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Macht Schule krank?

Lea Rademacher, mit frischem Abschluss des Masters in Pädagogik und Management in der Sozialen Arbeit 

Es muss hinterfragt werden, welcher Nutzen daraus resultiert, dass man den SchülerInnen heutzutage die Freude an der Schule nimmt, indem man gute Leistungsergebnisse als Grund für die eigene Bildung voraussetzt und nicht die Bereicherung durch die Wissenserlangung an sich. …
Insgesamt wäre es auch wünschenswert, wenn SchülerInnen mehr Entscheidungs- und Entwicklungsfreiräume gegeben werden und der momentane wirtschaftliche Fokus des Schulsystems einem sozialpädagogischen weicht.

Lea Rademacher, mit gerade abgeschlossenem Master in Pädagogik und Management in der Sozialen Arbeit 

Vor einiger Zeit hatte meine Stieftochter Lea hier auf dem Blog diesen Aufruf gestartet: Umfrage im Rahmen der Masterarbeit „psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern“. Nun ist die Arbeit ausgeführt und bewertet. Und da ich das Ergebnis als wissenswert für unsere Gesellschaft empfinde, habe ich Lea gefragt, ob sie uns eine Zusammenfassung schreiben möchte. Sie hat eingewilligt und hat mir gerade dankenswerter Weise den folgenden Text übermittelt:

Psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schüler

Depression ist eine Krankheit, von der immer mehr Menschen betroffen sind. Während sie lange als Tabuthema galt und von Betroffenen meist verschwiegen wurde, wird sie in den letzten Jahren jedoch mehr und mehr in das Bewusstsein der Gesellschaft gerückt. Doch obwohl die Thematik immer präsenter wird, bleibt die Erkrankung im Jugendalter häufig unterschätzt. Insbesondere dadurch, dass Depressionen zu den internalisierenden Störungen zählen, was bedeutet, dass sich die Symptome im Inneren des Individuums abspielen und dadurch teilweise für die soziale Umwelt nicht sichtbar sind, bleibt die Krankheit in einigen Fällen unentdeckt (vgl. Bilz 2008, S.10). Dadurch werden depressive Episoden von Außenstehenden häufig erst dann erkannt, wenn der Schweregrad bereits deutlich fortgeschritten ist (vgl. Nevermann/Reicher 2009, S.54). Vor allem in der Schule fallen depressive SchülerInnen im Gegensatz zu Kindern und Jugendlichen mit Aggressivitätsproblemen oder Hyperaktivität selten auf, da sie im Unterricht angepasst und unauffällig wirken (vgl. Bilz 2008, S.9).

Die Schule ist der Ort, an dem die Jugendlichen den Großteil ihrer Zeit verbringen und der einen erheblichen Beitrag zu ihrer Sozialisation und Identitätsentwicklung im Lebensverlauf beiträgt (vgl. ebd., S.10). Zudem sind Jugendliche besonders empfänglich für schulische Einflüsse, da sich im Jugendalter das Bedürfnis nach sozialem Ansehen und positiver Selbstbewertung erhöht und sie sich stärker an selbstbezogenen Rückmeldungen aus ihrem sozialen Umfeld orientieren (vgl. ebd., S.216). Darüber hinaus sollte die Tatsache, dass der LehrerInnenberuf der Beruf mit der höchsten Rate an MitarbeiterInnen im Vorruhestand ist, in Bezug auf die psychische Belastung der SchülerInnen zu denken geben, da sie in den gleichen Strukturen agieren (vgl. Schulte-Markwort 2016, S.200). Aus den genannten Gründen wollte ich in meiner Thesis im Masterstudiengang „Pädagogik und Management in der Sozialen Arbeit“ den Einfluss des Schulsystems auf  die Entstehung und Verbreitung von Depressionen im Jugendalter genauer erforschen. Im Folgenden werden die Thematik der durchgeführten Studie sowie ihre Ergebnisse zusammengefasst. Der theoretische Teil der Masterarbeit wird hierbei bewusst ausgeklammert.

Das Erkenntnisinteresse der Masterthesis fußt auf folgender Ausgangslage: Wie bereits angesprochen hat die Anzahl der an Depression erkrankten Menschen in Deutschland in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Statistiken des Statistischen Bundesamtes (2019) zufolge hat sich die Anzahl zwischen den Jahren 2000 und 2017 mehr als verdoppelt. Während im Jahr 2000 noch etwa 110.000 PatientInnen aufgrund von Depressionen vollstationär behandelt wurden, waren es im Jahr 2017 bereits 266.000 Fälle (vgl. ebd.). Da die Zahlen dieser Statistik ausschließlich Personen einbeziehen, die vollstationär behandelt wurden, was nicht zwangsläufig bei Fällen von Depression vorkommt, sind die Zahlen aller an Depression erkrankten Menschen erheblich höher. Besonders deutlich zeigt sich der Anstieg der Fälle von Depression bei Kindern und Jugendlichen. In der Altersgruppe von Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren vervierzehnfachte sich die Anzahl der stationär behandelten Depressionserkrankungen von 410 Fällen im Jahr 2000 auf 5.790 Fälle im Jahr 2017 (vgl. ebd.). Auch in der Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren zeigt sich diese erhebliche Zunahme. Hier liegen keine Zahlen des Jahres 2017 vor, aber im Vergleich der Jahre 2000 und 2015 gab es siebenmal so viele vollstationäre Aufenthalte von depressiven Jugendlichen und jungen Erwachsenen (vgl. ebd.). Die Anzahl stieg hierbei von 5.200 auf 34.300 Fälle an (vgl. ebd.). Die Statistiken bestätigen somit die Relevanz der Thematik sowie die Notwendigkeit der Erforschung möglicher Ursachen.

Um den Einfluss des Schulsystems auf die Entstehung und Verbreitung von Depressionen im Jugendalter untersuchen zu können, wurden, in Bezug auf die vorgestellten Statistiken, Faktoren des Schulsystems ausgewählt, die erst nach 2000 etabliert wurden. Entschieden wurde sich hierbei für die Expansion der Gymnasien, G8, die Ganztagsbetreuung in Schulen und die stärkere Orientierung an Leistungsergebnissen. Sowohl die stärkere Orientierung an Leistungsergebnissen als auch der Ausbau der Ganztagsschulen sind Konsequenzen der ersten PISA-Studie im Jahr 2000, die in Deutschland auch unter dem Begriff „PISA-Schock“ bekannt wurde (vgl. Klieme et al. 2010). In der durchgeführten Studie wurde die Hypothese aufgestellt, dass diese ausgewählten Faktoren des deutschen Schulsystems zu starkem Stress und Überforderung der SchülerInnen führt. Es wurde demnach nicht untersucht, ob die befragten SchülerInnen Symptome einer Depression aufweisen, sondern ob sie unter Stress und Überforderung leiden. Dieser Vorgehensweise liegt der Befund zugrunde, dass Leistungsüberforderung und starker anhaltender Stress in der Schule einen bedeutsamen Risikofaktor für die Entstehung und Verbreitung von Depressionen im Jugendalter darstellen (vgl. u.a. Nevermann/Reicher 2009, S.144; Tölle 2003, S.65; Bilz 2008, S.72; Mehler-Wex/Kölch 2008, S.151).

Bei der im Rahmen der Masterthesis durchgeführten Untersuchung handelte es sich um eine quantitative Querschnittstudie mit 70 Teilnehmenden im Alter zwischen 14 und 19 Jahren von Kölner Gymnasien, die über einen online zugänglichen Fragebogen teilnehmen konnten. Das zentralste Ergebnis der durchgeführten Studie ist die Bestätigung der Haupthypothesen. Alle ausgewählten Faktoren des Schulsystems lösen bei der untersuchten Stichprobe starken Stress und Überforderung aus.

Abb. 1: Balkendiagramm zur Häufigkeitsverteilung des Stresses durch den Faktor „Ganztagsschule“
 Abb. 2: Balkendiagramm zur Häufigkeitsverteilung des Stresses durch den Faktor „Stärkere Orientierung an Leistungsergebnissen“
Abb. 3: Balkendiagramm zur Häufigkeitsverteilung des Stresses durch den durch den Faktor „G8“
Abb. 4: Balkendiagramm zur Häufigkeitsverteilung des Stresses durch den Faktor „Expansion der Gymnasien“

Der Faktor „Ganztagsschule“ erreicht, wie durch die Balkendiagramme ersichtlich, die höchsten Werte. Es konnten die Angaben von fast der Hälfte der Teilnehmenden den hohen Stresswerten bei diesem Faktor zugeteilt werden. An zweiter Stelle folgt der Faktor „Stärkere Orientierung an Leistungsergebnissen“ und an dritter Stelle G8. Der Faktor, durch den am wenigsten Stress und Überforderung ausgelöst wird, ist die Expansion der Gymnasien. Doch auch bei diesem ließen sich die Aussagen von über einem Drittel der Befragten der Kategorie der hohen Stresswerte zuweisen.

Ein ebenfalls bedeutsames Ergebnis ist der Zusammenhang zwischen dem durch die Faktoren ausgelösten Stress und den körperlichen Stresssymptomen. Je höher der Stress durch die Faktoren also ist, desto häufiger leiden die SchülerInnen auch an körperlichen Stresssymptomen. Die entsprechenden Effektstärken waren besonders hoch und sind größtenteils signifikant, teilweise sogar hochsignifikant. Dieser Zusammenhang besteht demnach auch in der Grundgesamtheit. Auch dieses statistische Ergebnis sagt viel über die Intensität des Stresses aus, der durch die Faktoren des Schulsystems ausgelöst wird. Als die häufigsten körperlichen Stresssymptome konnten Erschöpfung, Angst und Sorgen zu haben und Schlafproblemen ermittelt werden.

Abb.5: Kreisdiagramm zur Häufigkeitsverteilung des körperlichen Stresssymptoms „Erschöpfung“  
Abb. 6: Kreisdiagramm zur Häufigkeitsverteilung des körperlichen Stresssymptoms „Angst, Sorgen Haben“
Abb. 7: Kreisdiagramm zur Häufigkeitsverteilung des körperlichen Stresssymptoms „Schlafprobleme (Einschlaf-/Durchschlafprobleme)“

Insbesondere die Verbreitung von Schlafproblemen in der Altersgruppe ist erschreckend, da diese sich schnell chronifizieren und mit Entwicklungsproblemen in Zusammenhang stehen (vgl. Schlarb/Stuck 2018, S.288). Doch auch die anderen beiden körperlichen Stresssymptome sind aufgrund ihrer hohen Verbreitung ernst zu nehmen. Die Kreisdiagramme zeigen, dass jeweils über die Hälfte der Teilnehmenden angaben, häufig oder immer in schulischen Stresssituationen an ihnen zu leiden.

Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse konnte auch die forschungsleitende Fragestellung „Inwiefern haben ausgewählte Faktoren des deutschen Schulsystems Einfluss auf die Entstehung und Verbreitung von Depressionen im Jugendalter?“ beantwortet werden. Es konnte bewiesen werden, dass die vier Faktoren starken Stress und Überforderung in der Schule auslösen, was als bedeutsamer Risikofaktor für Depressionen im Jugendalter gilt. Es kann also gesagt werden, dass ganztägiger Unterricht, die Folgen der Expansion der Gymnasien, G8 und die stärkere Orientierung an Leistungsergebnissen die Entstehung und Verbreitung von Depressionen bei jugendlichen SchülerInnen begünstigt. In Bezug auf die Statistiken, die den rasanten Anstieg der Zahlen von depressiven Jugendlichen ab dem Jahr 2000 belegen konnten, stellen die nach der Jahrtausendwende eingeführten Faktoren des Schulsystems einen denkbaren Einflussfaktor auf diesen Anstieg dar. Die durchgeführte Thesis weist auf diesen Einfluss hin, es bedarf aber weiterer Forschung, um ihn sicher zu belegen.

Fazit und Handlungsempfehlungen

Nun gibt es bereits einige Bestrebungen auf die steigende Anzahl von SchülerInnen mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen zu reagieren, wie beispielsweise verschiedenste Präventions- und Interventionsprogramme. Dies ist eine wünschenswerte und positive Entwicklung. Trotzdem sollte auch ein Schritt weiter gedacht und in Bezug auf die Auslöser interveniert werden, statt nur die Konsequenzen abzumildern. Es stellt sich auch die Frage inwieweit beispielsweise Stressbewältigungsprogramme helfen können, solange die untersuchten Faktoren weiterhin andauernden starken Stress bei den SchülerInnen auslösen. Wenn Faktoren auf Systemebene die Entwicklung von Depressionen begünstigen, dann sollte auch auf Systemebene angesetzt werden, um Auslöser wie Überforderungen und starken Stress zu minimieren. Es erscheint oft einfacher, im Kleinen Veränderungen anzustoßen, wodurch die Systemebene meist nicht in den Fokus gerät, doch auch dort können Veränderungen sinnvoll sein. Die fortschreitende Rückkehr zu G9, die durch anhaltende Kritik veranlasst wurde, könnte hier ein Schritt in die richtige Richtung sein. Sie könnte auch die Möglichkeit beinhalten, den gebundenen Ganztag an Gymnasien zu minimieren und mehr dazu überzugehen, eine offene Ganztagsbetreuung für von Leistungsdruck losgelöste ganzheitliche Förderung der SchülerInnen auf freiwilliger Basis zu nutzen.

Insbesondere die stärkere Orientierung an Leistungsergebnissen verdeutlicht den Charakter der Leistungsgesellschaft. Durch diese Veränderungen des Schulsystems gerät zunehmend aus dem Fokus, was für die SchülerInnen wichtig ist und dass Bildung mehr als nur berufliche Qualifizierung ist.

Es muss hinterfragt werden, welcher Nutzen daraus resultiert, dass man den SchülerInnen heutzutage die Freude an der Schule nimmt, indem man gute Leistungsergebnisse als Grund für die eigene Bildung voraussetzt und nicht die Bereicherung durch die Wissenserlangung an sich.

In der durchgeführten Studie gab auch nur etwas über die Hälfte der Teilnehmenden an, dass sie gerne zur Schule gehen. Die Bildungspolitik sollte sich daher wieder weniger an wirtschaftlichen Grundgedanken und Bestrebungen orientieren, sondern eher den Fokus auf die Pädagogik richten. Insgesamt wäre es auch wünschenswert, wenn SchülerInnen mehr Entscheidungs- und Entwicklungsfreiräume gegeben werden und der momentane wirtschaftliche Fokus des Schulsystems einem sozialpädagogischen weicht. Solange jedoch noch keine Veränderungen auf Systemebene erreicht sind, was auch mit einem langen Prozess verbunden wäre, kann das Erlernen von Bewältigungsstrategien im Rahmen von Projekten hilfreich sein. Natürlich ist nicht bei allen von Depressionen betroffenen Jugendlichen die Schule der Hauptauslöser. Bei der Erkrankung wird von multifaktoriellen Entstehungsgründen ausgegangen, was bedeutet, dass sie in den seltensten Fällen von nur einem Faktor ausgelöst wird (vgl. Mehler-Wex/Kölch 2008, S.150). Die Gesundheitsförderung, insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit, ist also von großer Bedeutung.

Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass sich Schulen ihrer Einflussmacht bewusst werden und diese im positiven Sinne nutzen. Als Sozialisationsinstanz sind sie ein großer Bestandteil der Lebenswelt Jugendlicher. Die Institution kann einerseits durch Faktoren auf System- und Klassenebene starken Stress auslösen und somit die psychische Gesundheit der SchülerInnen gefährden. Sie kann aber auch ein Ort der Unterstützung sein, an dem der Verbreitung psychischer Erkrankungen präventiv entgegengewirkt und Stress durch Leistungsanforderungen und Bildungsübergängen durch zahlreiche sozialarbeiterischen Maßnahmen abgemildert wird. Kinder und Jugendliche spielen eine zentrale Rolle für die Zukunft der Gesellschaft, daher muss es Priorität haben, ihnen ein gesundes und glückliches Aufwachsen in dieser zu ermöglichen.

Literaturverzeichnis:

Bilz, L. (2008): Schule und psychische Gesundheit. Risikobedingungen für emotionale Auffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Klieme, E. / Jude, N. / Baumert, J. / Prenzel, M. (2010): PISA 2000-2009: Bilanz der Verän-      derungen im Schulsystem. In: Klieme, E. / Artelt, C. / Hartig, J. / Jude, N. / Köller, O. / Prenzel, M. / Schneider, W. / Stanat, P. (Hrsg.): PISA 2009. Bilanz nach einem Jahrzehnt. Münster: Waxmann, S.277-300.

Mehler-Wex, C. / Kölch, M. (2008): Depressive Störungen im Kindes- und Jugendalter. In: Deutsches Ärzteblatt (2008), Nr.105(9), S.149-155.

Nevermann, C. / Reicher, H. (2009): Depressionen im Kindes- und Jugendalter – Erkennen, verstehen, helfen. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. München: Verlag C.H. Beck.

Schlarb, A.A. / Stuck, B.A. (2018): Schlafstörungen im Kindesalter. In: Stuck, B.A. / Maurer, J.T. / Schlarb, A.A. / Schredl, M. / Weeß, H.-G. (Hrsg.): Praxis der Schlafmedizin. Diagnostik, Differentialdiagnostik und Therapie bei Erwachsenen und Kindern. 3. Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag, S.275-316.

Schulte-Markwort, M. (2016): Burnout-Kids. Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert. München: Droemer Knaur.

Statistisches Bundesamt (2019): Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Depressionen. Verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Um    welt/Gesundheit/depression-kinder-jugendliche-imfokus.html [10.04.19]

Tölle, R. (2003): Depressionen – Erkennen und Behandeln. 2. durchgesehene Auflage. München: Verlag C.H. Beck.

Kategorien:Bildung Schlagwörter: , ,
  1. Martin Bartonitz
    Mai 31, 2019 um 8:55 am

    Ich hatte gestern noch einen interessanten Artikel eines Lehrers gefunden, der selbst 10 Kinder hat, und darüber spricht, dass unsere Schule inzwischen abgeschafft gehört, da sie nur noch Wissen von gestern lehrt.

    FOCUS Online: Der Lehrer wäre dann also eher eine unterstützende Kraft und der Schüler hat selbst in der Hand, wann er sich was, wie aneignet?

    Hauschke: Richtig. Wir haben leider nur viel zu viel Angst davor, weil wir glauben, dass diese Selbstständigkeit der Kinder nicht funktionieren würde. Weil wir sie ihnen über die ganze Entwicklung der Schule abtrainiert haben.

    Ich habe zehn Kinder und ich sehe es in meiner eigenen Familie, wie stark sowohl die älteren Kinder lernen, weil sie den Jüngeren etwas beibringen und wie schnell die Jüngeren Dinge lernen von den Älteren, die die Älteren zu diesem Zeitpunkt nicht konnten. Und wir wissen aus Studien, dass Kinder am besten zu zweit lernen und von Kindern lernen. Auch lernen die Jüngeren stärker von den Älteren, weil die es so erklären, dass die Kinder es auch verstehen und weil sie einfach noch näher dran sind. Die älteren Schüler wiederum internalisieren das Erlernte viel besser, weil sie es erklären. Aber wir nutzen das nicht.

    Wir müssen den Mut wieder aufbringen, das Ganze zu öffnen, mehr projektorientiert arbeiten, Klassenräume und Klassenverbände aufzulösen, Klassen. Wir müssen Schule zu einem offenen Lehrraum machen, indem Schüler viel stärker selbstbestimmt voneinander lernen und Lehrer darin nur Lernbegleiter sind, die helfen, wenn Fragen aufkommen, die in Projekte einführen und motivierend Probleme aufstellen, an denen die Schüler sich thematisch abarbeiten können.

    Fundstelle: Noten sind kontraproduktiv – „Vermittelt kein nachhaltiges Wissen“ – Schulleiter fordert: Schafft die Schule ab

    Oliver Hauschke hat seine Überzeugung in diesem Buch veröffentlicht: Schafft die Schule ab: Warum unser Schulsystem unsere Kinder nicht bildet und radikal verändert werden muss

  2. Mai 31, 2019 um 9:01 am

    Es immer wieder faszinierend, wie sehr die organisierte Ausbildung dazu führt, dass tatsächliche Opfer von geplanten und strukturierten Gewaltauswirkungen fingiert als „Erkrankte“ bezeichnet werden.
    Das ist ganz so, als sei Jemand, dem ein Messer in die Rippen gerammt worden, an „partiellem Eisenüberfluss-Syndrom“ gestorben…

    Wenn Menschenrechtsverletzungen als Krankheitsbild behandelt werden, aber die Täter als systemrelevante Leistungsträger, dann sind wir in der von den Opfern als Tätern (selbst) beheizten Hölle.

    Grade psychische „Krankheiten“ werden längst designt und die Symptom“bekämpfungs“industrie“ ist sehr an mehr davon interessiert…

    Hintergrundinfos (von Tätern gerne „Verschwörungstheorien (c) CIA“ gennant)
    hier: https://www.cchr.org/

    • Martin Bartonitz
      Mai 31, 2019 um 9:20 am

      Deine These wird von Herrn Maaz gut untermauer, unter dem folgenden Vortrag von ihm ist zu lesen:

      Ein Normopath ist stets normal und angepasst, sein Verhalten überkorrekt und überkonform. Die Zwanghaftigkeit, mit der er den Erwartungen entspricht, verrät indes, dass er ein falsches, ein unechtes Leben führt…
      Krank ist nicht nur er, sondern vor allem die Gesellschaft, in der er lebt und deren Anpassungsdruck er sich unterwirft – bis er die Gelegenheit gekommen sieht, seine aufgestaute Wut an noch Schwächeren oder am System abzureagieren.

      Der Hallenser Psychoanalytiker und Psychiater Hans-Joachim Maaz ist bekannt für seine brillanten, zukunftsweisenden Analysen kollektiver Befindlichkeiten und gesellschaftlicher Zustände – vom Gefühlsstau, einem Psychogramm der DDR, bis zur narzisstischen Gesellschaft, einer Psycho-Analyse unserer Promi- und Leistungsgesellschaft. In seinem neuen Buch nimmt er Phänomene wie Pegida und AfD, den zunehmenden Hass auf Ausländer, aber auch die Selbstgerechtigkeit der politischen Elite zum Anlass, ein konturenscharfes Bild unseres falschen Lebens zu zeichnen, in dem wir uns lange eingerichtet haben und aus dem uns nun die zunehmende Polarisierung und Barbarisierung unserer sozialen und politischen Verhältnisse herausreißt. Das falsche Leben ist das Buch zur Stunde – Augen öffnend und alles andere als Mainstream.

  3. Martin Bartonitz
    Mai 31, 2019 um 9:23 am

    Gerald Hüther über unser aktuelles Bildungssystem und wie es werden sollte:

  4. Martin Bartonitz
    Mai 31, 2019 um 9:25 am

    Auch Richard David Precht gibt in einer Diskussion mit Schülern über seine Vorstellung der „Schule der Zukunft“ eine schallende Ohrfeige für das deutsche Schulsystem von heute:

  5. Martin Bartonitz
    Mai 31, 2019 um 9:32 am

    Bekam gerade noch den Hinweis auf ein Video, in dem über die Nöte der Lehrer gesprochen wird, die Notengebung betreffend in einer Zeit vieler neuhinzugekommenen Kinder in der Klasse:

  6. E. Duberr
    Mai 31, 2019 um 10:04 am

    Es hat mich schon immer gewundert , dass ich so viel über das Geschlechtsleben der Fruchtfliege gelehrt bekommen habe , nichts aber über die Auswirkungen von Zins und Zinseszins auf mein Leben. Sehr viel von dem Schwachsinn , den Bert Brecht geschrieben hat , nichts aber Von Fr. v. Schillers “ Die Sendung des Mose“ .

  7. Martin Bartonitz
    Mai 31, 2019 um 10:57 am

    Der fiktionale Kinofilm CaRabA zeigt eine Welt ohne Schulen – Landschaften des Frei-Sich-Bildens, wie sie bald schon Wirklichkeit sein könnten. Phantasievoll untersucht der Film, wie das Leben selbst zum fortwährenden Bildungserlebnis wird. Der erste Spielfilm zur Zukunft der Bildung regt an, gemeinsam Visionen zu entwickeln. Die Ausgangsfrage ist: Wann und wo geschieht Bildung eigentlich? Was würden junge Menschen tun, wenn sie ihren eigenen Interessen folgen könnten? In dem Episodenfilm CaRabA forscht SASKIA (24) an einem Schlafmittel und ringt um dessen Anerkennung; der entwaffnend-naive NURI (8) begleitet seinen Vater beim Taxifahren und interviewt die Fahrgäste; der verträumte LOVIS (14) spielt Tischtennis im Park, arbeitet an der Zeit und verliebt sich; MAX (15) malt Waschmaschinen beim Schleudern und entdeckt Gott in Dürer (oder umgekehrt); während bei der erst ziellosen JANNE (15) das Schicksal zum temporären Auszug von zuhause und zur Feldforschung über Familie führt. CaRabA erzählt von Vertrauen – in sich selbst und in die Menschen um einen herum.

    Juni in Solothurn
    Juni in Zürich im Kosmos
    Juni Basel und Bern
    Juni Luzern

    Nähere Infos und weitere Städte: http://www.caraba.de/kino/

    „Der Film ist sicherlich ein wertvoller Beitrag, der Mut macht, dass da etwas geht, was wir bisher gar nicht im Blick hatten. Und es ist ja immer so, dass am Anfang einer großen Entwicklung und eines großen Veränderungsprozesses, erstmal ein Traum da sein muss, wie es anders gehen könnte.” – Gerald Hüther

  8. Martin Bartonitz
    Mai 31, 2019 um 11:01 am

    Harald Lesch darüber, warum das deutsche Schulsystem uns alle verblödet:

  9. Martin Bartonitz
    Mai 31, 2019 um 11:10 am

    „Vielen Danke Frau Dr. Merkel, dass Sie für immer die Hausaufgaben abgeschafft haben!“
    Das fände Herr Lesch eine dolle Nachricht. Warum:

  10. FreidenkenderMensch
    Mai 31, 2019 um 1:34 pm

    Hierzu empfehle ich die Dokumentation „Alphabet: Angst oder Liebe“ von Erwin Wagenhofer aus dem Jahre 2014. Scheint an Aktualität nichts eingebußt zu haben. Trailer:

    Den ganzen Film, nicht kostenlos, auf YT ansehen:

  11. Mai 31, 2019 um 2:59 pm

    Hat dies auf haluise rebloggt.

  12. Martin Bartonitz
    Mai 31, 2019 um 3:37 pm

    Depressionen bei jungen Menschen:

    [video src="https://faszinationmensch.files.wordpress.com/2019/05/depressionen.mp4" /]

  13. muktananda13
    Juni 1, 2019 um 12:53 pm

    Der Verstand wird oft depressiv- aus diversen Mängeln.
    Doch all die Mängel, die zu Depression werden, haben eine gemeisame Ursache: Liebesmangel, die auch Verständnismangel und Minderwertigkeitskomplex verursachen.
    Doch was der individuelle Verstand, was Verständnis, was das Verstandene ist, entgeht eben diesem.
    Er ist jedoch entweder Schüler, Lehrer, Elternteil, Freund, Feind, Bekannter und Fremder. Er ist Laie und Experte. Er überglücklich und/oder depressiv.

    Der Kosmos und all die existierenden Dimensionen und Wesen samt Ereignisse und Wahrnehmungen sind eine kosmische Projektion des Bewusstseins- aus sich und sich selbst.
    Der Beobachter, die Beobachtung und das Beobachtete sind alles allezeit Eines.
    Der Denker, der Gedanke und das Gedachte(das Objekt des Denkens) sind stets Eines.
    Auch das Gute, das Schlechte und das Mittlere sind allezeit Eines.
    Was eine Seifenblase oder ein ausgestrahlter Film auf dem LCD-Fernseherschirm sind, ist das ganze existierende Leben.

    Man kann es verweigern, ablehnen und anzweifeln- aber dadurch wird es nicht ungültig.
    Die Wirklichkeit ist der Zustand jenseits der 5 Wahrnehmungen und dem Karusell der Gedanken und Gefühle.
    Philosophie ist eine Beschäftigung des individuellen, pur subjektiven Verstandes in seiner vergänglichen Welt, innerhalb seiner Erschaffungen: Zeit und Raum – die als Gedanken, Gefühle, sinnliche Wahrnehmungen, Annahmen, Berechnungen, Prinzipien, Ablehnungen, Vorurteile bestehen, die zu Dogmen, Doktrinen und Philosophien werden. Diese formen ihrerseits zusammen den Vorhang, der die Wirklichkeit verhüllt.

    Mit einem gelöcherten Becher kann man nicht den Ozean messen.
    Und der vergängliche Verstand ist nur ein armer Pappbecher.

  14. Fluß
    Juni 2, 2019 um 10:35 am

    Ja, ich schrieb ja schon: reine Philosophie. Wurd ja gelöscht.

    Es geht ja ums Gesetz der Entsprechung. Das bedeutet beiSpielsWeise dass ein Stück Seife das saubere darstellt, ein Hammer das Bauen , ein Stift Geschichten darstellt.

    Eine Grippe nennt sich Influenza. Youtuber, die werben, Bilder zeigen, reden nennen sich Grippevirus. Also Eindringlinge, die krank machen.

    Parteien spalten, da sie nur ein Teil sind. Eine gespaltene Partei ist Bündnis 90/die Grünen, besteht aus mindestens 3 Gruppen.

    Youtube (Tube-Drücker, Drücker-Kolonne) tun so als ob ihre Videos super wären. Die QUAL der WAHL, liegt nicht an der QUAL-ität, sonder es ist wie ein Zappen im TV.

    Und Zappen ist wie ein Werbe-Plättchen anschaun. Und da sind wir wieder bei der Entsprechung. Entsprechung bedeutet auch: Gleiches zieht Gleiches an.

    Youtuber wie Rezo sagen aber nix, sie haben auch trotz längerer Video-Zeit keine Entsprechungs-Botschaft, da sie a) überreizen und b) das anklicken nix über den Anklicket aussagt. Danisch schreibt, 10 Minuten langen für den Gesehens-Vermerk. Zappen ist auch Neu-Gier.

    Kachelmann sagt:
    https://meedia.de/2019/04/26/kachelmann-ueber-duerre-warnungen-der-medien-ueber-90-prozent-aller-geschichten-zu-wetter-und-klima-sind-falsch-oder-erfunden/

    „““Kachelmann über Dürre-Warnungen der Medien: “Über 90 Prozent aller Geschichten zu Wetter und Klima sind falsch oder erfunden” „““
    Schüler, Studenten, Leute in Ausbildung sind Konsumenten, Grippe-Virus aufnehmend (neben der anderen Injekt-Ions-Nadel-Impfungen).

    BeiSpielsWeise gibt’s viele Aufkleber in deutschen Serien, alle eine Entsprechung. Gefunden wieder Antifa und regen Rechts. Die Afd nennen viele Altparteiler rechts, was aber nicht stimmt, da sie neu ist, ist sie in der Mitte. Die anderen Parteien haben Links-Flucht begangen. Die AFD hat keinerlei Aufkleber gegen irgendwas, wird aber als *brutal dargestellt. Sie wollen lediglich, dass die wehrhafte Demokratie wieder lebendlig ist.

    Andere wollen Überwachung, die AFD nicht.
    über-WACH-ung. Wer ist über-Wach. jemand, der im Klar-Traum lebt. Schlafende tun das nicht. Schule und Ausbildung, Studium erzeugen Schlafende/Hypnose.
    Und selber ein Haus baun, Handwerliches, auch mit Garten, gibt’s nicht in der Schule nicht. Schüler sollen liefern, Lehrer sind meistens austauschbar. Meine große Tochter macht bald ein FSJ an einer Schule, da ist schon ersichtlich, dass studierte austauschbar sind.

    Und sie ist im Verein usw… Das sind viele Kinder nicht mehr. Sie trainiert auch andere fürs fitsein.

    Was doch viele machen sind Stiftungen aufbaun und Fördergelder holen. Und viele tun so als geben sie das Geld dann gegen Rechts aus.
    Rechts und Links, Straßenverkehr, Schilder. RECHTSanwälte machen nicht alles recht, sind nicht aufRecht.

    Sprache ist antrainiert, Konditionierung. Genauso Meinungs-Mache mit Reizüberflutung. Konsument soll man sein, anstatt selber herstellen, geist-Arbeit.

    • Martin Bartonitz
      Juni 2, 2019 um 1:16 pm

      Ich habe Deinen Kommentar geparkt. Er hatte keinen Bezug zum Artikel, könnte aber noch eigenständig auf die Reise 🙂

  1. Mai 31, 2019 um 2:58 pm

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