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Wie sozial sind Tafeln wirklich?

Die Tafel ist nicht ein Zeichen der Armut,
sondern ein Armutszeugnis für diese Bundesregierung.

Christoph Sieber

In den letzten Wochen waren die Tafeln, speziell jene in Essen, im Gespräch, weil es ruppiges Gedrängel gab. Hier ein zusammenfassender Beitrag:

Zeit, mal genauer hinzuschauen, wer denn hier versorgt wird, und wer als geistiger Urheber mitwirkt. Dazu möchte ich kurz aus dem Rubikon-Artikel Der andere KriegDer Krieg der Reichen gegen die Armen eskaliert. zitieren, der klar macht, dass auch dieses doch eigentlich so soziale Projekt ein sehr fades Geschmäckle hat:

Armutsförderung mit McKinsey

Für das Wachsen des Tafelunternehmens zeichnet kein Geringerer mit verantwortlich, als die global agierende Denkfabrik McKinsey. Bereits seit Mitte der 1990er Jahre unterstützt McKinsey Aufbau und Erweiterung selbiger mit eigens dafür abbestellten Mitarbeiten. Auch zwei Bücher zum Betreiben der Armenspeisungen hat der Think Tank den „Öko-Samaritern“ gewidmet.

Und nur wenig später saß McKinsey mit in der Hartz-Kommission. Was herauskam, ist heute zu sehen. Den Zweck dieser Agenda beschrieb Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos 2005 ohne Umschweife: „Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren in Europa geschaffen“, lobte er. Dabei pries er auch sämtliche Kürzungen bei der Rente und im Gesundheitswesen.

Heute arbeiten die Tafeln eng mit dem Staat zusammen. Unzählige Hartz-IV-Bezieher zogen in den Anfangsjahren der Agenda 2010 vor Sozialgerichte, weil Jobcenter ihnen Leistungen verweigert und sie an Tafeln verwiesen hatten. Es bedurfte einen ganzen Packen Gerichtsurteile, um die Praxis einzudämmen.

Die Tafeln sind auch nicht für alle da: Erfüllt ein Hungriger bestimmte Bedingungen nicht, bekommt er dort nicht mal einen harten Brotkanten. Wer essen will, braucht einen Tafelausweis. Den bekommt er nur gegen Vorlage eines Bedürftigkeitsnachweises. Das kann ein Hartz-IV- oder Sozialhilfebescheid sein. Er braucht also ein Papier vom Staat. Das erhalten allerdings Obdachlose ohne Meldeadresse ebenso wenig, wie irgendeine Leistung. Die Ärmsten gehen also überall leer aus. Und: Keine Tafel muss jemanden bedienen.

Christoph Sieber bringt es hier auch gut auf den Punkt: „Warum gibt es in einem Land, in dem wir im letzten Jahr über 30 Milliarden Überschuss erwirtschaftet haben, überhaupt eine Armenspeisung?“

Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter: , ,
  1. März 25, 2018 um 5:35 pm

    Hat dies auf haluise rebloggt.

  2. März 25, 2018 um 7:19 pm

    Unvergeßliche Tafeln
    Ich kann mich noch gut erinnern…
    Ich werde diese Zeit nie vergessen…
    die grausamen Jahre des Zweiten Weltkriegs…
    Man denkt oft daran… wie es einst einmal war…
    vor allem auch in der Nachkriegszeit…
    Wir litten alle an Hunger…
    Unter den gegebenen Umständen
    ließ sich dies leider nicht verhindern…
    Wir alle gingen deshalb “hamstern” = betteln…
    in den umliegenden Dörfern
    bei den Bauern auf dem Land…
    und man bekam hie, da und dort
    ein Ei, ein Stückchen Speck,
    eine Scheibe Brot auf die ausgestreckte Hand…
    Und man trug diese geschenkte Kost
    sehr vorsichtig nach Hause…
    Man teilte es mit Mutter und den Geschwistern…
    um die nagende Hungersnot etwas zu lindern…
    Im großen Gemeindehaus
    der ev. luth. Kirche von Feuchtwangen
    wurde von vielen guten und lieben Menschen
    täglich gut und ausgiebig gekocht…
    Und dort konnte man wenigstens
    ein gutes Essen pro Tag bekommen…
    oft nur einen großen Teller
    gefüllt mit guter, kräftiger, nahrhafter Suppe,
    manchmal aber auch ein Würstchen mit Brot…
    Hier wurde man für nur wenige Pfennige
    zur Tafel geladen…mit gutem, sauberem Gedeck,
    mit dankbarem Gebet und gutem Gebot.
    Ich weiß also aus eigener Erfahrung
    was so eine Tafel einst einmal war,
    und was dies heutzutage noch ist…
    für Hunger leidende Menschen…
    für Menschen in Not!

    Gerhard A. Fürst
    3/25/2018

  3. Martin Bartonitz
    März 25, 2018 um 9:38 pm

    Der neue Koalitionsvertrag führt den Tafeln noch mehr Kunden zu:

  4. Martin Bartonitz
    März 25, 2018 um 9:43 pm

    Auch das passt gut hier her:

    Hartz IV bedeutet nicht Armut, sondern sei die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf Armut. Diese Aussage des neu ernannten Gesundheitsministers Jens Spahn schlug tüchtige Wellen in Politik und Medienlandschaft. Unterbelichtet bleibt, dass Hartz IV nicht nur den Betroffenen schadet und mit seinem Worst-Case-Szenario, dem kompletten Entzug der sozialen Leistungen, neben schrecklichem Elend auch eine Drohkulisse schafft, sondern es auch unserem grundgesetzlich verfügten sozialen Rechtsstaat deutlich widerspricht. Hartz IV ist die Antwort auf Armut und zwar die falsche. Etliche Initiativen lassen sich den schleichenden Abbau des demokratischen Rechtsstaates nicht länger gefallen. …
    Somit ist Hartz IV keine Hilfe für Bedürftige, sondern ein gnadenloser Umschlagplatz von Menschen in einen Niedriglohn- und Leiharbeitsmarkt zugunsten der Wirtschaft.
    Erziehung in Merkels marktkonforme Demokratie, das ist die bittere Pille, die jeder schlucken muss, der es wagt auf Muttis gefüllten Suppenlöffel angewiesen zu sein. …
    All dieses Leid wird durch Hartz IV bewusst erzeugt und in Kauf genommen. Als Drohkulisse und Trampelpfad. Denn wo lässt sich die eigene Unzufriedenheit besser abreagieren, als durch Treten und Schimpfen nach unten? Missgunst und Neid überwiegen hoffnungsvolle Solidargefühle. Gewerkschaftsstreiks werden eher als Alltagsstörung denn als politische Maßnahme wahrgenommen. Obwohl dies am Ende allen nur schadet, lässt es sich so wunderbar über die angeblich faulen Hartzer hetzen, dass sich inzwischen die Frage stellt: Warum gibt es überhaupt eine Sozialleistung und nicht viel mehr nichts?

    Fundstelle im Rubikon: Moderne Sklaverei
    Hartz IV zielt auf die Unterwerfung aller Lohnabhängigen.

  5. E. Duberr
    März 26, 2018 um 10:17 am

    Dass die Tafeln wichtig sind, ist völlig klar. Dass viele selbstlose Mitarbeiter sich einbringen, ist auch zu bewundern. Aber dass sie notwendig sind, ist eine Schande.Es zeigt die ganze Menschenverachtung des Systems, in dem wir leben. Die Löhne sind zu niedrig, die Renten sind zu klein. Die Tafelmitarbeiter werden ausgenutzt. Gleichzeitig werden Milliarden für fremde Invasoren verschwendet. Deutschland verschenkt U-Boote an Israel, und die Rentner müssen Flaschen sammeln, um über die Runden zu kommen! Die Alimentierung fremder Völker muß sofort aufhören. Wohlfahrt beginnt zu Hause .
    Und nun zur dunklen Seite der Tafeln: Durch eigenes Beobachten und durch Gespräche mit Mitarbeitern konnte ich feststellen, dass sich hier ein Geschäftsmodell entwickelt hat. Denn die Außendienstmitarbeiter der Tafeln stellen Spendenbescheinigungen aus. Der Spender „stiftet“ z.B. Wurst, die in Kürze durch das Verfallsdatum nicht mehr verkauft werden kann. Der Wert beträgt 1000 Euro, die Spendenbescheinigung wird über 2000 Euro ausgestellt. So haben Alle etwas davon. Der „edle“ Spender hat keinen Verlust, die Tafel hat endlich wieder Ware, die Bedürftigen erhalten Lebensmittel und das ist gut so. Der Vorstand der Tafel besitzt vielleicht eine Spedition und kann größere Mengen, z.B. 5 Paletten Marmelade beim Spender abtransportieren und z.B. dann 2 Paletten zur Tafel liefern und 3 Paletten gleich nach Polen weiterverkaufen. Alle sind glücklich, nur die Bedürftigen werden betrogen. Wahrscheinlich ist es so, daß solche Systeme immer nur mit Korruption funktionieren. Auch die Tafelmitarbeiter arbeiten für Hungerlöhne. Und das Finanzamt wird auch noch beteiligt. Endlich wird Steuergeld sinnvoll eingesetzt.

  6. E. Duberr
    März 26, 2018 um 2:09 pm

    Vielen Dank für die SS-Korrektur ,peinlich .

  7. Golsch
    März 26, 2018 um 4:53 pm

    Die ganze Sache hat – wie immer – zwei Seiten:
    Was geschieht, wenn es diese Einrichtungen nicht (mehr) gibt? Dann sind sicherlich einige Menschen noh schlimmer dran. Vielleicht muss es neue Institutionen geben, aber…. wer sagt denn, dass es dann besser geht?
    Andererseits ist es traurig genug, dass wir als Gesellschaft solche Tafeln etc. haben, weil die Gier kein Ende hat – und auch unsere Machtlosigkeit gegenüber den gierigen Strukturen.

  8. Fluß
    März 27, 2018 um 11:53 am

    Die Tafeln sind je nach Wohnort verschieden. Eine Großstadt hat dann auch mehrere.
    Da geht es bei der Ware meist um Marken-Artikel.
    Aber es ist ja bekannt, dass die Firmen ein Produkt 2 Mal auf den Markt bringen, eines ist günstiger. So wird die Werbung finanziert.

    Eine Frau die schon mit den Produkten, die sie containert hat, in der Fußgängerzone mit anderen geschnippelt und gekocht hat:
    http://www.fr.de/rhein-main/essen-im-muell-talley-rettet-gemuese-a-1207541

    • Fluß
      März 27, 2018 um 12:06 pm

      *Auch Talley hat immer wieder Kontakt mit Polizisten. Als müllsammelnde Begleiter bei ihren Container-Touren. Sie bietet Workshops an, in denen sie ihr Wissen um das Dumpster-Diving vermittelt. Ein Kripo-Beamter aus Frankfurt war schon mehrfach mit von der Partie. „Aber ich fände es gar nicht schlimm, angezeigt zu werden“, sagt Talley. Ein Prozess wäre für sie eine Möglichkeit, den Umgang mit Lebensmitteln mit Juristen zu diskutieren – und vielleicht eine größere Öffentlichkeit zu erreichen.“

      • Fluß
        März 27, 2018 um 12:34 pm

        Im Text steht etwas von Juristerei. Der Begriff ist aber nicht geschützt.

  9. Fluß
    März 28, 2018 um 12:59 pm

    Nochmals Thema Hartz 4 und Lohndumping. Ein bekannter Artikel:
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=36319

    „19. Dezember 2016 um 9:19 Uhr | Verantwortlich: Jens Berger
    „Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“
    Die Hartz-Gesetze stehen synonym für ein System aus Lohnsenkungen, Verarmung, Entrechtung und den Kampf gegen Arme statt gegen Armut. Sie eröffneten das Dauerfeuer auf Lohnabhängige und forcierten eine Entwicklung hin zum Boom der Leiharbeitsbranche, die aus gutem Grund auch als „moderner Sklavenhandel“ kritisiert wird. Dank der neoliberalen Ideologie, die die Armen für ihr Elend selbst verantwortlich macht und verpönt, ist der reale Widerstand der Betroffenen gegen die ihnen beständig zugefügten Demütigungen oft gering. Dass das nicht so sein muss, erfuhr Jens Wernicke im Gespräch mit dem Anti-Hartz IV-Aktivisten Manfred Bartl, der immer wieder mit verschiedenen Aktionen darauf hinweist und dafür wirbt, die eigenen Grundrechte ganz praktisch zu verteidigen, um in diesem System nicht unterzugehen. „

    Als PDF:
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=36319&pdf=36319

  10. Fluß
    März 29, 2018 um 11:59 am

    Gestern war Politiker Tauber bei Lanz in der Talkshow: er habe Demut gelernt. Er war krank und nach OP kam die Sepsis. Nur fällt er weich, da Abgeordnete im Bundestag gepampert sind und nicht so einfach weg vom Fenster sind. Jemand in der Probezeit wird automatisch gekündigt.
    Und es gibt keine Fachärzte für Notfallmedizin, ganzheitliche Ärzte sind nicht erwünscht in der Politik In D, dabei wollen Studenten es ja studieren.
    Und Ärzte schreiben bei plötzlichem Tod eine Verdachtsdiagnose, da sie nicht ausgebildet sind, also eine vertuschte OP ist dann ein Herzstillstand. Alles in Dokus und im Internet auffindbar.
    Und jemand wie Dreyer hat schon über 100 000 Euronen (Zeitraum?) weil sie im ZDF-Fernsehrat sitzt. Sie geht nicht zur Tafel, sie hat ja ihren abgeschirmten Wohnsitz in einer integrierten Wohnsiedlung für Behinderte. Mit wievielen Flüchtlingen wohnt sie dort? Und wo sind die anderen Behinderten Politiker?

    https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/mutiges-statement-krankenschwester-schreibt-wut-brief-an-minister-spahn/ar-BBKMQIx?li=BBqg6Q9&ocid=ACERDHP17

    Mutiges Statement: Krankenschwester schreibt Wut-Brief an Minister Spahn

    Karen Cooper (l.) hat einen Baum geheiratet, 50 Menschen können das bezeugen. Viele Frauen kleideten sich dafür in Weiß und es gab sogar eine Hochzeitstorte. Ob Cooper den Ficus damit gerettet hat, ist noch nicht entschieden.
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    OP-Krankenschwester © picture alliance / Uwe Anspach/d OP-Krankenschwester

    Es ist ein mutiges Statement auf Facebook zur Situation in der Pflege: OP-Krankenschwester Jana Langer erlebt die enormen Probleme im Gesundheitswesen jeden Tag mit. Jetzt hat sie ein emotionales Schreiben an Gesundheitsminister Jens Spahn veröffentlicht.

    Der Wut-Brief geht viral. Tausende Kommentare und zehntausende Likes hat der Post seit der Veröffentlichung am Sonntag bereits gesammelt. Und es werden stündlich mehr. Eins ist klar: Mit ihrer deutlichen Kritik spricht Langer vielen Menschen aus der Seele.

    Pflegekräfte in Deutschland gelten als überarbeitet und gestresst. Sich um Alte und Kranke zu kümmern, und das im Schichtsystem ‒ es ist ein knochenharter Job! Jana Langer bemängelt in ihrem Brief ein „menschenunwürdiges System“.

    Krankenschwester klagt an: Es geht nur um Profit

    Sie richtet sich in ihrem mutigen Schreiben auch direkt an Jens Spahn: „Nach Ihren Aussagen der letzten Wochen, denke ich, können Sie sich nicht hineinversetzen, was es bedeutet, qualifizierte pflegerische Leistungen zu erbringen, vor allem nicht zu den derzeitigen Bedingungen!“

    Noch keine zwei Wochen ist der neue Gesundheitsminister im Amt, doch er steht durch seinen Aussagen über Hartz-IV-Empfänger („Hartz IV bedeutet nicht Armut“) und das Werbeverbot für Abtreibungen bereits schwer in der Kritik. Eine Anti-Spahn-Petition hat bereits mehr als 120.000 Unterschriften gesammelt (hier mehr lesen).

    Auch Jana Langer geht mit Spahn und dem Gesundheitssystem hart ins Gericht. Ihrer Meinung nach geht es im Gesundheitssystem oft nur noch um Geld und Profit, nicht um die Bedürfnisse der Patienten.

    Bisher gab es noch keine Reaktion auf den Wut-Brief von Gesundheitsminister Jens Spahn.

    Falls Ihnen der Facebook-Post nicht angezeigt wird, lesen Sie hier den Brief von Jana Langer im Wortlaut nach:

    Lange ist es her, dass ich meinem Unmut Luft machte. Heute war es wieder soweit…… bevor mir der Kragen platzt, bekommt erstmal Hr. Spahn einen Brief. Morgen wird er per Post zugesendet, heute vorab schonmal per Mail und hier:

    Situation der Pflege

    Sehr geehrter Herr Spahn!

    Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Amt, in das Sie, wie auch immer, berufen wurden.

    Wenn ich eine neue Arbeitsstelle antrete, muss ich entsprechende Qualifikationen vorweisen, ansonsten arbeite ich unterbezahlt als Hilfskraft ohne entsprechende Anerkennung. Meine Kollegen, und wir sind keine unwesentliche Masse, sind dementsprechend entsetzt, dass weiterhin das Amt des Gesundheitsministers mit einem Minister besetzt wurde, der ohne irgendeine Qualifikation und Ahnung, unsere Arbeit betreffend, berufen wurde!

    Ein Praktikum ersetzt sicherlich nicht die Erkenntnisse, die man benötigt, um zu entscheiden, welche Reformen nötig sind, um endlich wieder eine menschenwürdige Pflege möglich zu machen.

    Nun haben wir Sie also als Gesundheitsminister zu akzeptieren. Es ist uns ein dringendes Anliegen,Ihnen zu verdeutlichen, dass für eine menschliche Daseinsfürsorge mehr nötig ist, als Ihre ignoranten und diffamierenden Worte der letzten Wochen gegenüber den Menschen, die unsere sozialen Absicherungen dringend benötigen.

    Mit Krankheiten unnötiges Geld zu verdienen, mag für Sie in Ordnung sein und auch Ihren Geldbeutel füllen, für uns ist das unethisch und verwerflich, Leistungen zu verkaufen, die dem Patienten nicht dienen. Rein monetär sind wir abgehängt von vielen Dingen, die wir dringend auch als Ausgleich neben unserem Beruf benötigen!

    Doch nicht nur die monetäre Aufwertung unseres Berufes wäre dringend von Nöten, die Aufwertung der Arbeit durch verbesserte Bedingungen wäre noch notwendiger, um überhaupt Anreize zu schaffen, diesen Beruf zu erlernen und ihn für längere Zeit des Lebens auszuüben. Und akut würde es einfach auch reichen, wenn man überhaupt seinen Beruf so ausüben könnte, wie wir es gelernt haben! Und dafür benötigen wir eigentlich nur Zeit, Zeit für die Patienten und deren Bedürfnisse, Zeit um Handeln zu können, um Trost zu spenden und um Veränderungen zu erkennen.

    Sicherlich liegt es NICHT daran, dass wir unseren Beruf schlecht geredet haben, wie Hr. Rüddel neulich vom Stapel ließ!

    Unter diesen Bedingungen überhaupt noch mit vollem Engagement dabei zu sein, ist eine überaus zu tolerierende Leistung! Nur durch unsere Meisterleistung, das Erbringen von unbezahlten und freiwilligen Arbeitsstunden, ist dieses menschenunwürdige System überhaupt solange möglich gewesen. Wären Sie freiwillig bereit, in der Nacht für die Hälfte des Geldes zu arbeiten? Wären sie bereit, 24 Stunden an 365 Tages des Jahres ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen? Wären Sie bereit, freiwillig auf Ihr Familienleben zu verzichten zugunsten der Schwächsten im System? Nach Ihren Aussagen der letzten Wochen, denke ich, können Sie sich nicht hineinversetzen, was es bedeutet, qualifizierte pflegerische Leistungen zu erbringen, vor allem nicht zu den derzeitigen Bedingungen!

    Warum ist es nötig, mit Krankheit horrendes Geld zu verdienen? Warum werden die Privatisierungen immer mehr vorangetrieben? Nutznießer in diesem System sind Aktionäre und Einrichtungsleiter, weder Patienten noch Heimbewohner profitieren von dieser Politik. Deutschland ist, obwohl wir medizinisch gesehen ganz vorne sind, in der Versorgung der Kranken und alten Menschen weit abgehängt von den restlichen Staaten um ums herum.

    Seit der Einführung der DRGs treten immer mehr Probleme auf, vorallem die pflegerische Versorgung ist schlecht, und Behandlungen richten sich nicht mehr nach der jeweiligen Krankheit, sondern nach dem Geldbeutel der Einrichtung. Der Mensch ist die Ware und wird auch als solche behandelt. Verstehen Sie das unter einer Daseinsfürsorge? Die Qualität nach Außen glänzen zu lassen, im Inneren aber ist sie brüchig und nicht umsetzbar. Zertifikate, die nicht mal das Papier wert sind, auf dem sie stehen, nehmen immer mehr Platz ein. Unsere Arbeit hingegen verkommt zu einer nutzlosen Hetzerei, das bekommen die Patienten tagtäglich zu spüren. Dies alles geschieht nur, weil man nicht mutig genug ist, sich von einem System abzuwenden, das in anderen Ländern bereits nach kurzer Zeit abgeschafft wurde, da die Probleme schnell erkannt wurden.

    Monatelang lag die Regierung brach, nun da endlich die Pöstchen verteilt wurden und auch Ihr Ego wieder gestärkt sein dürfte, erwarten tausende meiner Kollegen und ich eine Umkehr in diesem System. Um auch Ihre herablassenden Worte der letzten Wochen wieder gut zu machen, besinnen Sie sich auf diejenigen, die durch ihr Kreuzchen überhaupt Ihren Posten ermöglicht haben!

    Mit freundlichen Grüßen

    Jana Langer

    Fachkrankenschwester und Mensch „

  1. März 25, 2018 um 5:33 pm

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