat .
    Dieses ist ein TATSACHENBERICHT, keine Schmierenkomödie

  5. Martin Bartonitz
    September 26, 2019 um 9:34 am

    Maria Hölzel auf Facebook:
    Danke für den like Udo Rohner!
    Der Beitrag zum Thema „Tafeln“ war übrigens der absolute Volltreffer.
    War mir immer unschlüssig, was man jetzt von den Tafeln halten soll…
    Einerseits das Argument:
    Nicht jeder hat Zugang, der Staat schleicht sich aus der Verantwortung und überlässt alles den Tafeln, wer außer Tafelreichweite wohnt ist dann der Dumme…
    Die echten Probleme werden verdeckt
    Andererseits:
    Soll man nicht mehr helfen und alles dem Staat überlassen, der dann nix macht evtl. Soll man die Sachen alle wegwerfen und den Leuten Geld geben um was neues zu kaufen, wo wieder Abfall anfällt?
    Aber: ist es ok, wenn ärmeren zugemutet wird, das zu nehmen, was da ist und keiner wollte?
    Obwohl es ja eigentlich auf der Hand liegt, dass der Staat für diesen Dienst an Umwelt und Gesellschaft zahlen müsste und JEDER Zugang dazu haben sollte, weil Wegwerfen einfach pfui ist und wenn man das verbietet, muss das Zeug ja auch irgendwo hin. Und welcher Berufstätige mit gutem Einkommen hat Zeit sich da Gedanken zu machen.
    Die gehen lieber ins Restaurant, bestellen und da fällt bestimmt wieder jede Menge Verschwendung an.
    Im Grunde müsste man sich generell dafür einsetzen, dass Ehrenamtliche Tätigkeit, wenn sie sich bewährt, irgendwann halt vom Staat bezahlt wird.
    Bei uns steht seit Jahren eine ehrenamtliche Schülerlotsin am Zebrastreifen und hält bei jedem Wetter Morgens und Mittags die Autos auf.
    Die Stadt hält es natürlich nicht für nötig da nen Überweg mit Ampel zu machen oder Tempo 30 und Schwellen..
    Die Autofahrer halten es auch nicht für nötig zu bremsen, wenn die Frau nicht dasteht und die Polizei hält’s auch nicht für nötig zu schauen, ob Jemand zu nah am Zebrastreifen parkt, so dass man die Kinder nicht sieht..oder die Autofahrer zu bestrafen, die einfach drüberfahren.
    Für die passt alles.
    Die Frau kostet ja nix.

    • September 26, 2019 um 1:53 pm

      „Suppen-Küchen“ und TAFELN sollten ausschließlich notfalls, also nur temporär existieren. Niemals dürfen sie zu einer Dauer-Einrichtung werden! Andernfalls haben wir es mit einem Systemfehler zu tun. Denn dann handelt es sich um das Versagen des Staates: Er hat die Würde des Menschen nicht angemessen beachtet.

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: