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Neigt sich das Spiel „Arbeit für Einkommen“ langsam dem Ende zu?

Überzeichnung ist eine gute Methode, um Weltbilder ins Überdenken zu bringen. Der folgende vielfach ausgezeichnete argentinische Kurzfilm „Der Arbeitsplatz“ bedient sich dieser Methode. Er  spricht die Thematik der technologisch bedingten Arbeitslosigkeit an und zeigt auf eindrucksvolle Weise unser aktuelles Dilemma, welches wir haben, solange wir die Notwendigkeit des Sprunges in ein neues Paradigma nicht erkennen.

Zum Inhalt:

In einer bizarren Welt wacht ein Arbeiter durch seinen Wecker auf. Er rasiert sich, zieht sich an und frühstückt.

Ein unbekannter Mann hält ihm den Spiegel. Drei Menschen fungieren als Stuhl und Tisch. Eine Frau steht an der Tür und arbeitet als Kleiderständer. Auf dem Rücken eines Menschen reitet der Mann zur Arbeit. An einer Kreuzung arbeiten zwei Menschen als Ampel, wobei einer mit einem grünen T-Shirt sein Jacket öffnet, während sein Kollege mit rotem T-Shirt sein Jacket schließt. Der Mann geht in ein Gebäude, wo andere Menschen als Eingangstür und als Aufzug arbeiten. Er hängt seinen Mantel in einen Spint, in welchem eine Frau als Kleiderhaken arbeitet, und beginnt mit seiner Arbeit als Fußabtreter, indem er sich vor eine Tür auf den Boden legt.

Sein Chef erscheint, putzt seine Schuhe an dem am Boden liegenden Mann ab und betritt sein Büro. Der Arbeiter bleibt weiter vor der Bürotür liegen.

Ich fand auf Facebook folgenden Text zur Interpretation (hier), den ich so unterstützen kann:

Dieser animierte Kurzfilm ist Gewinner von 103 internationalen Auszeichnungen und zeigt auf beeindruckende Weise, dass wir unser gesellschaftliches Wirtschaftsparadigma “Arbeit gegen Einkommen” besser überdenken sollten.

Technische Innovationen sollten zur Verbesserung unserer Gesellschaft eingesetzt und nicht unterdrückt werden, lediglich um Arbeitsplätze aufrecht zu erhalten. Beispielsweise ist das Bauen von Häusern aus Holz mit Hammer und Nägeln angesichts des heutigen Standes der Technologie wirklich absurd. Viele unserer heutigen Tätigkeiten werden in naher Zukunft überflüssig und allmählich durch Automatisierung ersetzt werden.

Der Einsatz von Technik und bewusste Mechanisierung ist ganz einfach viel produktiver, effizienter und nachhaltiger als menschliche Arbeit; dies gilt praktisch für jeden Bereich der heutigen Wirtschaft. Maschinen brauchen weder Urlaub, Pausen, Versicherungen noch Rente und sie können 24 Stunden am Tag arbeiten, jeden Tag. Produktionspotential und Genauigkeit sind, verglichen mit menschlicher Arbeitsleistung, unerreicht.

Die Quintessenz ist: monotone menschliche Arbeit wird weltweit überflüssig und sinnlos werden. Und die Arbeitslosigkeit, die wir heute um uns herum sehen, ist im Grunde ein Ergebnis der Evolution technischer Effizienz.

Seit Jahren haben Marktwirtschaftler dieses wachsende Phänomen abgetan, welches „technologisch bedingte Arbeitslosigkeit“ genannt werden könnte, doch Ökonomen geben jetzt endlich zu, was sie seit Jahren geleugnet haben: Technologisch bedingte Arbeitslosigkeit bringt die Menschen in der gegenwärtigen Arbeitsmarktkrise nicht nur in Verzweiflung; je mehr sich die Rezession vertieft, desto schneller wird die Industrie mechanisiert.

Der Haken, der dabei übersehen wird, ist: Je mehr man automatisiert, um Kosten zu sparen, desto mehr Leute werden entlassen und desto mehr wird die öffentliche Kaufkraft reduziert.

Das heißt: Wenn die Firmen alles günstiger produzieren können, immer weniger Leute tatsächlich Geld haben, irgendetwas zu kaufen, und zwar unabhängig davon, wie billig es geworden ist. Die Quintessenz ist, dass das Spiel „Arbeit für Einkommen“ sich langsam dem Ende nähert.

In der Tat: Wenn man sich die heute existierenden Jobs einmal anschaut, die die Automatisierung – würde sie konsequent eingesetzt – übernehmen könnte, sieht man, dass 75% der globalen Arbeiterschaft schon morgen überflüssig wäre.

Da stellt sich die Frage, was das Ziel einer Wirtschaft sein sollte: Lohnarbeitsplätze oder Wohlstand schaffen?

  1. E. Duberr
    Januar 25, 2017 um 12:06 pm

    Die oben beschriebenen Probleme bedrücken uns schon 100 Jahre . Sie können nur durch ein arbeitsfreies Grundeinkommen gelöst werden . Allerdings müssen dann wieder sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten geboten werden . Völkerschaften , die ihre Zeit konsumierend und verfaulend vergeuden sind nicht vorstellbar . Ein neues Bewußtsein und Achtung der nicht arbeitenden Bevölkerung muß entstehen . Beginnen könnte man mit den Menschen , die sich auch ohne Arbeit wohlfühlen .Sie könnten sich von der Arbeit befreien .Sie leisten ihren Beitrag indem sie ihren Arbeitsplatz dem Arbeitssüchtigen z.Vg. stellen . Freiwillig arbeitende Menschen könnten Aufgaben der Pflege von Mensch und Umwelt übernehmen .An einem Versuch kommt keine Gesellschaft mehr vorbei .Mit Arbeit kann man sich den ganzen Tag versauen , mit freiwilliger Tätigkeit für sich selbst , viel gewinnen.

  2. Gerd Zimmermann
    Januar 25, 2017 um 6:40 pm

    Ich kenne ein Buch mit dem Titel:

    Unsere sinnlose Arbeit

    Vielleicht geht die Reise in diese Richtung.

    Woher kamen nur die Arbeitslosen zum vorletzten
    Jahrhundertwechsel, ohne Roboter und Computer.

  3. Gerd Zimmermann
    Januar 25, 2017 um 7:25 pm

    Sehen die Arbeitsplätze der Zukunft wirklich so aus?
    Stehlampe, Fussabtreter usw.

    Ich habe eine ganz andere Vision.

    „Bis der Mensch erfährt, dass er Geist ist,
    wird er Sklave der Illusion des Geistes sein,
    statt dessen er sein Herr und ein „Schöpfer“
    dieser Illusion sein kann.“

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