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Ohne wirtschaftliche Freiheit ist alle andere Freiheit bedeutungslos …

Wer jetzt meint, dass ich hier dem Neoliberalismus das Wort bereite, der wird nun schnell feststellen, dass genau das Gegenteil kommen wird. Ich habe am Wochenende wieder einen Text aufgeschnappt, der Mal wieder deutlich macht, wo genau der Denkfehler über die Freiheit in der Wirtschaft liegt. Schau´n wir also mal:

*** Fundstelle ***

Wie ersichtlich, basiert die wirtschaftliche Freiheit auf dem Grundsatz des freien Wettbewerbes. Er ist der zentrale Freiheitsbegriff, um den sich alle anderen Freiheiten anordnen. Frei ist, wer wirtschaftlich frei ist; und wirtschaftlich frei ist, wer sich ungehindert am Wettbewerb beteiligen kann. Umgekehrt ist unfrei, wer an der Teilnahme am Wettbewerb gehindert oder gar vom Wettbewerb ausgeschlossen ist. Wirtschaftliche Freiheit und damit das Fundament der Freiheit überhaupt ist nichts anderes als das Recht zur Beteiligung am Wettbewerb.
Was dagegen heute die so genannte Freiheit ausmacht, ist die Freiheit politischer Art, die vorwiegend darin besteht, bei irgendeiner Abstimmung, die meist zu Unrecht die Bezeichnung „Wahl“ führt, Ja oder Nein sagen oder irgendeinen Zettel abgeben zu dürfen. Diese politische Freiheit ist vergleichsweise bedeutungslos; sie kann, ebenso wie die persönliche Freiheit und die Freiheit der Religionsausübung, ohne die wirtschaftliche Freiheit gewährt werden und ist dann ein Torso.
Während die wirtschaftliche Freiheit nach dem Gesagten die persönliche Freiheit automatisch mit einschließt, können umgekehrt – wie das Vorhandensein des Proletariats schlagend beweist – persönliche, religiöse und politische Freiheitsrechte bestehen, zugleich aber die entscheidende wirtschaftliche Freiheit der Beteiligung am Wettbewerb vorenthalten und damit der wirtschaftlichen Ausbeutung der Freiheitsberaubten Tür und Tor geöffnet werden.
Otto Valentin, aus „Die Lösung der Sozialen Frage„, 1952

Das ist auf den Punkt gebracht das ganze Dilemma der „Liberalen“ des 21. Jahrhunderts: Sie haben vergessen, was Freiheit überhaupt bedeutet, und sie haben nie begriffen, wie die zentrale Freiheit, die wirtschaftliche Freiheit in einem monopolfreien Markt (echte Soziale Marktwirtschaft), zu verwirklichen ist.

Die Ordoliberalen der 1950er Jahre kannten wenigstens noch die richtige Definition der Sozialen Marktwirtschaft: eine freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus, die den Sozialstaat gar nicht nötig hat, weil sie prinzipbedingt für natürliche Vollbeschäftigung sorgt, unabhängig vom jeweiligen Stand der Technologie.

Daraus wurde, wie wir wissen, eine kapitalistische Marktwirtschaft mit angehängtem Sozialstaat – und wäre es auch dann geworden, wenn die Ordoliberalen ihre damaligen Forderungen einer „umfassenden Antimonopolgesetzgebung“ und so genannter „Korrekturen der Einkommensverteilung“ in vollem Umfang hätten durchsetzen können!

Ein monopolfreier Markt, in der jeder freien Zugang zum Wettbewerb hat, lässt sich nicht durch Verbote realisieren, denn diese können den Wettbewerb nur noch weiter einschränken! Diese Vorgehensweise, nach der die heutigen „Liberalen“ – so wie alle anderen politischen Parteien – ausschließlich verfahren, ist eben nicht liberal, sondern entspricht ganz im Gegenteil der kurzsichtigen Denkweise des Sozialismus:

Aus dem offenkundigen Versagen des historischen Liberalismus erwuchs die sozialistische Bewegung mit dem Ziel, die missbrauchten Freiheitsrechte einzuschränken zugunsten der Gesamtheit und besonders zugunsten der wirtschaftlich Schwachen. Diese Zielsetzung beruht jedoch auf einem Denkfehler; denn der historische Liberalismus versagte nicht, weil er zuviel, sondern weil er zuwenig Freiheit verwirklichte.
Dr. Ernst Winkler, aus „Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung“, 1952

Die „Liberalen“ rudern zurück und nicht nach vorn. Um nach vorn in Richtung Freiheit und Marktgerechtigkeit zu kommen, muss die Marktwirtschaft vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus befreit werden; aber nicht durch eine Einschränkung der Freiheitsrechte in Richtung planwirtschaftliche Diktatur (Totalitarismus bzw. Staatskapitalismus), sondern durch die Beseitigung der beiden primären Monopole Geld und Boden, die seit jeher die wirtschaftliche Freiheit – von einem Krieg bis zum nächsten – einschränken, und die den „Denkfehler Sozialismus“ überhaupt erst haben entstehen lassen!

Der „Liberale“, der gar nicht weiß, was wirtschaftliche Freiheit bedeutet, missbraucht die Reste, die es davon noch gibt, um unverdiente Knappheitsgewinne (Zinsen, Renditen und private Bodenrenten) auf Kosten der Mehrarbeit anderer zu erpressen, und nennt das dann „Freiheit“. Dass der „Rest“ der Gesellschaft das nicht mehr versteht und dann aus lauter Verzweiflung den „Denkfehler Sozialismus“ wählt, sollte einleuchten. Und es sollte ebenfalls einleuchten, dass die Eliminierung des Privatkapitalismus nicht etwa den technologischen Fortschritt hemmt, sondern ganz im Gegenteil diesen erst entfesselt, weil verdiente Knappheitsgewinne aufgrund technischer Innovation (der eigentliche Antrieb unternehmerischen Handelns) jetzt nicht mehr durch unverdiente Knappheitsgewinne von „großen Investoren“ geschmälert werden.

Silvio Gesell (Foto: Wikipedia)

Silvio Gesell (Foto: Wikipedia)

Die echte Soziale Marktwirtschaft entspricht exakt der Natürlichen Wirtschaftsordnung, die Silvio Gesell bereits 1916 vollständig und widerspruchsfrei beschrieben hatte:

www.deweles.de/files/soziale_marktwirtschaft.pdf

Über alles andere braucht niemand mehr nachzudenken, denn es hat mit wirtschaftlicher Freiheit nichts zu tun. Warum ist das so schwer zu verstehen? Fragen Sie die „heilige katholische Kirche“:

www.deweles.de/files/himmel_auf_erden.pdf

  1. E. Duberr
    März 6, 2017 um 12:11 pm

    Wunderbarer Artikel . Alles beginnt mit dem Bodenrecht . Ohne eine gerechte Lösung des Bodenrechtes kann es keine Freiheit und keinen Frieden geben . Silvio Gesell hat diese Fragen alle beantwortet . Kriminelle Schulsysteme und dumme Lehrer haben dafür gesorgt , daß Gesell nicht wahrgenommen wird .Stattdessen wurde alles getan, um das Untermenschen- System des Marxismus als Stellvertreter des Judeo-Großkapitals zu installieren . Heute erleben wir eine ZETTEL-Freiheit , die allenfalls an einem gewißen Ort Erleichterung schafft .Auch die immer noch falschen Wirkungen des römischen Rechtes beeinträchtigen uns , ohne das wir es merken . Wir sehen es sogar als große Leistung der Lateiner .

  2. fingerphilosoph
    März 7, 2017 um 3:00 pm

    Im Grunde ist das Problem durch Abschaffung des Erbrechts ganz einfach zu lösen. Wenn einer in seinem Leben einen Überschuss erwirtschaftet, den er selber nicht verbraucht, und dieser Überschuss nicht an die Erben, sondern an die Gemeinschaft ginge, hätten die Nachkommen in jeder Generation die Möglichkeit, sich mit gleichen Chancen am wirtschaftlichen Wettbewerb zu beteiligen. Zu diesem Überschuss gehören natürlich auch Immobilien und Geld. Statt einzelner Familien oder sonstigem Klüngel würde die Gemeinschaft als Ganzes reicher. Von diesem Reichtum profitiert dann jeder.

    • Michael
      März 7, 2017 um 4:50 pm

      Ich stelle mir gerade vor, was das für einen Aufschrei gäbe. xD

      Interessant wäre aus meiner Sicht die Art und Weise der „Ausschüttung“ an die Gemeinschaft. Momentan wird über die Erbschaftssteuer ja schon zugegriffen, allerdings dürfte dieser Batzen im allgemeinen Haushalt untergehen und damit für alle möglichen nützen und unnützen Staatsausgaben ausgegeben werden.

      Folgt man deiner Idee, würde das aber auch bedeuten, dass Firmenvermögen im Erbschaftsfall verkauft werden müsste. Ob das so gut für die Betriebe ist (ich rede jetzt mal vom Mittelstand), kann ich nicht beurteilen.

      • fingerphilosoph
        März 7, 2017 um 5:32 pm

        Ja klar, man muss da schon so einiges erst mal noch durchdenken.

        Was Firmen angeht, würde es vielleicht keine Geschäftsführer geben, sondern die Firma würde für eine festgelegte Dauer in den Besitz desjenigen übergehen, der sie leiten will, mit allen Konsequenzen, wie persönlicher Haftung, wenn die Firma dann den Bach runtergeht. Der eigene Sprössling hätte nur dieselben Chancen wie andere Bewerber auch. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Firma nach dem Tod des Gründers in den Besitz der Angestellten und Arbeiter übergeht.

        Ein Haus würde nach dem Tod des alten „Besitzers“ leer stehen. Möglicherweise könnten Makler diese Häuser an Leute vermitteln, für die es Sinn macht, in diesem Haus zu wohnen. Da die Häuser nicht alle die gleiche Qualität haben, müsste man wohl eine Wertskala einführen. Wenn das Haus oder die Wohnung durchschnittlich ist, kostet sie vielleicht bloß soviel wie jetzt die jährliche Grundsteuer, wenn es eine Luxushütte ist, muss der neue „Besitzer“ für die Dauer des „Besitzes“ entsprechend mehr zahlen.

        Man muss überlegen, wenn die Besitzer ihr Hab und Gut dann vorm Tod an die Kinder verschenken. Das ist mir bspw. auch nicht klar.

        Ich stell mir vor, dass der Drang, maßlos Besitz anzuhäufen, massiv nachlassen wird, wenn all dieser Besitz nach dem Tod in Gemeinbesitz übergeht.

        • Michael
          März 7, 2017 um 9:27 pm

          Bei deinem letzten Absatz kam mir ein Bild von einem alten Mann, der verzweifelnd am Strand knieend Wasser aus dem Meer in den Graben seiner Sandburg schippt. 😀
          Absurd, weil sich das Meer doch wieder alles zurückholen wird.

  3. E. Duberr
    März 8, 2017 um 9:49 am

    Ganz sicher gibt es viele Lösungsmöglichkeiten für mehr Gerechtigkeit . Was auf jeden Fall vermieden werden muß , ist eine Erziehung hin zur leistungslosen Zukunft . Ohne Leistungen für die Gemeinschaft darf es keine Zuwendungen geben .Und Leistung muß belohnt werden .

    • Martin Bartonitz
      März 8, 2017 um 7:30 pm

      Das Konzept der Belohung für ein Tun ist eines, dass mir allein aus dem Kontext der Sklavenzeit stammt. In Gemeinschaft, die auf Gemeinwohl grundiert sind, muss man sich wohl keine Gedanken drum machen.
      Wenn aber mal einer so gar nichts zurückgeben mag, dem wird das wie in der Geschichte vom faulen Jack ergehen:

  4. März 16, 2017 um 9:38 pm

    Stellen wir uns eine Welt ohne Geld vor, wie z.B. ein keltisches, germanisches Dorf, ein Dorf der Wikinger oder der Tschuktschen oder von Amazonas-Indianern, etc.

    Wie wird dort Wertschöpfung betrieben?

    Völlig ohne Geld.
    Die Männer bauen zusammen Häuser, in denen alle wohnen, gehen zusammen auf die Jagd von der alle essen, die Frauen gehen mit anderen Männern auf die Felder und alle essen von der Ernte, etc., etc.

    So einfach ist das.

    paßt in vier oder meinetwegen 7 Zeilen! Ende

    • Martin Bartonitz
      März 19, 2017 um 7:52 pm

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