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„Frieden ist die Abwesenheit von Angst!“ – Von der Überzeugung der Repeacer …

Im Artikel „Ich bin ein Repeacer …“ habe ich vorgestellt, was es mit dieser Bewegung auf sich hat. Und am Ende habe ich versprochen, dass ich mit ihrer Überzeugung fortsetzen werde. Also los (Übersetzung des Originals ist wieder von mir):

Woran Repeacer glauben

Aktivisten im US/Englischen Umfeld des sozialen Wandels haben die „Friedensbewegung“ als Unterkategorie von „Activism“, einer vagen Kooperativen von Antikriegs-, Anti-Atomwaffen und Ohne-Gewalt-Anwälten, betrachtet. Das war der größte Irrtum der Menschheit.

Der britische Philosoph, Logiker und Sozialkritiker Bertrand Russell, sagte:

Die Tatsache, dass eine Meinung weit verbreitet ist,
ist kein Beweis dafür, dass es nicht völlig absurd ist.

Wenn wir an die Konsequenzen der weit verbreiteten Meinung denken, dass Frieden das Fehlen von Kriegen sei, finden wir keine größere Absurdität als diese. Und es ist nicht so als hätten viele der renommiertesten Aktivisten in der Geschichte nicht darauf hingewiesen.

Das Dogma von Krieg & Frieden ist der größte Irrtum der Menschheit, weil er die Institution des Sozialen Aktivismus daran gehindert hat, zu einer zusammenhaltenden Gemeinschaft zu werden. Die Menschheit war blind und erkannte bisher nicht, dass Menschen, die am sozialen Handeln teilnehmen, dieselben Ängste und Hoffnungen mit den gleichen Hoffnungen und Träumen teilen. Frieden als ein unsichtbares Ideal mit einer universeller Anziehungskraft war mehr schlecht definiert. Es wurde damit ein Irrtum gefördert und so wurde die Entfaltung der potentiellen Kraft des sozialen Aktivismus über 50 Jahren stark behindert. Seit der Bürgerrechtsbewegung ist der gesellschaftliche Wandel ein Triumph der Individualität über das Kollektiv. In 50 Jahren Aktivismus haben wir nur das „Selbst“ verherrlicht und das „Kollektiv“ untergraben. Wir lieben es, dem 1% die Schuld für das erkennbare Teilen und Herrschen zu geben. Allerdings waren Organisationen, Bewegungen, Gruppen, Tausende von Kulturkritikern, Historikern, Schriftstellern und Sozialwissenschaftlern nicht in der Lage, die größten aller Konflikte, die „Interessenkonflikte“ zu lösen, ein Problem, das besonders Malcom X hervorhob.

Durch die vielen sozialen Veränderung in den USA stieg die Anzahl von unterschiedlichsten Organisationen, Gruppen und Bewegungen ausgerichtet auf Wohltätigkeit stetig bis auf inzwischen über 2,3 Millionen an. Ein solcher Boom ist sicher ein Triumph des guten Willens. Trotzdem gedeihen weiterhin soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten, mangelnde dringende Maßnahmen zum Klimawandel, Hunger, Armut und Rassismus. In den USA gibt es heute eine größere Lücke in der Verteilung von Reichtum als es während der Großen Depression der Fall war, trotz des angeblichen Fortschritts bei der sozialen Ermächtigung und Activism. Dies ist nicht nachhaltig, definitiv inakzeptabel. Auf die Frage: „Was auf Erden braucht es, um unsere gescheiterten Institutionen zu reformieren?“ lautet die Antwort: „Verantwortung des eigenen Handeln und die Verbindlichkeit, immer eine echte Gemeinschaft zu sein statt nur eine vage Gesellschaft.“

Aktivismus ist beides, „Die Friedensbewegung“ und „Der Friedensprozess“ zugleich. „Frieden ist die Abwesenheit von Angst“ ist eine Feststellung, die Aktivisten verbindet. „Frieden ist die Abwesenheit von Kriegen“ ist eine Feststellung, die nur Antikriegs-, Anti-Atomwaffen-Befürworter und Kriegsveteranen verbindet. Hier muss die Verschiebung erfolgen. Wir sagen „muss geschehen“, denn dies ist absolut, eine Überzeugung, eine Dringlichkeit. Wir laden zur Debatte ein: Ist es eine Lösung des Designs oder eine Reflexion über Logik? Ist es eine intelligentere Alternative zu „Keine Gewalt“ im Zeitalter des Internets oder das einfache Wiederauftreten eines Ideals, das sich weiterentwickeln muss?

Es gibt keinen Frieden

„Imagine peace“ kann nicht funktionieren, eben weil wir nicht gleichzeitig vernünftig sein können und dabei sozialen Druck auf die Kriegslüsternen ausüben. Unser Geist ist nicht fähig, sich das sinnvoll vorzustellen. Wir brauchen dringend eine Neubewertung und Anpassung der Friedensbewegung , wenn wir überleben wollen. Activism ist zu einer regelrechten Industrie angewachsen, aber genauso zum Kleinsthandel. Eine Industrie, deren Natur der Wettbewerb ist anstelle der erforderlichen Kooperation. Der heutige Activism zeigt sich eher chaotisch, unberechenbar, widersprüchlich.

Ist es nicht an der Zeit zu hinterfragen, wie die Menschheit aus diesem lähmenden Konflikt zwischen dem Selbst und dem Kollektiv heraustreten kann? Und sind wir nicht hier, um zu sehen, wer siegen wird? Unser Verstand steckt buchstäblich in einem schlechten Bezugsrahmen. Soziale Aktivisten kämpfen, um ihre Ängste zu lindern und Konflikte zu beseitigen. Die lange Liste (siehe unten) der jüngsten Artikel beweist eindeutig, dass soziale, ökologische oder und andere beliebige Konflikte aus guten Gründen als „Kriege“ definiert werden.

Der Treiber der Revolte steht im Klartext: „Frieden ist die Abwesenheit von Angst“. Dieser Satz erlaubt es allen Aktivisten, sich durch das menschliche Gefühl der Angst verbunden zu fühlen. Ob Angst eine negative Emotion ist oder nicht, es spielt keine Rolle. Es ist immer noch in der Lage, etwas Positives zu tun, uns wieder zu verbinden. Ja, die Angst ist uns durch Manipulation durch den Staat und die unehrlichen, bankrottierten Psychopathen eingeimpft worden, aber was hindert uns Kreativen, Intellektuellen daran, diese Angst dazu zu nutzen, die Menschen wieder zu vereinen, mit ihnen eine neue Form des Konsens aufzubauen?

Was war das  Gute daran, dass die Menschheit im Dogma von „Krieg & Frieden“ steckte? Wie viele Konflikte, Völkermorde, wie viele Atomwaffen wurden tatsächlich reduziert, seitdem die US-Friedensbewegung der 1970er und des Pazifismus Millionen von Menschen weltweit inspirierte? Die USA sind derzeit an 135 militärischen Operationen weltweit beteiligt! Ist es nicht an der Zeit, einen Strich unter all diese Mängel zu ziehen? Wird der Druck des Versagens stark genug sein, um uns zu wecken und unser neues Konzept für den Frieden zu entwickeln?

List of the term „war“ in unconventional referential framing:

  1. ‘Business Elites Are Waging a Brutal Class War in America’ (here)
  2. The Feds Have Turned America Into a War Zone (here)
  3. The Great American Class War. Plutocracy vs. Democracy – Bill Moyers (here)
  4. There Is A Real War On Americans  (here)
  5. ‘When Did Americans Become the Enemy?’ (here)
  6. House and Senate Republicans Have Declared Economic War On Average Americans (here)
  7. ‘Call it what it is: A class war’(here)
  8. ‘Banks, corporations wage war on working class Americans’ (here)
  9. The Bitter Consequences of Corporate America’s War on Unions (here)
  10. The War on Democracy (John Pilger Documentary) (here)
  11. The War on Democracy (here)
  12. Robert Reich: Most economic policies are just an ideological war on the poor and the disenfranchised (here)
  13. ‘Is America Ready for a New War on Poverty?’ (here)
  14. ‘The Origins of the Neoliberal War on the Poor’ (here)
  15. ‘Report on the War on Dissent.’ (here and here
  16. ‚The Unwinnable War on Dissent.‘ (here)
  17. When the Government Views Its Own Population as the Enemy (here)
  18. The Saga of Barrett Brown: Inside Anonymous and the War on Secrecy (here)
  19. US „Waging War“ on Whistleblowers’ (here and here)
  20. ‘How America’s Great University System Is Being Destroyed’ (here)
  21. ‘War On Health – The FDA’s Cult of Tyranny’ (here)
  22. ‘There is a War on Journalism: Jeremy Scahill on NSA Leaks & New Investigative Reporting Venture’ (here)
  23. Juvenile Justice And The War On Teens (here)
  24. ‘Anatomy of the War on Women.’ (here)
  25. War on Women Continues With ‚Atrocious‘ New Anti-Choice Law in Kansas (here)
  26. ‘Fine Print of the Food Wars’ (here)
  27. The War on Savings: the Panama Papers, Bail-Ins, and the Push to Go Cashless (here)
  28. War on NGO’s: Facing Government Crackdown, Greenpeace India ‚Refuses to be Intimidated‘ (here)
  29. Civil War Rages On for Black America (here)
  30. ‘Ferguson Looks like a War Zone. Here’s why’ (here)
  31. The War on Black America (here)
  32. Ahead of Grand Jury Announcement, Are Ferguson Police ‚Getting Ready for War‘? (here)
  33. (Australia) John Pilger: The secret country again wages war on its own people (here)
  34. No Progress on Nuclear Weapons Control – As Planned. Disarmament isn’t Happening…(here)
  35. The new cold war. It is here that Shell plans to drill for oil, pulling the detonator on a carbon bomb which eventually could spray 150bn tonnes of carbon dioxide into the atmosphere.(here)

*** Quelle ***

Facebook-Seite von Repeace in Deutsch

Fortsetzung folgt: Im nächsten Artikel geht es um die Vision der Repeacer

Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter: , , , ,
  1. Fricke
    Dezember 10, 2016 um 11:48 pm

    Also sprach das Äffchen
    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-12/sprache-rhesusaffe-mensch-gehirn-evolution?sort=desc#comments

    „Ist die menschliche Sprache wirklich ein Fortschritt bzw. ein Vorteil für das LEBEWESEN „Mensch“? Die Menschliche Sprache ist eine Art Fotoapparat, das neben den Bildern der Wahrnehmung noch eine zweite, sprachliche Bilderwelt erzeugt (im Gegensatz zu tierischen Sprachen, die nur Informationen signalisieren). Das birgt die Falle der Entfremdung von der wirklichen Welt in sich. Und in genau diese Falle ist der Mensch gefallen. Resultat: Er hat sich als LEBEWESEN verloren und ist dabei nicht nur sich selbst, sondern die Lebensgrundlagen ALLER höheren Lebewesen zu zerstören. Um sich als Lebewesen wieder zu finden, muss der Mensch wieder DIREKTEN Kontakt mit der Realität aufnehmen, um DANACH die Sprache zu benutzen, sich der adäquaten Situation des Lebendigen überhaupt bewusst zu werden. DAS könnte der Sinn des Mensch-Seins per se sein.“
    (Auszug aus dem Kommentar dazu von J-J-Rousseau)

    • Fricke
      Dezember 11, 2016 um 1:48 pm

      Der Mythos vom 100. Affen oder gib de(m)n Affen Zucker

      Das Prinzip des „hundertsten Affen” ist ein moderner Mythos, der ab 1979 als Beispiel für kollektives Bewusstsein verbreitet wird, aber auf falsch wiedergegebenen wissenschaftlichen Quellen zum Kollektiv- und Lernverhalten beruht.

      Der „Selbstentwicklungs”-Guru Ken Keyes (sein höheres Bewusstsein beruht auf Scientology-Church Techniken) griff die Geschichte 1983 auf und erklärte, wie das geschehen konnte: „Wenn eine kritische Anzahl ein bestimmtes Bewusstsein erreicht, kann dieses neue Bewusstsein von Geist zu Geist kommuniziert werden.” Der hundertste Affe soll also eine Art paranormalen Lernvorgang ausgelöst haben. Watson schlussfolgerte noch radikaler: „Wenn nur genug von uns etwas für wahr halten, dann wird es für alle wahr.”

      Watson brauchte weniger als zwei Seiten Text, Keyes genügt eine halbe, um das angebliche Rätsel zu schildern. Damit war der Mythos geboren. Insbesondere durch das in mehr als 1 Millionen Exemplaren vertriebene Buch von Keyes verbreitete sich der Mythos weltweit und wird bis heute als naturwissenschaftliche Tatsache in der Esoterik- und Selbstverwirklichungsliteratur verwendet.

      (New-Age-Autor Lyall Watson berichtet in seinem Buch selbst, wie er zu seiner Interpretation der Geschichte kam: Da die Wissenschaftler sich bis heute nicht ganz sicher seien, was passiert wäre, müsse er sich die Vorgänge „aus persönlichen Anekdoten und … kursierenden Geschichten zusammenreimen” und sei gezwungen, „die Details zu improvisieren”.) 1986 erkannte er die naturwissenschaftliche Kritik an seiner Darstellung an, bezeichnete seine These als bloße Metapher und betonte stattdessen ihre soziokulturelle Relevanz als Strategie für sozialen Wandel.

      Aber auch im sozialwissenschaftlichen Kontext blieb seine These nicht unumstritten.

      Maureen O’Hara wies u.a. auf den Zusammenhang der Verbreitung von „überindividuellen” Meinungen und totalitären Ideologien hin:

      Die Ersetzung der Eigenverantwortlichkeit des Individuums durch ein kollektives Bewusstsein bedeute das Ende des Meinungspluralismus und damit eine Verschiebung der Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens.

      Und für einen „plötzlichen Lernsprung” gibt es keinen Beleg. Das Auftreten (nach dem davor) stellt zwar einen Wendepunkt dar aber nur als Übergang von der Innovationsphase zur Phase der Normalität (danach).

      Es braucht also auch nominal nie einen „100. Affen“ respektive erst 99 davor.

      (Im übrigen hatte der Affenstamm auch keine 100 sondern 59 Tiere).

      Auch normativ ist nicht davon auszugehen, dass 99 zudem Fähig sind, zu was ein Einzelner fähig ist. (Dazu braucht man allerdings nicht nur „negative Aspekte“ aufzählen.)

      Kurz:

      Auch Teamlernen (als kollektives Lernen), bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Team als Ganzes eine hohe Lernfähigkeit hat.

      Fazit:

      Die Ausrichtung auf ein (vorgegebenes) Ziel, führt zu Abwehrstrukturen und hemmt die Lernfähigkeit, führt zu Lernbehinderungen und somit zu einer „Negativform“ des Lernens als solches. (Prägungen etc.) und damit zur Abhängikeit von organisatorischen (organisierten) Strukturen.

      (Die Redewendung „dem Affen Zucker geben“ stammt noch aus Zeiten, in denen ein Leierkastenmann durch die Stadt zog, um die Menschen mit seiner Musik zu unterhalten. Oft hatte er auch ein kleines Äffchen bei sich, das Kunststücke zu seiner Musik machte. Um das Äffchen jedoch bei Laune zu halten, musste er ihm hin und wieder ein Stückchen Zucker geben.)

  2. Fluß
    Dezember 10, 2016 um 7:50 pm

    Es ist doch wie in der Thermodynamik.
    Der eine hat mehr Energie als der andere – also gleicht es sich aus.
    Geht auch mit dem Willen, der stärkere Wille überlagert den schwächeren und die Leut wundern sich, warum sie sie sich zu einer anderen Mein-ung haben hinreißen lassen.
    Ein Empath erkennt sich oft, weil ihm Energie fehlt. Ein Hsp-ler kann mit seinen Fähigkeiten umgehen und setzt sie bewußt ein.

    Krieg – Kriegen
    macht – Macht
    War – war
    Will – will

    Interessenkonflikte sind Glaubens-Kriege.

  3. Fricke
    Dezember 10, 2016 um 12:59 pm

    Ursache und Wirkung oder auch Kausalität @Michael(a)

    • Fricke
      Dezember 10, 2016 um 1:26 pm

      Es ist eine bekannte Beobachtung, daß Töchter häufiger dem Vater ähnlich sehen, Söhne häufiger der Mutter. Nach Wahrscheinlichkeitsberechnung dürften Väter eher erwarten, ihre Eigenart in ihren Töchtern wiederzufinden als in ihren Söhnen und Mütter ihre Eigenart in ihren Söhnen.(Zur Kritik der Weiblichkeit, Rosa Mayreder)

    • Michael
      Dezember 10, 2016 um 3:17 pm

      Alles klar, Gerd! xD

      • Fricke
        Dezember 10, 2016 um 6:45 pm

        „Frieden ist im heutigen Sprachgebrauch der allgemeine Zustand zwischen Menschen, sozialen Gruppen oder Staaten, in dem bestehende Konflikte in rechtlich festgelegten Normen ohne Gewalt ausgetragen werden.“

        Der Beitrag schürt tendenziell Unfrieden @Michaela, ganz in Ihrem Sinne, doch offensichtlich. auch wenn Sie dies nicht bemerken, Andere schon und das kommt daher (siehe weiter oben)

        Frieden beginnt auf der kleinsten Ebene, im eigenen Ich. Durch ihn ist es dem Menschen gegeben, symbiotisch mit anderen Elementen zu harmonisieren. Krieg ist der Unfrieden – mit sich selbst und mit anderen. So entsteht er also – zuerst im Kleinen – oft als Folge des Unfriedens mit sich selbst und kommt damit ursächlich aus uns Menschen. Krieg ist außerdem unmittelbare Machtausübung, von sich und dem eigenen Konflikt weg zeigend und übrigens zuerst auf die gerichtet, welche man für „seinen“ Krieg zu „gewinnen“ sucht. Menschen verfügen über unterschiedliche Mittel zur Lösung von Problemen. Diese Lösungswege sind wie eine Matrix im Menschen angelegt und Produkt von Faktoren, wie Erziehung, psychischer Konstitution, Empathie; zusammengefasst Anlagen und Erlebtem. Krieg (Gewalt) ist auch ein Zeichen von Hilflosigkeit und Kontrollverlust.
        https://peds-ansichten.de/2016/01/gedanken-zu-krieg-und-frieden/

        Peace

        Repeacer sind somit Gegner der Peacer und Beide Gruppierungen sind ein und das Selbe. Unfriedenstiftende Schreihälse nach Hang zum Gehör, eben Stimmenfänger, für Was genau erfahren Sie wenn Sie dahinter schauen, einfach mal nachschauen.

  4. Fricke
    Dezember 9, 2016 um 11:45 pm

    Abgesang

    Nietzsche, der Vater des modernen Übermenschen, hat – vielleicht nicht ohne Absicht – die
    genaueren Umrisse dieser Gestalt ziemlich dunkel gelassen; da er aber irgendwo sagt, am Ziel aller Entwicklung stehe »das souveräne Individuum, das nur sich selbst gleiche«, kann man zunächst darunter nichts anderes verstehen als den Menschen, der die Impulse seines Handelns aus sich selbst schöpft und, unabhängig von den Einflüssen seiner Umgebung, sich zur selbstherrlichen Persönlichkeit entfaltet – den Menschen, der sein eigenes Werk ist.

    Damit ein Mensch ganz er selbst werde, muß er vor allem die Einflüsse seiner Umgebung und seiner Erziehung überwinden. Der besten wie der schlechtesten – außer man will unter einer guten Erziehung nur die Beibringung guter Manieren, einer automatisierten Beherrschung der äußeren Formen verstehen.

    Und was sollte denn die Erziehung viel anderes vermögen? Schon die ganz allgemein gefaßte Formel, daß die Erziehung die guten Anlagen entwickeln, die schlechten unterdrücken soll, ist eine unzulängliche. Denn bei der Ungewißheit, was in einer seelischen Konstitution als gut oder böse anzusprechen ist, da doch jedes Individuum die Fehler seiner Vorzüge besitzt – von generellen moralischen Bewertungen ganz abgesehen – geschieht es nur zu leicht, daß die pädagogische Auswahl zwischen Gut und Böse die Spreu nicht immer vom Weizen unterscheidet. Überdies setzt alle Erziehung, die mehr sein will, als eine Erziehung zu äußeren Formen, bei dem Erzieher eine umfassende Intuition der zu erziehenden Individualität voraus; und eine solche Intuition kann nur in einer überlegenen Persönlichkeit entstehen.

    Die Eltern, die eine solche Intuition von ihren Kindern gewinnen sollen, dürften keine sie geistig überragende Nachkommenschaft haben. Keine »neuen Menschen« dürften es sein; denn wie in aller Welt sollen gewöhnliche Menschen ungewöhnliche erziehen?

    Aller Wahrscheinlichkeit nach werden gewöhnliche Eltern freilich gewöhnliche Kinder haben. Wenn Durchschnittsmenschen zusammenheiraten, so ist vorauszusehen, daß die Kinder aus dieser Ehe auch wieder Durchschnittsmenschen sein werden, trotz aller Erziehungsbefleißigung.

    Sollte es aber der Zufall wollen, daß der wundersame, unberechenbare Fremdling, das Genie, darunter auftritt, so wird es für seine Erzeuger das beste sein, sie lassen ihn seine eigenen Wege gehen, ohne ihn durch ihre pädagogischen Künste zu bedrängen.

    Erziehung im aktiven Sinne ist der Ausdruck für eine Art des Seins; man erzieht mit dem, was
    man ist, nicht mit dem, was man weiß. Alle pädagogischen Kenntnisse und Absichten machen aus einer ungeeigneten Persönlichkeit keinen guten Erzieher. Die Forderung, daß wir uns vorher selber erziehen müssen, um erziehen zu können, hilft diesem Übelstande nicht ab. Denn sie setzt eine bestimmte Fähigkeit voraus, die nicht jeder hat – eben die Fähigkeit, sich selber zu erziehen. Und wenn es möglich ist, sich selber zu erziehen, dann können die Eltern diese Aufgabe um so eher den Kindern überlassen. Hat ein Mensch, der sich selber zu erziehen vermochte, nicht entschieden vor dem etwas voraus, der diese Arbeit an sich durch andere verrichten ließ –?

    Am meisten werden der Erziehung, der guten wie der schlechten, die Durchschnittsmenschen zugänglich sein, und unter diesen besonders die schwachen und unselbständigen Individuen, die den suggestiven Einflüssen der herrschenden Normen leicht erliegen. Der Nutzen der Erziehung, ihr Sinn und Zweck kann also niemals die Heranbildung eines »neuen« Geschlechtes, oder gar des »Übermenschen« sein, sondern höchstens der Schutz und die Führung der minder Widerstandsfähigen, der minder Selbständigen. Aber auch diesen gegenüber ist die Parallele, in welche die Erziehung eines Kindes mit der Schaffung eines Werkes gesetzt wird, nicht aufrecht zu erhalten. Namentlich die Frauen lieben es, sich mit dieser Parallele über den Verzicht auf geistige Leistungen hinwegzutrösten, den ihnen die Mutterschaft auferlegt. Man weiß ja: die Frauen sollen nichts selber sein und leisten, sie
    sollen vielmehr ihre Söhne zu dem »heranbilden«, was ihnen selbst zu werden versagt ist.
    Unter allen verlogenen Direktiven, an denen die bürgerliche Ethik reich ist, gibt es kaum eine
    schlimmere als diese. Denn sie verführt geradewegs zu jenem Mißbrauch, der als zielbewußte Pädagogik berüchtigt ist, und sie bereitet jenen naiven Seelen unter den Frauen, die auf sie ihre Lebensziele bauen, die bittersten Enttäuschungen. Trotz aller Erziehungskünste – wer kann daran zweifeln? – bleibt ein Mensch das, als was er geboren wurde; ein kleines Ich wird auch durch die inbrünstigste mütterliche Hingebung nicht in ein großes, ein Durchschnittskopf nicht in ein Genie verwandelt. Die Frau, die sich die Ausübung eines Talentes in der Erwartung versagt, es bei ihren Söhnen »heranbilden« zu können, wird in neunundneunzig von hundert Fällen um ihren Lebensinhalt geprellt sein. Lebet doch euer eigenes Leben, liebe Mütter, und erspart dafür euren Kindern die Belastung mit all den Hoffnungen und Wünschen, die sie als eine Verpflichtung, es
    im Leben euch statt sich selber recht zu machen, mit sich schleppen müssen!

    Nicht in der Regel, sondern viel eher im Ausnahmsfalle gleichen die Kinder soweit den Eltern, daß ein völliges Verständnis zwischen ihnen herrschen kann.

    Jede Generation entwickelt sich in einem gewissen Gegensatz zur früheren; die Elterngeneration verbraucht die geistigen Güter, deren Träger sie war, die Kindergeneration muß sich neue schaffen – darin besteht ihre geistige Lebensfunktion, und wenn sie sich darauf beschränken sollte, die überlieferten Ideale einer guten Erziehung lebenslänglich zu behalten, so würde sie sich ihres besten Rechtes begeben.

    Auch biologisch ist das Kind gewöhnlich nicht das Ebenbild und die Fortsetzung der Eltern. So wenig wie die kulturgeschichtliche Entwicklung vollzieht sich die biologische in einer geraden Linie. Mutter und Vater sind bloße Durchgangsglieder – das Kind kommt aus einer viel größeren Ferne her; es ist mindestens im gleichen Maße das Kind unbekannter Ahnen als das der beiden Individuen, die sich zu seiner Erzeugung zusammengefunden haben.

    Die Vorstellung der Eltern, daß sie selbst in ihren Kindern wieder aufleben werden, gehört zu den Illusionen, durch welche die Natur dem Individual-Bewußtsein die Ansprüche der Gattung annehmbar macht. Wenn schon das Triebleben von solchen trügerischen Vorspiegelungen begleitet ist, sollte doch das Gebiet der Vernunfterkenntnis davon frei bleiben. Mit der Vorstellung, daß das Kind das »Werk« der Eltern und im besonderen der erziehenden Mutter sei, wird eine solche irreführende Illusion auch dort erweckt. Wer die Mutterschaft als Äquivalent der geistigen Produktivität betrachtet, verkennt, daß ein Werk der Ausdruck, die Leistung einer Persönlichkeit ist, das Kind aber nicht. das Kind aber nicht. Es gibt allerdings eine beiden Fällen gemeinsame Vorstellung, mit denen das Individuum gleichsam die großen persönlichen Mühen und Opfer, die es um des Werkes willen auf sich nimmt, vor sich selber erklärt. Das ist die Vorstellung, in der Nachwelt fortzuleben, sein eigenes Dasein über eine unverhältnismäßig verlängerte Zeit auszudehnen. Darüber hinaus wird der Vergleich aber nur durch eine mißbräuchliche Interpretation der Erziehungstätigkeit möglich.

    Das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern ist im tiefsten Grunde irrational, weil es auf dem
    Triebleben beruht.

    Soll es durch Vernunftgründe gerechtfertigt und erklärt werden, so kann es nur aus dem Naturbegriff geschehen, das heißt, aus der Stellung, die der Mensch als Naturwesen einnimmt; der Persönlichkeitsbegriff mit samt dem ganzen Komplex von Empfindungen und
    Strebungen, die zu ihm gehören, läßt sich dafür nicht gebrauchen. Soweit eine Frau
    Persönlichkeit ist, wird sie über die Mutterschaft hinaus Ansprüche selbständiger Betätigung an das Leben stellen – und der Konflikt, in den sie dadurch mit ihren Aufgaben als Naturwesen gerät, wird nicht aus der Welt geschafft, indem man eine willkürliche Verwechslung der Gebiete vornimmt und der Persönlichkeit überträgt, was doch der Gattung angehört.

    Diese Verwechslung wird einem Manne schwerlich passieren, obwohl der primitive Mann,dessen Lebensarbeit in der Erhaltung einer zahlreichen Nachkommenschaft besteht, gewiß stärker unter die Ansprüche der Gattung gebeugt wird als etwa eine reiche Frau, die zwei oder drei Kinder zu erziehen hat. Gesetzt aber, diese Verwechslung sei eine intellektuelle Lizenz zugunsten einer möglichst gesteigerten Ausbildung der Mutterschaftsgefühle

    – es gibt für die Freiheit der Kinder und ihre persönliche Entwicklung nichts schlechteres, als die Neigung der Mütter, ihre Kinder als ihr Werk zu betrachten und in die Erziehung ihre ganze Lebensaufgabe zu setzen.

    Namentlich im modernen Großstadtleben, in welchem der Haushalt an die Frau so geringfügige Ansprüche stellt, werden die Übertreibungen der Mutterschaft häufig geradezu eine Gefahr für die heranwachsenden Kinder – um so mehr, als es in den kleinen Familien nicht zugeht wie früher in den großen, wo schon die Anzahl der Kinder eine Verteilung der mütterlichen Kraft auf so viele Individuen bedingte, daß das einzelne nicht zu sehr durch Erziehungsmaßregeln gestört und belastet werden konnte.

    Das unablässige Behüten, Betreuen, Fürsorgen, wie es die Mütter treiben, deren einzige Beschäftigung in der Erziehung besteht, und die von dem Ehrgeiz beseelt sind, in ihrem Kinde ein vollendetes »Werk« der Nachwelt zu hinterlassen, schafft nur
    unbrauchbare Menschen, denen erst die Strenge des Lebens außerhalb der häuslich-mütterlichen Sphäre nachhelfen muß, wenn sie die Folgen der genossenen Erziehung abstreifen sollen. (Zur Kritik der Weiblichkeit, Rosa Mayreder)

    • Michael
      Dezember 10, 2016 um 11:20 am

      Welchen Themenbezug hat dieses Copy&Paste aus dem Buch „Zur Kritik der Weiblichkeit (Klassiker des Feminismus): Frauenbewegung von Rosa Mayreder“ ?

  5. E. Duberr
    Dezember 9, 2016 um 7:30 pm

    Dieses ständige Gejammer ist deprimierend ! Die Welt ist bösartig und irrsinnig . Es gilt zu überleben . Der Mensch kann nicht geändert werden . Irrsinnige Zustände werden sich immer wieder entwickeln . Entweder hat die Schöpfung versagt oder sie ist pervers . Jedenfalls ist es eine Sauerei , mit so hilflosen Halbidioten derartige , absurde Spielchen zu treiben .Diese können nicht besser leben und auch nicht besser wollen .Sie sind als Versager geboren und als solche werden sie vergehen .

  6. Martin Bartonitz
    Dezember 9, 2016 um 6:55 pm

    und der legt auch noch einen drauf:

  7. Martin Bartonitz
    Dezember 9, 2016 um 6:53 pm

    und weil es so schön passt, gleich noch diese Analyse dazu:

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