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Der Traum einer erneuerbaren Zukunft

Der Plan für eine bessere Zukunft liegt scheinbar in der Verbreitung und Nutzung der sogenannten erneuerbaren Energien. Allen voran sollen Solarzellen und Windräder den sogenannten Klimawandel aufhalten, der insbesondere durch das Verbrennen von Erdöl bzw. von Erdölprodukten das CO2 ansteigen lässt, welches wiederum als der Klimafeind Nummer 1 medial um den Globus gejagt wird. Nun, in dieser Vereinfachung der Lage der Nationen und der Verallgemeinerung dieser Problematik geht jedoch das Gesamtbild mal wieder völlig verloren. Daher möchte ich den damaligen Ausführungen meiner vierteiligen Schwarzmalerei mit diesem Beitrag noch ein paar Gedanken zur Besonderheit des Erdöls hinzufügen, bevor ich mich wieder etwas rar machen werde, um mein aktuelles Romanprojekt voranzutreiben.

Aktuell (ent)steht in Marokko eines der Vorzeigeprojekte der erneuerbaren Zukunft:

3000 Hektar ist die Fläche groß, auf der Parabolspiegel und Sonnenkollektoren aufgereiht sind. Allein das erste von vier Feldern des Kraftwerks, das seit Januar in Betrieb ist, ist so groß wie die marokkanische Hauptstadt Rabat.

Quelle: Badische Zeitung

Offensichtlich ein Projekt der Superlative, gebaut mit deutschem Knowhow und großzügigen Krediten. Im verlinkten Artikel wird Umweltministerin Barbara Hendricks mit folgenden Worten zitiert: “Und es ist der Beweis, dass man große Städte mit Strom versorgen kann, ohne fossile Energien zu verbrennen.“  Leider ist eine solche Aussage irreführend, denn es wurden und werden für den Bau und die Wartung einer solchen Anlage Unmengen fossiler Brennstoffe benötigt, weit mehr, als die Anlage in naher Zukunft einzusparen vermag. Nicht eines der Module dürfte mit dem Handkarren, gezogen von Menschenhand, nach Afrika gelangt sein, von der Rohstoffgewinnung und Verarbeitung und der Produktion der Anlage anderswo ganz zu schweigen. Zudem ist ein solcher “Beweis“ keineswegs bewiesen, sondern vielmehr erhofftt, vergleicht man einmal wie viel Energie aus Erdöl und anderen Quellen gewonnen werden kann. Die hier verlinkte Grafik spricht diesbezüglich aus, was in der gesamten Debatte um den Klimawandel und den erneuerbaren Energien nur allzu gerne verschwiegen wird. Beziffert man den jährlichen weltweiten Verbrauch an Erdöl, zwecks Energiegewinnung, mit einer Kubikmeile (CMO), dann entspräche diese Energieleistung der Leistung von 2500 Kernkraftwerken, 3 Millionen Windrädern, sowie 4,2 Milliarden Solardächern, die aber allesamt und zum überwiegenden Teil erst einmal mit Hilfe von Erdöl produziert werden müssten. Vom Finanzierungsaufwand mal ganz abgesehen. Vom weiter steigenden Energiebedarf der Weltbevölkerung ganz zu schweigen. 

Wofür all diese Energie alljährlich benötigt wird? Doch wohl zur Anfeuerung unseres technologischen Fortschrittts, der es uns ermöglicht immer effizientere Arbeitsprozesse ins Leben zu rufen bzw. unsere Lebensbedingungen immer effizienter unseren Vorstellungen von Leben anzupassen. Leider verstehen wir unter Effizienz hauptsächlich die Einsparung von Zeit – nicht aber von Energie. Paradox erscheint daher das Phänomen, dass moderne Haushalte über immer mehr Geräte zur Arbeitserleichterung verfügen, die einem immer mehr zeitaufwendige Prozesse abnehmen, der moderne Mensch aber trotzdem über immer weniger Zeit verfügt, obwohl er immer mehr Energiesklaven möglichst kostengünstig beschäftigt – während anderswo die Kosten, die sich nicht unbedingt und entsprechend in Geld umrechnen lassen, steigen und steigen.

Geht es beim Thema Erdöl, CO2 und Klimawandel vordergründig vielleicht gar nicht darum das Klima zu retten, zumal das Klima sich seit jeher wandelt und CO2 wahrlich nicht das Problem des Klimas ist?! Wenn die Industriestaaten sich nun selbst loben und armen Ländern ihre Technologien der erneuerbaren Energien (eine Bezeichnung, die in sich sehr paradox ist) im großen Stil verkaufen, damit diese über “saubere“ Energie verfügen und (verschuldet) gedeihen können, dann bleibt in Zukunft umso mehr Erdöl über. Da Erdöl nicht einzig zur Energiegewinnung benutzt wird, sondern seit seiner Entdeckung den gesamten (!) technologischen Fortschritt der Menschen überhaupt erst ermöglicht hat und weiter ermöglichen wird, sollte deutlich werden, dass Erdöl für unser Verständnis von Leben längst so lebenswichtig wie Wasser und Luft ist. Nun, wem mag all das “eingesparte“ Erdöl demnach insbesondere zugute kommen?

In einem unscheinbaren Buch haben sich Tere Vadèn und Antti Salminem des Themas Erdöl angenommen und einen Text entstehen lassen, der es sprichwörtlich in sich hat. Gemeint ist das wahre Wesen des Erdöls, jener Kern, der im Vierteiler der Schwarzmalerei näher betrachtet wurde.

Like the eye of Sauron, the gaze of geopolitical centers turns from one place to the next. Once fixated, it pours a crushing surge of surplus energy onto the locality it wants to transform. Sauron was one and had only one eye; the regime of oil has many.

Tere Vadèn und Antti Salminem – Energy and experience: An essay in Nafthology – S. 51

Was global im Namen der erneuerbaren Energien geschieht, ist die Meta-Stasierung der Verwobenheit des Lebens auf diesem Planeten und ein damit einergehendes Energiedefizit an immer mehr Stellen. Um aber die Folgen dieser Ungleichgewichte nicht zu spüren zu bekommen, wird mittels Erdöl auf weitere technologische Lösungen gesetzt. Und je mehr Meta-Stasen global entstehen, desto wichtiger wird das Öl für jene, die erneuerbare Energien weltweit als Chemotherapeutikum anpreisen, als Allheilmittel gegen die Entartungen, sprich, energetischen Verwerfungen, die sie selbst ins Leben gerufen haben.

Once more: the energy deficit is not obvious because of the massivity of fossil fuels. The mass creates two social illusions. First, it hides the colonialism, the nature of Raubwirtschaft. A person filling the fuel tank of her or his car or tractor does not care where the gasoline came from. Second, it makes the results of the colonialist economy seem like positive achievements, something that industrial society has created, especially because it has created the technological, scientific, spiritual, and social conditions for it. It is not easy to dismantle these structures[.]

Tere Vadèn und Antti Salminem – Energy and experience: An essay in Nafthology – S. 118

Die Auswirkungen des eigentlichen, des wesentlichen Energiedefizits, an welchem die Menschen mehr und mehr leiden, und welches sie durch den Einsatz technologischer Möglichkeiten, angetrieben durch Öl und andere Energieformen, auszugleichen hoffen, lassen sich indes nicht mit immer mehr Energieverbrauch aus der Welt schaffen. Was im Namen von Effizienz und Vereinfachung als Gewinn erscheinen mag, ist in Wirklichkeit der Verlust wesentlicher Zusammenhänge, deren Bewahrung bzw. Wiederherstellung der einzige Weg ist, um die Verwobenheit allen Lebens wieder zu erneuern. Das sind die einzig wahren erneuerbaren Energien, die gänzlich ohne Spiegel und Turbinen auskommen. Keine Frage, es gibt kein Zurück zu jener Natur, wie sie einmal war. Dahin zurück würden auch nur die Wenigsten wollen. Dorthin zurückzukehren, ist auch nicht Sinn und Zweck des Lebens. Abschließend daher noch einmal die beiden Autoren des Buches, welches den Leser bewusst werden lässt, dass der Lösungsweg nicht am gänzlichen Verzicht von Erdöl und all den anderen Energieträgern vorbeiführt, sondern ein Weg von Erfahrungen ist, für deren jeweilige Bedeutung, hinsichtlich der Verwobenheit des Lebens, wir anderweitig nicht sensibilisiert werden können:

Humans, like other species, can through continious experimentation find a way of life that enriches the area instead of destroying it.

Tere Vadèn und Antti Salminem – Energy and experience: An essay in Nafthology – S. 78

 

Gruß Guido

Ich LIEBE meinen Tumor

 

 

  1. Axel
    November 21, 2016 um 3:19 pm

    Sehr gut!
    Danke dir Guido.

  2. Axel
    November 21, 2016 um 3:42 pm
  3. E. Duberr
    November 22, 2016 um 7:18 pm

    Und dann hat man unterschlagen ,daß für die Reigung der Solarflächen unglaublich große Wassermengen für die ständige Reinigung der Solarflächen benötigt werden. Goße Mengen Wasser in der Wüste ??
    Die Windräder in S-H treiben die Einwohner langsam in den Wahnsinn . Uralte Technik und Totale Naturzerstörung zu Gunsten von Landbesitzern und anderen Abzockern . Grüne Vollidioten zerstören unsere Natur .Verarmte Rentner können ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen .Vogelschutz spielt keine Rolle mehr. Und wenn man dann noch bedenkt ,dß wir in Wirklichkeit an CO2 -Mangel leiden ,denn woher soll CO2 kommen für mehr Grün in den Wüsten , für mehr pflanzliche Nahrung , dann weiß man das die Menschheit irrsinnig ist .

  4. Fricke
    November 23, 2016 um 12:17 pm

    Der Blick auf die weltweite Energielandschaft hat deutlich gemacht, dass die bisherigen Energiesysteme an zwei wesentlichen Punkten versagen:

    Erstens bezahlbare und verlässliche Energie für alle bereitzustellen, von der Entwicklungsimpulse ausgehen (IIED 2011).

    Und zweitens Erneuerbare Energien und Energieeffizienz im großen Stil zu fördern, um die Energieversorgung grundlegend zu transformieren und zukunftsfähig zu machen.

    Politiken vieler Staaten und Geber wie der Weltbank haben zentralisierte Energiesysteme geschaffen und sind auch weiterhin auf zentrale Großproduktion ausgelegt (actionaid 2011). Sie orientieren sich weitgehend an den Bedürfnissen industrieller Abnehmern, oft genug transnationaler Unternehmen.

    Deregulierung und Liberalisierungen sollten die Energiemärkte für private Investoren attraktiv machen. Und das ist auch gelungen.

    https://power-shift.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/06/PowerShift-Saft_fuer_alle_Web_final.pdf

  1. November 24, 2016 um 2:42 pm

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