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Utopie Commons? … Über unsere Leitwerte …

Der folgende Text gehört zur Fortsetzung der Serie mit Betrachtungen darüber, ob das Konzept der Commons anstelle von Eigentum das Potential hat, den Niedergang der Menschheit, den wir in aktueller Zeit wahrnehmen (siehe z.B. hier), umzukehren. Also auch das ab ins Regal.

Wir können drei grundsätzlich verschiedene Arten von Werten bzw. Wertmaßstäben unterscheiden. Da wäre zuerst der naheliegende Gebrauchswert zu nennen. Er lässt sich sämtlichen Objekten (also allem Dinglichen, wie aber auch Immateriellem (z.B. Informationen)) zuordnen und gibt an, welchen individuellen Nutzen das Objekt für das jeweilige Individuum hat. Dabei ist entscheidend, ob dieses Individuum, dieses Objekt auch zur Funktion bringen kann und wie sehr sein Leben oder auch seine persönliche Entfaltung und
Tätigkeit unmittelbar davon abhängig sind.

Ein anderer, naturgegebener Wertmaßstab ist der des ideellen Wertes. Es ist vermutlich dieser Wertmaßstab, der den Menschen zum Menschen macht und von Natur aus vom Tier unterscheidet. Er existiert auf Grund unseres Bewusstseins, des menschlichen Verstandes und unserer Fähigkeit zur Empathie, die es uns ermöglichen, Objekte mit Personen oder auch Gefühlen und Emotionen zu verknüpfen, was wahrscheinlich besonders empfindsame Menschen leicht nachvollziehen können. Ideelle Werte können zum Beispiel auch Status und Reputation bedeuten, aber auch Moral, Glaube und Kunst erzeugen ideelle Werte.

Ideeller Wert und Gebrauchswert verbindet die Eigenschaft, dass sie neben einem Minimum (also, nicht vorhanden) auch ein Maximum besitzen. Nämlich, das Leben selbst! So kann eine Überzeugung einen so hohen ideellen Wert besitzen, dass man bereit ist dafür zu sterben. Aber auch lebensnotwendige Dinge wie Wasser und Nahrungsmittel haben einen maximalen Gebrauchswert, denn ohne sie, würde ein jeder von uns sterben. Zwischen diesen beiden Extremen jedoch, gibt es beliebige Abstufungen, die sich aber – und das unterscheidet die beiden ebenfalls vom dritten Wertmaßstab – kaum bis nicht in Zahlenwerten ausdrücken lassen und schwer greif- bzw. messbar sind. Es sind vor allem qualitative Werte.

Der Tauschwert hingegen, als dritter im Bunde, kann sogar recht einfach in Vielfachen des genutzten Tauschobjektes/ -mittels angeben werden und sich somit leicht berechnen, quantifizieren und vergleichen lassen. Aber nicht nur das: im Gegensatz zu den endlichen ideellen und Gebrauchswerten kann dieser hier beliebig anwachsen und hat theoretisch keine Obergrenze. Der Tauschwert hat keinen natürlichen Ursprung. Nur der zivilisierte Mensch tauscht. Ein Tausch bedingt nämlich die Vorstellung von Eigentum: was mir nicht gehört, das kann bzw. darf ich auch nicht tauschen. Das ist der Natur jedoch fremd und am Ende womöglich lediglich aktueller kultureller Zeitgeist! Auch die rechtliche Anerkennung und Absicherung von Eigentumsverhältnissen ist dabei kein Beweis für dessen natürliche Existenz oder auch Notwendigkeit. Ein weiteres Indiz für die Künstlichkeit des Tauschwertes ist sicher der Punkt, dass er keine eigenständige Daseinsberechtigung hat, sondern das Vorhandensein eines ideellen oder Gebrauchswertes voraussetzt, an die er sich anhängt! Darüber hinaus steckt im Tauschakt selbst bereits das Moment der Konkurrenz, weshalb allein schon diese Art und Weise zum Betrug verleitet. Die Ähnlichkeit der beiden Worte „tauschen“ und „täuschen“ ist womöglich kein Zufall.

Im Folgenden zur Veranschaulichung einige Objekt-Beispiele samt ausgedachter, aber vielleicht sinnfälliger Wertangaben:

Man könnte nun sicherlich noch unzählige Beispiele finden, die genauso individuell und diskussionswürdig
sind wie die hier aufgezählten…

Aus den Überlegungen oben lässt sich nun noch einmal das Begriffliche ableiten. So sind Geben und Nehmen Vorgänge, bei denen der Besitzer eines Objektes wechselt. Alle weiteren Umstände bleiben dabei unberücksichtigt. Bringt man nun das Eigentum an einer Sache ins Spiel, so ergeben sich die Praktiken des Tauschens, Schenkens und Leihens. Bei den ersten beiden wechselt nicht nur der Besitzer, sondern eben auch der Eigentümer! Beim Leihen bleibt der Eigentümer der gleiche. Leihen gegen Geld wird oft auch als (Ver-)Mieten bezeichnet. Aber auch das unentgeltliche (Ver-)Leihen ist nicht mit dem Teilen zu verwechseln! Echtes Teilen ist kooperativ und kann zwischen zwei Individuen nur praktiziert werden, wenn entweder beide zugleich Eigentümer sind oder aber überhaupt keiner der Beteiligten.

Das Schenken ist nun als Sonderfall des Tauschens zu begreifen, denn hier geht das Eigentum auf die andere Person mit einem Tauschwert von Null über. Die Ambivalenz des Schenkens stellt sich durch allgemeine Erfahrungen bereits nach wenigen Überlegungen ein. Neben der wohlwollenden Geste kann es eben auch negative Folgen oder gar feindliche Absichten (Trojanisches Pferd) in sich tragen, die zum Beispiel auch durch Schuld (absichtlich oder auch unabsichtlich) erzeugt werden. Das liegt wohl an seiner sonderlichen Grenzlage zwischen dem kooperativen Teilen und dem konkurrenzlastigen Tauschen, die es mit dem Tauschwert Null eben gerade einnimmt.

So verspielt und kleinkariert die Diskussion um diese drei verschiedenen Werte auf den einen oder anderen vielleicht auch wirken mag, so handelt es sich hierbei womöglich um ganz fundamentale Dinge, über die wir einfach kein wirkliches Bewusstsein haben und sie dennoch tagtäglich praktizieren. So ist in der heutigen, westlichen Welt der künstliche, vom Menschen erschaffene Tauschwert zum alles dominierenden Wertmaßstab geworden und schickt sich an, auch das Leben auf diesem Planeten zu bedrohen, dessen Grenze er nämlich nicht anerkennt. Der Tauschwert ist der Leitwert aller Menschen, die in der Haben-Orientierung verankert sind. Während Diejenigen, die vielleicht ein entsprechendes Bewusstsein über die Umstände erlangen und sich in die Lage versetzen können, die Tauschwerte auch komplett auszublenden, ja versuchen, nur noch Gebrauchs- und ideellen Werten besondere Aufmerksamkeit zu schenken, auf dem Weg in eine Sein-Orientierung und eine in der Tat nachhaltig denkende und agierende Kultur sind. Ein hilfreiches Werkzeug dazu stellen wahrscheinlich die Commons dar.

Literaturempfehlungen:

[1] Das Thema Commoning wird intensiv auch auf dieser Plattform diskutiert: keimform.de. Einen Artikel von dort hatte ich auch hier auf dem Blog veröffentlicht:
Wird die Transformation unserer Gesellschaft von der Ware zu den Commons laufen?

[2] Ich bekam vor ein paar Jahren ein sehr inspirierendes Buch in die Hand, das das Leben in einem ähnlich gestalteten Dorf schilderte, und schrieb darüber:
Jamilanda – die öko-ligente LebensArt

[3] Silke Helfrich hat zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung ein sehr schönes Buch mit dem Titel Commons: Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat herausgegeben.

  1. Martin Bartonitz
    Mai 21, 2018 um 12:46 pm

    Noch passend zu meiner Eingangsbehauptung, dass die Menschheit im Niedergang begriffen ist, der Trailer zu 10 Milliarden:

    Zehn Milliarden ist ein Film über uns. Es ist ein Film über Sie, Ihre Familie, Ihre Freunde. Es geht um jeden von uns. Es geht um unser Versagen: Scheitern als Individuen, das Scheitern der Wirtschaft, und das Versagen unserer Politiker.

    Wobei, die Produktion stammt von Microsoft, und da vermuten einige eine Verschwörung, durch Impfen die Weltbevölkerung zu dezimieren. Als den Film schon wieder mit Vorsicht genießen?

    • muktananda13
      Mai 21, 2018 um 2:23 pm

      Politik ist vergänglich, Politiker sind vergänglich, Wirtschaft ist vergänglich, Taten sind vergänglich.
      Aus all dem, was Form und Bewegung trägt, ist nichts wirklich von Bedeutung.
      Wenn der Mensch aus der Bedeutungslosigkeit und Wertlosigkeit der Vergänglichkeit rauskommt, wird der bewusste Mensch entstehen. Bis dahin, wird er ununterbrochen im Kreise des Leidens laufen.

  2. muktananda13
    Mai 21, 2018 um 2:18 pm

    Der Wert des Menschen liegt weder in seinem Wertmaßstab, noch in dessen Mangel, sondern innerhalb des Menschen.

    Haben oder Nicht-Haben sind pur illusionär, weil vergänglich.
    Geben und Nehmen von Objekten sind Tausch von Wertlosigkeit, weil nur innerhalb von Zeit und Raum.

    Der wahre Wert wird zur Wahrheit, sobald die Wertlosigkeit des Habens erkannt wird.

    Wenn das Haben über das Sein regiert, wird Wertlosigkeit zum Wert.
    Wenn das Sein bewusst wird, so wird daraus Bewusstsein.

  3. muktananda13
    Mai 21, 2018 um 2:37 pm

    Der Mensch trägt stets den Himmel in seinem Herzen, aber zu oft Erde in seinen Gedanken.

  4. Mai 21, 2018 um 10:59 pm

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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