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Anmerkungen über Meditation

Dr. Manfred Voss, Engineur

Dr. Manfred Voss, Biophysiker

Ein paar Anmerkungen von meiner Seite über Meditation, ausgehend von einem früheren Beitrag hier im Blog (Der zufriedene Fischer), seinerzeit gedacht als Antwort auf einen dortigen Kommentar – der Text lag seitdem irgendwie jahrelang vergessen bei mir „in der Schublade“ (obwohl von Martin schon mal „angefordert“ 😉 ), ich hab ihn gerade wieder entdeckt und hervorgeholt, und minimal überarbeitet.

Dies passt auch sehr gut zum Thema „Frieden“ – äußerer Frieden ist in meiner Sicht nicht möglich, wenn nicht im eigenen Inneren Frieden eingekehrt ist … und ja, Frieden ist auch Abkehr von Angst, sonst fängt man im Rahmen irgendeines Tuns nach außen an irgendeiner Stelle an, in Angst um sich zu schlagen. Sei es in einer Beziehung, in der Familie, in einer Firma oder sonst einem noch größeren „Gemeinwesen“.

Die Formulierung …

Wenn Jemand ohne andere Menschen glücklich sein kann und will, dann ist er von den Menschen enttäuscht worden und sucht sein Glück in anderen Erfahrungen.

… drehe ich mal um – das ist AUCH ein Schuh, den sich Menschen anziehen:

Wenn jemand nur mit anderen Menschen glücklich sein kann und will, dann ist er in irgendeiner Form von sich selbst enttäuscht worden und sucht sein Glück in anderen Erfahrungen.

(In beiden Fällen nehme ich das Wort „enttäuschen“ im negativ zu verstehenden Sinn, nicht im positiv zu verstehenden Sinn von ent-täuscht werden, um so einer Wahrheit näher zu kommen, ob bewusst oder unbewusst.)

Und, wie ich es sehe, BEIDE Schuhe sind für sich allein genommen jeweils zu eng. Verzicht, erzwungenes Entsagen sind keine Lösung, und schon gar keine Er-lösung von Pein – jeder dieser Schuhe ist einfach zu eng, symbolisch gesprochen, und tut daher unvermeidlich irgendwie weh. Ohne jede Behinderung durch Schuhe barfuß in weichem Gras zu gehen ist eine den menschlichen BEIDEN Füßen optimal angepasste Form des Gehens – wiederum symbolisch gesprochen 😉

Auch ich sage: Glück ist ein SEINs-Zustand, unabhängig davon, ob ich gerade allein bin oder mit anderen zusammen – eine Seinsqualität, die sich dann im Rahmen dieses oder jenen Tuns und auch Nichttuns zeigen kann und wird, aber nicht daran festnageln lässt. Und dies wiederum kann für verschiedene Menschen sehr unterschiedlich sein. Und es kann auch für jeden einzelnen Menschen zu verschiedenen Zeiten sehr unterschiedlich sein.

Über Meditation:

Ich habe mich lange mit Zen-Buddhismus auseinandergesetzt und in dieser Zeit versucht, dem Konzept der Loslösung von Lust, Begehren und Sehnsüchten zu widmen, die eben zu allem Leid führen sollten. Dies hat mich schlussendlich in ein Burnout getrieben, weil man ohne Emotionen TOT ist.

Stark verkürzt, wiewohl „Meditation“ ein sehr umfangreiches Thema ist:

Zen-Buddhismus ist EINE MeditationsFORM (genauer gesagt: beinhaltet eine gewisse Anzahl spezifischer Formen), aber Meditation hat ein sehr viel größeres Spektrum an Formen. Menschen sind in mancher Hinsicht innerlich sehr unterschiedlich gebaut – was für den einen passt, ist für einen anderen geradezu destruktiv.

Auch hier: „Meditation“ bzw. besser „in Meditation sein“ ist eine Seinsqualität, eine innere, qualitativ neuartige, lebendige dynamische Balance, an die man sich in sehr unterschiedlichen ÜbungsFORMEN annähern kann, abhängig von der vorhandenen individuellen Komposition der eigenen Energiequalitäten (und ja, jeder kann letztlich nur individuell herausfinden, was für ihn passt). Sie entsteht „emergent“, sie lässt sich nicht „machen“.

Um beispielhaft einen Gegenpol zum Za-Zen, dem stillen Sitzen, zu nennen: Laufen kann AUCH eine prima Meditationsübungsform sein – ich meine jetzt nicht z.B. Joggen, weil man eben fit werden oder bleiben möchte, oder Runden auf der Aschenbahn, um in „Kontrakurrenz“ schneller zu sein als andere, sondern (zum Beispiel!) Laufen querwaldein, so schnell und auf einem so unebenen Grund, dass die Verstandeskontrolle dabei einfach aussetzt … das funktioniert dann nur noch aus einem anderen Zentrum, mit „Loslassen von Kontrolle“ und „Hingabe an diesen Prozess“, bei gleichzeitig äußerst hoher Wachheit und Wahrnehmung der inneren und äußeren Vorgänge – ein Absinken ins Automatenhafte ist nicht gemeint, vielmehr ein radikales Ausrichten des Bewusstseins auf sich selbst. Anschließend eine Phase bewusster Stille vertieft so etwas enorm.

An diesem inneren Umschaltpunkt beginnt Meditation, etwas technisch ausgedrückt, ist aber hier noch lange nicht am Ende. Das Erleben einer beliebigen Meditations“technik“ ist, wenn es „richtig“ läuft, eine Art Umlenkungsspiegel des Bewusstseins zurück auf sich selbst – Bewusstsein selbst ist ebenfalls ein Spiegel dessen, was geschieht und wahrgenommen wird, und wenn man, bildhaft veranschaulicht, zwei Spiegel parallel zueinander aufstellt, öffnet sich plötzlich ein unbegrenzter neuer Raum …

Ja, es gibt AUCH jede Menge „aktive“ Meditationsformen (mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen von Aktivität), auch wenn ich das jetzt nur andeuten kann. Im Prinzip kann jedes Tun oder auch Nichttun zu einer MeditationsFORM werden, wenn es eben verbunden ist mit einem radikalen Ausrichten des Bewusstseins auf sich selbst bei gleichzeitig äußerst hoher Wachheit …

Noch ein Beispiel: Ein Gegenpol zum schnellen Laufen als Technik ist etwa „Schleichmeditation“ 😉 – damit hab ich vor längerer Zeit über mehrere Jahre hinweg jeweils im Urlaub an der kroatischen Felsenküste gerne experimentiert, aufbauend auf meinen Erfahrungen mit Tai Chi; auf dem FKK-Gelände konnte ich das dann sogar nackt machen (na gut, ich hatte Sandalen an, die Felsen sind scharfkantig), sanft von Wind und Sonne liebkost und umspielt :-), und zwar folgendermaßen:

Die „Aufgabe“ besteht darin, sich sehr langsam, aber auch mit möglichst gleichmäßiger Geschwindigkeit vorwärts zu bewegen, genauer gesagt: das Hara (oder auch unterer Tan-tien, Körperzentrum knapp unter dem Bauchnabel) sich bewegen zu lassen, wobei die Füße auf dem sehr unterschiedlich und teilweise extrem unebenen Untergrund ihren eigenen Tritt und ihre eigene (notwendigerweise von Moment zu Moment variierende) Geschwindigkeit finden müssen … auch da setzt jede Verstandeskontrolle nach kurzer Zeit einfach aus, sonst funktioniert es nicht. Toll, wie sich das anfühlt, wenn man dabei innerlich zur Seite tritt und achtsam und staunend zuguckt, ohne einzugreifen.

Ach ja, Geh-Meditationen … z.B. auch in der Zentradition wohlbekannt, und auch die Stoiker hatten das als ihre Hauptmethode, in Verbindung mit Kontemplation – „stoa“ heißt „Wandelhalle“. In der Schule werden einem die Stoiker im wesentlichen als Philosophenschule „verkauft“, bekannt für ihre „stoische“ Ruhe und heitere Gelassenheit, aber ich bin mir sicher, das war eine Mysterienschule, d.h. sowas wie ein Ashram …

Ich betone nochmal: Kernpunkt von Meditation ist IMMER ein radikales Ausrichten des Bewusstseins auf sich selbst bei gleichzeitig äußerst hoher Wachheit, egal mit welcher Meditations-„Technik“ provoziert.

Grob gesagt ist das HINEINwachsen in Meditation (das genaue Gegenteil von „sich AUSEINANDERsetzen“) eine subtile Selbst-Chirurgie am eigenen LEBENDIGEN Energiesystem (und zwar OHNE Anästhesie, sonst funktioniert es nicht) … und wenn man dabei in einer individuell unpassenden Form gegen das eigene Naturell vorgeht, kann man sich natürlich auch verletzen oder gar abtöten – wie immer: Lebendiges kann man nicht „machen“, höchstens kaputtmachen, das allerdings gründlich. Meditation ist für einen wirklichen Sucher kein oberflächliches Spiel (z.B. weil es gerade „in“ ist) und auch kein Zuschauersport, es ist ein „stirb und werde“-Prozess. Eine Transformation hin zu „Reife“, zur vollen Entfaltung des eigenen mitgegebenen Potentials … eine Metamorphose „von der Raupe zum Schmetterling“ (inklusive auch einer gewissen Verpuppungsphase, aber da gehe ich jetzt nicht genauer darauf ein).

Das kleine Raupen-Ego stirbt dabei, da führt kein Weg daran vorbei. Das ist häufig ein stufenweiser Prozess, der „relativ“ mild ablaufen, aber auch sehr massiv werden kann (je nachdem, was man an Widerständen, inneren Stolpersteinen, Traumata etc. mitbringt), bis hin zu einem kompletten Zusammenbruch der vorhandenen Persönlichkeitsstruktur, einem plötzlichen völligen Verlust des bisherigen Ego-Bezugspunktes, was dann nicht selten in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie landet, zumindest, wenn man sich in einer Umgebung befindet, die diesen Vorgang fehlinterpretiert … kompetente Begleitung ist da angesagt.

So mancher landet erstmal in kompletter Panik, wenn die bisherige selbstkonstruierte Ego-Struktur anfängt, sich aufzulösen, und NICHTS da ist. Derartige Prozesse habe ich oft genug begleitet. Andere erleben es als tiefe Entspannung … an den „inneren Dämonen“ kommt aber keiner vorbei, ohne sich mit ihnen befreundet und versöhnt zu haben, und letztlich geht es in eine tiefe innere Stille und Leere, und eben auch Frieden mit sich selbst, was ich auch schon mal völlig paradox beschrieben habe als „Verwurzelung in der eigenen individuellen Formlosigkeit“. Und, ebenfalls völlig paradox, diese Leere ist gleichzeitig umfassende Fülle, die Quelle aller Erscheinungsformen, das Feld aller (noch nicht realisierten) Möglichkeiten. Manchmal nenne ich es auch das „Ur-Yin“, der „natürliche“ Beginn von allem. Aber egal, wie ich es nenne, es ist nicht DAS.

Nochmal anders ausgedrückt: Es ist „subjektive Wissenschaft“ – in allen Aspekten komplementär zu „objektiver Wissenschaft“, und daher eine not-wendige Ergänzung hin zu menschlicher Ganzheit. Zumindest sehe ich das so.

Noch etwas: Solange „Loslösung von Lust, Begehren und Sehnsüchten“ ein KONZEPT ist, ein Ziel, das man erreichen möchte … nun, das ist dann ja selbst ein Begehren. Das funktioniert so nie: das Begehren, sein Begehren zu überwinden – wie soll das gehen? Man macht dabei sehr wahrscheinlich seine eigene innere lebendige Dynamik kaputt, weil man in gewisser Weise auf sich selbst einprügelt.

Es ist eben genau umgekehrt: Wenn die „innere neuartige dynamische Balance“ stabil genug geworden ist (durch welche Übungsformen auch immer erreicht), bekommt auch die banalste Alltagstätigkeit diese Seinsqualität, und IST Meditation. Und in dieser Seinsqualität verlieren (als NEBENergebnis) Lust, Begehren, Sehnsüchte usw. ihre Zwanghaftigkeit – kein Getriebensein mehr, kein „Anhaften“. Was nicht heißt, dass das Leben in seinen vielen Erscheinungsformen nicht mehr genossen wird – ganz im Gegenteil, nun allerdings „entspannt“, ohne Widerstand im Strom des Lebens. In der chinesischen Tradition heißt das „wei wu wei“, meist übersetzt als „Tun im Nichttun“ – das Lebendige ist nunmal paradox.

Für viele Menschen sind „intensiv“ und „total entspannt“ irgendwie unvereinbare Gegensätze – das ist wohl ein Erbe der anerzogenen Arbeitsmoral, oder so ähnlich 😉 … tantrisches Wissen etwa sagt dagegen: intensiv, WEIL total entspannt.

Ein biophysikalischer Aspekt: Das hängt eng mit dem Weber-Fechner-Gesetz der Sinnesphysiologie zusammen, bzw. auch mit dem Begriff „Signal-Rausch-Verhältnis“ in der Informationsübertragung: Je geringer der Störpegel, desto klarer und intensiver werden auch winzige Signale. Das gilt auch für die innere Wahrnehmung.

Ich hatte hier irgendwo schon mal formuliert: Alles, was aus der Stille kommt und wieder in sie geht, ist am ehesten mit dem Ganzen verbunden, und schwingt lebendig mit allem Lebendigen …

Tiefe Ent-spannung bei/mit sich selbst (das hat selbstverständlich auch mit Selbstliebe zu tun, und mit Urvertrauen), und miteinander, ist DER grundsätzliche Schlüssel – er öffnet den inneren Raum des Vertrauens und der Hingabe, so dass Intensität (im Spiel der polaren Gegensätze von Yin und Yang, von weiblich und männlich) überhaupt erst möglich wird. Intensität hat eben nichts mit Aktionismus zu tun, genausowenig, wie man Entspannen mit Kollabieren verwechseln sollte …

Um noch ein häufiges Missverständnis aufzulösen: Mit „innerer Friede“ ist kein süßliches „Friede-Freude-Eierkuchen“ gemeint – es ist eher „Stille im Auge des Hurrikans“, da kann drumherum im Äußeren jede Menge los sein … es geschieht dann das, was „angezeigt“ ist, aus der nichtlokalisierbaren Quelle des Ganzen heraus – zwischen Außen und Innen ist ja keine Trennlinie, sonder eher eine Art ziemlich durchlässiger „Zellmembran“. Mensch ist ein holarchisches „Teil-Ganzes im Ganzen“. Und wenn mir jemand eine runterhaut, KANN es sein, dass ich die andere Backe hinhalte, es KANN aber auch genausogut sein, dass ich doppelt hart zurückhaue – das weiss ich vorher einfach nicht, was sich für mich stimmig anfühlt, das „zeigt sich“ dann jeweils 😉

Was ist eine „dynamische Balance“?

Das zu verstehen sehe ich als zentral an; ein anderes Wort hierfür ist auch „Fließgleichgewicht“, oder auch „metastabiles Gleichgewicht“. Begriffe wie Vernetzung, Selbstregulation, Emergenz, Kohärenz, Homöostase, energetisch günstige Proportionen von aktiver und reaktiver Ordnung/Unordnung (Hallo Guido 😉 ) und manches mehr kommen hier ins Spiel. Aber ich bremse mich jetzt einfach mal, sonst wird es hier (mal wieder) unlesbar lang … einiges hatte ich z.B. auch hier angesprochen.

Emotion und Gefühl:

Noch kurz zu: „… weil man ohne Emotionen TOT ist.“

Die Unterscheidung zwischen Emotion und Gefühl wurde hier im Blog ja auch des öfteren schon angesprochen … das ist natürlich auch Definitionssache, aber sehr praktikabel, meine ich, wobei ich zugrundelege:

  • Gefühl, oder besser Fühlen: Das ist das, was im jetzigen Moment wahrnehmend geschieht;
  • Emotion: Das sehe ich als gespeicherte energetische Ladung von Erlebnissen in der Vergangenheit (z.B. verdrängte Gefühle, psychische Vernarbungen aufgrund von Verletzungen … Traumata), meist unbewusst, wird ausgelöst durch irgendwas hierjetzt, mit der Folge, dass ihre Entladung dem auslösenden Impuls in der Regel völlig unangemessen ist.

Wer kennt das nicht: Ich mache eine (in meiner Sicht völlig harmlose) Bemerkung zu jemandem, und der „explodiert“ regelrecht, völlig unangemessen, weil irgendein wunder Punkt angerührt wurde 😦

Wie ich schon mal an anderer Stelle plakativ formuliert hatte: Emotionen sind letztlich gespeicherte Angst, die freigesetzt wird, ausgelöst durch irgendeinen aktuellen Impuls – darin steckt dann aber auch die Chance, sie aufzulösen durch liebevoll bewusstes „Annehmen und Umfassen“, wieder in die „Ordnung der Liebe“ zu re-integrieren. Das bedeutet auch, es nochmal BEWUSST zu fühlen. „Schattenarbeit“. Sich selbst zu lieben „auf Teufel komm raus“ 😉

Und das bedeutet zusammengefasst: Erst OHNE Emotionen ist man wirklich lebendig, da dann „Fühlen“ ungehindert lebendig fließen kann …

Schlusswort:

Ich setze grundsätzlich nicht „meine Meinung“ GEGEN andere Meinungen … ich versuche, in Worte zu fassen, was ich in meinem Leben bisher erfahren, d.h. er-leben durfte, auch wenn es unvollkommen bleibt, und zu teilen. Wie es Konstantin Wecker vor längerer Zeit in einer Liedzeile ausgedrückt hat: „Ich singe, weil ich ein Lied hab …“

Lieben Gruß

Manfred

P.S.: Noch ein ergänzendes Zitat:

Meditation bedeutet eigentlich, bewusst, offen, geklärt zu sein. Sie schafft dir einen anderen Blick auf dein Leben. Meditation bringt dich nicht woanders hin, sondern genau an den Ort, wo du gerade bist. Keine Ablenkung, keine Verwirrung. Sein aus dem Sein, nicht aus der Peripherie der Konzepte des operativen Verstandes. Das ist der meditative Zustand. Um ihn zu erreichen, gibt es viele Meditationstechniken – vom stillen Sitzen, Kontemplation, Resonanzübungen bis hin zu sehr aktiven Meditationsformen. Oft wird der meditative Zustand mit den Meditationstechniken verwechselt. Praxis und etwas Beratung können dir helfen, aus der Technik in den Zustand zu kommen.
Du kannst deinen eigenen Zugang in der Vielfalt der Angebote finden. Auch hier musst du dich auf die Suche begeben. Einfach mal ein paar Angebote probieren, den Raum der Möglichkeiten erforschen. Du wirst merken, was dich anzieht und wo du verweilen möchtest.
(Anand Margo)

Kategorien:Erkenntnis Schlagwörter:
  1. Dezember 21, 2016 um 9:13 am

    Wenn Jemand ohne andere Menschen glücklich sein kann und will, dann ist er von den Menschen enttäuscht worden und sucht sein Glück in anderen Erfahrungen.

    Wenn jemand nur mit anderen Menschen glücklich sein kann und will, dann ist er in irgendeiner Form von sich selbst enttäuscht worden und sucht sein Glück in anderen Erfahrungen.

    Auch beide Schuhe zusammengenommen, sind zu eng. In beiden Fällen werden die anderen Menschen entweder selbst zu Konsumgütern oder zu Produzenten des Konsumguts Glück degradiert. Ob das durch An- oder Abwesenheit dieser Menschen geschieht, ist ja eigentlich egal. Auf jeden Fall sind weder andere Menschen noch Glück ein Konsumgut.

    Ich frage mich, ob, wenn man den spirituellen Weg der Meditation geht, nicht dem Glauben huldigt, dass Glück etwas ist, das – durch welche Techniken auch immer – wie ein Produkt erworben werden kann. Ist nicht alles, was durch irgendwelche Techniken oder Leistung (wozu eben auch bewusstes Lassen, Loslassen und Nichtstun gehört) erworben kann, in letzter Konsequenz eine Veräußerlichung? Der Mensch meditiert doch bloß, weil er etwas erreichen respektive konsumieren will. Aus „mein Haus“, „mein Pferd“, „mein Swimmingpool“, „mein Aktienbündel“ wird eben „mein Glück“, „mein innerer Frieden“, „meine Gesundheit“. Das Haus ist doch ebenso wie das Glück ein „Seinszustand“. Es sind zwei verschiedene Spielkartensets, aber das Spiel ist dasselbe. Die Haltung, die beiden Kartenspielen zugrundeliegt, ist doch dieselbe. Ich sehe da keinen Unterschied.

    • tulacelinastonebridge
      Dezember 21, 2016 um 9:48 pm

      meditierst Du?

  2. Dezember 21, 2016 um 10:36 pm

    Auch beide Schuhe zusammengenommen, sind zu eng.

    Na, das sag ich doch, bildhaft gesprochen: „… jeder dieser Schuhe ist einfach zu eng, symbolisch gesprochen, und tut daher unvermeidlich irgendwie weh.“ Ob jeweils allein für sich oder beide zusammen – „Ohne jede Behinderung durch Schuhe barfuß in weichem Gras zu gehen ist eine den menschlichen BEIDEN Füßen optimal angepasste Form des Gehens – wiederum symbolisch gesprochen ;-)“ (Außerdem nehme ich dieses Bild auch nicht allzu „ernst“, wie jedes Konzept).

    Ich versuche ja gerade zu betonen, dass es eben nicht um ein „Erwerben von irgendwas“ geht, sondern im Gegenteil um das Loslassen begrenzender innerer Denk- und Angstgefängnisse (egal, wie sie im Einzelnen entstanden sind) … dann entsteht innerer freier Raum, der das mitgegebene Potential aufblühen lässt. Und Loslassen, so wie ich es kenne und meine, ist das Gegenteil von Anstrengung oder Leistung oder Kontrolle, es ist Hingabe an und Vertrauen in das „Ganze“, was auch immer dieses genau ist.

    Ist wie beim Gärtnern: Ich kann Steine entfernen, den Boden lockern, für passendes Sonnenlicht sorgen, gießen usw.(das ist übrigens für mich die eigentliche Bedeutung von „Kultur“ = die Pflege der „inneren Gewächse“), aber das lebendige Wachsen kann ich nicht „machen“, vorhandene Samenkörner keimen und wachsen aus sich selbst heraus … DAS kann ich nur zulassen, ohne irgendeine zusätzliche Anstrengung, und darauf vertrauen, dass es wächst.

    Der Mensch meditiert doch bloß, weil er etwas erreichen respektive konsumieren will.

    Ja, das ist ein häufiges Missverständnis, aber das funktioniert so nicht, jedenfalls nicht auf längere Sicht. Natürlich weiss ich AUCH, dass viele Menschen (vielleicht sogar alle) von hier aus starten, weil sie es zunächst gar nicht anders können als eben aus einem zielorientierten Konzept des operativen Verstandes heraus, aber wenn sich das nicht im Laufe des „stirb-und-werde“-Prozesses komplett ändert und auflöst, ist es eine Sackgasse. Das führt allenfalls zu einem „Holy Ego“ 😉 – klar, wenn die Panik des sich auflösenden Ego-Konstrukts erscheint, welches dann regelrecht um sich schlägt, um weiter die Kontrolle ausüben zu können, halten sich viele erstmal erst recht an irgendeiner mentalen Neukonstruktion fest, und um sich selbst zu bestätigen (und natürlich auch, um die Panik wegzudrücken), gehen sie damit häufig auch missionieren und werden zu „Möchte-gern-Gurus“ inklusive Absolutheitsanspruch.

    Ich erinnere mich: Ich hatte mal erwähnt, dass ein „Holy Ego“ ein beinahe unvermeidliches Zwischenergebnis eines solchen Prozesses ist, und da hattest Du seinerzeit widersprochen … vielleicht klärt sich das jetzt.

    Ich will gewiss niemanden zu irgendwas überreden, es funktioniert erst, wenn ein Mensch dazu wirklich von sich aus bereit ist, und häufig muss auch erstmal ein veritabler Burn-out oder irgendeine plötzliche massive Änderung der Lebensumstände geschehen (z.B. ein Nahtod-Erlebnis, der Verlust eines geliebten Menschen o.ä.), bis wirklich etwas in Bewegung kommt. An dem „stirb“ des alten Ego-Konstrukts kommt niemand vorbei, und das macht keiner einfach so.

    Mit „Seinsqualität“ meine ich hier übrigens NUR die innere Befindlichkeit, unabhängig von äußeren Umständen.

    Grundsätzlich sehe ich es auch genau so, wie ich es hier anhand von Musik beschrieben habe: MeditationsFORMEN oder -Techniken sind „Fingerübungen“ (mit sich selbst als Musikinstrument), und Meditation als Seinszustand ist „da“, wenn „Musik“ geschieht …

    P.S.: Schön, dass Du Dich hier blicken lässt, ich schätze Deine Beiträge (auch wenn ich mal anderer Meinung bin).

    • Fluß
      Dezember 22, 2016 um 12:01 am

      Du weißt nich den Samen zu legen?

      Liebe.

      Da ich darin geboren wurde, kann ich dir nix darüber nix schreiben.

    • fingerphilosoph
      Dezember 22, 2016 um 6:39 am

      Es gibt einen Zenmeister, der einem alles beibringt, was notwendig ist: es ist die Wirklichkeit. Aber man muss sich auf diesen Zenmeister einlassen.

      Meine Erfahrung mit Meditation ist die, dass sie in erster Linie dazu dient, diesem Zenmeister auszuweichen. Solange man auf dem Kissen sitzt, hat man alles, bloß keinen Kontakt mit der Wirklichkeit. Und das, obwohl die Meditierenden immer von der „ersten Wirklichkeit“ reden. Es gibt bloß keine erste, zweite und dritte Wirklichkeit, sondern bloß die Wirklichkeit als Unteilbares.

      Für manche ist Meditation eine Ablenkung von der Wirklichkeit, für andere ist es Kontrolle über das Leben und für wieder andere stellt sie eine Abkürzung auf dem Weg dar, um schneller dahinzukommen, wo man hin will: zum inneren Frieden, zu einem geglückten Leben, was auch immer.

      Auf dem Weg der Meditation entsteht in der Regel Bewusstheit, aber genau diese Bewusstheit halte ich für das größte aller Hindernisse. Ich persönlich kenne keine Menschen, die aufgrund von Meditation und der permanenten Auseinandersetzung mit sich selbst das, was du „Holy Ego“ nennst, je hinter sich gelassen haben. Ich kenne aber eine ganze Reihe von Menschen, die mittels Meditation ihre Bewusstheit pflegen. Diese Bewusstheit macht die Menschen saft- und kraftlos und unlebendig.

      Dafür kenne ich eine Reihe von lebendigen, kraftvollen Menschen, die von Meditation noch nicht viel gehört haben und sich nicht die Bohne dafür interessieren. Manchmal tut’s mir Leid, dass ich nicht einer von denen bin.

      Wahrscheinlich hast du was von den Diskussionen mitgekriegt, in denen es um die Technisierung der Welt und die Vercyborgisierung des Menschen geht. In der Technisierung der Welt erkenne ich den extrinsischen Weg, sich nicht mit dem Leben einzulassen. In der Meditation mit all ihren „Techniken“ erkenne ich den intrinsischen Weg, sich nicht mit dem Leben einzulassen. Der ex- und der intrinsische Weg gehören in meinem Weltbild untrennbar zusammen und deshalb trenne ich auch nicht innere und äußere Seinsqualitäten. Darauf wollte ich auch mit den Beispielen von den zwei verschiedenen Kartensets raus. Durch die Oberfläche sieht das Spiel verschieden aus, es ist in meinen Augen aber dasselbe. Und das Spiel geht eben so, dass man sich vor der Wirklichkeit schützen und sie nicht an sich heranlassen will.

      In meinem Weltbild funktioniert die Sache mit dem Ego und dem Selbst nicht. Das ist eine Konstruktion des Geistes, die überhaupt keine Realität hat, die aber notwendig ist, um die Diskrepanz zwischen dem, was die Wirklichkeit uns zeigt, und dem, wie die Menschen sich selber sehen, aufrechtzuerhalten. Die Wirklichkeit zeigt dem Menschen sein hässliches Gesicht, aber menschlicher Geist will ein schönes sehen, und zu diesem Zweck spaltet er sich in Ego und Selbst. Das Ego dient dem Selbst doch bloß als Sündenbock. Es stimmt nicht, dass der Mensch einmal aus dem Ego heraus handelt und dabei die Welt verunstaltet und ein andermal aus seinem Selbst heraus handelt und die Welt dabei heilt.

      Es ist schon möglich, dass es von mir widersprüchliche Aussagen gibt. Ich bin nicht jemand, der ewig gültige Antworten hat.

      Ich habe deine Beiträge ebenfalls gern gelesen. Unterschiedliche Weltsichten zu haben,ist Diversität. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute, für den Fall, dass wir uns auf diesem Blog nicht mehr begegnen, was gut möglich ist.

  3. Christian
    Dezember 22, 2016 um 4:56 pm

    Lieber Manfred,

    man merkt deinem Text an, dass du genug Ahnung hast um eine Meinung zu haben – vielen herzlichen Dank für diese Essenz Deines Wissens welches Du uns zukommen lässt!

    innerhalb der Maya ist Egolosigkeit nicht Möglich – den das Ego ist die Maya und diese ist das Ego – und das ist Eines unendlich unterteilt – welche nten Spiegelungen dann alle wie auch ich gerade schnattern – aber so ist – warum soll man sich dagegen stellen und eine weitere Ebene aufmachen – noch ein Spiegel 🙂 noch mehr Verwirrung

    zum Fingerphilosophischen – ja Spontaneität ist ja gut – aber das ist gleich mal mit Automatismus verwechselt – was mit Freiheit überhaupt nix zu tun hat – und dann wird halt herumzorngepinkelt…

    zum Fingerphilosophe

  4. muktananda13
    Dezember 22, 2016 um 6:49 pm

    Alle Wege zur Absoluten Wirklichkeit führen vorbei, wenn Meditation nicht gemeistert wurde.

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