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Führt uns die Technik der Blockchain von der verschwenderischen Konkurrenz zur effektiveren Kooperation?

Ich habe mir gestern einen wunderbaren Vortrag von Primavera De Filippi angeschaut und anschließend recherchiert, ob schon Jemand über die hier vorgestellten Ideen geschrieben hat, und bin fündig geworden. Wie schon mehrfach auf dem Blog dokumentiert, bin ich davon überzeugt, dass Kooperation ein viel zuträglicheres Mittel für eine nachhaltige Gemeinschaft ist als die Konkurrenz, die von Kapitalisten zu ihrem eigenen Nutzen wie eine heilige Monstranz vor sich hergetragen wird. Der folgende Artikel von Julian Feder unterstreicht meine Ansicht und führt gleichzeitig eine für mich neue Technologie ins Feld, die Blockchain, die die Transformation unserer Organisationen in die nächste Entwicklungsstufe unterstützen könnte (Übersetzung stammt von mir):  

Von der Konkurrenz zur Kooperation Quelle

Ameisen, Vogelschwärme und Fischschulen haben mindestens eine faszinierende Profession gemeinsam: sie haben alle die unheimlich beeindruckende Fähigkeit, in hoch-komplexen Systemen wirklich erstaunlich kollektive Leistungen zu organisieren.

Ohne die Koordination durch eine beliebige zentrale Verwaltung managen diese einfachen Kreaturen die außergewöhnlichsten Leistungen. Termiten-Kolonien zum Beispiel sind mit einer absolut atemberaubenden Architektur von Lüftungsschächten, Baumschulenn, Autobahnen und was man sich sonst noch vorstellen kann, ausgestattet – ordentlich organisiert von etwas, das wie ein gut durchdachter Master-Plan wirkt. Diese Eigentümlichkeit dieser Völkergemeinschaften ist so beeindruckend, dass man hier eine kollektive, geistige Intelligenz walten sehen könnte.

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Jenseits unserer Vorstellungskraft: metaphorische Termitenhügel.

Möglicherweise können wir nicht entscheiden, ob dieses scheinbar intelligente Verhalten eine „echte“ Intelligenz ist oder nur eine anhaltende Illusion, eine Simulation von Kognition sozusagen. Was wir aber wissen ist, dass es eine emergente Eigenschaft von sehr einfachen Regeln ist, dass jeder Einzelne im Kollektiv instinktiv folgt, ohne sich des größeren Schemas der Dinge bewusst zu sein.

Die einzelnen Ameisen, so stellt sich heraus, hinterlassen Spuren in ihrer Umgebung, die das Verhalten ihrer umliegenden Genossen beeinflusst, so dass diese selbst wieder Blinker für ihren Mit-Insekten aussetzen und so weiter. Im Laufe der Zeit entsteht aus der massiven Aggregation einzelner aufeinander aufbauender Signale das, was wir als scheinbar intelligentes Verhalten wahrnehmen, das in seiner Komplexität die summierten Fähigkeiten der singulären Insekten überschattet.

Dieses Prinzip der Synergie – das Ganze ist größer als die Summe seiner Teile – ist für uns kein fremdes Konzept. Seit Tausenden von Jahren sind wir dabei, Ziele zu erreichen, die kein Mensch allein erreichen kann. Wir haben Mammute, domestizierte Tiere gejagt, die Pyramiden gebaut und sogar ein paar von uns in Blechkästen verpackt und auf den Mond geschossen. Aber all das, so beeindruckend es sein mag (und das ist es), ist in einer ganz anderen Weise organisiert wie die vorherigen Beispiele. Wir selbst könnten sehr intelligent sein, aber unsere Organisationsstrukturen, so scheint es, sind es weit weniger.

Von der Jungsteinzeit an, über die Bronze- und Feudalzeit, bis zu unserem zeitgenössischen Konsumentenkapitalismus scheinen wir immer wieder dieselbe Melodie zu spielen: Wir haben eine Menge mächtiger Alpha-Personen, die über das Privileg der Kontrolle von Arbeit Anderer konkurrieren. So bekamen die Könige ihre Schlösser, aber auch wir unsere (Veggie-)Burger für das Mittagessen.

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Ob Autokraty, Theokraty oder Demokratie: die Steuerung erfolgt zentral

Diese Strategie, so erfolgreich wie sie war und ist, hat ihre beachtlichen Nachteile. Dies ist in der Tat das schmutzige kleine Geheimnis unserer kulturellen Ideologie: Unser geliebter Wettbewerb ist in Wahrheit ein sehr verschwenderischer Prozess. Was passiert mit dem Wert, der von den Verlierern geschaffen wird, wenn der Gewinner alles nimmt? Was ist mit all den Bemühungen, die immer wieder dupliziert werden, um kaum ein einziges Ziel zu erreichen, während der Großteil der kollektiven Bemühungen, die in sie hineingegangen sind, kaum jemals ihre Früchte verwirklichen können?

Zum Glück, wie die Natur so unbestechlich beweist, ist das Toolkit für die kollektive Koordination deutlich vielfältiger als die begrenzten Werkzeuge, die wir Primaten mitbringen könnten. Hierarchien und Konkurrenz sind ein Weg unter vielen anderen, um gemeinsame Anstrengungen zu orchestrieren, und wir sollten nicht zögern, sie zu unserem Vorteil zu nutzen. Die Natur hatte nicht die Höflichkeit, uns mit Flügeln auszustatten? Und doch fliegen wir inzwischen schneller und höher als jeder Vogelgeist sich vorstellen konnte. Aber es gibt wirklich keinen Grund, nicht zusätzlich die gleiche Logik auf die Mittel der menschlichen Organisation anzuwenden.

Wie beim Flug ist es nur eine Frage der technologischen Durchbrüche und der erfinderischen Ausnutzung der Gelegenheiten, bis wir einen Weg finden, organisatorische Grundsätze zu ernten, die es unseren Institutionen ermöglichen könnten, einer kollektiven Intelligenz zu ähneln. Glücklicherweise leben wir in sehr interessanten Zeiten, die genau solche Durchbrüche liefern – Blockchain ist zweifellos das prominenteste Beispiel.

Durch die Aufzeichnung einzelner Aktionen auf einer verteilten Datenbank und durch den nicht-mittelbaren Austausch von ökonomischem Wert als auch gegenseitigen Vereinbarungen, die diese Plattform ermöglicht, befähigt die Blockkette (Blockchain) sehr viele Menschen, sich indirekt ohne eine zentrale Autorität zu koordinieren. Diese indirekte Koordination beruht auf sehr einfachen Regeln, die sich zu einem komplexen Systemverhalten zusammensetzen und die nicht von einer bestimmten Instanz auferlegt werden, sondern kollektiv über das gesamte Netzwerk vereinbart werden. So wie bei den Ameisen, nur hier mit zwei entgegengesetzten Daumen und einem Neokortex dazwischen.

Diese Beschreibung mag ziemlich vage und unverständlich klingen, aber das waren auch die ersten Internet-Evangelisten in den späten 80er Jahren. Was ist ein Netzwerk von Netzwerken – ein „Internet“? Und was könnte es für mich tun? Nun, wer hätte das gedacht. Es wäre fair zu sagen, dass die Blockchain für die Zusammenarbeit leistet, was das Internet für die Kommunikation bereits getan hat.

Die ersten Vorboten dieses neu aufkommenden Paradigmas sind schon seit einiger Zeit unter uns. Youtube, Facebook, AirBnB und wie sie alle heißen, verlassen sich auf P2P-Interaktionen (Peer to Peer) zwischen einzelnen Personen, um emergente (aufstrebende) Werte zu schaffen, die die aggregierten Beiträge aller einzelnen Teilnehmer kombiniert. Das Problem liegt natürlich – wie es die Geschichte lehrte – in der Verteilung solcher Werte. Dies ist nicht nur ein bisschen unfair („ein bisschen“: Fairness liegt im Auge des Betrachters), es ist mehr als alles andere – es ist ineffizient.

Keiner mag gerne kostenlos arbeiten – nicht einmal Facebook-Nutzer und Youtube-Vloggers.
Die Wertschöpfung in derartigen Systemen kann zwar als Crowdsourcing bezeichnet werden, aber ihre Verbreitung und das Verhalten dieser Netze sind in hohem Maße zentralisiert, kontrolliert und starr und erlauben es nicht, die Merkmale kollektiver Intelligenz in vollem Umfang zu entfalten. Es scheint so, dass die Möglichkeiten für die menschliche Organisation solcher Regelsysteme eher begrenzt sind.

Die Blockchain hingegen ermöglicht es, dass solche Netzwerke spontan entstehen und die darin entstandenen Werte auf Diejenigen verteilen, die zu ihrer Herstellung beigetragen hat, indem jedwede Zwischenhändler umgangen werden. Dies ermöglicht die Entstehung einer Netzdynamik, die die Teilnehmer in die Zusammenarbeit mit einbezieht, wie die einfache Reaktion auf den Pheromonaustausch in Insektenkolonien. Der synergistische Effekt einer solchen Form menschlicher Organisation könnte viel größer sein als alles, was wir bisher in der kurzen Geschichte der menschlichen Kultur gesehen haben, und wird höchstwahrscheinlich das Wettbewerbsmodell selbst übertreffen.

paul_baran_1962_distributed-300x211Zusammenarbeit lohnender machend als die Konkurrenz könnte fast alle bekannten Geschäftsmodelle umstürzen. Nehmen Sie einfach die Pharma-Industrie zum Beispiel. Sie arbeiten jahrelange mit Herzblut an einer Entwicklung. Und dann kommen sie doch zu spät. Ihr Konkurrent hat den Markt vor ihnen betreten und versiegelt mit seinem Patent alle weiteren Wege. Was für eine Verschwendung an eigener Energie, die nun verloren ist, aber auch an weiteren Ideen, die der Sieger nicht aufgreifen wird. Stellen Sie sich eine Welt vor, in der sie ihr Wissen und ihre Anstrengung zu einem Beitrag leisten könnten. Geteilte Aufgabe, etwas voranbringen und helfen, es zu vervollständigen, und für das Ganze belohnt werden. Statt sich gegenseitig zu zerstören, würden wir ermutigt, auf einander aufzubauen und weiter voranzutreiben.

Stellen Sie sich vor, Facebook im Besitz seiner Nutzer, dezentrale Verkehrsnetze unabhängig von Uber; Märkte, die von Open-Source-Communities dominiert werden, an denen auch die Anteilseigner beteiligt sind und deren Wertschöpfung sowohl fair als auch transparent verteilt wird. Stellen Sie sich das innovative Potenzial solcher Organisationen vor, die sich von den Starrheiten hierarchischer Strukturen entkoppeln, indem sie sich mit einem lebendigen und reaktionsfreudigen Verhalten entwickeln, ähnlich wie sich ein Strom aus Wasser einen passenden Weg durch unwegsames Gelände sucht. Und ohne, dass eine bestimmte Person dafür zuständig ist, aber dennoch mit der Fähigkeit ausgestattet ist, metaphorische Termitenhügel zu bauen.  Stellen Sie sich das vor, wäre das nicht der Anfang einer – im positiven Sinne – Höllenfahrt?

***

Mehr zum Thema Blockchain ist im Online-Magazin des Startup BACKFEED zu lesen. Zum Startup ist zu lesen:

Backfeed is an open-source startup that develops a social operating system for decentralized organizations, allowing for massive open source collaboration without central administration. We provide the infrastructure for decentralized cooperation, allowing large groups to create collectively and  share the value they’ve created according to contribution. Our goal is to enable anyone, anywhere to effectively collaborate with their peers without having to erect fixed hierarchies and rigid structures. The core of our decentralized governance tools and value distribution algorithm is the BACKFEED protocol.

Zum obigen Artikel wurde der Julian Feder genauso wie ich von einem Ted-Vortrag von Primavera De Filippi inspiriert, der hier erhältlich ist:

***

Weil ich so überzeigt von den Vorteilen der Kooperation gegenüber der Konkurrenz bin, habe ich mit Marietta Weiser (auf Facebook) vor etwas 4 Jahren die Facebook-Gruppe Kooperation statt Konkurrenz initiiert. Inzwischen tauschen sich fast 1.400 Mitglieder zu dem Themenkomplex aus. Wir freuen uns auf weitere Beitragende.

Fortsetzung mit einem anschauenswerten Erklärvideo: Darüber, wie die neue Blockchain-Technologie jedem Einzelnen nutzen kann …

  1. Dezember 29, 2016 um 8:58 pm

    Passend dazu:

    https://aeon.co/essays/how-ant-societies-point-to-radical-possibilities-for-humans

    “The growing recognition that natural processes work differently from our symphonies and armies will allow us to see the natural world more clearly. Ant colonies are not factories or fortresses; instead they use simple interactions to adjust to changing conditions.“

  2. goodie
    Dezember 29, 2016 um 10:20 pm

    Klingt alles sehr schön; aber was ist mit den Millionen Menschen, die keine Computer oder Smartphones besitzen und was machen wir in 10-20 Jahren, wenn es kaum noch Silber und seltene Erden gibt und diese Geräte somit immer unerschwinglicher?

    • Martin Bartonitz
      Dezember 30, 2016 um 8:39 am

      Danke für diesen wichtigen Hinweis. Vielleicht müssen wir dann doch, wie auf den Georgia Guidestones gefordert, runter auf eine Anzahl von 500 Millionen oder noch weniger Menschen auf der Erde, um das dann technisch auch durchführen zu können?
      Was aber auch interessant ist: Gerade in den entlegenen Landstrichen Afrikas scheint die Nutzung von Mobiles sich leichter durchzusetzen als bei uns (siehe z.B.)

  3. Dezember 30, 2016 um 4:01 am

    “Stellen Sie sich das vor, wäre das nicht der Anfang einer – im positiven Sinne – Höllenfahrt?“

    Keineswegs im positiven Sinne, denn eine solche Fahrt basiert einzig auf Energieraub, zumal deren Beteiligten sich nur beteiligen können, weil sie selbst Energieräuber sind … im Gegensatz zu Ameisen, Termiten und all den ANDEREN …

    • Martin Bartonitz
      Dezember 30, 2016 um 8:43 am

      Hm, Energieräuber … an welcher Stelle genau siehst Du den Energieraub? Müsste das dann nicht bei jedem Kauf/Verkauf von Waren und Dienstleistung schon jetzt der Fall sein. Hier wird doch nur eine etwas andere Form des Austausches von Waren und Dienstleistungen avisiert, eine, wo weniger vermitteltende/händlerische Parasiten involviert sind, also weniger Energieräuber …

      • Martin Bartonitz
        Dezember 30, 2016 um 3:36 pm

        OK, schaut man sich das Geschäftsmodell dieser Bitcoins an, so muss man schon sag, wie bescheuert ist das denn: Da werden irre Server-Farmen hingesetzt, die Ressourcen bei Herstellung und Betrieb verbrauchen, nur um auch wieder nur Geld aus dem nichts generieren. Und das neue Geld gehört zuerst Jenen, die diese Rechner betreiben. Wenn das mal kein irrer Energieraub ist …

  4. Gerd Zimmermann
    Dezember 30, 2016 um 10:29 am

    Lieber Martin

    „… an welcher Stelle genau siehst Du den Energieraub?“

    Man muss wissen was Guido unter Energie versteht.
    Wärme ist keine Energie.
    Kinetische Energie ist eigentlich keine Energie.
    Bewegungsenergie muss eine Ursache haben.
    Wir beobachten einzig die Wirkungen.

    Galaxien bewegen sich spiralförmig.
    Ein Big Bang bewegt sich nicht spiralförmig.
    Woher soll die Energie für die Planetenbewegungen kommen?
    Die Erde stürtzt nicht in die Sonne obwohl sie es nach der Schulphysik machen
    müsste.
    Eine Uhr mittels einer Stahlfeder aufziehen, kein Problem.
    Wer oder was justiert aber ein Universum und versorgt es mit Bewegungsenergie?

    Die zur Verfügung stehende Energie ist immer konstant.
    Alle „Freie Energie“ ist Energie welche nicht in Materie gebunden ist.

    Wieviel Energieraub steckt in einem Nagel?
    Eisenerz muss abgebaut werden. Energieraub.
    Eisen muss verhüttet werden. Energieraub.
    Der Nagel muss gezogen werden. Energieraub.
    Der Nagel muss in den Baumarkt transportiert werden. Energieraub.
    Der Nagel wird mittels eines PKW im Baumarkt abgeholt. Energieraub.

    Ein Mensch schlägt den Nagel in das Holz. Kein Energieraub.

    Atomzertrümmerung oder Explosionsmotoren. Energieraub.
    Nutzbarmachung eines Blitzes, Wasserwirbels oder Tornados. Kein Energieraub.

    Kein Lebewesen begeht einen Energieraub, einzig der Mensch.

    Alles Leben auf der Erde erhällt seine Energie von der Sonne. Kein Energieraub.
    Die Energie der Sonne ist nicht nur im Apfel gespeichert, auch im Wasser
    der Ozeane. Wasser bei richtiger Bewegung kühlt sich ab und gibt Energie
    frei welche durch die Sonne erneuert wird. Kein Energieraub.

    Stromerzeugung durch fossile Energieträger. Energieraub.
    Stromerzeugung durch Windkraft oder Solartechnik. Energieraub.

    So eine Windmühle müsste sich 500 Jahre drehen, bevor sie die
    Energie erwirtschaftet welche in ihr steckt. Das ist Energieraub.

  5. Carlo
    Dezember 30, 2016 um 2:45 pm

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich arbeite zur Zeit ebenfalls an einem angrenzenden Thema und bin deshalb besonders interessiert. Einige Gedanken von mir:

    Die Natur ist das beste Beispiel für die gemeinschaftliche, kooperative Betätigung. Das Wesentliche ist dabei, dass (auch in den oben angeführten Beispielen) die Tiere sich nicht mit Geld bezahlen und keine Kredite benötigen, um einen Ameisen- oder Termitenhügel zu errichten. Elefanten oder Delphine verlangen kein Geld, wenn sie einen verletzten oder kranken Artgenossen versorgen. Sie tun es. Sie machen sich einfach nützlich. Ähnliche Beispiele findet man auch im Pflanzenreich. Man kann also davon ausgehen, dass die Aufgabe des Lebewesens Mensch ebenso darin besteht, sich sinnvoll, für sich und die Gemeinschaft (inkl. Umwelt), nützlich zu machen. In welcher Form immer. Jedenfalls so, dass er die Erde, mit seinem Tod, nicht »schlechter« verlässt, als er sie bei seiner Geburt vorgefunden hat.

    Ich denke auch, dass die Kooperation der Schlüssel für den Überlebenserfolg der Menschen ist und sein wird. Gäbe es da nicht diese Denkblockade: »Keiner mag gerne kostenlos arbeiten«
    Natürlich verstehe ich diesen Satz. In der heutigen Zeit ist er für das einzelne Individuum verdammt wichtig. Aber was steckt dahinter? Was ist »Keiner« wert? Hat »Keiner« einen Preis und wenn ja, wer legt diesen auf welcher Grundlage fest? Ist dies aus humanistischer Sicht überhaupt möglich?
    »Keiner« ist ein Mensch. Menschen kann man nicht kaufen. Genauso wenig wie das Licht, die Liebe, die Sprache. Wenn ich keinen Preis für ein Menschenleben und dessen Lebenszeit festlegen kann, kann ich auch keinen Preis für nur eine Stunde bestimmen. Die Idee des stundenweise Kaufens von Menschenlebenszeit war im römischen Recht verankert (locatio conductio operarum) und hatte sein Modell im Mietrecht für Sklaven (locatio conductio rei). Inzwischen ist es zur Grundlage des modernen Arbeitsrechts geworden. Die Frage ist also: Behandle ich ein Menschenleben wie einen materiellen Gegenstand (mit abzählbaren kleinen Teilchen) und mache es damit käuflich und verkäuflich oder behandle ich es nichtmateriell, wie Liebe, Licht, Sprache, Gravitation …, und schließe den Kauf oder Verkauf aus. Die Antwort auf die Frage entscheidet letztlich wie sich die menschliche Gesellschaft organisiert. Je nachdem, wie man sich entscheidet, wird man auf unterschiedliche Ergebnisse kommen.
    Geld ist nicht die Ursache der Probleme, sondern Mittel zum Zweck.

    Wer den Menschen als unverkäufliches, »faszinierendes Wesen« betrachtet, stösst auf völlig andere (quergedacht und umgewendet) Möglichkeiten bei der Gestaltung des Zusammenlebens.

    »Die unheilvolle Neigung, über die Dinge nicht mehr nachzudenken, sobald sie nicht mehr zweifelhaft sind, hat die Hälfte aller menschlicher Irrtümer zu verantworten.«
    Blaise Pascal

    P.S.: Selbst Netzwerke wie YT oder FB haben wesentlich mehr Potential, wenn man menschlich denkt. Dazu braucht es keine Blockchain.

    • Martin Bartonitz
      Dezember 30, 2016 um 4:43 pm

      Hallo Carlo,

      vielen Dank für Deine Ergänzungen.

      Elefanten oder Delphine verlangen kein Geld, wenn sie einen verletzten oder kranken Artgenossen versorgen. Sie tun es. Sie machen sich einfach nützlich.

      Das gibt es bei uns im Prinzip ja auch noch. In intakten Dörfern helfen sich die Menschen gegenseitig, weil sie wissen, wenn sie etwas brauchen, wird auch ihnen geholfen. Geld hat hier einen Keil zwischen geschoben, so dass alles einen direkten Wertbezug erhält, auch der Lohnsklave …

      Aber das Konzept des Beitragens ist sicher das, was uns nach vorne bringen wird, wenn wir das Gefühl haben, dass es gerecht dabei abläuft. Heute sehen wir nur, dass über das Konkurrenzkonzept es legitim ist, dass eben nicht gerecht verteilt wird, sondern es akzeptiert ist, wenn der Eine auf Kosten des Anderen leben darf … das kann auf Dauer nicht gut für eine Gemeinschaft sein.

      • Carlo
        Dezember 30, 2016 um 7:17 pm

        Ja, es gibt die gegenseitige Hilfe und Solidarität. Es ist aber nur ein Teil dessen, worauf ich hinaus wollte.

        Nicht das Geld hat einen Keil zwischen geschoben, sondern das Selbstverständnis in der Gesellschaft, dass man Menschen/Lebenszeit kaufen kann (z. B. mit Geld). Ich kann Liebe, Freundschaft, Sprache, Licht … nicht in Geld bewerten. Kannst Du ein Menschenleben/Lebenszeit in Geld bewerten? Wer kann das?
        Wenn es keiner kann, was sind dann die Grundlagen der ökonomischen »Wissenschaften« noch wert, falls eine ihrer Prämissen das Attribut unverkäuflich bekommt?

        Die einfache Antwort: Vom humanistischen Standpunkt – nichts. Wer von Freiheit und Menschlichkeit redet, sollte darüber einmal nachdenken. (Damit bist Du nicht persönlich gemeint.)

  6. Christoph Schneider
    Dezember 30, 2016 um 7:45 pm

    Die Definition von blockchain wird auch durch den Vortrag von Frau Filipi nicht klar. Vor der Kooperation K sind einige..viele Fragen zu klären. Was sind die Werte , die K zugrundeliegen ?
    ubuntu ? Welche Teilnehmer, welche Art der Kommunikation, welches Ziel, Produkt oder Dienstleistung oder ? gibt es eine Zielgruppe für ein Produkt oder eine Dienstleistung? wird ein Mehrwert generiert, wer sammelt den dann ein? Wer macht Qualitätssicherung für Produkt oder Dienstleistung oder ? Wer macht die juristischen Absicherungen ? Gibt es einen Vertrieb o.ä. ? Erst wenn alle Beteiligten in allen o.g. Fragen (u.U. weiteren) einen Konsens gefunden haben, erscheint mir eine Kooperation K sinnvoll zu sein. Der Konsens könnte durch einen Abstimmungsprozeß zu finden sein: das ist Kommunikation pur. Es geht m.E. in erster Linie um die Frage, wie kann Kommunikation in einer (verteilten) Gruppe gelingen(?), noch dazu ergebnisorientiert, – es sollen konkrete und umsetzbare und zielführende Beschlüsse möglichst einstimmig gefaßt werden. Was der kollektiven Intelligenz m.E. am nähesten kommt, hat Prof.Dr. Peter Kruse erforscht. http://www.nextpractice.de/prof-dr-peter-kruse.html .

    • Martin Bartonitz
      Dezember 30, 2016 um 11:19 pm

      Stimmt, der Herr Kruse hatte da wichtige Arbeit geleistet, und ist auch viel zu früh von uns gegangen …
      Wer das mit dem Potential von Blockchain ganz gut erklärt, ist er:

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