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Mit der neoliberalen Revolution ist der öffentliche Debattenraum kollabiert und damit die politische Intelligenz geschrumpft …

Prof. Dr. Rainer Mausfeld: „Während der neoliberalen Revolution wurden die Reichen durch die Sozialdemokraten systematisch von Beiträgen für die Gemeinschaft entlastet. Wir sprechen über 55 Milliarden € pro Jahr.“
Bild: entnommen aus seinem Vortrag, via Klick auf das Bild erreichebar

Das Gerechte ist nichts anderes als das für den Stärkeren Zuträgliche!
Platon, in der Staat

Wir hatten Herrn Mausfeld schon einige Mal hier hören können, immer wieder zum Thema, wie es  um unsere Demokratie steht, und warum das so ist, speziell das Meinungsmanagement ansprechend, das die wahren Mächte hinter unserem politischen Bühnenbild über ihre Medien befeuert (1, 2). In dem folgenden Beitrag geht Herr Mausfeld auf die aktuelle öffentliche Debattenkultur ein, die derzeit so im Argen liegt, dass von den Ideen der Demokratie als Schaffung einer Welt von Freien und Gleichen nichts mehr zu sehen sei.

Er führt dies auf eine schleichend stattgefundene Revolution der neoliberalen Ideologie zurück, bei der sogar die Sozialisten kräftigst mitgemischt haben. Er stellt dabei fest, dass dennoch viele ihrer Stammwähler noch immer meinten, dass sie ihnen wohlgesonnen seien. An dem folgenden Bild macht er klar, wie aus einem gesunden möglichen Debattenraum nur noch ein minimaler Teil des alternativlosen Denkens übriggeblieben ist:

Herr Mausfeld stellt dazu fest, dass ein großer Teil der Intellektuellen der Meinung ist, dass man das Volk nicht an wichtigen Entscheidungen beteiligen müsse:

„Der größte Hang zu einer autoritären Führung kann in der ‚Mitte‘ ausgemacht werden: Das Palavern werde nicht benötigt, Experten bräuchte es, die rational an die Arbeit gehen. Die ‚Mitte‘ ist extremistisch.“

Am Ende leben wir nun in einer Wahlelitenoligarchie, in der es möglich wurde, dass aktuell 8 Superreiche soviel besitzen wie die halbe Menschheit (siehe über den Oxfam-Bericht). Auf Facebook sah ich ein Zitat, das auf eine von Herrn Mausfeld angesprochene  Ablenkungsstrategien eingeht:

…Statt den spätkapitalistischen Feudalismus zu beseitigen, tretet ihr also lieber nach Flüchtlingen…? – Mit Verlaub, ich finde dieses Verhalten zum kotzen! Verhaltet ihr euch deswegen so jämmerlich still, weil ihr wisst, das ihr selber gekauft seid und weil ihr eure Privilegien nicht aufs Spiel setzen wollt?
Heinz Michael Vilsmeier

Herr Mausfeld stellt zudem fest, dass der aufkommende Populismus die Reaktion auf die extremistische Mitte sein, die kaum noch Debattenspielräume ließe, sprich die ‚anerkannte‘ Ideologie der marktkonformen Demokratie (siehe unbedingt Merkels Demokratieverständnis). Auch Peter Mair stellt in ‚Ruling the void: The hollowing of Western democracy‘ fest:

Der immer stärker eingeschränkte Spielraum für Opposition innerhalb des Systems ist einer der großen Gründe, warum der politische Bereich zu einem so starken Nährboden für Populismus geworden ist.

Wobei ich zum Thema Populismus gerne noch meinen geschätzten Kollege Lars Vollmer beim Zitieren in seinem Artikel Einigkeit macht schwach! zitieren möchte:

Uff, seien Sie mir nicht gram, aber bei allen denkbaren und kursierenden Definitionen des Flutschbegriffs Populismus: Einem Politiker Populismus vorzuwerfen ist wie einem Sportler das Schwitzen vorzuwerfen. (Diesen Spruch finde ich so gut, dass ich ihn beim Kabarettisten geklaut habe. Danke, Hagen Rether!)

Warum übrigens das zunehmend sprichwörtlich herrschende System sich so gut trägt, das wusste auch Berthold schon gut zu beschreiben:

Dazu lässt sich also feststellen:

Wer am längsten vom System aus-gebildet wurde und dieses am Ende anerkennt, ist ein anerkannter Intellektueller, ein profitierender Diener desselben.

Herr Mausfeld selbst dazu:

Ein Intellektueller gilt von unseren Medien als anerkannt, wenn er die herrschende Machtordnung anerkennt. Und wenn er sie bestreitet, gilt es als umstritten.

Das Ende des Vortrags macht dann doch mut, denn hier stellt er fest:

Der einzelne Bürger hat in einer komplexen modernen Gesellschaft nur eine hoch eingeschränkte politische Kompetenz. Er kann die Entwicklung in der Gesellschaft nicht mehr übersehen … Die Bürger als Gesamtheit aber können, wenn der öffentliche Debattenraum intakt ist, trotzdem über eine hohe gesellschaftliche Kompetenz verfügen. Kognitionsforscher und Verhaltensökonomen sprechen von kollektiver Intelligenz. In Situationen hochkomplexer Problem, unter sehr spezifischen Voraussetzungen erhöhen Heterogenität und Pluralität massiv die Qualität von Entscheidungen.“

Sein Plädoyer ist dann auch, den Debattenraum wieder zu maximieren, um so zu wirklich guten Lösungen für die Gesellschaft zu kommen, anstelle nur Gesetze durch den Bundestag durchgewunken zu bekommen, die den Mächtigsten am zuträglichsten sind, wie es Platon uns eingangs schon feststellte.

Nun mag am die AfD aufgrund ihrer vielen Ausgrenzungen nicht wirklich mögen. Immerhin scheint mir mit Einzug dieser Partei in den Bundestag der Debattenraum ein wenig vergrößert worden zu sein. Wäre schön, wenn bei der nächsten Wahl noch Platz für anderer Kritiker geschaffen wird, die anders als die AfD eher die Ärmeren unter uns fördern wollen.

Aber lassen wir nun Herrn Mausfeld selbst zu Wort kommen:

  1. Martin Bartonitz
    Juli 28, 2018 um 1:03 pm

    Juergen Korthof auf Facebook zum Thema Anprangern des Systems:

    Es gibt nicht nur Probleme, sondern bereits Menschen, die sich die Problembeseitigung zur Aufgabe gemacht haben.

    Wenn ein Haus brennt, rennt man auch nicht eine Ewigkeit von Einem zum Andern und versucht dem Hinterletzten zu erklären, dass es brennt!
    … man tritt besser einer Löschmannschaft bei!

    Auf die heutigen Probleme bezogen:
    1. Recht-Audits zur Ermittlung und Korrektur der Zustände von Grundrecht und Menschenrecht
    2. Versorgungssichere Gestaltung der Lebensräume, Technik, Energie, Kommunikation

    Wie wäre es denn, einmal zusätzlich zum wichtigen Anprangern der Probleme, auch die noch viel wichtigere Reklame für Lösungen zu machen, damit Diese wenigstens nicht alle eigenen begrenzten Ressourcen aufbrauchen, noch bevor sie fertig sind?

    Rechtsicherheit:
    http://www.ifr-un.info

    Lebensräume
    http://www.oeko-hilfe2.info

  2. Am.Selli
    Juli 28, 2018 um 1:20 pm

    => Lösungen 😉
    … auftischen …

    und sich dann gelassen
    – Dank ihnen –
    wi(e)der erfrischen … !
    Prost !
    Auf ein Neu-Es !
    😉
    Dank sei dem Neu-Beginn
    und der Kraft, dem Lebens-Funken,
    der und die
    tiiief in Dir und auch in Mir drinn,
    von Anbeginn
    vorhanden waren,
    voller Sehnsucht nach dem Wahren,
    bis endlich das Licht wiederkam
    und den/das WEG
    wieder in die eigenen Hände nahm
    oder/und
    KERN-gesund
    die ER-Kenntnis dessen,
    was einst
    alle Schönheit und Freude besessen.

    Tief in Dir und auch in Mir
    ist das Werk Seiner Liebe vollbracht.
    😉

  3. Martin Bartonitz
    Juli 28, 2018 um 1:30 pm

    Und weil der Neoliberalismus nur die Steigerung von Profit im Materialismus kennt, ist unser Heimatplanet bald am Ende:

    Die Meere fast leer gefischt. Schwimmende Müllteppiche wachsen. Alle 2 Minuten werden 35 Fußballfelder große Regenwälder abgeholzt und deren Lebewesen vernichtet. Jeden Tag verschwinden Tier- und Pflanzenarten von der Erde. An den Küsten Europas verrotten billige Fässer mit 114.000 Tonnen radioaktivem Müll. Täglich sterben 24.000 Kinder vor Hunger, wachsen die Berge der durch Waffengewalt gemetzelten Toten.

    Fundstelle: Unentwegt taumeln wir dem Verderben entgegen

    • Michael
      Juli 28, 2018 um 1:58 pm

      Panikmache aus meiner Sicht. Klar sägen wir kräftig am eigenen Ast, aber den Planeten totzukriegen dürfte für Homo Sapiens unmöglich sein. Die Lebensbedingungen werden sich ggf. ändern. Ob sich die Spezies Mensch anpassen kann, wird sich zeigen.

  4. Martin Bartonitz
    Juli 28, 2018 um 1:59 pm

    Was es zum gelingen intelligenter Politik benötigt:

    Bürgertum bedeutet für uns dann auch, dass wir die von uns zu leistende, ständig notwendige politische Arbeit auf uns nehmen und dass wir nicht weiter dem Irrtum folgen, wir könnten uns vor dieser Arbeit drücken, sie von uns wegschieben, sie auf andere übertragen, ohne dass dabei einer für Bürger unwürdige Fremdbestimmung („Herrschaft“) entstünde.

    Was wir uns durch diese unsere politische Arbeit als Bürger verschaffen, ist nicht nur Freiheit von Herrschaft, sondern das sind auch in mehrfacher Hinsicht bessere Beziehungen zwischen uns.

    Fundstelle: Bürgertum, Bürgerschaft, Bürgerstatus

  5. Juli 28, 2018 um 4:33 pm

    Der Bürger bürgt für alles.
    Das ist noch zu nah am System.

    Außerhalb von Geburtsurkunde, Impfung und jedweder Art
    des Systems, ist die echte Grundlage für Leben und Gedeihen.
    Indigen und dem eigenen Stamm und der Erde nah.
    Soziale Bindung ist die Grundlage für Glück und gesundem
    Hüten der Erde, der Pflanzen und Tiere.

  6. Martin Bartonitz
    Juli 28, 2018 um 4:47 pm

    … Es kann noch so viel kommuniziert werden, es kann auch noch so viel ÜBER diese Menschen kommuniziert werden, solange nicht ausnahmslos alle Bürger eine exakt gleich gewichtige Stimme im politischen Beratungs- und Entscheidungsprozess über staatliche Maßnahmen und Gesetzesänderungen haben, gibt es eigentlich gar keine „Politik“, zumindest nicht im Arendt’schen Sinne.

    Was es dann stattdessen gibt, ist: Herrschaft. Fremdbestimmung. – Beides kann verkappt sein und unter schönen Worten verschleiert, aber „von der Sache her“ gibt es in einer Gesellschaft, die keine aktive Vollinklusion aller Bürger institutionalisiert hat, keinen politischen Raum, keine Agora, kein Forum.

    Und „Demokratie“ gibt es in so einer Gesellschaft schon gleich zweimal nicht.

    Fundstelle: Warum wir alle, wirklich alle Bürger in einer aktiven politischen Rolle brauchen

  7. Juli 29, 2018 um 12:14 am

    Ich halte dieses System für nicht reparierbar.
    Was ist eine aktive politische Rolle?
    Ich soll also eine Rolle spielen?

    Natürliches Leben auf einem Stück Erde, mit
    Menschen, die ebenfalls in Ruhe ihrer täglichen
    Kreativität nachgehen wollen. Wenn das eine politische
    Rolle ist, ja gut, dann spiele ich sie.

  8. tulacelinastonebridge
    Juli 29, 2018 um 11:05 am

    Drei Dinge von unschätzbarem Wert hat Gott unserem Land gegeben: die Freiheit der Rede, die Freiheit des Glaubens und die Vernunft, beide nicht in Anspruch zu nehmen.

    Mark Twain

  9. E. Duberr
    Juli 29, 2018 um 3:47 pm

    MARK TWAIN , man kann nicht genug von ihm bekommen.
    Die Menschen werden sich nicht ändern ! Vielleicht ist es ein Glück , denn so wird dieser wunderbare Planet diese dummen Monster durch segensreiche Selbstzerstörung endlich wieder los .

  10. Juli 29, 2018 um 9:52 pm

    Hat dies auf haluise rebloggt.

  11. E. Duberr
    Juli 30, 2018 um 12:51 am

    Wie kann man nach 150 Jahren noch glauben , dass die Sozis der Masse jemals etwas Gutes tun wollten. Es sind die größten Betrüger aller Zeiten . Macht sollten sie den Führern , die immer aus dem Judentum stammten , verschaffen. Eine Minderheit aus einem fremden Volk benutzte die dämlichen Arbeiter , die selbst nicht in der Lage waren sich zu organisieren ,, um sich deren Macht zu leihen und zu mißbrauchen . “ Wenn dein starker Arm es will , stehen alle Räder still „. Richtig , nur im Kopf hat ihnen etwas gefehlt . Und so leiden wir bis heute unter diesen Blödmännern , die einfach nur benutzt wurden von dieser teuflischen Minderheit aus der Wüste oder der Steppe Südrußlands bis zum Ende aller Tage. Heute fahren sie die Ernte ein und die dummen Sozialdemokraten merken nicht , dass sie verarscht worden sind . Wer hat uns verraten ? SOZIALDEMOKRATEN ! .Wer LINKS ist ,muß einfach DOOF sein !

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