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Es geht auch ganz ohne Geld, wie uns Heidemarie Schwermer in ihrem langjährigen Projekt nachweist

Heidemarie Schwermer

Im Gedenken an ihren Tod vorgestern möchte ich meinen Artikel über Heidemarie Schwermer (Wikipedia) nochmals nach vorne holen!

Auf meiner Suche nach einer besseren Welt und einem anderen Geldsystem, das nicht zur Teilung der Gesellschaft in Reiche und Arme führt, bin ich auf das Praxisexeperiment von Heidemarie Schwermer gestoßen. Sie lebt seit 1996 ganz ohne Geld. Sie kommt allein durch den Tausch ihrer Leistung durchs Leben.

Sie lebt dabei viel freier, intensiver und mit viel mehr Kontakt zu den Menschen, mit denen Sie zu tun hat. Aber lest selbst, wie das funktionieren kann und wie sie dabei Unterstützer gefunden hat:

Mein Leben ohne Geld

Warum ich so lebe

Oft werde ich gefragt, ob es in meinem Leben ein Trauma gegeben hätte, weil ich diese extreme Lebensform gewählt habe und nun schon seit sieben Jahren ohne Geld lebe . Dann antworte ich, dass mein Trauma die Weltsituation sei: Täglich verhungern 100 000 Menschen, und auf der anderen Seite gibt es eine riesige Verschwendung. Lebensmittel werden ins Meer gekippt, um Preise stabil zu halten, Milliardäre bauen sich swimmingpools in ihr Privatflugzeug, weil sie gar nicht mehr wissen, wohin mit dem ganzen Geld. Für mich ist diese Situation derart absurd, dass ich bei diesem Prozess nicht mehr mitwirken möchte und darum nach neuen Strukturen suche.

Forsche ich allerdings in meinem eigenen Leben , entdecke ich, dass es doch so etwas wie ein Trauma gegeben hat. Als zweijähriges Kind musste ich mit meiner Familie zu Kriegsende meine Heimat verlassen und wurde in der neuen Heimat plötzlich als Lumpenpack bezeichnet. Ich habe niemals verstanden, warum Besitz und Geld derart hoch gewertet wird, und so gibt es einen roten Faden in meinem Leben. Ich möchte ein Gleichgewicht herstellen zwischen Menschen, die wenig besitzen und denen die im Materiellem schwimmen, ich möchte neue Werte schaffen und die Würde des Menschen nicht vom Geld abhängig sein lassen.

Mit meinem Leben ohne Geld gebe ich Denkanstösse. Für viele Menschen bin ich eine Provokateurin, aber anderen diene ich als Mutmacherin. In unserer heutigen Gesellschaft ist es so, dass die Armutsgrenze immer weiter sinkt und viele Menschen am Existenzminimum leben. Durch mein neues Modell fühlen sie sich gestärkt und können ein Stück von ihrer Angst ablegen, dass sie irgendwann in der Gosse landen. An dieser Stelle ist es mir wichtig , zu sagen, dass ich keine Missionarin bin, die alle Menschen zur Geldaufgabe bekehren möchte. Vielmehr geht es mir darum, meinen ZuhörerInnen und LeserInnen Mut zu machen, den eigenen Weg zu entdecken und ihn dann Schritt für Schritt zu gehen. Dass aus meinem Experiment eine neue Lebensform geworden ist, die schon so lange dauert, hätte ich nicht für möglich gehalten. Zu Beginn meines Experimentes war mir nicht klar , dass der Einfluss des Geldes in so viele Bereiche dringt. Die Aufgabe des Geldes hat mich in eine neue Lebensqualität gebracht, die mit innerem Reichtum statt äusserem, mit Freiheit statt Abhängigkeit, mit Grosszügigkeit statt Horten, mit neuen Werten zu tun hat.

Wie ich ohne Geld lebe

Im Februar 94 gründete ich die Gib und Nimm Zentrale in Dortmund, einen Tauschring, in dem Dienstleistungen, Fähigkeiten, Sachgegenstände miteinander getauscht und geteilt werden, ohne dass Geld dabei eine Rolle spielt. Der Zulauf zu dem Verein, der dann von uns gegründet wurde, war gross, ebenso jedoch der sofortige Absprung bei Misserfolgen. Das und die Tatsache, dass ich durch meine Tauschereien in dem Verein weniger Geld zum Leben brauchte, stachelte mich an, das Experiment, ganz ohne Geld zu leben, zunächst in Gedanken zu entwickeln und schliesslich im Mai 96 in die Tat umzu setzen. Ich gab meine Wohnung, meine Versicherungen und meinen Besitz auf, hütete von nun an Häuser und Wohnungen von Gib und Nimm Teilnehmern, die auf Reisen gingen und leitete als erste Vorsitzende die Gib und Nimm Zentrale mit Leib und Seele. Das Geben und Nehmen in Fluss zu bringen, das Miteinander kreativ zu gestalten, Feindbilder abzubauen, Herzöffnungen zu erzielen, Menschen mit wenig Geld Mut zu machen, etwas Neues auszuprobieren, das alles sind Ziele von Gib und Nimm.

Mein eigenes Leben gestalte ich abenteuerlich und kreativ. Die Grundnahrungsmittel ertausche ich mir bei einem Bioladen,:Kartoffeln, Gemüse, Obst und Brot- die Waren sind nicht mehr ganz frisch und werden für uns zum Abholen bereitgestellt – gegen Fegen des Hofes, Beratung am Computer o.ä. Kleidung gab es zunächst beim `Tauschrausch` , einem monatlichen Flohmarkt ohne Geld. Inzwischen wird mir eine psychologische Beratung oder eine andere Hilfe schon mal mit einem Kleidungsstück beglichen. Ähnlich geht es mit anderen Dingen, die ich zum Leben brauche. Z.B. verfüge ich über Schlüssel für ein Büro, dem Wissenschaftsladen in Dortmund, in dem ich gern gesehener Gast bin. Für den Anschluss ans Internet, ans Telefon und an die Post erbringe ich Gegenleistungen in Form von Kochen, Fegen, Beraten, je nachdem…

Während der letzten Jahre hat sich immer wieder etwas in meinem Leben verändert. So habe ich den Verein inzwischen verlassen, tausche überall und mit jedem, der/die mir begegnet, allerdings nicht direkt abrechnend, wie es mit Geld geschehen würde sondern in lockerer Weise. Z.B. gab es einen Notfall in einer Druckerei: Papiere waren durcheinandergeraten. Ich sortierte hingebungsvoll die Papiere an einem Sonntag, damit die Sendung fristgerecht am nächsten Tag geliefert werden konnte. Dafür erhielt ich zwei Monate später einen schön gestalteteten Brief in mehrfacher Ausgabe von der Druckerei. Bei meinen Tauschaktionen handelt es sich weniger um Schwarzarbeit als um Freundschaftsdienste und Nachbarschaftshilfe. Trotzdem beschäftigt mich die Frage der Steuern sehr. Da ich mich nicht als Aussteigerin aus dem Staat verstehe sondern eher als Um- oder noch besser Einsteigerin in eine neue Struktur, denke ich über meine Möglichkeiten nach. Vor einigen Jahren schrieb ich dem Bürgermeister von Dortmund einen Brief, in dem ich ihm anbot, Steuern auf meine Art zu zahlen, nämlich indem ich SozialhilfeempfängerInnen berate, Projekte anbiete, Mut mache, Impulse gebe. In der kurzen Antwort bekam ich einen Hinweis auf das Ehrenamt, was ganz und gar nicht dem Prinzip von Gib und Nimm entspricht.

Bei meinen Vorträgen werde ich oft darauf hingewiesen, dass mein Austritt aus derKrankenversicherung eine Zumutung für den Bürger sei, der ja notfalls – z.B. bei einem Beinbruch – für mich einspringen müsse. Zwar kann ich die kritischen Äusserungen nachvollziehen, weil ich die Einführung der Krankenversicherung als durchaus sinnvoll empfinde, mein Experiment jedoch verlangte die Aufgabe jeglicher finanzieller Ausgaben. Inzwischen hat sich auch hier viel für mich geändert. Ich gehe mit meiner Gesundheit bewusster und eigenverantwortlicher um, bearbeite intensiv Ängste, die immer wieder mal auftreten und besinne mich auf die Selbstheilungskräfte, über die jeder Mensch verfügt. Es gibt ein paar Ärzte und Zahnärzte, die mich im Tausch behandeln würden, was ich bislang nicht in Anspruch nehmen musste.

Für viele Menschen ist mein jetziges Lebensmodell nicht zu verstehen und sie glauben, dass ich ein abhängiges, umständliches, kompliziertes Leben führe. Das Gegenteil ist der Fall! Damit Sie mich verstehehn, möchte ich Ihnen die Philosophie vorstellen, die hinter meinem Handeln steht:

weiter auf der Web-Site www.HeidemarieSchwermer.com

Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter: ,
  1. Gerd Zimmermann
    April 1, 2016 um 4:54 pm

    Lieber Martin,

    die Wissenschaft muss dringend noch herausfinden, was es mit der Laenge
    des Geburtskanals auf sich hat, können doch 0,5 cm immerhin 4 Stunden
    Verspätung bedeuten.

    Gott sei Dank bin nur ich Doof.

    Gruss Gerd

    • muktananda13
      April 1, 2016 um 7:36 pm

      Solche „Doofe“ braucht die Welt!

  2. Gerd Zimmermann
    April 1, 2016 um 4:18 pm

    Ein Spiegelbild im Spiegel zu suchen ,obwohl der Spiegel spiegelt, spiegelt doch der Spiegel das Spiegelbild des Spiegels.

    Ein Spiegelbild kann kein Original sein.
    Ebenso wenig kann ein Original sein Spiegelbild sein.

    Eine Metapher , in 27,4 Mrd Lichtjahren wird sie hier erklärt.

    Gruss Gerd

  3. Gerd Zimmermann
    April 1, 2016 um 4:07 pm

    Es ist sehr, sehr langweilig dem materialistischen Weltbild der
    Wissenschaft zu folgen, welche den Ursprung des Lebens in der
    Materie sucht, seit 13,7 Mrd Jahren.

    Leben ist Unendlichkeit, siehe Michael Ende.

    Der real existierende Sozialismus hat existiert, dein Kapitalismus
    dagegen ist ein Traum, rosarot dazu.

    Gruss Gerd

  4. Gerd Zimmermann
    April 1, 2016 um 2:59 pm

    Meine Meinung muss nicht deine Meinung sein.

    Was ist ein Weltbild und wie entsteht ES ?

    Meiner Meinung nach entsteht ein Weltbild mit der Geburt, wobei der Nabelschnitt ,
    also die Trennung, in Sekunden extrem wichtig ist.

    Bedeutet doch die Nabelschnur die Trennung von MutterNatur.

    Also schnell zum Impfen, gegen Normaldenk.
    Unser Kindlein hat ein eigenes Bettlein und ein eigenes Zimmer (Mädchen).

    Mit 2 1/2 Jahren bedient unser Kindlein ein I-Phon 7 besser als die Eltern.

    Das Kind muss ein Genie sein und vermarktet werden.
    Bringt die Kohle, welche ich nicht verdient habe.
    Ich werde mein Kind Manager und verdiene Geld.

    Weitere Impfungen folgen, gegen Holzwuermer, Strassenstaub und Sonnenlichtallergie.

    Vorschulalter, je grössere der Stein, desto auhhh.

    Schulalter, plappere nur das nach, was der Lehrer hören will.
    Rang und Name des Lehrers sind für deine Note unwesentlich.

    Studium, ein voller Bauch studiert nicht gern.

    Somit hast du dich in das Weltbild eingefügt.
    So sehen brave Bürger aus.
    Leben mit der Rotlichtverschiebung , ohne zu ahnen was Rotlicht ist.

    Rotlicht ist polar zum Blaulicht, nicht zum Polizei Blaulicht.

    So entstehen Weltbilder , durch den Glauben oder durch Wissen.

    Gruss Gerd

  5. tulacelinastonebridge
  6. April 1, 2016 um 10:37 am

    Krebs ist ein Arschloch ? Man muss ihn besiegen, um weitermachen zu können, wie bisher ? Nun, Krebs ist nicht das Thema des Artikels, aber der Artikel findet sich im Folgenden wieder:

    http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/krebs-und-keine-krankenversicherung-ex-pirat-claudius-holler-bittet-um-spende-aid-1.5870369

  7. Gerd Zimmermann
    März 31, 2016 um 2:35 pm

    Egal, ob Nobelpreisträger, Prof., Dr. oder Lehrer, fast alle verdienen sich ihr Geld
    nicht selbst.
    Sie haben vielleicht eine Familie, ein Haus und treiben Sport, essen vegan
    und atmen keimfreie Luft, man will schließlich die vom Volk bezahlte Pension
    möglichst lange geniessen.

    Meine Großeltern, Kriegsflüchtlinge aus Ostpreussen , sagen sehr trefflich,

    WESSEN BROT ICH ESSE, DESSEN LIED ICH SINGE.

    Rechnen hat die Wissenschaft nicht gelernt, dafür Geld verdienen.

    Diese armen „reichen“ Menschen, ich bringe ihnen Wasser und Brot
    wenn es kein Geld mehr gibt,
    stattdessen

    Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit.

    Unser aller gemeinsamer Heimweg,
    ob du willst oder nicht. 😩😣😮😊

    Gruss Gerd

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