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Syrien – Die Wahrheit…

Eigentlich waren es in letzter Zeit gerade unsere Satiriker, von denen wir mehr Wahrheiten über die aktuellen Krisenherde erfuhren als von unseren Politikern und Medien. Leider gehört Welke mit ’seiner‘ Wochenshow zunehmend auch zu Jenen, die auch die kriegsfördernden Fake News des Mainstreams verbreiten. Vielleicht muss er das aber auch, weil er sonst nicht mehr mitspielen darf. Gestern z.B. hat er Assad als das Tier (so nannte ihn Trump, bevor er Bomben werfen ließ, bevor nachgedacht wurde), das sein Volk quält, dargestellt. Ich habe mir in letzter Zeit erlaubt, mich etwas weiter schlau zu machen, was Syrien betrifft, was anderes zu lesen, als was uns der Mainstream auf die Leinwand des Lebens malt. Und da sieht das dann doch etwas moderater aus. Jedenfalls wünsche ich den Syrern, dass sie nach einer Demokratisierung durch den Westen nicht in das gleiche Chaos versinken, wie das im Falle von Afghanistan, Irak und Libyen passiert ist.

Gestern kam noch die folgende Botschaft eines Menschen an mir vorbei, der Freunde in Syrien hat und daher ein fundiertes eigenes Bild vom Leben in Syrien wiedergeben kann. Ich finde, es lohnt sich, ihm zuzuhören:

Syrischer Präsident Basha Assad und Frau Hafez

Syrien – Die Wahrheit..

Warum die Assad-Familie – Hafez und Bashar Al-Assad – so lange an der Macht ist? Was das alles mit dem Krieg zu tun hat? Ist es wirklich eine Revolution oder steckt da mehr dahinter ?!

Zuerst einmal muss man die Geschichte Syriens kennen, um zu verstehen, warum erst Vater Assad und dann Sohn Assad an der Macht waren. Ich mache es aber kurz: Die Syrisch Arabische Republik existiert in ihrer jetzigen Form seit 17. 04. 1946. Vorher war Syrien unter französischer Mandatherrschaft. Bis 1970 gab es ausschließlich Putsche. 24 Jahre lang!

Der Vater Assads, Hafiz Al-Assad, war Mitbegründer einer Partei – der heute regierenden Baath – Partei. Das Ziel dieser Partei war vor allem eines –> Stabilität in einem Land, das durch die Putsche sehr instabil war. Er wollte Syrien zu einem stabilen Staat machen, damit es auch gegen die Feinde drumherum abgesichert war. Also putschte er mit seiner Partei – er war damals als Verteidigungsminister vorgesehen. Hatte also das Militär in der Hand. Seine Baath-Partei spaltete sich aber nach nur kurzer Zeit ab und der rechte Flügel der Baath-Partei ging in den Irak. Der spätere Präsident der Baath-Partei im Irak ? Jepp ! –> Saddam Hussein. 😉

Als Präsident in Syrien übernahm Hafez Al-Assad ab 1973 und baute Syrien 30 Jahre lang auf. Gab Syrien eine Struktur. Entwickelte Wirtschaft – hauptsächlich Eigenproduktion. So war Syrien bis vor der Krise ohne jegliche Schulden. Baute ein starkes Heer auf. Setzte viel auf Schule und Bildung. Diese sind bis heute kostenlos. Genauso wie die Krankenversicherungen. Er gab Syrien ein Gesicht und machte Syrien erst zu einem souveränen Staat. Klar, mit harter Hand, und klar, war es ein Einparteiensystem, aber Syrien brauchte einfach eine starke Partei. Das Volk war damals gar nicht bereit für eine Demokratie. Sowas verstehen die Menschen im Nahen Osten leider noch nicht. Vor allem, weil Religionen eine große Rolle im Leben der Menschen spielen. Dazu aber gleich mehr…

Im Jahre 2000 übernahm Bashar Al-Assad – sein Sohn. Das nötige Alter als Präsident? 40 Jahre. Die Verfassung wurde für ihn geändert, damit er kandidieren kann, runter auf 34 Jahre. Und so wurde er vom syrischen Volke gewählt. Ohne Gegenkandidat. Das stimmt. Aber was erwarten Sie, wenn ein Land noch so jung ist ? Sollten mehrere Kandidaten gleich existieren und das Land gleich ins Chaos gestürzt werden, weil die Mehrheit einen wählen würde, der seiner Religion angehört? Man musste einen Übergang schaffen, damit der Weg erst weitergeführt wird.

Bashar Al-Assad war der Richtige. Er studierte zuvor Medizin in Großbritannien und arbeitete dort anschließend als Augenarzt. Er wollte und sollte gar nicht übernehmen. Sein älterer Bruder war damals vorgesehen. Aber er starb bei einem Autounfall. Nun zum Punkt: Es war wichtig, dass Bashar Al-Assad übernahm, da der Weg seines Vaters weitergeführt werden musste und der Übergang hin zu einer Demokratie ordentlich vollzogen werden musste. Assad – durch sein Studium in Großbritannien – ist sehr modern, weltoffen, demokratisch veranlagt etc.. Syrien war zu dem Zeitpunkt viel weiter als 1946 bei der Gründung. Also konnten Reformen endlich eingeführt werden. Assad öffnete die Wirtschaft hin zu einer Marktwirtschaft, kooperierte mit anderen Ländern und brachte Syrien aus der Isolation. Visumfreiheit mit der Türkei etc. Er brachte Parteiengesetze auf den Weg. Er schuf viele Arbeitsplätze. Es gab eine syrische Börse. Der Tourismus boomte mit 9 Millionen Besuchern im Jahr. Das Erdöl – Syriens Lebensversicherung – wurde besser verarbeitet und verkauft. Er führte in Syrien das Internet ein. Er ist ein großer Fan des Internets. Übrigens hat er die Putschisten, die sein Vater damals einsperren musste, wieder freigelassen. Der Westen sprach sofort vom „Reformer“, „Demokraten“, „Weltoffenen“ etc.. Er wurde vor dem Krieg in Syrien (2011) überall gepriesen. Sie können selbst nachgucken.

Dann kam im Jahre 2003 die Irak-Krise und 2006 der Libanon-Krieg. Rückschläge. In dieser Zeit kamen 2 Millionen Flüchtlinge aus dem Irak und 1 Million aus dem Libanon und Syrien war ohnehin bedroht, weil die Nachbarländer brannten.

Auf einmal überschlugen sich die Ereignisse im Jahr 2011. Die Öffnung des Landes und die Eingliederung Syriens in die Weltwirtschaft wurden zum Verhängnis. Erdogan nutze die Visumfreiheit, um radikale Terroristen über die syrisch-türkische Grenze zu schleusen. Häftlinge und radikale Salafisten aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei sowie Jordanien wurden mit schweren Waffen eingeschleust. Einige Zeit vor 2011. Es wurde alles vorbereitet. Das erkennt man vor allem an den gegrabenen Tunneln, die sich durch ganz Syrien erstrecken. Und schon war der inszenierte „Bürgerkrieg“ ganz einfach.

Es gibt viele Beweise, dass die „Demonstranten“ gleich bewaffnet waren. Es gab natürlich einige wahre Demonstranten. Meine syrischen Freunde waren selbst Demonstranten, weil sie neue Reformen forderten. Aber als sie sahen, dass es der Mehrheit um etwas ganz anderes ging, nämlich einem Gottesstaat, zogen sie sich zurück und wollten nur, dass es aufhört. Die Berichterstattungen und Medien (bspw. Deutschland) haben so viele Fehler gemacht, dass man sofort gemerkt hat, was da vor sich geht. Es geht um das Öl in Syrien und um eine große Gas-Pipeline, die gebaut werden soll. Im Jahre 2007 wurde ein wirklich großer Ölteppich unter dem Mittelmeer in Syrien gefunden, das Syrien auf Platz 3. der größten Ölvorkommen im Nahen Osten befördert. Die Gas-Pipeline hingegen soll durch den Irak, Syrien und der Türkei verlaufen und Gas nach Europa liefern und so Russland endgültig isolieren und in den Ruin treiben. Russland liefert viel Gas nach Europa. Die Haupteinnahmequelle. Es wäre der Ruin.

Ein weiterer wichtiger Grund: In Syrien ist die letzte wichtige Militär-Basis Russlands im Nahen Osten. Wenn diese weg ist, hat Russland in der Region kaum mehr etwas zu melden. Es geht also um viel mehr als nur Präsident Assad. Präsident Assad ist nur ein Vorwand – eine Ablenkung vom Wesentlichen. Deswegen auch der rasche Wandel der Berichterstattung über Präsident Assad.

Und für die, die nicht verstehen, warum eine Demokratie wie in Deutschland in Syrien nicht funktionieren würde. Ganz einfach: Weil Menschen im Nahen Osten Leute an der Macht sehen wollen, die ihrer Religion abstammen. Egal, ob diese gut sind oder nicht. Es würden dann aber nie alle zufrieden sein und Bürgerkriege könnten daraus resultieren. Die Religion steht im Mittelpunkt. Also ist ein säkulares Einparteiensystem mit einer starken Partei an der Macht und mehreren Parteien im Parlament – die ebenfalls Mitspracherechte haben – eine gute Lösung. Vorerst. Bis das Volk soweit ist, dass man eine Demokratie einleiten könne. Oder will mir einer erzählen, dass man z. B. in Saudi Arabien ohne Verhaftungen und ohne Blut nur mit schön Rederei eine Demokratie aufbauen könnte? 5 Minuten = Kopf ab. Denkt mal etwas über z. B. Afghanistan nach, versucht mal dort als Frau mit ’ner Jeans herumzulaufen … – Ziel ist und bleibt ein modernes Syrien.

Im Libanon bspw. herrscht Demokratie. Aber in ca. 2 Jahren schaffte man es nicht, sich auf einen Präsidenten zu einigen. Das ist auch nicht Sinn und Zweck der Sache einer Demokratie.

Was die Anschuldigungen der „Opposition“ betrifft, dass die Regierung – wie Assad – nur aus Alawiten bestehe –> eine Lüge. Die Baath-Partei besteht zu 75% aus Sunniten. Außerdem ist der syrische Präsident zwar Alawit, seine Frau hingegen Sunnitin. Sein Bruder Maher Al-Assad heiratete ebenfalls eine Sunnitin. In Syrien leben Muslime mit (Sunniten und Alawiten) mit Christen, Juden und Atheisten in Frieden zusammen. Es ist sogar strafbar, wenn man versucht, die Religionen zu spalten. In der syrischen Gesellschaft ist es ohnehin eine Beleidigung, wenn man auf die Religion angesprochen wird. Weil sowas nur zu Spaltungen führt. So kam es bspw. auch dazu, dass viele Christen und Muslime geheiratet haben. Das ist eben ein säkularer Staat – Trennung von Staat und Religion.

Hoffentlich konnte ich euch mit diesem Beitrag einen Einblick geben und hoffentlich versteht ihr Syrien – den Krieg – und das syrische Volk und seine Sympathien für den Präsidenten Assad nun etwas mehr.

Quelle: Ibrahim Günes auf Facebook

Ibrahim Günes

Ibrahim Günes

Kategorien:Politik Schlagwörter: , , ,
  1. Martin Bartonitz
    April 21, 2018 um 10:03 am

    Dieser Vortrag von Daniele Ganser zu Syrien ist auch sehr erhellend:

  2. Martin Bartonitz
    April 21, 2018 um 10:04 am

    Und es hilft auch immer wieder, sich einen Menschen anzuschauen, wer er kritisch hinterfragt wird:

  3. Martin Bartonitz
    April 21, 2018 um 10:12 am

    Noch ein Video zum aktuellen Leben in Syrien:

  4. Martin Bartonitz
    April 21, 2018 um 10:15 am

    Und noch ein Blick ins aktuelle syrische Leben:

  5. Martin Bartonitz
    April 21, 2018 um 7:59 pm

    Flächenbrand im Mittleren Osten: heute Syrien, morgen Iran?

    Während die Welt auf Syrien schaut, haben die Falken in Washington längst Größeres im Sinn: Es geht um die Vormachtstellung im Mittleren Osten in den kommenden Jahrzehnten. Die Strategie der US-Amerikaner: Regime Change oder zumindest militärische Schwächung des Erzfeindes Iran. Dessen Feinde, insbesondere Saudi-Arabien, werden dafür massiv aufgerüstet – auch mit Hilfe Deutschlands. Ein Spiel mit dem Feuer, das Frieden und Sicherheit in weite Ferne rücken lässt.

  6. Martin Bartonitz
    April 21, 2018 um 8:06 pm

    Bundestagsgutachten: Angriffe von Nato-Verbündeten in Syrien völkerrechtswidrig
    Ohrfeige für die Bundesregierung: Die von Deutschland politisch unterstützten Luftangriffe der USA, Frankreichs und Großbritanniens in Syrien wurden als völkerrechtswidrig eingestuft.

  7. Martin Bartonitz
    April 22, 2018 um 10:43 am

    Der amerikanische Militärgeheimdienst hat den Mainstreammedien einen Bericht zugespielt, laut dem die syrische Regierung trotz der Raketenangriffe der USA, Großbritanniens und Frankreichs am 14. April weiterhin über Chemiewaffen verfügt. Er fordert damit unterschwellig umfangreichere und tödlichere Angriffe, die eine Konfrontation mit der Atommacht Russland auslösen könnte. Letztere hat Truppen in Syrien stationiert, die auf Seiten der Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad kämpfen.

    Fundstelle: Der Dritte Weltkrieg steht bevor! – USA drängen auf weitere Angriffe gegen Syrien

  8. E. Duberr
    April 22, 2018 um 12:05 pm

    Immer noch kein Aufwachen in Deutschland . Die Deutschen merken nicht wie Kriege gemacht werden bzw. wie diese in den letzten 100 Jahren von unseren heldenhaften BEFREIERN angezettelt wurden . Halten sich für schuldig , haben 17 Mio ermordeter Deutscher vergessen und beteiligen sich heute als Mitläufer an den Kriegen der Größten Weltverbrecher aller Zeiten . UNGLAUBLICH .

  9. Martin Bartonitz
    April 22, 2018 um 4:32 pm

    Tja, Casting … und nu?

  1. April 21, 2018 um 11:28 am
  2. April 21, 2018 um 9:19 pm

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