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Die organische Sprache und das Wurzelwortsystem

Varga Csaba (1945 – 2012) – ungarischer Film-Artdirector und Sprachforscher

Die ungarische Sprache ist meiner Ansicht nach eine vorgeschichtliche Sprache, die künstlich geschaffen wurde, um das metaphysische Wissen der archaischen Kultur unserer Vorfahren auszudrücken. Meine Ansicht wird durch die mathematisch klaren Resultate der Forschungen von Csaba Varga auf dem Gebiet der Zeichen und der Sprache vollends bestätigt. Das Kennen und der Gebrauch der ungarischen Sprache und Kultur ist sicherlich das beste Mittel um das Paradigma der archaischen Tradition darzustellen.
Zoltán Sütő

Ich hatte vor 3 Jahren schon einmal eine Perle der „Spracherkennung“ auf dem Blog gebracht. Hier hatte uns Terramesa in die Zeit unserer Ur-ahnen geführt und aufgezeigt: Was uns unsere Sprache über unsere Ahnen verraten kann (unbedingte Leseempfehlung). Darin kam sie zum Schluss, dass die ChristiANisierung nicht anderes gewesen wäre als uns von unserem Urahn ANU zu entfernen.

In dem letzten Artikel von Alexander Wiener erfuhren wir erste Erkenntnisse des ungarischen Sprachforscher Csaba Varga. Alexander schickte mir noch den folgenden Text, der es wahrlich in sich hat. Die Zeilen erinnerten mich sofort an das Buch Als die Wörter tanzen lernten: Ursprung und Gegenwart von Sprache, von Wolfgang Steinig, das zu meiner Liste der Bücher gehört, die mich besonders inspiriert haben. In diesem Buch findet sich eine interessante Herleitung, wie sich Sprache entwickelt haben könnte. Varga ist in meinen Augen noch einen guten Schritt weiter gegangen in seiner These. Was mir daran besonders als Physiker gefällt, dem Fraktale nicht unbekannt sind, dass er dieses Konzept auf die Entwicklung der Sprache anwendet und nach den Wurzelstämmen gefahndet hat. Und da scheint seine Muttersprache, das Ungarisch, deutlich von Vorteil, hat sie doch noch viel von der Ursprache behalten können(?). Und hier kommt ein weiterer wunderbarer Aspekt hinzu. Er erklärt mit dem Blick auf unser Bewusstsein, eben organisch, warum die Ursprache sich so entwickelt haben muss. Aber macht Euch wie immer selbst ein Bild:

DIE ORGANISCHE SPRACHE UND DAS WURZELWORTSYSTEM
Übersetzt von Dénes Vajta

Die Sprache der organischen Kultur kann nur vom organischen Bau sein, denn jede Sprache reflektiert notwendigerweise die Weltsicht ihrer Sprecher.

A) Was macht ein Denkgebäude, wie die Sprache, zu einem organischen Bau?

1) Etwas Wachsendes kann nur dann organisch sein, wenn es von einem zentralen Kern ausgehend wächst, und in all seinen Teilen immer nach demselben Prinzip sich organisiert. Organisch gebaut sind Bäume, alle Pflanzen, alle Tiere, aber auch die Korallen oder unser Blutgefäßsystem. Was auf diese Art entsteht, ist – mit einem mathematischen Fachausdruck – notwendigerweise fraktalförmig. (Das bedeutet, dass aus jedem Wuchs des Kernes nach demselben Prinzip mehrere neue Auswüchse entstehen, die dann wieder mehrere Verzweigungen hervorbringen usw.)
2) Die Natur kennt nur diese einzige Bauform (die fraktale), durch die sie einen organischen Bau schaffen kann. Es kann nämlich nur dieser Aufbau sichern, dass jeder Punkt der Formation mit allen anderen Punkten in Verbindung steht. Die abgetrennten Teile sterben folglich ab. Die organische Kultur und die organische Sprache als deren Teil, sind also dem tiefsten Wesen der Natur gemäß aufgebaut.
3) Jedes Detail eines organischen Baus ist ebenfalls organisch. So wie auch unser Blutgefäßsystem innerhalb des Körpers ein vollkommen organischer (fraktaler) Bau ist. Die Sprache innerhalb der organischen Kultur kann ähnlich als die Äderung innerhalb des Körpers betrachtet werden.

B) Was ist der wesentliche Kern der organischen Sprache, aus dem der ganze Wortschatz aufblüht?

Der Kern der organischen Sprache (wie der Kern des Baumes) besteht aus wenigen elementaren Grundwörtern, die sich zu einem Ganzen ergänzen. Der Wortschatz wird durch die Erweiterung der Elemente der Wortgruppe, die den Kern bilden (durch die Anfügung immer neuer Teile ans Wortende), mehr und mehr weiter verzweigt. Der organische Wortschatz kann deshalb nur einen Aufbau haben, wie zum Beispiel der vorhin erwähnte Baum oder die Pflanze. Diese Bauweise ermöglicht auch, dass der Wortschatz sich ständig erneuern kann, ohne die kleinste Beeinträchtigung des organischen Charakters. Zugleich sichert sie die Fähigkeit der Selbsterneuerung, Selbstverbesserung. Ein solcher Wortschatz schmeißt entweder das Fehlerhafte hinaus, oder bessert es aus. Einen eventuell abgerissenen Teil baut er wieder auf.

C) Wie funktioniert die organische Wortbildung?

Die Wörter beginnen immer mit dem Wurzelwort, das das tiefste Wesen des zu Beschreibenden ausdrückt. Was wir dann noch nach dem Wurzelwort sagen, ist nur eine stufenweise Anleitung dazu, was wir innerhalb der Bedeutungssphäre des Wurzelworts am Wortanfang bestimmen wollen. Auf diese Art steckt also das Wesen jedes Wortes einzig und allein im Wurzelwort.

Um es zu beweisen, nehmen wir als Beispiel das Wurzelwort kör = ker (=Kreis). Beachten wir: alles, was kreisförmig, mit der Form des Kreises zu verbinden ist, wird am Anfang mit diesem Wurzelwort benannt, völlig unabhängig davon, worum es sich handelt. In den folgenden Beispielen ist auch das leicht zu kontrollieren, dass die an die Wurzelwörter gefügten Teile nichts zu deren Bedeutung beitragen, sondern die weite Bedeutung der Wurzelwörter nur einengen auf den Teil, den man gerade näher bestimmen möchte:

körte = Birne, körbe = rund herum, kerek = rund
kerék = Rad, köret = Garnierung, keret = Rahmen
kerít = einzäunen, kerítés = Zaun, kerekít = aufrunden
körzet = Bezirk, köröz = fahnden, kereng = kreisen
körző = Zirkel, köröző = Fahnder, körözött = Gefahndeter
körlet = Provinz, környék = Gegend, körös-körül= rundherum
usw.
Wir können die entscheidende Rolle der Wurzelwörter auch mit Hilfe eines einfachen Experiments messen. Wenn wir vom Ende irgendeines aufgebauten Wortes die Zufügungen nacheinander wegnehmen, der tiefste Sinn der Wörter ändert sich nicht, bloß ihre Bedeutung wird weiter.
Es ist auch leicht zu sehen, dass beim genannten Vorgehen der verbleibende Rest des Wortes immer einen Sinn behält:

körülötte (um ihn herum)
körülött|e (herum)
körül|ötte (herum)
kör|ülötte (Kreis)
or: környezetében (in seiner Umgebung)
környezete|ben (seine Umgebung)
környezet|ében (Umgebung)
környez|etében (umgeben)
körny|ezetében <kœrnj> (Peripherie)
kör|nyezetében <kœr> (Kreis)
Wenn wir aber das Wurzelwort selbst abschneiden, wird das Wort völlig sinnlos. Zum Beispiel das Wort keríthetetlen (nicht einzäunbar) wird ohne das Wurzelwort kör: íthetetlen, das keinen Sinn hat. Zwar verstehen wir es, aber es kreist nur nutzlos, ohne einen wirklichen Anhaltspunkt, in unserem Bewusstsein. Wenn wir jedoch vor der Endung íthetetlen die Wurzelwörter austauschen, wird sie wieder eine Bedeutung gewinnen, die vom gerade hingesetzten Wurzelwort abhängt:

meríthetetlen (unsinkbar)
vetíthetetlen (nicht projizierbar)
téríthetetlen (unbekehrbar)
sűríthetetlen (unverdichtbar)
lapíthatatlan (unverflachbar)
kábíthatatlan (unbetäubbar)

Das heißt, die Wurzelwörter sind wirklich die Haltepfeiler der organischen Sprache, sie sind die wahren Bedeutungsträger. Auch in diesem Beispiel können wir sehen: alles, was dem Wurzelwort folgt, ist nur mehr eine Art Steuerruder, das dazu dient um im richtigen Hafen anzukommen.

D) Die elementarsten Wurzelwörter (Morpheme)

Das Wurzelwort kör im obigen Beispiel, ist kein Grund-Wurzelwort, es ist bereits abgeleitet, wie

kö|r
sá|r (Dreck),
vá|r (Burg),
bo|r (Wein).

Das Grund-Wurzelwort von kör ist also kö, stammend aus ko, früher kou, stimmhaft: go. Ähnlich verhält es sich mit den Wörtern:
lá|t (sieht),
fu|t (rennt)
vi|sz (trägt)
ra|k (verlädt)
denn die mit einer vertikalen Linie getrennten Endungen sind nur mehr Agglutinationen, Affixe, die die dritte Person der Einzahl signalisieren. Jedes Wort kann auf ein Grund-Wurzelwort, das nur aus einem einzigen Konsonanten und einem Vokal besteht, zurückgeführt werden. Der Bedeutungsträger ist stets dieses, weiter nicht mehr auflösbare, Grund-Wurzelwort. Die Wurzelwörter sind in jedem Zusammenhang einfach zu erkennen:

“ott van la” = lá|s|d, ott van (siehe, er ist dort),
lá|t|ó (der Seher)
lá|t|ás (die Sicht
lá|t|hat|ó (sichtbar)
lá|t|sz|ik (zu sehen)

fu heißt schnell, und fut (, läuft, rennt)
/ als Verb ist es wie sü|t (bäckt),
kö|t (bindet),
ve|t (sät)
das Mittel, das wir zum Laufen haben, heißt:
foo|t (fut) in Englisch.

Das Wurzelwort vi oder ví bedeutet eine Bewegung, die etwas anderes zur Bewegung veranlasst:
ve|t (sät)
ve|zet (führt)
ve|zér (Führer)
ve|sz (kauft)
ve|sződik (kämpft sich ab)
ve|tekedik (wettkämpft)
ve|dlik (sich häutet)
ve|tkőzik (zieht sich aus)
vi|sz (trägt mit sich)
vi|sel (trägt)
vi|selet (Tracht)
vi|szony (Verhältnis)
vi|tel (Fracht)
vi|torla (Segel) es zieht das Boot
ví|z (Wasser) es trägt alles mit sich
ví|z|ve|zeték (Wasserleitung)
ví|v (ficht)
ví|vó (Fechter)
ví|vő (Träger)
vo|ntat (schleppt ab)
vo|nz (zieht an)
vo|nszol (schleppt mit sich)
be|ve|t (sät)
fel|ve|sz (zieht an)
Diese letzten, weiter nicht mehr teilbaren Wurzelwörter werden Grund-Wurzelwörter oder Ur-Wurzelwörter genannt. Ihre Summe bildet den Kern, aus dem sich der organische Wortschatz entwickelt.
Ich möchte betonen, dass es keine Theorie ist, die ungarische Sprache ist einfach so strukturiert.

E) Über die Ganzheit des aus Grund-Wurzelwörtern bestehenden Kernes und ihre Zahl

Der aus Grund-Wurzelwörtern bestehende Kern ist notwendigerweise ein ganzes und geschlossenes System. Es enthält alles, was man braucht. Es könnte nicht funktionieren, wenn nur ein Grund-Wurzelwort fehlen würde.

Das setzt voraus, dass

  1. die Grund-Wurzelwörter miteinander nicht verwechselt werden dürfen, da sie sonst für den Aufbau der Wörter nicht als Grundlage dienen könnten.
  2. die Zahl der Grund-Wurzelwörter muss sehr klein sein, weil das gerade notwendige Grund-Wurzelwort nur so ausgewählt werden kann. Andernfalls könnte das System im Alltagsleben nicht funktionieren. Warum es so ist, können wir mit einem Beispiel aus der Musik belegen. Der Teil zwischen der Frequenzzahl und deren Verdoppelung wird durch 12 geteilt (siehe die Klaviertasten). Es könnte auch durch Hundert dividiert werden, aber dann wäre der Unterschied zwischen den Tönen so gering, dass wir sie voneinander nicht unterscheiden könnten. Dadurch würde die Musik ihren Sinn verlieren. Das heißt, zu viele, in einem Augenblick nicht übersichtliche Faktoren sind unbrauchbar, nutzlos.

Was ist also genau das Grund-Wurzelwort?

F) Das Grund-Wurzelwortsystem ist Teil unseres Gehirns

Das ausgesprochene Grund-Wurzelwort ist, wie jedes andere Wort, nur ein in die Außenwelt hinausgestoßener Ton. Wie zum Beispiel der Ton einer plötzlich in Funktion tretenden Alarmvorrichtung. Töricht wäre jedoch jener Mensch, der den Grund des Alarms im Heulton suchen würde. Der Ton signalisiert bloß irgend etwas, er ist aber mit dem Signalisierten nicht identisch. Das Wesen des Wortes, der Rede, ist in unserem Hirn. Das Wort ist nur die kodierte Mitteilung dessen, was in unserem Bewusstsein vorgeht.
Alle Geheimnisse der Grund-Wurzelwörter sind also im Hirn zu suchen. Genauer: in der Verbindung zwischen der Außenwelt und der inneren geistigen Welt.

G) Das Grund-Wurzelwort und die Außenwelt

Der ausgeglichene, ruhende Zustand wird von jedem Lebewesen als neutral empfunden. Es wird nur auf die Unterbrechung dieses Zustandes aufmerksam. Das gilt für Rehe, Vögel, Fische usw., kurz; für alle Lebewesen. Danach folgt die Untersuchung der Veränderung. Im einfachsten Fall zum Beispiel: war es gut oder schlecht, was die Unterbrechung des Ruhezustandes herbeiführte. Demnach folgt die Auswertung weiterer Details. Dieser Prozess kann mit einem Vergleich schön dargestellt werden.
Das volle Licht – das also gleichsam im Ruhezustand ist – ist durchsichtig, unsichtbar. Stellen wir ihm ein Prisma in den Weg. Das Licht wird sofort lebendig, alle seine Komponente werden separat wahrnehmbar, sichtbar. Für die Identifizierung der Details selbst dann, wenn nicht alle Komponente vorhanden sind und die Aufstellung einer Reihenfolge der Wichtigkeit, brauchen wir aber ein Urmuster in unserem Hirn, als Vergleichsbasis. Denn wenn zum Beispiel nur die grüne Farbe vorhanden ist, müssen wir nicht die ganze Farbenskala auch wirklich sehen, um die grüne Farbe zu identifizieren. (Es gibt natürlich Menschen, die Farben und Töne besser unterscheiden können als andere.)
Unser Hirn funktioniert genau so. Wenn etwas den Ruhezustand der Außenwelt unterbricht, tritt das “Prisma” in Funktion und breitet die ankommenden Signale nach dem Grundmuster aus . Danach wird die Aufmerksamkeit auf die grellsten Abweichungen gelenkt . Auf diese Weise, und nur so, kann bestimmt werden – um beim Farbenbeispiel zu bleiben – welche von den Farben rot, grün, gelb, blau, am meisten aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Auch das einfache Erkennen einer Form funktioniert so.
In diesem Fall enthält das Urmuster die Gesamtheit der Formen, wie Linie, Dreieck, Viereck, Kreis. (Wenn wir zum Beispiel zwei Kreise nebeneinander sehen, identifizieren wir sie als Augen. Linien mit eckigen Formen empfinden wir als gefährlich, bogenförmige jedoch als angenehm. Noch interessanter ist, dass wir eine mehrfach gebrochene Linie als männlich, eine sanft steigende als weiblich empfinden.
Es ist klar, dass diese Formationen “stationäre”, scharf sichtliche Bilder sind. Im Gegensatz dazu – und das muss stark betont werden – ist die Veränderung ein zeitlicher Prozess. Es scheint, dass das Erkennen der Form zum scharf sichtbaren Teil des Bildes gehört, das nur ein kleiner Teil des gesehenen Bildes ist, während die Wahrnehmung der Veränderung mit den anderen Randbereichen in Verbindung steht. Denn am Rand erkennen wir keine Formen mehr, aber gerade in diesem unscharfen Bereich nehmen wir am deutlichsten die Veränderungen wahr. Andererseits sehen wir die Veränderungen im scharf sichtbaren Teil des Bildes nur verschwommen.
Es ist also mittels des Prisma, dass unser Hirn die Menge der wahrgenommenen Veränderungen gemäß den Komponenten (“Farben”) des Urmusters trennt und bewertet. Daraus folgt eindeutig, dass die Urmuster sich voneinander gründlich unterscheiden müssen, sonst würde Unsicherheit entstehen. Das Urmuster muss aus solchen Komponenten bestehen, dass jede Veränderung der Außenwelt mit irgendeinem der Komponenten identifizierbar sein muss . Sonst hört die Möglichkeit der genauen Beurteilung auf.
Da es sich um Veränderungen handelt, müssen die Urmuster gut sichtbare und voneinander scharf abweichende Bewegungstypen sein. Es gibt nur eine Ausnahme, die des Tons. (Vielleicht hat auch das Tasten gewisse “Urmuster”, aber ich habe noch keine gefunden, die nicht dem bildlichen Muster folgen würde.)

H) Das Urmuster und das Wort

Das Urmuster ist also ein in unserem Hirn existierender, konstanter Messvorrat. Es ist auch dann vorhanden, wenn wir nicht sprechen. So wie auch die Sprache nicht aufhört zu existieren, wenn alle Sprecher schlafen. Die Ur-Wurzelwörter als Wörter sind lediglich die Namen des archaischen Grundmusters.
Man sollte aber nicht vergessen, dass die Urmuster nur deshalb zu benennen sind, weil das Sprechen nur durch Worte möglich ist. Zur Weltsicht gemäß den Urmustern ist das Sprechen überflüssig, denn das Wesentliche besteht ja gerade darin, dass wir die Welt ohne zu reden beobachten.
Das Wurzelwort ist also nur ein Name, eine Benennung, wie auch der Name der Zahl auch nicht die Zahl selber ist, und C Cis, D Dis, usw., ebenfalls nur die Namen der musikalischen Töne sind und nicht Töne selbst.

Im Folgenden sehen wir einige Namen für mögliche Veränderungen, die imstande sind, den Ruhezustand der Welt zu stören und wie unser Bewusstsein sie trennt und klassifiziert. Sie sind voneinander radikal verschieden, damit keine Verwechslung geschieht.

Etwas bricht die Stille:
ro, lo [roppan (cracks), lotyog (gluckst)]
etwas breitet sich aus:
to, szo [to va (fort, weg), szét (auseinander)]
etwas, das sich nicht gerade bewegt:
ko, go [kovályog (herum geht), görbe (krumm)]
etwas herausragendes, etwas bedeckendes:
ho [hó (Schnee), hám (Oberhaut, Pferdegeschirr), usw.]
etwas, das seine Position ändert:
mo [mozog (sich bewegt), motor, usw.]
etwas gebogenes:
bo, fo [bólint (nickt), bója (Boje), fodor (Falte)]
eine Bewegung, die etwas anderes in Bewegung bringt:
vi, vo [víz (Wasser), von (zieht), visz (trägt)]

Ich habe hier sicherlich nicht alle Ur Wurzelwörter aufgezählt, aber viel mehr kann es nicht geben, die Zahl der Urmuster ist notwendigerweise recht beschränkt. Ich habe zwar einige andere Ur-Wurzelwörter identifiziert, aber sie scheinen die Derivative anderer Ur-Wurzelwörter zu sein, die ich noch nicht bestimmen konnte. Es ist möglich, dass die oben vorgeführten noch eine zusätzliche Bedeutung haben, die ich mit ihnen nicht verbunden habe.
Außerdem ist es nicht einfach, ein Ur-Wurzelwort mit Wörtern eines anderen Wurzelworts zu beschreiben, weil ihr Wesen gerade darin besteht, dass sie unvertauschbar sind. Es ist also lediglich eine Umschreibung möglich. Ein Animationsfilm könnte die Bedeutung eines Ur-Wurzelwortes viel besser beschreiben. Diese Methode (den Gebrauch von Bildern) habe ich in meinem Buch HAR (2003) erfolgreich angewandt.
Ich kann aber behaupten, dass die aus den obigen Ur-Wurzelwörtern gebildeten Wörter ungefähr Zweidrittel des ungarischen Wortschatzes ergeben. Viele anderen Wörter könnten sich daraus gebildet haben, dass die Version eines Ur-Wurzelwortes ein Eigenleben entwickelte und seine Derivative eine etwas verschiedene Bedeutung gewannen. Die Ur-Wurzelwörter bilden Bewegungsmuster ab, deren Erforschung sehr schwierig ist.
Das mag bedeuten, dass wir mit dieser Forschung nie ein komplettes Ergebnis erreichen. Das kann aber überall erfolgen.
Da die Ur-Wurzelwörter bloß Namen für die Ur-Bilder sind, gibt es ein sehr hilfreiches neues Mittel in der Etymologie: das durch das Ur-Wurzelwort ausgedrückte BILD. Das Bild zeigt immer die ursprüngliche Absicht der Wortschöpfung. Wenn nämlich zwei Wörter das selbe Wurzelwort haben, ist auch das durch das Wort ausgedrückte Bild identisch. Zum Beispiel die Wörter kaptár (Bienenstock) und kapisgál (kapieren, begreifen) haben beide dasselbe Wurzelwort und beide drücken das Ergreifen von etwas, hier von Bienen und Gedanken aus.

Zwei zufällig heraus gegriffene Wörter bloß auf Grund ihres Klanges zu vergleichen ist eine unsichere Methode. Vergleichbar mit einem Stuhl mit zwei Beinen. Mit dem Bild haben wir einen dritten wichtigen Faktor, ein “drittes Stuhlbein”, das Stabilität schafft. Um es zu demonstrieren, sehen wir uns ein Beispiel an. Um zum Ziel zu kommen, fangen wir mit der älteren Aussprache an.
Das Wurzelwort von szablya (Säbel) ist szá, sza, das in einem alten Dialekt mit zwei Vokalen (szau) Trennung bedeutet. Das u wurde sehr oft v, schließlich b, wie in diesem Fall: aus szau wurde szav > szab. Szablya war ursprünglich szaula, mit der Bedeutung “trennen”. [Aus diesem Wurzelwort entstand száj (Mund), da es durch das Öffnen etwas trennt]. Szaula >> szavla >> szabla >> szablya.
In den Versionen anderer Dialekte ging das u von szaula verloren [wie köü >> kő (Stein)] und szala >> szelő (etwas, das trennt):

Beide Versionen werden heute verwendet. Zukünftig werden wir mit dieser Methode der etymologischen Erforschung mehr Erfolg haben.

I) ZUSAMMENFASSUNG UND KONKLUSION

Ich muss betonen, nichts wird direkt mit einem Wurzelwort bezeichnet. Sie drücken lediglich die Art der Störung des neutralen Zustands aus. Materielle Dinge kann diese geistige Welt nicht benennen. Ein Mensch der organischen Kultur entnimmt nichts Wesentliches der Welt, er trennt das Ganze nicht in Teile, nicht einmal mit Worten. Nichts kann vom Ganzen des Universums unabhängig sein. Menschen, die so denken, beobachten alles vom Gesichtspunkt des Ganzen und nennen die Störung des Ganzen “unnatürlich”, und manchmal eben eine Sünde.
Ein Mensch mit “organischer” Weltanschauung sieht das Universum als ein Ganzes, als Eins, als Gott an. Gott ist die Nummer Egy (Eins), das Jó – Jav (gut), das [Eli – Eleve (Erster)], das Ős (Vorfahre) >> Is-ten = Allmächtiger Vorfahre, der nicht geboren wurde (das waren die Namen des “Einen Gottes” für zumindest 20 tausend Jahre in unserer Sprache, und sie werden noch immer verwendet. Auch die Israelis erbten unsere Namen für Gott von der aramäischen Bevölkerung Kanaans. Deshalb bedeutet EINS alles. Der tiefe Sinn dieser Philosophie ist am besten in der archaischen Schrift “Tabula Smaragdina” von Hermes Trismegistos ausgedrückt: “Ich sehe alles in mir und mich in allem. Ich bin im Meer und das Meer ist in mir. Ich bin in den Bäumen und die Bäume sind in mir“. Deshalb ist alles Eins und es gibt keinen separaten Baum, kein separates Meer und kein separates Ich. Diese klare Metaphysik beherrscht unseren Wortschatz.
Die gleiche Denkart beherrscht auch das System der Wurzelwörter und sogar jenes der Zahlwörter; der Geist der ungarischen Sprache. (Siehe mehr darüber in meinem Buch: “A kőkor élő nyelve” (Die lebende Sprache der Steinzeit) 2003.
Hier stoßen wir auf ein Problem. Wir müssen eine Erklärung finden für die tiefe Geistigkeit der ungarischen Sprache, die bereits mehrere zehntausend Jahre alt sein muss. Sie kann nicht von selbst und nur zufällig entstanden sein. Ich wiederhole, was ich in meinen früheren Büchern sagte: einige intelligente Menschen kamen vor einer sehr langen Zeit (sicherlich mehrere zehntausend oder hunderttausend Jahre her) zum gleichen Schluss, wie Gergely Czuczor, János Fogarasi in 1830 und ich in ihrem Gefolge, dass der Wortschatz und die Rede, sowie Mathematik auf archaische Muster aufbauen. Unsere frühen Vorfahren, gut ausgerüstet mit Intelligenz und Weisheit, bauten ihre Sprache auf die Prinzipien der Natur auf. Sie wollten zum tiefsten Sinn des Universums vorstoßen, wie wir es vom Resultat sehen können. Sie gestalteten das Sprechen nach den Prinzipien der Natur zu einer Sprache der Wissenschaften, und bewahrten dabei – sicherlich nicht zufällig – ihre organische Natur. Das ist die einzige Erklärung dafür, wie diese Sprache der Spiegel der Natur werden konnte.
Zoltán Sütő schrieb über dieses Thema: “Die ungarische Sprache ist meiner Ansicht nach eine vorgeschichtliche Sprache, die künstlich geschaffen wurde, um das metaphysische Wissen der archaischen Kultur unserer Vorfahren auszudrücken. Meine Ansicht wird durch die mathematisch klaren Resultate der Forschungen von Csaba Varga auf dem Gebiet der Zeichen und der Sprache vollends bestätigt. Das Kennen und der Gebrauch der ungarischen Sprache und Kultur ist sicherlich das beste Mittel um das Paradigma der archaischen Tradition darzustellen.“

Ich weiß, es ist erstaunlich, was ich geschrieben habe. Ich hoffe, dass es einmal akzeptiert wird. Ich möchte (unbescheidener Weise) Schopenhauer zitieren:

“Jede schwierige Frage durchläuft drei Stufen, bis sie akzeptiert wird: Zuerst lacht man darüber, später wird es bekämpft und zuletzt findet man es offenbar.“

Zitiert aus: Csaba Varga : Zeichen – Buchstaben – Zahlen: Oder die dreißigtausend Jahre alte Geschichte des Alphabets

***

Es gibt auf Amazon eine Rezension, die ich nicht vorenthalten möchte:

Der ungarische Autor legt schlüssig dar, dass die phonetischen Alphabete der großen Kulturen auf einem singulären gemeinsamen Ursprung verweisen. Diese Aussage wird für den Leser nachvollziehbar.

Während der Lektüre formiert sich bei mir die Überzeugung: viele populäre und primitive Vorstellungen von der Frühzeit der Menschheitsgeschichte könnten vollkommen falsch sein. Nebenbei wird klar, dass die alte, bis ins Mittelalter praktizierte, ungarische Runenschrift nahezu identisch ist mit den aller ältesten noch findbaren Schriftfragmenten der Urmenschen. Dadurch werden viele zehntausende Jahre alte Zeichen heute wieder lebendig.

Ein für gewisse politische und religiöse Kreise sicher schwierig zu akzeptierendes, sachliches, außergewöhnliches Buch.

Der Autor ist kein ungarischer Rechtsradikaler. Letztere missbrauchen die alten ungarischen Schriftzeichen für ihre Ideologie. Der Autor distanziert sich zu Beginn von dieser Gesinnung.

Ich fand dieses Buch im Sommer 2010 völlig zufällig in einer Buchhandlung im Mammut Shopping Center in der Nähe vom Moszkva tér in Budapest. Eine Gegend, in der man so eine – aus meiner Sicht als Physiker – weltgeschichtlich revolutionäre Literatur für 4700 Forint nicht vermuten würde.
😎

Kategorien:Erkenntnis Schlagwörter: , ,
  1. Gerd Zimmermann+
    Juli 3, 2017 um 6:05 pm

    Ungarisch ist wirklich das non plus utra.

    Wie könnte ein Universum ohne Ungarisch entstehen?
    Das ist ohne ungarisch nicht möglich.
    Ohne Ungarisch als Ursprache gäbe es keine Bildersprache.

    Die Bildersprache braucht kein Ungarisch.
    Die Bildersprache ist nicht ungarisch.

    Ungarisch ist der Ursprung des Lebens.
    und Du bist ein geborenener Ziegenhirte in der Pussta.

  2. Gerd Zimmermann
    Juli 13, 2017 um 8:43 pm

    Bewusstsein ist fraktal.

    Lassen wir das,sonst erkennt der Pinsel noch das Sprache fraktal ist.

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