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„Im Zeitalter der Kooperation wird das Leben zum permanenten Eiertanz“

Im Zeitalter der Kooperation ist der Stress gegenüber dem Zeitalter der Konkurrenz noch mal größer geworden.

Wie versprochen, hier also mal ein paar “gegenläufige Gedanken” zum Thema Kooperation (siehe: Konfliktbewältigung im Umfeld von Kooperation oder Konkurrenz …)

Es ist ein paar Monate her, da zeigte mir ein Siebenjähriger voller Stolz sein erstes Zeugnis. Es war ein Text, der über sage und schreibe zweieinhalb Seiten ging: eine akribische Beurteilung vor allem des Sozialverhaltens des Kindes: arbeitet mit anderen zusammen, benimmt sich freundlich, macht im Unterricht mit, verhält sich in der Gruppe entgegenkommend, geht aktiv auf andere zu, übernimmt Verantwortung, reagiert bei Konflikten so und im Umgang mit Schwächeren so und so weiter und so fort. Lose dazwischen eingebettet ein paar Informationen über die Leistungen im Rechnen, Schreiben, Lesen.
Ich dachte an mein erstes Zeugnis: da gab es Noten in sechs Fächern (Mitarbeit, Betragen, Lesen, Rechnen, Schrift und Rechtschreibung). Für zusätzliche Bemerkungen waren damals zwei Zeilen vorgesehen.

Heute leben wir im Zeitalter der Kooperation. Das heißt, für erbrachte Leistungen werden keine Noten mehr verteilt, die die Kinder miteinander vergleichen können, stattdessen wird der Charakter des Kindes zerlegt und selbst zur Leistung gemacht. Freundlichsein, Lächeln, Mitmachen, Teilen, Rücksicht nehmen, Zuhören, Akzeptieren, Sich-freuen-können, Friedfertigkeit usw. sind im Zeitalter der Kooperation die neuen Leistungen, die erbracht werden müssen, wenn man ein guter Schüler sein und es später im Beruf zu etwas bringen will.

Der folgenschwere Irrtum besteht also darin zu glauben, dass es keine Konkurrenz mehr gibt, wo man sich Kooperation auf die Fahne schreibt. Natürlich gibt es nach wie vor Konkurrenz, denn wer nicht die geforderten Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen an den Tag legt, tut sich schwer damit, heute einen Job oder Anerkennung zu finden. In meiner Generation genügte es, etwas von seinem Fach zu verstehen. Man trat über sein Fachwissen mit anderen in Konkurrenz. Im Zeitalter der Kooperation tritt man zwar weniger über sein Fachwissen mit anderen in Konkurrenz, dafür aber vielmehr mit seinem ganzen Wesen, seinem ganzen Verhalten, das nun zur beruflichen Qualifikation erhoben und bewertet wird. Darüber hinaus wird ein Mitarbeiter nicht mehr wie früher nur von seinem Chef bewertet, sondern vom ganzen Team, von seinen Kunden, irgendwelchen Supervisoren und Auditoren und der Zahl der Likes. Im Zeitalter der Kooperation ist der Stress gegenüber dem Zeitalter der Konkurrenz noch mal größer geworden. Deshalb wundert es mich nicht, dass im Zeitalter der Kooperation die Zahl der psychischen Erkrankungen und der Burn-Outs massiv zugenommen hat. Das beginnt schon im Grundschulalter und setzt sich im Beruf fort. “The Cercle” lässt grüßen.

In meinem Zeugnis wurden meine Fähigkeiten im Rechnen, Lesen, Schreiben benotet, und natürlich haben wir Kinder damals unsere Noten miteinander verglichen. Was die Noten in den Schulfächern anging, waren wir durchaus Konkurrenten. Trotzdem waren wir keine Feinde, sondern dick miteinander befreundet. Heute wird jedem, der mit einem anderen über seine Fähigkeiten in Konkurrenz tritt, sofort eine feindselige Grundhaltung unterstellt. Dass Konkurrenzverhalten gar nichts mit Freundschaft oder Feindschaft zu tun haben muss, ist völlig in Vergessenheit geraten. Hier wird nur noch schwarz-weiß gedacht.

Heisenberg, Pauli, Schrödinger, Einstein waren, was ihre bahnbrechenden physikalischen Arbeiten anging, erbitterte Konkurrenten, trotzdem haben sie sich wechselseitig hoch geschätzt. Respekt und Hochachtung, die aus dem Ringen und Wetteifern entstehen, sind als Werte heute nicht mehr gefragt. Es gibt auch keine einsamen Genies mehr, die im stillen Kämmerlein ihre bahnbrechenden Arbeiten zu Papier bringen, sondern nur noch die Teamarbeit am Teilchenbeschleuniger. Entsprechend tritt die Physik seit nunmehr dreißig Jahren auf der Stelle. Mit Anbruch des Zeitalters der Kooperation ist das Zeitalter der großen Entdeckungen und Erfindungen offensichtlich zu Ende gegangen.

Da im Zeitalter der Kooperation die Menschen in ihrem Sozialverhalten zu Konkurrenten werden und nicht mehr durch ihre Leistungen und Fähigkeiten, sinken die Leistungen insgesamt ab. Sich durch Leistungen auszuzeichnen, ist kein Ansporn mehr, ergo verwenden die Menschen weniger Zeit darauf, ihre Fähigkeiten auszubilden und wirklich zu Könnern auf ihrem Gebiet zu werden. Stattdessen verbringen die Menschen heute wahnsinnig viel Zeit mit oft sinnlosen Diskussionen. Wie das real abläuft, hat man bspw. an der Piraten-Partei gesehen. Das waren junge Leute, die im kooperativen Geist aufgewachsen sind. Sie hätten frischen Wind in die Politik bringen können, stattdessen haben sie sich in endlosen Diskussionen zerfasert und nichts auf die Reihe gekriegt. Und wenn’s drauf ankam, mal Rückgrat zu zeigen und in die Tat umzusetzen, wovon sie ständig palaverten, wie bei der Geschichte mit den urheberrechtlich dann doch geschützten Buchveröffentlichungen von Julia Schramm und Marina Weisband, haben die ach so kooperativen Piraten kläglich versagt.

Im Zeitalter der Kooperation darf es keine Verlierer mehr geben, sondern alle wollen Gewinner sein. Ich frage mich, was daran so schlimm ist, wenn man mal verliert. Dann steht man wieder auf und fängt von vorne an. In meiner Generation, wo es noch Gewinner und Verlierer gab, hatte eine Niederlage nicht dieselbe Bedeutung wie heute, wo sie gar nicht mehr sein darf. Wenn Niederlagen krampfhaft vermieden werden müssen, bekommen sie eine überdimensionale Bedeutung. War eine Niederlage zu meiner Zeit einem Schnupfen vergleichbar, den man wegsteckte, wird heute eine Niederlage viel gravierender bewertet, in etwa wie eine Infektion mit dem Ebola-Virus oder so was. Die Menschen sind schneller beleidigt und fühlen sich schneller angegriffen. Schon wenn man heute jemand bloß seinen Beifall versagt, wird das von vielen bereits als persönliche Kränkung aufgefasst. Mit zunehmender Sensibilität hat das allerdings nichts zu tun, eher mit zunehmender Wehleidigkeit, Überempfindlichkeit und Überspanntheit.

Was ist schlimm daran, wenn einer etwas besser kann als ein anderer und damit in Konkurrenz zu anderen tritt? Es ist nun mal so, dass ich einen talentierten Sänger lieber höre als einen Almdudler, der mir einen Schauer über den Rücken jagt. Warum soll ich das nicht sagen? Bloß weil der Almdudler dann beleidigt ist? Natürlich lese ich ein spannendes Buch lieber als ein langweiliges. Warum soll ich das spannende Buch nicht weiterempfehlen und vom langweiligen abraten? Bloß weil ich mich dem Autor des langweiligen Buches gegenüber dann nicht kooperativ verhalte? Kooperation versucht, die Unterschiede zu verwischen und alle Leistungen zu nivellieren, wohingegen Konkurrenz die Unterschiede deutlich herausstellt. Ich orientiere mich an Unterschieden und weiß gern, woran ich bin.

Im Zeitalter der Kooperation werden Kompromissbereitschaft, Toleranz, Friedfertigkeit, Rüchsichtnahme und dgl. auf einmal zu absoluten Werten. Es sind jedoch keine absoluten, das heißt, sich selbst begründenden Werte, sondern sie sind abhängig von anderen Werten. Kompromissbereitschaft, Toleranz, Friedfertigkeit sind nicht in jedem Fall gut. Das anzunehmen, ist ein Irrtum. Denn häufig bleibt dafür die Wahrheit auf der Strecke. Wer auf die Wahrheit pocht, stiftet Unfrieden, heißt es dann. Die Wahrheit ist jedoch die Grundbedingung für Freiheit. Wo man nicht mehr sagen kann, was man wirklich denkt, sondern, um den Anderen nicht zu verletzen, lügen, beschönigen oder wenigstens schweigen muss, ist Freiheit nicht realisierbar. Stattdessen verwickelt man sich in einem Netz von Abhängigkeiten, wie die Fliege im Netz der Spinne.

Wenn Kooperationsbereitschaft zur Pflicht wird, wird der Vorwurf mangelnder Kooperationsbereitschaft zur Waffe, die man beliebig gegen jeden ausspielen kann, denn letztendlich ist Kooperationsbereitschaft eine völlig subjektive Kategorie, unter der sich jeder was anderes vorstellen kann. Wenn ich ein Haus baue, das nicht zusammenkracht und seine Zweck erfüllt, muss jeder, selbst wenn er mein Haus kritisiert, doch zugeben, dass es seinen Zweck erfüllt. Die Kritik kann also gar nicht so vernichtend ausfallen. Wo mein Charakter, mein Verhalten, mein ganzes Wesen zur Disposition steht, bin ich jedweder Kritik ausgeliefert, ob sie nun gerechtfertigt ist oder nicht. Ich werde von der Willkür und vom Wohlwollen anderer abhängig. Wahrscheinlich spielt deshalb Mobbing heute eine ganz andere Rolle als früher.

Statt mich auf mich und meine Arbeit zu konzentrieren, muss ich heute ständig die Reaktionen der anderen checken und meine Likes zählen. Im Zeitalter der Kooperation wird das Leben so zum permanenten Eiertanz.

Euer Fingerphilosoph

  1. Gerd Zimmermann
    April 29, 2016 um 6:22 pm

    @ Muktan

    Nicht Boese werden

    füttern den Kleinen

    • Der kleine Hunger
      April 29, 2016 um 6:33 pm

      Muktananda hat das sicher so gemeint.

      Idiot
      Das Wort leitet sich vom griechischen ἰδιώτης (idiotes) her das wertfrei bis heute in etwa „Privatperson“ bedeutet. Es bezeichnete in der Polis Personen, die sich aus öffentlichen-politischen Angelegenheiten heraushielten und keine Ämter wahrnahmen, auch wenn ihnen das möglich war.

      Ach Gerd,

      Beiß nicht in die Hand, die dich füttert.

  2. Gerd Zimmermann
    April 29, 2016 um 6:42 pm

    @ Kleiner Hunger

    Einmal bist Du richtig klug.Ein andermal ein richtiger Stinker.
    Ich weiss um Kohlenstoff.

    Ich weiss um Edelgase und das Nichtsein von Edelgasen.

    Wofür machst Du so einen Wind?

    Bist Du nur ein Wadenbeisser oder hast Du echt etwas zu sagen,
    was ich denke.

    Wenn Du etwas zu sagen hast,
    dann kotz es doch hier aus.

    Bitte.

    Gruss Gerd

    • Der kleine Hunger
      April 29, 2016 um 6:56 pm

      Gerd,

      das klingt nach Blähungen, nicht mein Problem.

  3. Gerd Zimmermann
    April 29, 2016 um 7:05 pm

    @ kleiner Hunger

    Du wärst nicht hier, wenn Du nicht hier wärst.

    Du kannst ueberall sein, auf Matrixwissen oder hast du nicht gesehen.

    Das MMM ,nein das www ist gross.

    Nein, Du bist hier, im Blog.

    So ein Zufall, oder auch nicht.

    Deine Ideen oder Gedanken sind gefragt, aber bitte nicht unter der
    Gürtellinie.Das obliegt dem zukünftigen Praesisten der USA, oder auch nicht.

    Hier passt dein: lach

    • Der kleine Hunger
      April 29, 2016 um 7:24 pm

      Gerd,

      mal wie folgt:

      Deine Annahme „ich hätte was zu sagen“ impliziert, das ich nicht´s gesagt hätte oder anders ausgedrückt, nicht´s was Du hören willst. Was ist das……

      Was gefragt ist und was nicht, entscheidest weder Du noch irgendjemand Anderes, wie was gesagt wird ebensowenig. Wenn ich hier was schreibe, schreibe ich was ich schreibe und das meine ich auch so. Deine Erwartungshaltung kannst Du Dir sonst wohin stecken. Klartext. Wenn Du nicht verstehst, was ich schreibe, dann hast Du die Möglichkeit, nachzufragen. Machst Du davon keinen Gebrauch, ist das völlig ok, nur wirst Du mir nicht vorschreiben, was ich schreibe. Nochmal was ich schreibe ist das was ich zu sagen habe. Ohne wenn und aber.

      Wer sich PERSÖNLICH „unter der Gürtellinie“ erwischt, sollte mal ganz schnell seine Hand aus meiner Hose nehmen. Verstehen, komm mir nicht mit Deiner möchtegernen erzieherischen Art und Weise oder sonst was. Das Du deine Vaterrolle nicht ausspielen kannst, liegt lediglich daran, das Du keinen Plan hast, was Vater überhaupt ist. Das ist insoweit kein Problem, nur mach mir keinen Vorwurf, das ich es ablehne irgendein Ersatz für Dich darzustellen, andem Du Deine Rolle ausübst. ICh benötige weder einen Vaterersatz, noch autoritären Kindergarten, noch Erziehung, noch irgendwelche Klugscheisser die nichteinmal aus den Windeln raus sind. Das sollte doch deutlich rübergekommen sein.
      Aus solchen Ansätzen werde ich weder speisen, noch aus ihm trinken. Lediglich und das abschliessend, kann ich darauf hinweisen und nichts anderes tu ich.

      Ich bin kein Kritiker, ich verweise lediglich auf das was ich kommentiere.

  4. Gerd Zimmermann
    April 29, 2016 um 9:06 pm

    @ Kleiner Hunger

    Geht doch
    Ich meine das reden,
    miteinander
    Taschenbillard hin oder her
    verschieben von Theorien von links nach rechts.

    Was mich wesentlich mehr bewegt,
    ich habe Dich wahrgenommen.

    Du bist nicht immer sehr höflich.
    Ich als Zimmermann nicht immer beliebt.
    Axtaspaehne sind keine Feinfeilenspaene.

    Reden wir.
    Nicht um des Redens Willens.

    Und nicht um der Sinnfindungswillen.

    Ich denke Du hast viele gute Ideen.
    Oft unverstandenden von der grossen grauen Masse.

    Das ist mir bewusst.

    Ich, oder meine Meinung, ist meine Idee.
    Diese Idee bringe ich in diesen Blog ein.
    Ich bin nicht der Blog.
    Aber der Blog wäre nichts ohne unsere Ideen.

    Knapp 2 Mio ,ich weiss nicht wie das heißt, also Aufrufe
    also Leute, die gucken was geht,

    hat ja nicht mal Einstein.

    Kleiner Hunger, und ich denke nicht nur in meinen Namen zu sprechen,
    reden wir.
    Je komplexer, je einfacher könnte die Lösung sein.

    Ich lade dich herzlich ein, als Mitglied unserer Runde,
    in der der Ton in letzter Zeit etwas Rauher wurde,

    ich weiss nicht warum,
    jeder hat eine Nase…..

    mitzuwirken.

    LG Gerd

    • Der kleine Hunger
      April 29, 2016 um 9:25 pm

      Gerd,

      immer noch nicht verstanden, es steht doch da.

      „Deine Annahme “ich hätte was zu sagen” impliziert, das ich nicht´s gesagt hätte oder anders ausgedrückt, nicht´s was Du hören willst. Was ist das……“

      Frage: Was verstehst Du daran nicht?
      Antwort: Einfach den Text nochmal lesen.

      Von welchen Ideen Du sprichst keine Ahnung.

      zum Teil unter Einfluss von französisch idée < lateinisch idea < griechisch idéa, ursprünglich = Erscheinung, Gestalt, Form; bei Platon = Urbild, zu: ideĩn = sehen, erkennen

      Dazu brauchen Sie mich doch nicht.

      Keine Runde.

      Und Mitglied Ihrer Runde, ist an sich schon eine Beleidigung.

      Und Bartonitz sieht mit Sicherheit den Blog nicht als geschlossene Plattform, dann würde er diese schliessen.

  5. Gerd Zimmermann
    April 29, 2016 um 9:32 pm

    @ kleiner Hunger

    Spielverderber.
    Wofür ?

    Dazu brauchen sie mich nicht.
    Woher willst Du das wissen???

  6. Gerd Zimmermann
    April 29, 2016 um 9:37 pm

    @Kleiner Hunger

    Ich habe dich lieb.

    Egal wie das jetzt gemeint ist, ich habe dich lieb.

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