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Die Zukunft des Menschen – Teil 1 – Aus Sicht der Vergangenheit

Die Zukunft des Menschen – Teil 1 – Aus Sicht der Vergangenheit
Die Zukunft des Menschen – Teil 2 – Aus Sicht des Lebens
Die Zukunft des Menschen – Teil 3 – Aus Sicht des Menschen
Die Zukunft des Menschen – Teil 4 – Aus Sicht des Bewusstseins

Der sich mit diesem ersten Teil entwickelnde Vierteiler ist der Versuch „das Leben, das Universum, und den ganzen Rest“ in einer Form zu beschreiben, wie es, meines Wissens nach, bisher noch nicht getätigt wurde. Im Rahmen dessen wird das Bewusstsein zwar entzaubert, aber nichtsdestoweniger der Zauber an sich bewahrt, so EINE Sensibilität fördernd, die längst in uns EINEN schlummert und die unumwunden das weitere Leben in dieser Welt beeinflussen wird. Weit mehr und ANDERS, als es die Entwicklung unseres technologischen Fortschritts vermuten lässt. Durch die Zeilen dieses Vierteilers schlängelt sich zugleich der Lösungsweg, der all die Probleme, die wir EINEN dem Leben zufüg(t)en, aufzulösen vermag, indem er den Problemen direkt begegnen wird, ohne dabei einen unmenschlichen Verlauf zu nehmen. Unmöglich? Mal schauen … denn spätestens der abschließende Teil wird es in sich haben. Gemeint ist das GEHEIMNIS, von welchem anderswo unlängst die Rede war – auch wenn die gesamte Tragweite besagten GEHEIMNISSES erst in der 5. Mutation des Romans Ich LIEBE meinen Tumor zum Ausdruck kommen wird, des Spielraumes wegen, den ein solches Buch zur Verfügung stellen kann.
Kurze Rede, langer Sinn … los geht’s.

Newton ist, trotz Quantenmechanik, noch immer EIN Held der Moderne, funktioniert die klassische Welt seinen Gesetzmäßigkeiten nach auch noch im 21. Jahrhundert, mehr oder minder, zauberhaft. Klassisch, im Sinne von alltagstauglich und allgemeingültig. Klassisch, im Sinne der uns vertrauten Realität. Warum aber gab Max Weber bereits vor 100 Jahren zu bedenken, dass wir Menschen durch Newton entzaubert wurden und so die Moderne betraten? Was hat es demnach mit der klassischen Welt und der Welt des Zaubers auf sich? Bereit für eine kleine Zeitreise? In die Vergangenheit? Aus der modernen Gegenwart heraus?

Tropft man EINEN (!) Tropfen Tinte in einen Glaszylinder mit Glyzerin und steckt einen etwas schmaleren Zylinder umgekehrt in den breiteren hinein, dann kann man durch die Zeit reisen, indem man den schmaleren Zylinder, immerzu langsam, im Uhrzeigersinn dreht, in Anlehnung daran, dass die Zeit vergeht. Solange, bis der Tropfen Tinte vollständig im Glyzerin verloren scheint. Hört man schließlich auf zu drehen, befindet man sich in der Gegenwart, im JETZT, aus der es nun gilt zurückzureisen, nämlich dorthin, wo die Tinte noch EIN Tropfen war. Irgendwo in der Vergangenheit, als ALLES noch EINE Singularität war. Wie? Indem der schmale Zylinder, der noch im breiteren steckt, gegen den Uhrzeigersinn gedreht wird, sprich, zurück. Ganz langsam. Und siehe da, irgendwann ist, in der Tat, der Tropfen wieder da. Zeitreise geglückt.
Zauberei? Keineswegs. Eher EIN Irrtum, denn ganz so vereinfacht verhält es sich keineswegs mit der Vergangenheit, geschweige denn mit der Zukunft. Auch wenn wir EINEN noch immer so tun, als wäre dieses der Fall, weshalb wir die Geschichte des Universums wie eine Perlenkette von Ereignissen gestalten, wo jede Perle für ein bedeutendes Ereignis steht, wohlgemerkt von Bedeutung aus der jeweiligen Gegenwart heraus, aus der heraus die Vergangenheit betrachtet wird.

Steven Weinberg sagte einmal, dass, je mehr wir über das Universum wissen, es umso unbedeutender erscheint. Man kann gar noch weiter gehen und sagen, dass es umso unbedeutender ist, denn was wir EINEN, wir Menschen, meinen zu wissen, entspringt der Kausalkette, die einen Tropfen Tinte wieder sichtbar werden lässt. Gleichwohl versuchen wir an der Uhr des Universums zu drehen, um zurück zum Urknall zu gelangen. Wenn aber „Geschichte entsteht, wenn der Raum dessen, was möglich ist, weit größer ist, als das, was tatsächlich geschehen kann“ [S.K.], dann droht bereits frühzeitig EINE Kettenreaktion, die kaum mehr aufgehalten werden kann und immer reaktionsfreudiger werden wird. Weil die klassische Welt, die Welt, die gelehrt wird und die unsere menschliche Kulturen prägt, „überwiegend als Struktur eines Gewebes von Kausalitäten angesehen wird. Die Welt als vierdimensionale Raumzeit-Manifestation tatsächlicher Ereignisse, die in kausaler Beziehung zueinander stehen. In dieser verbreiteten Newton’schen Sicht gibt es keine Möglichkeiten, nur Tatsächlichkeiten“ [S.K.]. Und alles, was an Zauberei aufgetischt wird, ist Jahrmarktzauberei. Oder anders ausgedrückt: Um der Vergangenheit wieder habhaft zu werden, müssen auch all jene Möglichkeiten bekannt sein, die nicht zu Tatsächlichkeiten wurden. Das grenzt an wahre Zauberei. Da aber jede Tatsächlichkeit nur eine von sehr vielen Möglichkeiten darstellt, bleibt die Vergangenheit überwiegend verborgen bzw. sie wird weitestgehend verzerrt, als rückwärtige Kausalkette akausaler Verwobenheit. Vergangenheit ist demnach die Verdichtung von Akausalitäten, aus der Gegenwart heraus, eine Verdichtung, die aber nicht vereinfacht werden kann, ohne wesentliche Bindungen endgültig zu verlieren und somit EIN komplexes Labyrinth zu betreten, immer blinder werdend, weil immer abhängiger von technologischen Errungenschaften. Ergo, je weiter wir fortschreiten, desto rückständiger ist unser Verständnis der Vergangenheit.
Die Realität ist demnach die Welt der Tatsächlichkeiten. Das Reich der Möglichkeiten aber ist die Wirklichkeit, das Feld, wo Möglichkeiten Realisierungen erahnen lassen bzw. jederzeit auf dem Sprung in die Realität sind. Beide, Realität und Wirklichkeit, benötigen einander, beide verwandeln einander an, wie im Verlauf des Vierteilers noch näher beschrieben werden wird. Goethes „Nur wer Wissenschaft wie Kunst betreibt, ist auf dem Weg zur Wirklichkeit“ gibt bereits die Richtung vor. Das hindert uns EINEN allerdings keineswegs daran ALLES mehr und mehr zu vereinfachen, in der Annahme unsererseits, der Komplexität so Herr werden zu können. Jaron Lanier nennt Vereinfachung „das wichtigste Handwerk unserer Zeit„. EIN gewaltiger Irrtum. So geht es tiefer hinein, ins Labyrinth unseres Fortschritts, EIN Labyrinth, beherrscht von der Roten Königin.

Zur Vereinfachung gehören sämtliche Naturgesetze und Naturkonstanten, auch jene, die zur Feinjustierung des Universums, laut wissenschaftlicher Lehrmeinung, unabdingbar sind, sowie etliche Zutaten des Newton’schen Regelwerks.
Doch ist die Vergangenheit erst einmal vergangen, kann sie nie wieder für etwas Gegenwärtiges herangezogen werden, ohne den Werdegang des Lebens weiter zu verkomplizieren, denn je weniger wir EINEN die Vergangenheit ruhen lassen, z. B. durch immer mehr Möglichkeiten verschiedene Messungen durchführen zu können, desto mehr Energie müssen wir anderswo rauben, um das bereits erschaffene, kausalverkettete Bild der Vergangenheit möglichst stabil beizubehalten, gilt doch obendrein, dass, je „höher“ eine Spezies entwickelt ist, das verkörperte Bewusstsein umso mehr eine vorhersehbare, stabile Welt benötigt. Solange wir die Vergangenheit nicht ruhen lassen können, um uns für die Zukunft zu rüsten, kann die Energie vor Ort, wie von Natur aus bereits zugegen, nie genügen, weshalb der Raub von Energie für uns EINEN immer mehr zum Alltag, gar zum vordergründigen Lebensinhalt, wird. EIN Teufelskreis, weil:

  • das „was Tatsächlichkeit wird, ermöglicht, was als weiteres möglich werden kann“ [S.K.], nicht nur vor Ort, sondern überall, nicht nur in der Realität, auch in der Wirklichkeit,
  • jedes Geschehen ein unvorhersehbares Entfalten ist, wo, was bereits real ist, hervorbringt, was möglich werden kann“ [S.K.],
  • jede Tatsächlichkeit akausal und sofort neue Möglichkeiten ermöglichen kann“ [S.K.] … wohlgemerkt ermöglichen, nicht zu verwechseln mit verursachen,
  • Newtons Regelwerk der klassischen Welt, nebst der klassischen Physik im Allgemeinen, mit Ursachen rechnet, nicht aber mit Möglichkeiten ungezwungen spielt,
  • mitunter andere Tatsächlichkeiten ermöglicht werden, bedingt durch Tatsächlichkeiten, die nicht real wurden, sie daher wahrscheinlicher werden,
  • jede Tatsächlichkeit so unzählige Möglichkeiten ändert, die bereits durch andere Tatsächlichkeiten möglich sind“ [S.K.],
  • sie [die Tatsächlichkeit] verändert, was möglich ist, manche Möglichkeiten zunichte machend, aber so andere möglich werden lassend“ [S.K.],
  • Ermöglichung (enablement) als Auswirkung real erscheint und weder kausal, noch lokal ist,
  • die Geschichte des Universums „ein persistierendes Werden, ein persistierender Status nascendi, ist, in einem Universum, welches nicht ‚ist‘, sondern ‚wird‘“ [S.K.],
  • jeder weitere Augenblick der Realität sich auch hätte ganz anders ereignen können, und damit die Realität selbst,
  • Ermöglichung durch Akausalität den freien Spielraum eröffnet, der notwendig für die HARMONISIERUNG des GANZEN ist (vielleicht durch die irrationale, wechselseitige Annäherung an Phi, den Goldenen Schnitt, welcher den Kern des Kosmos bildet? … egal, nur so eine Idee),
  • jedes akausale Netz aus Möglichkeiten, welches Tatsächlichkeiten aus der Wirklichkeit holt, einzigartig verwoben und nicht wiederholbar ist, es steht somit für keine weitere Tatsächlichkeit zur Verfügung, auch nicht in der Gegenwart, um in den tiefen Gewässern der Vergangenheit zu fischen,
  • sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen bedeutet im Trüben zu fischen, mit EINEM Netz voller Löcher, die allesamt größer sind, als die Maschen selbst,
  • Zufall das Potenzial aller Möglichkeiten, als akausales Erscheinungsbild, birgt“ [S.K.].

 

Dabei ergeht es dem Zufall wie der Komplexität. Beide wurden von Newton an Naturgesetze und -konstanten gekettet und werden seitdem im Kontext von Kausalität wahrgenommen, ohne jedoch jemals den Wahrheiten, den Tatsächlichkeiten der Vergangenheit, im Kontext ihrer Möglichkeiten, gewahr werden zu können. Welche Folgen und Ermöglichungen daraus in der Gegenwart die Realität beeinflussen, und damit das Leben, davon mehr im dritten Teil.
Befreit man aber Zufall und Komplexität aus der energieräuberischen Kausalverkettung, dann zeigt sich:

  • dass das Aufeinandertreffen von mindestens zwei Notwendigkeiten umso mehr als Zufall erscheint, je mehr Notwendigkeiten man versucht kausal mit EINEM Sinn zu verbinden … und dabei scheitert,
  • dass Komplexität die Vermehrung von Unwesentlichem ist bzw. die Expansion EINES Irrgartens beschreibt,
  • dass Komplexität in der chaotischen Ordnung der Natur nicht existiert, sondern nur dort als solche erscheint, wo Möglichkeiten nicht in Erwägung gezogen werden, ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, oder sie zum Schweigen gebracht werden, weil einzig Tatsächlichkeiten immer mehr zu (er)zählen haben,
  • dass Komplexität der Verunmöglichung entspringt Akausalität kausal zum Ursprung, der vermeintlichen Kausalkette, zurückzuverfolgen, weshalb uns die Gegenwart umso komplexer erscheint, je mehr wir uns mit der Vergangenheit beschäftigen und je weiter wir uns dabei von der Gegenwart entfernen,
  • dass Komplexität, ganz einfach dargelegt, EIN Labyrinth voller Teufelskreise ist,
  • dass Naturgesetze und -konstanten unseren kausalen Vorstellungen der realen Vergangenheit entspringen, weshalb der Tintentropfen wieder erscheinen kann bzw. zuvor erwähnte Perlenkette zu faszinieren weiß, doch, und das muss man sich erst einmal vorstellen (können), „die Gesetze des Universums evolvieren gleichwohl“ [S.K.], wodurch bedingt EINE jede Perle eher der Glaskugel EINES Wahrsagers gleichkommt,
  • dass, „wenn die Welt kein Fundament„, in Form von Naturgesetzen und -konstanten, „hat, dann ist die Welt bei weitem mehr emergent, als wir uns erträumen können“ [S.K.] und genau hier schlummert das Potenzial von Wissenskunst, Posie und … Zauberei, ohne billige Tricks, und nicht auf Kosten Anderer bzw. der ANDEREN,
  • dass „die ‚fundamentalen Gesetze‘ der Physik nicht gegeben sein mögen, sondern sich entwickeln, als ermöglichende Beschränkungen“ [S.K.].

 

Beschränkungen, man möge dieses Wort im Hinterkopf behalten, in Form von beabsichtigtem Informationsverlust, als Tunnelblick, im Namen des Zeitgeistes, durch Nicht-Realisation von Möglichkeiten, um der Notwendigkeit einer möglichst klassischen Welt akausal „Folge“ zu leisten, weil „Leben eine ausreichend klassische Welt benötigt“ [S.K.]. Damit Evolution sich entfalten kann und Involution das Leben, vermögender an Erfahrungen, wieder EINANDER zugänglich macht bzw. um ein PROBLEM zu problematisieren und einen Lösungsweg gestalten zu vermögen. Diese Welt, die zwar funktioniert, im Sinne der klassischen Physik, ist aber „nur“ Teil weiterer, auch zauberhafter, Möglichkeiten von Verweltlichung, die nicht mit Weltaneignung verwechselt werden sollte. Zumal, wie bereits erwähnt, die Gegenwart, in der Tat, auch anders hätte werden können und fortwährend anders werden kann … „auch anders, als die klassische Welt an Möglichkeiten vorgibt“ [S.K.]. Vielleicht auch ANDERS. Oder EINE ganz ANDERE Welt.

Warum aber ist die Welt wie sie ist, und warum kann sie immer weniger werden, was sie von Natur aus sein könnte? Weil wir EINEN EINE Absicht hegen (können), die den ANDEREN Lebewesen wesensfremd ist, wo sie doch keinerlei Absicht hegen, sondern einfach nur leben. Nicht in der Vergangenheit, nicht bereits in der Zukunft, sondern JETZT. Während wir EINEN die Vergangenheit immer genauer beschauen, um für die Zukunft immer besser, in unserem Interesse, gerüstet zu sein, doch sehen wir in dieser Absicht nicht nur den Wald vor lauter Bäumen nicht, sondern befinden, hinsichtlich dieser Absicht, gar den Wald als den falschen Wald, was nicht ohne Folgen bleiben kann, solange wir rückverfolgen, was sich akausal ermöglicht hat, durch all das, was tatsächlich geschehen ist.

Geschichte ist dergestalt nicht nur ein Werden. Es ist ein Werden hinein in das, was nun möglich ist. Dabei ist uns EINEN schneller möglich, was von Natur aus und den ANDEREN möglich ist, durch Energieraub und durch Vereinfachungen, die als Kausalketten verallgemeinert werden, weshalb die Realität immer mehr zum Kettenhemd für das Leben wird und schwerer wiegt, als das einfache Leben. Je weiter wir dieses fortführen, desto größer gestaltet sich das Spannungsfeld zwischen den ANDEREN und uns EINEN – und zwischen uns EINEN und uns selbst. Dazu mehr im zweiten Teil, in welchem verdeutlicht werden wird, was es mit der Realität nun wirklich auf sich hat und warum Bewusstsein für das Leben EIN zweischneidiges Damoklesschwert ist, auf welches wir EINEN uns nicht allzu viel einbilden sollten. Längst sind die Folgen unseres Treibens offensichtlich, zumindest die kausalen. Und, dadurch bedingt, unsere Zukunft vorhersehbar. Paradox, dass wir die Zukunft vorhersagen wollen, aufgrund vergangener Ereignisse, aber das bereits Vorhersehbare nicht das ist, was wir EINEN von der Zukunft erwarten.
Wie aber verhält es sich mit den akausalen Möglichkeiten, die sich aus unserem Treiben ergeben werden, im Kontext des Lebens?

Quellennachweis: [S.K.] Stuart A. Kauffman – Humanity in a creative universe – Oxford University Press 2016 – Übersetzung meinerseits

Gruß Guido

GOLD-DNA
Die Goldene PHI(l)harmonie
Gemeinsam ins Tal
Ich LIEBE meinen Tumor

 

  1. August 8, 2016 um 8:45 am

    Ich lese den Artikel mit gemischten Gefühlen, weil er einerseits das, was Leben ist, subtiler und umfassender erfasst als die klassische Mechanik à la Newton, aber andererseits aus der zugrundeliegenden Denkweise, die die klassische Mechanik hervorgebracht hat, nicht wirklich auszusteigen vermag. Ich sehe in Zitaten wie denen von Kauffman die Fortsetzung der Newton’schen Denkweise mit den Mitteln der Quantenmechanik, die aber nichts grundsätzlich anderes ist als die klassische Physik, sondern bloß eine Erweiterung derselben, also noch tiefer ins Labyrinth hineinführend, ohne Aussicht, je wieder herauszukommen.
    Es kommt mir vor, als würde innerhalb des ersten Labyrinths ein zweites, mit dem ersten verschachteltes Labyrinth zugänglich gemacht, das sich – Spiegelung der Spiegelung in der Spiegelung – als Ausgang oder Lösungsweg präsentiert, in Wahrheit jedoch der Eingang ins zweite Labyrinth ist.

    Die Welt der Quantenphysik ist ja eben genau die Welt der Möglichkeiten, und die Sprache, mit der die Quantenphysik beschrieben wird, ist die statistische Mathematik: das Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten. Die Welt der Quantenphysik dient jedoch lediglich dazu, noch näher an den Urknall heranzukommen, ihn eventuell mit Quanteneffekten sogar zu umgehen, um so in eine bislang noch unbekannte Vergangenheit vorzustoßen, die erklären kann, worin die den Urknall auslösende Energie ihre Ursache hatte. Womit das kausale Denken sich „hintenherum“ doch wieder Bahn bricht. Wie die klassische Physik, dient auch die Quantenphysik dazu, die Welt zu ERKLÄREN und damit zu BEHERRSCHEN. Wie die klassische Physik verwandelt auch die Quantenphysik Lebendiges in Totes.

    Das Atom lässt sich in den Atomkern aus Protonen und Neutronen und die darum herumschwirrenden Elektronen zerlegen. Wo in der klassischen Physik modellhaft Bahnen angenommen wurden, auf denen die Elektronen um den Kern kreisen, werden in der Quantenphysik Verteilungswolken angenommen, die bloß die Wahrscheinlichkeit angeben, wo sich das Elektron befinden könnte, wenn man es denn zu fassen kriegen würde. Die Wahrscheinlichkeitswolke erfasst das Phänomen der BINDUNG genauer als die modellhafte Bahn, denn was beschrieben wird, ist ja nichts anderes als eine BINDUNG. Und ja, dann ergeben sich eine mehr oder weniger große Wahrscheinlichkeit und viele Möglichkeiten, wo sich das Elektron im Verhältnis zum Kern denn nun genau aufhält oder aufhalten könnte.

    Und da sind wir bei dem, was menschliches Denken ausmacht: Es zerlegt Phänomene, die sich eigentlich nicht zerlegen lassen. Und wo Phänomene zerlegt werden, verschwindet das Wesentliche. Nur deshalb kommt Steven Weinberg zu der Aussage, dass das Universum immer unbedeutender wird, je mehr wir darüber wissen. Es liegt nicht daran, dass das Univerums unbedeutend IST, sondern dass der Mensch es in immer abstrakter werdende Bestandteile zerlegt.

    Das ist nicht ein Problem des Universums, sondern ein Problem unseres Bewusstseins. Wo immer sich der Mensch über irgendwas BEWUSST wird, ist er zerstörerisch. Und ja, genau: Bewusstsein ist zerstörerisch. Bewusstwerdung verwandelt Lebendiges in Totes. Lebendig ist die Welt nur da, wo man den Dingen ihr Geheimnis lässt. Aber menschliches Bewusstsein ist so strukturiert, dass es den Dingen zwanghaft das Geheimnis entreißen muss.
    Und ja: ich weiß, das mancher empört sein wird, wenn die heilige Kuh namens „Bewussrtsein“ mal kritisch beleuchtet wird.

    Um ein Atom in Kern und Elektronen zu spalten, muss technisch Energie zugeführt werden. Es braucht dazu eine Apparatur wie ein Atomkraftwerk oder das CERN. In Kern und Elektronen gespalten, ist das Atom nicht mehr dasselbe, das es vorher war, sprich: die Zerlegung in kleinere Einheiten zerstört die größere Einheit, und zwar unwiderruflich.
    Der springende Punkt dabei ist: es kann niemals ein Elektron innerhalb eines INTAKTEN Atoms gefunden werden. Um das Elektron zu finden, muss man das Atom ZERSTÖREN.
    Atomkerne und Elektronen kommen deshalb nur in einem Atomkraftwerk oder im CERN vor. Es sind keine natürlichen Erscheinungen, sondern künstlich, besser noch: durch Energiezufuhr gewaltsam erzeugte. Elektron und Atomkern entstehen nur durch Gewaltausübung. Ebenso entstehen auch Atome nur durch Gewaltausübung, indem man nämlich ein Molekül ebenso brutal in seine angeblichen Bestandteile zerlegt. Und Moleküle entstehen ebenfalls bloß durch Gewalt. Um zum Atomkern vorzudringen, bedarf es also einer Kette oder einer Kettenreaktion von Gewaltanwendungen. Wenn man vom Atomkern nun zu den Quanten vordringt, ist das nichts Anderes als ein weiteres Glied in dieser Kette von Gewalt gegenüber Materie. Materie ist übrigens nichts anderes als ein verschachtelter Komplex aus Bindungen. Bindung respektive Beziehung ist das Wesen von Materie. Das menschliche Bewusstsein zerstört Bindungen, weil es Bindungen für unwesentlich hält. Wir zerstören ja sogar systematisch die Bindungen auf menschlicher Ebene und hinterher beklagen wir uns über die angebliche Kälte in der Gesellschaft.

    Der menschliche Geist arbeitet wie ein Feuer: was Holz war, wird zu Asche verbrannt, und dann wird so getan, als könnte man Ascheteilchen zusammensetzen, um wieder Holz zu erhalten. Aber das funktioniert eben nicht. Milliarden von Ascheteilchen ergeben eben keinen Baumstamm, sondern einen Aschehaufen. Ascheteilchen sind nicht mehr lebendig und zusammengesetzte Ascheteilchen stellen das Leben nicht wieder her. Ob es an den Möglichkeiten liegt, die als Ober- oder Untertöne im ursprünglich realisierten Baumstamm mit verborgen liegen und die durch das Verbrennen Schall und Rauch geworden sind? Es ist denkbar, dass Bindungen so beschaffen sind, dass sie neben der Realisierung auch die Möglichkeiten mit einschließen. Der sicherste Weg, die noch vorhandenen Bindungen gänzlich aufzulösen und die Welt in Nichts aufzulösen, wird der sein, eben das herauszufinden.

    Dass menschliches Bewusstsein wie Feuer funktioniert, ist kein Wunder: es hat sich nämlich erst im Umgang mit dem Feuer herausgebildet. Menschliches Bewusstsein eignet sich hervorragend dafür, die Möglichkeiten zu entdecken, die im Feuer verborgen liegen. Unsere gesamte Technik sind nichts anderes als realisierte Möglichkeiten des Feuers.
    Da Feuer ist nun mal zerstörerisch ist, ist es menschliches Bewusstsein ebenso.

    Was für eine Absicht hegen wir Menschen denn? Wir hegen die Absicht, die Welt im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen, das heißt, sie in Begriffe zu fassen und in Sprache zu verwandeln. Wir hegen die Absicht, die Welt unserem Bewusstsein einzuverleiben. Dass wir die Welt dabei zerstören, hält uns nicht davon ab. Ebenso, wie sich Feuer an sich selbst entzündet, entzündet sich auch Bewusstsein an sich selbst. Der Mensch verabsolutiert sein Bewusstsein, das ihm wichtiger ist als das Leben, die Welt oder die Materie. Er wird es nicht fertig bringen, den Dingen ihr Geheimnis zu lassen. Der derzeitige Datensammelwahn dient in Wahrheit nur dazu, das Phänomen der Akausalität zu durchdringen, darin Muster zu erkennen, es begrifflich zu fassen und berechenbar zu machen.

    Ja, Bewusstsein ist ein zweischneidiges Damoklesschwert. Eine Schneide heißt Wissenschaft, die andere Spiritualität. Zusammen ergeben sie ein durch und durch zerstörerisches Instrument, einen Weltenbrand der etwas anderen Art. Dem Leben selber tut das jedoch keinen Abbruch. Auch das Cyano-Bakterium hat mit der Produktion von Sauerstoff einmal fast alle bestehenden Arten zerstört. Danach gab es eine auf Sauerstoffatmung beruhende Artenexplosion und die Eroberung neuer, bisher unerschlossener Lebensräume. Fortan existierten Anaerobier und Aerobier nebeneinander.

    • August 8, 2016 um 11:33 am

      Wusste ich doch, dass dieser Vierteiler eine lohnende “Investition“ sein wird. Wenn Du bereits auf den ersten Teil einen derart lesenswerten Kommentar folgen lässt, kann ich es kaum erwarten, die anderen drei Teile rauszuhauen … mit reichlich „BLA BLA BLA“.

      „Der derzeitige Datensammelwahn dient in Wahrheit nur dazu, das Phänomen der Akausalität zu durchdringen, darin Muster zu erkennen, es begrifflich zu fassen und berechenbar zu machen.“

      Vordergründig ja, aber hintergründig geht es BIG DATA einzig darum zu erkunden, was profitabel ist, was an Welt sich möglichst schnell und weitreichend in Profit umwandeln lässt, um dann vorzugeben, was zu realisieren lohnenswert ist. Nicht lohnenswert im Sinne von lebenswert, sondern wert EINEN Profit zu generieren … worunter zwangsläufig das Vermögen des Lebens leiden wird Lebendigkeit ausleben zu können, da besagter Profit sich mehr und mehr des Vermögens des Lebens bedient und es sich für eigene Zwecke aneignen wird, was das Gegenteil von Anverwandlung, im Sinne des Lebens, wäre. Daher will ich auch nicht abwarten und nur zusehen, wie dem Leben vorgegeben wird, wie die Welt zu ticken hat, um als kleines Rädchen meinen Teil zum Ticken beizutragen. Dass wir EINEN so ganz anders, als all die ANDEREN ticken, ist keine Laune der Natur, kein Zufall, und solange die Möglichkeit, dass die Welt jederzeit auch EINE ANDERE sein kann, besteht, ist es erlebenswert diesen Weg zu begleiten, BLA hin, BLA her. Nur abwarten und zusehen ist weit weniger, als all die ANDEREN tagtäglich leisten, um den Menschen Unmögliches zu gewährleisten. Humanität bedeutet weit mehr Möglichkeiten zum Wohle des Lebens zu realisieren, als nur abzuwarten und sein eigenes Leben in Sicherheit zu wiegen.

      Ich stimme Deinen Worten gänzlich zu, gebe aber zu bedenken, dass auch die Quantenmechanik EINE Evolution durchlaufen hat, weshalb die QM nicht am gesamten, bisher ermöglichten Aufbau des Kosmos beteiligt gewesen ist, sondern wir EINEN einzig kausal die QM in die Vergangenheit des Universums integrieren, im Nachhinein, aus der Gegenwart heraus. Ich mag jetzt nicht zu weit vorgreifen, aber aus diesem Gedankengang mag etwas noch Ungewöhnliches, aber nicht Unmögliches, sich ergeben. Du gabst einen ähnlichen Einwand mal hinsichtlich der Bedeutung der Viren für die Entwicklung des Lebens zu bedenken.

      Das Labyrinth, mit all seinen Spiegelungen von Spiegelungen, die sich widerspiegeln, vermag tatsächlich keine Antworten, keine Erklärungen zu liefern und zieht EINEN nur tiefer in seinen Bann eines Resonanzversprechens, welches aber nicht erfüllt werden kann. Doch das Labyrinth bewirkt etwas ANDERES. Etwas, das EINEN für Resonanz sensibilisiert …

      Na, das wird ja noch interessant werden. Ich freue mich darauf 🙂 …

    • August 8, 2016 um 2:20 pm

      „Vordergründig ja, aber hintergründig geht es BIG DATA einzig darum zu erkunden, was profitabel ist, was an Welt sich möglichst schnell und weitreichend in Profit umwandeln lässt, …“

      Ich seh’s umgekehrt: Vordergründig geht es BIG DATA darum, zu erkunden, was profitabel ist, aber hintergründig geht es um eine langfristige Entwicklung, die weitaus tiefer reicht. Der Profit ist bloß die Karotte, die dem Esel namens Mensch vor die Nase gehalten wird, damit er lostrabt und das Hamsterrad antreibt. Im Hintergrund geht es um die Umgestaltung der uns als „Natur“ bekannten Welt. Wenn der Mensch mal „habe fertig“ sagt, wird es das, was wir als Natur kennen, in der ursprünglichen Form nicht mehr geben.

      „… sondern wir EINEN einzig kausal die QM in die Vergangenheit des Universums integrieren, im Nachhinein, aus der Gegenwart heraus.“

      Ich gehe sogar noch weiter: Die Quantenmechanik ist ähnlich wie die Kausalität bloß eine Erfindung unseres menschlichen Geistes. Vor Heisenberg gab es überhaupt keine Quanten, wie es vor der Demokrit keine Atome gegeben hat. Just zu der Zeit, als Demokrit über Atome philosophierte, war gerade das Denken in Ursache und Wirkung entstanden. Die Erfindung von Atomen gehört in den Kontext des kausalen Denkens, denn wenn man nicht kausal denkt, sind unsichtbare kleinste Teilchen herzlich uninteressant. Atome gewinnen ihre Bedeutung einzig und allein aus der Suche nach einer ersten Ursache. 2000 Jahre lang geriet Demokrit dann in Vergessenheit und wurde erst wieder aktuell, als ein Pfarrerssohn namens Robert Brown bei der mikroskopischen Beobachtung von Pollenkörnern merkwürdige Zitterbewegungen feststellte: die Brown’sche Molekularbewegung. Ohne Erfindung des Elektronenmikroskops gäb’s keine Atome, ebenso wie es ohne Teilchenbeschleuniger keine Quanten geben würde. Tatsächlich sind Quanten gar nichts „Reales“ mehr. Vergleichbar sind Quanten am ehesten mit Geräuschen aus dem Urwald, wobei der Beobachter mit seinen Geräuschverstärkern vor dem Urwald sitzt und keine Ahnung hat, was die Geräusche verursacht, denn in den Urwald kann er nicht hinein. Ohne Geräuschverstärker würde er nicht mal was hören, aber ein Wissenschaftler kann den Urwald eben nicht Urwald sein lassen. Vielleicht weil er von der Angst geplagt wird, eine Elefantenhorde könnte aus dem Urwald herausstürmen und ihn, den Beobachter, zertrampeln.

      Unsere Aufgabe besteht, denke ich, nicht darin abzuwarten, sondern zu erkennen, wer wir als Menschen sind und wie unser menschlicher Geist funktioniert. Tatsächlich ist doch die ganze Realität samt unserer hochgelobten Technik so um uns herum angeordnet, dass wir uns jederzeit selbst erkennen können, wenn wir das wollen. Diese Selbsterkenntnis funktioniert auf individueller wie auf kollektiver Ebene. Genau dafür ist das ganze BLA BLA BLA notwendig, genauso wie ein oder mehrere Sparringspartner notwendig sind, mit denen man sich auseinandersetzen kann. Wenn man bloß wie Narziss einsam in den Spiegel schaut, führt das nicht zu Selbsterkenntnis, sondern zu einem Dasein als Ernst Duberr. 🙂

      Man muss wohl einsehen, dass das Phänomen der Menschenmassen und Massenmenschen mit der modernen Physik zusammen durchaus einen Komplex bildet. Wie man in der Quantenphysik von Teilchen ausgeht, die sich in nichts voneinander unterscheiden, sondern bloß in Summa „Geräusche“ von sich geben, die sich in zahllosen Statistiken niederschlagen, so nimmt man in selbiger Sichtweise in seinen Mitmenschen ebenfalls nur eine Masse aus ununterscheidbaren Teilnehmern wahr, deren einzige Ausdrucksform das Konsumverhalten ist. Tatsächlich sind die Menschen im öffentlichen Diskurs doch nur noch Durchschnittswerte in Statistiken und keine Individuen mehr.

      • August 8, 2016 um 2:44 pm

        „Ich seh’s umgekehrt: Vordergründig geht es BIG DATA darum, zu erkunden, was profitabel ist, aber hintergründig geht es um eine langfristige Entwicklung, die weitaus tiefer reicht.“

        Lustig, ich hatte es erst genau so geschrieben, entschied mich aber dann dagegen. Wahrscheinlich sind die Übergänge zwischen Vorder- und Hintergründigkeit eh fließend. Unterm Strich kommt jedoch, so oder so, oder sonstwie, nichts Lebenswertes dabei heraus.

        „Ich gehe sogar noch weiter: Die Quantenmechanik ist ähnlich wie die Kausalität bloß eine Erfindung unseres menschlichen Geistes.“

        EINE von vielen, die mehr und mehr das Bild der Realität prägen und so verunmöglichen, was von Natur aus möglich wäre. Daher immer mehr vorhersehbar, aus unserer Sicht. Doch Leben ist mehr, als die Masse unter Leben zu verstehen meint. Was reichlich Spielraum für Unvorhersehbarkeiten lässt. Was zu EINEM weiteren Teufelskreis verkäme, machen wir EINEN weiter, wie bisher. Der Lösungsweg ist kein einfacher, obwohl er ganz einfach ist 😉

  2. E. Duberr
    August 8, 2016 um 9:42 am

    Alle Erkenntnisversuche sind sinnlos . Der Mensch sollte nur abwarten . Ansonsten ist alles nur sinnentleertes Gelaber , BLA BLA BLA .

    • August 8, 2016 um 10:46 am

      Abwarten bedeutet demnach, dass sich der Mensch zu 100 Prozent selbst abschaffen wird. Da es aber andere Möglichkeiten gibt, nutze ich lieber, was mir möglich ist, um es nicht derart vorhersehbar geschehen zu lassen. Ich für meinen Teil habe keine Lust zum Spielball entfremdeter, gefühlloser Ideologien zu werden. Humanität hat weit mehr zu geben, als diese Ideologien. Wir haben ja gerade erst damit begonnen dieses Humane in der Gemeinschaft des Lebens auszuleben, sprich, wir haben erst EINEN kleinen Schritt getan. Alles redet vom Fortschritt, doch was uns wirklich menschlich macht, hat weit mehr zu bieten, als jedwedes noch so smarte Gerät.

  3. August 8, 2016 um 12:35 pm

    Ein anschauliches Beispiel für BIG DATA, aka BIG MONEY, ist ‚Socrates‘ … https://www.armstrongeconomics.com/armstrongeconomics101/basic-concepts/have-i-ever-been-wrong/ … EIN einmaliges Computersystem, welches möglichst viele Daten der Vergangenheit nutzt, um vorauszusagen, wie sich Märkte und soziokulturelles Geschehen entwickeln werden. Dafür ist reichlich Energie vonnöten. Die Vorhersagen des Systems sind bemerkenswert und lassen allerhand gedankliche Spielereien zu. Je mehr Menschen sich auf dieses System beziehen bzw. es nutzen, desto mehr entwickelt sich die kommende Realität entsprechend der Vorhersagen. Die Stärke des Systems ist die Einbeziehung von Kontext und damit von möglichst vielen Möglichkeiten, die zu vergangenen Tatsächlichkeiten führten, doch auch diese Möglichkeiten sind nur ein Bruchteil aller Möglichkeiten, die Tatsächlichkeiten letztlich auch formten, sprich, realisierten. Das Computersystem lässt sich als Synonym unseres Umgangs mit der Vergangenheit ansehen, hinsichtlich der Datensammelwut, mit der wir Herr über sie werden wollen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Auch diese Sammelwut benötigt den Raub von Energie, um fortschreiten zu können, und zerstört dabei das akausale Gewebe des Netzes, mit dem wir mehr und mehr im Trüben fischen.

    • August 8, 2016 um 2:37 pm

      Wie der Mensch zu Beginn der Industriellen Revolution Maschinen gebaut hat, mit denen er durch Umwandlung fossiler Brennstoffe beliebig Energie erzeugen kann, ist es nur konsequent, wenn er nun ein Computersystem baut, das durch die Umwandlung von Wirklichkeit in Daten unter Einbeziehung von Kontext wie ein menschliches Gehirn beliebig Vorhersagen produziert. Wenn schon die menschliche Geistestätigkeit die Realität umgestaltet, bspw. im Sinne selbsterfüllender Prophezeiungen, hat ein solches Computersystem, das sich menschlicher Gehirne wie Zellen bedient, natürlich ungleich mehr Durchschlagskraft und Potenzial zur Umgestaltung.

      • August 8, 2016 um 2:47 pm

        Du schreibt von Wirklichkeit und der Realität. Meinst Du ein und dasselbe mit beiden Begriffen?

        • August 8, 2016 um 6:03 pm

          „Wirklichkeit“ verwende ich meistens, um reine sinnliche Erfahrungen auszudrücken, also solche, die ohne zugrundeliegendes sprachliches Raster gemacht werden. Außen- und innenweltliches Erleben entsprechen sich direkt, d.h. es gibt keinen Unterschied zwischen Gefühl und Wahrnehmung.
          Es ist ein Moment von Einklang, von Selbstvergessenheit. In dieser Erfahrung gibt es weder Kausalität noch Finalität. Weder Gedanken noch Emotionen.

          „Realität“ verwende ich, wenn sinnliche Erfahrungen gleichzeitig zusammen mit den entsprechenden Begriffen gemacht werden, also wenn mir beim Anblick einer Wiese bewusst ist, dass ich eine Wiese vor mir habe. Ich erfahre mich dann als Beobachter der Wiese. Zwischen mir und der Wiese steht ein sprachliches Konstrukt, nämlich der Begriff „Wiese“. Es ist kein direkter Einklang zwischen Außen- und Innenwelt.

          Wirklichkeit ist für mich jedoch ebenso materiell wie Realität, oder genau genommen, sogar noch materieller als Realität, weil ich mich selbst als in den Kontext eingebettet erfahre. Wirklichkeit ist für mich nicht etwas Immaterielles wie Potenzialität oder so was, sondern gerade das Gegenteil davon.

          Es ist eben gerade nicht so, dass die Welt sich im Moment reiner Erfahrung auflöst, wie das von Gurus gerne kolportiert und als Erleuchtung verkauft wird. Wirklichkeit ist gerade das Gegenteil, nämlich dichteste Verwobenheit, größtmöglicher Kontext.

  4. Gerd Zimmermann
    August 8, 2016 um 3:06 pm

    Der Babelfisch ist raus.
    Und danke dür den Fisch.

  5. August 9, 2016 um 7:15 pm

    Wohl wahr, dass die Vergangenheit ein Konstrukt aus der Gegenwart heraus ist. Es geht dabei stets um die Inszenierung eines aktuellen Menschenbildes und ob dieses Menschenbild samt der dazugehörenden Vergangenheit im kollektiven Bewusstsein Anklang findet oder nicht, kommt wiederum auf den jeweiligen Zeitgeist an. Ich denke, man kann schon sagen, dass der jeweilige Zeitgeist die Vergangenheit jeweils neu inszeniert, wenn nicht gar erfindet.

    Was Anthropologie angeht, ist das ein Fach, an dem man schön studieren kann, wie der Zeitgeist die Wissenschaft beeinflusst. In den 70er und 80er Jahren gab es bspw. sehr viele Untersuchungen den Kannibalismus der Frühmenschen betreffend. In Wissenschaftskreisen war man sich weitgehend einig, dass unsere Vorfahren Kannibalen waren. Es gab eine Menge Beweise wie Löcher in Schädeldecken, abgeschabte Knochen oder aufgebrochene Oberschenkelknochen, in denen das Mark fehlte. Nach der Jahrtausendwende ist der Zeitgeist ein anderer geworden, heute inszeniert sich der Mensch lieber als mitfühlendes Gemeinschaftswesen, und da passt es nicht so gut, dass er seine lieben Mitmenschen früher vielleicht mal verspeist hat. Nicht alle, aber doch recht viele Wissenschaftler distanzieren sich deshalb heute von der Kannibalismus-Erzählung und erklären Löcher und zertrümmerte Knochen nun mit Sedimentdruck oder wilden Tieren.

    Was alte Texte angeht, sind diese in den seltensten Fällen objektive Zeugnisse. Wenn die amerikanische Regierung in ihrem Bericht zu 9/11 das dritte eingestürzte Gebäude einfach verschwinden lässt, so findet sie sich damit in guter Tradition. Geschichte wurde schon immer von den Siegern geschrieben und munter gefälscht. Dasselbe gilt für Religionstexte. Das Alte Testament ist bspw. eine Propagandaschrift zur Etablierung von König Josias, der als Messias aufgebaut werden sollte. Aus diesem Grund haben die Schreiberlinge eine auf das Kommen von Josias orientierte Vergangenheit inszeniert und dabei auch ein paar Fehler gemacht, bspw. siedeln sie Kamele als Lasttiere in einer Zeit an, in der das Kamel offenbar noch gar nicht gezähmt war. Man denke: schon in der Vergangenheit wurde die Vergangenheit gefälscht.

    Was die Vergangenheit des Universums angeht, ist die Geschichte sogar noch fragwürdiger. In der Menschheitsgeschichte gibt es immerhin Artefakte wie Knochen, Höhlenmalereien, versunkene Tempel, Steinkreise oder Pyramiden, die man angucken kann, aber in der Physik beruft man sich bei der Rekonstruktion der Vergangenheit auf angebliche Fakten wie Rotverschiebung, Quanten, Photoeffekt, Lichtgeschwindigkeit, zu deren Feststellung es komplizierte Geräte braucht, zu denen nicht jeder ohne Weiteres Zugang hat. Man kann sich schon mal die Frage stellen, ob die Geräte nicht so gebaut wurden, dass man damit genau das sieht, was man aktuell eben gern sehen möchte. Und wer hat je bewiesen, dass die Naturgesetze tatsächlich im gesamten Universum überall gleich gelten? Niemand. Es ist eine Glaubensannahme, die eben gerade in das Bild passt, das man sich vom Mensch und seiner Stellung im Universum machen möchte. Das Bild sieht so aus, dass des Menschen Geist das gesamte Universum durchdringen und verstehen kann. Was aber, wenn des Menschen Geist sich auf die Fähigkeit beschränkt, mit Hilfe des Feuers zu überleben und natürliche Prozesse in technische zu verwandeln? Was, wenn er sich sein angeblich kosmisches Bewusstsein bloß einbildet?

    Man kann es auch so sehen: Um in der Welt überhaupt Kausalgesetze feststellen zu können, musste die Physik von der direkt erfahrbaren Realität auf nicht mehr direkt erfahrbare Realität ausweichen. Je näher die Physik dem Urknall kommt, desto abstrakter, theoretischer und unüberprüfbarer wird sie. Den Urknall kann man nämlich nicht experimentell überprüfen und was kurz danach geschah, auch nicht. Also nix mit Artefakt oder Schädelknochen. Was nach dem Urknall geschah, lässt sich nur mathematisch berechnen, und der Urknall ist eigentlich nichts anderes als der Punkt, an dem auch noch die Mathematik versagt.

    Es gab also angeblich mal einen Knall (oder eine Singularität), aus dem heraus Zeit, Raum und Materie entstanden sind und seither dehnt sich das Universum aus wie ein Luftballon.
    Was für eine Geschichte soll das eigentlich sein? Warum ist ein Großteil der Menschheit von einer derart öden und sinnentleerten Geschichte fasziniert? Was ist mit uns Menschen passiert, dass wir so einen Quark für bare Münze nehmen? Das sind die Fragen, die wir uns eigentlich stellen sollten.

    • Fluß
      August 9, 2016 um 7:46 pm

      Wow, nich gelesen, aber da is Gefühl drin.

  6. August 12, 2016 um 2:32 pm

    Fingerphilosoph hat auf seiner Seite einen hervorragenden Artikel veröffentlich, der reichlich Stoff für Diskussion zur Verfügung stellt, denn manches Wort ist, notwendigerweise, drastisch gewählt. Im zweiten Teil des Zukunftsvierteilers werde ich auf diesen Text zurückkommen.

    Sehr empfehlenswert und Augen-weit-öffnend:

    https://fingerphilosoph.net/2016/08/11/die-angebliche-liebe-zur-natur/

  7. Gerd Zimmermann
    August 12, 2016 um 6:20 pm

    Ja, sehr lesens und nachdenkenwert.

    Bäume im Lebensumfeld von Menschen, machen den Menschen um etwa 7 Jahre jünger, gesundheitlich.

  8. Gerd Zimmermann
    August 12, 2016 um 6:45 pm

    Im Wald gibt es keinen Krieg, nur Frieden.
    So interpretiere ich Tolstoi.

    Die Natur lebt, wir Menschen kämpfen um das Überleben.

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