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Führt der Pazifist den falschen Kampf?

Skulpturen auf der Museumsinsel Hoimbroich – Bild: Martin Bartonitz 2018

Ich habe gerade einen Text auf Facebook von Alexander Wölk als Kommentar erhalten, der sich lohnt, hier zur Diskussion zu stellen. Es geht um Jene, die sich für den Frieden einsetzen, sprich den Pazifisten. Es sieht so aus, dass er keinen Frieden erreichen wird, weil er das eigentlich Problem nicht sieht?

 Wie schafft nun der Pazifist die wirtschaftlichen Bedingungen für ein lebenswertes Leben? Wie beendet er den seit Jahrtausenden mit unverminderter Heftigkeit tobenden Bürgerkrieg, wie rottet er die Kapitalisten (Zinsgewinner) und das Proletariat (Zinsverlierer) gleichermaßen aus, wie verhält er sich gegenüber dem Zins, wie zum Privatgrundbesitz, wie zum Recht auf den vollen Arbeitsertrag?
Auf diese Fragen hat der Pazifist zu antworten, wenn er in den Kreisen derjenigen Eindruck machen will, die seit Jahrtausenden Krieg führen und seit Jahrtausenden besiegt am Boden liegen und geschlagen werden. Sieht der Pazifist diesen Krieg nicht, steckt er den Kopf in den Sand, um ihn nicht zu sehen, nun, so kann er einpacken. Das, was er dann noch zu sagen hat, interessiert nur noch die Leute, die nichts anderes wollen, als eine Organisation, und die dann schließlich noch den Krieg ihrer Organisation wegen nicht entbehren wollen, wie jeder Apotheker die Krankheiten, wie jeder Parteibonze die Soziale Frage verewigen möchte.
Es ist ja wahr, dass der Völkerkrieg mit seinen Giftgasen und weiten Schlachtfeldern auf naive Gemüter stärkeren Eindruck macht als der in den Eingeweiden der Staaten bohrende Bürgerkrieg, obschon die Opfer dieses Krieges ungleich zahlreicher sind und unendlich größer ihre Qualen. Denn der Bürgerkrieg erschöpft sich nicht in den täglichen Einzelgefechten, wo 10 bis 50 oder 100 Mann fallen; das sind nur die äußern Erscheinungen. Für den Bürgerkrieg sind die Waffen ohne Knall und Rauch schon längst erfunden in Gestalt von Hunger, Schmutz und Schwindsucht. Und dieser geräuschlose Vorgang ist nicht geeignet, die Aufmerksamkeit oberflächlicher Geister auf sich zu lenken, nicht wie es das Massenmorden der Feldschlacht tut.
Nichtsdestoweniger ist nicht an der Tatsache zu rütteln, dass der Bürgerkrieg die primäre Erscheinung ist und der Völkerkrieg die sekundäre. Der bürgerliche Kriegszustand ist es ja gewesen, der die Anregung dazu gab, die Staaten als Machtorganisationen auszubauen, und die Staaten sind es doch wohl, nicht die Menschen, die wegen der ewig auseinanderstrebenden Interessen zusammenprallen müssen. Ohne den bürgerlichen Kriegszustand wäre es darum auch niemals zu zwischenstaatlichen Kriegen gekommen. Die Staaten würden ebenso friedlich nebeneinander liegen wie die Gemeinden heute nebeneinander liegen. Die Pazifisten packen also das Friedensproblem beim Schwanz an.
Das Problem des Friedens heißt:

Wie schaffen wir bürgerliche Zustände, die den Staat als Machtorganisation überflüssig machen, sodass wir die öffentliche Macht entbehren, bis auf den Nachtwächter abbauen können?“

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  1. muktananda13
    Januar 11, 2019 um 10:59 am

    Wenn der Pazifist kämpft, so wird auch sein Leben zum Duell.
    Wie das Ziel erreicht werden kann, ist simpel: Nichtwählen. Wer wählen geht, wählt Politik; wählt man Politik, wählt man Interesse; wählt man Interesse, wählt Ausnutzung durch Manipulation. Manipulation ist geistige Kastration- das sieht jeder potenter Denkender.

    Die Ohnmacht weltlicher Macht hinterlässt immer Leidensnarben.

  2. Januar 11, 2019 um 11:01 am

    Gute Frage. Geht nur über das, was man allgemein „Bewußtseinserweiterung“ nennt. Das ist aber schwierig. Das mindere Bewußtsein breiter wohlhabender und reicher Bevölkerungsanteile ist ja gerade an deren Wohlstand gekoppelt: Wem es gut geht, der denkt nicht nach über den Krieg gegen die Armen in der eigenen Bevölkerung.

    Also die Menschheit muß erst mal runter von ihrer ständigen Gier nach MEHR. Und den Armen ein mögliches, wenn auch bescheidenes, an keine Bedingungen geknüpftes Auskommen geben.

    Ich weiß, wenn man solche Forderungen stellt, plärren immer diejenigen, die meinen, die sogenannte „Elite“ zu sein, weil sie meinen, mehr zu „leisten“ als Arme. Dieses Geplärre ist nichts als Neid und Angst vor Besitzstandsverlust. Das sollte man nicht ernst nehmen.

    Wenn jeder ein bescheidenes Auskommen hat, hören auch die (im Kapitalismus künstlich hochgehaltenen) Verteilungskämpfe auf. Erst dann kann Frieden einkehren und die damit einher gehende Bewußtseinserweiterung / – veränderung.

  3. muktananda13
    Januar 11, 2019 um 11:02 am

    Die einzige notwendige Revolution des Menschen ist die im Denken.
    Alles andere nur Stagnation, die in Involution abartet.
    Der Mensch sollte mehr fühlen und weniger Bedingungen bauen.

  4. muktananda13
    Januar 11, 2019 um 11:24 am

    Evolution braucht nur Revolution des Denkens, nicht Revolutionen auf der Straße.
    Frieden kann einkehren erst nach gelungener Evolution.
    Leiden ist der ultimative Beweis für Primitivismus.
    Kriege, gespaltete Gesellschaften, mehrere Religionen und unzählige Sekten, die sich teilweise von Anbeginn bekämpfen und sich zu behaupten versuchen, Krankheiten und Epidemien, Revolutionen, Spaltung jeder Art der menschlichen Rasse, große Unterscheide der Mentalitäten , des Lebensstandarts, fehlende homogäner Kultureinheit, große klimatische Umwälzungen jenseits zyklischer natürlichen Änderungen planetarischer Evolution der Erde, atomar- chemischer Unfälle, bezeugen alle insgesamt von der absolut riskanten Kreuzung, in der augenblicklich die Menscheit sich befindet.
    Aber auch der evolutive Weg menschlichen Bewusstseins bedeutet Metamorphose in Zeit und Raum.

    • Martin Bartonitz
      Januar 11, 2019 um 11:33 am

      Was zur aktuellen Situation unserer Evolution:

      • muktananda13
        Januar 11, 2019 um 2:13 pm

        Ein Bach, ein Händel, ein Rossini und Pucinni, ein Beethoven und Paganinni können alle zusammen nicht das den Menschen zurück geben, was sie sich selber nicht schenken.

    • Januar 11, 2019 um 11:43 am

      Vom Denken ist noch keiner satt geworden.

  5. E. Duberr
    Januar 11, 2019 um 11:48 am

    Ewiger Frieden . Wunderbar , nur grundsätzlich nicht möglich . Der Mensch ist so konstruiert um so zu sein wie er ist : kriegerisch ! Wer dass nicht anerkennen will ist , ist einfach nur feige und träumt . Ja , der Pacifismus hat sich auch als kriegsfördernd erwiesen . Man betrachte doch nur die Zeit von 1914 an . Nach dem I.WK hatte Deutschland auf 100000 Mann abgerüstet . Nur um zuzusehen , wie die Nachbarn die größten Armeen der Neuzeit aufbauten . Frankreich wurde die größte Militärmacht der Welt . Das kleine Polen war bis zum Kriegsbeginn höher gerüstet als das Deutsche Reich . Rußland hatte mehr als 200 Divisionen, die Tschechen hatten ca. 40 Div ., die Belgier hatten 35 Div . Die Polen hatten seit 1932 versucht , die Franzosen für einen Krieg gegen Deutschland zu begeistern . Die Hochrüstung unserer Nachbarn war eine Folge der Schwäche des Deutschen Reiches und der SEUCHE des PACIFIMUS . Deutschland ging notgedrungen mit einem Munitionsvorrat von drei Wochen in den Krieg gegen Polen .
    Der Pazifismus könnte nur funktionieren wenn alle Menschen der Welt zur gleichen Sekunde die Waffen ablegten . Wer will das für realistisch halten . Es ist einfach nur DUMM und träumerisch , den Pazifismus als Lösung zu sehen . Die Römer wußten es : Wer den Frieden will , muß für den Krieg rüsten .
    Das eigentliche Problem ist , dass Menschen nicht akzeptieren wollen , dass sie hin und wieder kämpfen müssen .UND Müttern kann man nur raten , ihren Söhnen zu erzählen , dass Kampf ( Krieg ) Teil menschlicher Existenz ist .

  6. Januar 11, 2019 um 1:03 pm

    Hat dies auf haluise rebloggt und kommentierte:

    jeder WANDEL braucht ZEIT und ENERGIE für REIFUNG …
    jeder MENSCH ist anders gereift …

    erzwingen und forcieren lässt sich garnichts…
    mit GEDULD – INFORMATION – UND SPUCKE – FREUNDLIHKEIT – fängt man eine Mucke … luise

  7. muktananda13
    Januar 11, 2019 um 2:19 pm

    Es ist nicht verkehrt, dass Menschen haben wollen. Nur, dass Einige zu viel bekommen, was sie wollen, von den Anderen, die mehr sein wollen.

    Wenn der Mensch DAS SEIN will, anstatt DAS HABEN, wird er auch wirklich glücklich sein.

  8. muktananda13
    Januar 11, 2019 um 2:22 pm

    Glück bedeutet nur Vergegenwärtigung eigener Ideale.

    Bedeuten dem Menschen die Glücksideale nur Besitz und Macht, so verfällt er eigener Ohnmacht.

  9. muktananda13
    Januar 11, 2019 um 2:37 pm

    Die Ursache jeden Glücks und auch des Unglücks liegt immer im Geiste. Draußen, sichtbar, ist nur der abgeworfene Schatten.
    Wie die Ursache, immer so die Wirkung.
    Umsonst wählt man himmlische Ideale als Materialist.
    Wenn man nicht geistig wird, bleibt man immer in derselben materialistischen Misere.

    Was der Menschheit feht, ist die Vergeistigung.
    Sie schreit nach Glück und Frieden mit Geld im Kopf und Waffe in der Hand!

  10. Fluß
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