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Krieg um jeden Preis

Da der „normale“ Bürger eher in Frieden leben möchte, müssen Jene, die vom Krieg profitieren, viel tun, um diesen Bürger dazu zu motivieren, ja zum Krieg zu sagen. Wie das in unserem Land organisiert wird, das hat vor 2 Jahren eine Studie zu Tage gefördert. Mündige Bürger sollten davon wissen, um diesen Machern nicht auf den Leim zu gehen, wie zuletzt beim GG- und Völkerrechtswidrigen Entscheid unserer gewählten Repräsentanten, dass nun die Bundeswehr auch im Syrien-Krieg mitmischen soll. Aber lest selbst:

Eine medienwissenschaftliche Studie zeigt, wie der deutsche „Qualitätsjournalismus“ friedenspolitisch auf der ganzen Linie versagt
(Quelle: Krieg um jeden Preis auf AG Friedensforschung – von Thomas Wagner)

Wie es klingt, wenn jemand auf Biegen und Brechen einen Krieg herbei schreiben will, konnten die Leser der Süddeutschen Zeitung am vergangenen Montag in einem Kommentar von Stefan Kornelius lesen. »Der Giftgaseinsatz in den Vororten von Damaskus«, hieß es in dem »Rote Linien« genannten Propagandastück des Ressortleiters Außenpolitik auf Seite vier der renommierten Münchner Tageszeitung, lasse »die fürchterlichen Greuel in Syrien in neuem Licht erscheinen. Die bisherige Logik – aushalten, raushalten – muß einer neuen Bewertung weichen.« Griffe Obama nicht ein, verlöre er zum einen seine Glaubwürdigkeit. Zum anderen wäre das Giftgas nur die erste Stufe einer brutalen Eskalation des syrischen Krieges mit Nachahmungspotenzial überall auf der Welt. »Der Weg vom Gas zur Atombombe ist kurz«, behauptet Kornelius.

Daß ein Gaseinsatz durch die syrische Armee denkbar unwahrscheinlich ist, jedenfalls von der Regierung Assad nicht gewollt gewesen sein kann, ficht den Sesselstrategen nicht an. Statt dessen fordert er ohne weitere Begründung die Umkehrung der Beweispflicht: Wenn Assad behaupte, seine Armee habe die Granaten nicht verschossen, sei er es, der den Beweis dafür erbringen müsse. Doch selbst wenn es dem syrischen Staatspräsidenten gelänge, diesen Nachweis zu erbringen, will Kornelius die mörderische Militärmaschinerie der USA in Gang gesetzt sehen. Wörtlich schrieb er zum Einsatz des Gases: »Ist nun entscheidend, wer es eingesetzt hat? Nicht wirklich.« Es mache »kaum einen Unterschied, wer die Granaten verschossen hat«. Der Einsatz müsse erfolgen, »ob gegen Oppositionsgruppen oder gegen das Assad-Lager«. Der Kommentar ist suggestiv, unlogisch, maßstabslos und in den Konsequenzen menschenverachtend. Leider sticht er aber nur durch seine Plumpheit aus der in den Redaktionsstuben sogenannter Qualitätszeitungen seit Jahren gepflegten Kriegsrhetorik hervor.

Bellizistisches Netzwerk

Obwohl sich die Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht für internationale Kriegseinsätze begeistert und sich verläßlich gegen die Beteiligung der Bundeswehr an solchen ausspricht, halten die Leitartikler und Kommentatoren der großen meinungsbildenden Medien seit Jahren dagegen. Was ist der Grund dafür? Schnell ist der Allgemeinplatz bei der Hand, wonach die herrschende Meinung stets die Meinung der Herrschenden sei. So richtig der Satz sein mag: Er ist zu allgemein. Wer begreifen will, auf welche Weise die Kriegsideologie in Presse, Funk und Fernsehen Eingang findet, ist gut damit beraten, sich die Arbeitsweise der betreffenden Journalisten genau anzusehen. Der Verfasser einer Studie, die am Institut für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung (IPJ) in Leipzig entstanden ist, hat dies getan. Besonders erfreulich ist dabei zweierlei: Erstens ist die unter dem Titel »Meinungsmacht. Der Einfluß von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse« als Buch veröffentlichte Doktorarbeit von Uwe Krüger trotz komplizierter methodischer Probleme anschaulich geschrieben. Zweitens erhöht sich der Nutzwert des Buchs dadurch, daß sein Autor den Lesern Namen und Adressen nennt.

Das wichtigste Ergebnis der Arbeit sei ganz zu Anfang mitgeteilt. Der im Lichte eines pluralistisch-demokratischen Medienverständnisses hochgradig erklärungsbedürftige Sachverhalt, daß gerade die einflußreichsten Printmedien eine bellizistische Schlagseite zeigen, wenn es um die Kriegseinsätze der Bundeswehr geht, hat mit einer besonderen Nähe der mit außen- und sicherheitspolitischen Fragen befaßten Redakteure zu Organisationen zu tun, die den USA, der NATO oder der Bundesregierung nahestehen.

Im Zuge einer sogenannten Netzwerk­analyse hat Krüger herausbekommen, daß es hierzulande 82 solcher Organisationen gibt, in denen Eliten aus Politik und Wirtschaft mit führenden deutschen Journalisten zusammentreffen. Insgesamt 64 Journalisten tummelten sich in den vergangenen Jahren dort, nicht zu Recherchezwecken, sondern entweder als Teilnehmer oder Mitglieder. …

Medienverflechtungen

… Mit seriöser Berichterstattung oder kritischer Reflexion hat das nichts zu tun, eher mit ideologisch gestriger Propaganda und Panikmache, wie Krüger meint:

Ein solcher Journalismus macht den Bürger nicht handlungsfähig,
sondern hält ihn in Unmündigkeit.

sagte er gegenüber dem Internetportal Telepolis (11.2.2013).

 

Die eigene Sicht

… Sicher ist, daß die demokratische Öffentlichkeit Schaden nimmt, wenn die Leitmedien der Republik sich darauf beschränken, in Sachen Krieg und Frieden ein Lautsprecher für die Ansichten der Herrschenden zu sein. …

Zum Ende seines Buchs fordert Krüger eine Debatte darüber, wie der Abstand zu den Mächtigen definiert und normiert werden soll. Journalisten und in besonderem Maße leitende Journalisten sollen darauf verzichten, in Beiräten, Kuratorien und erst recht in »vertraulichen Politikplanungskörperschaften« mitzuwirken, »wenn diese Tätigkeiten thematische oder personelle Berührungspunkte mit ihrem Berichterstattungsfeld haben«. Statt hochrangiger, aber aussageschwacher Interviewpartner solle sich der Journalismus darauf besinnen, einen eigenständigen und kritischen Diskurs zu bieten. Der wirkliche Qualitätsjournalismus solle darum bemüht sein »eine eigene Sicht auf die gesellschaftlichen Probleme« zu entwickeln. Krügers Buch ist eine faktenreiche Handreichung für alle friedenspolitisch Engagierten und diejenigen Journalisten, denen die demokratische Funktion ihres Berufs am Herzen liegt.

Original: von Thomas Wagner* AG Friedensforschung, Samstag, 31. August 2013 (Fundstelle)

* Thomas Wagner ist Literaturredakteur im Feuilleton der jW. Zuletzt erschien von ihm an dieser Stelle der Essay »Keine Entwarnung. Transatlantischer Freihandel: Warum der Kampf um die ›Kulturelle Ausnahme‹ weiter geführt werden muß« (jW, 29.6.2013).

***

DIE ANSTALT hat diese Verflechtung ebenfalls gut visualisiert, wie ich finde:

  1. Dezember 25, 2015 um 11:58 am

    Founded by former Johns Hopkins University President Steven Muller, the American Institute for Contemporary German Studies celebrates 30 years of shaping transatlantic solutions.

  2. Dezember 25, 2015 um 2:21 pm

  3. Martin Bartonitz
    Juli 22, 2016 um 7:19 pm

    Fluß hatte heute einen Kommentar am aktuellen Artikel hinterlassen, der besser hierher passt:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=28776&output=pdf

    “ 6. November 2015 um 16:52 Uhr | Verantwortlich: Albrecht Müller
    Lafontaine: Terrorismus – auch die Mütter in Bagdad, Damaskus und Kabul weinen um ihre Kinder
    Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Militäreinsätze/Kriege, Terrorismus

    Wir setzen hier bei dem G20-Gipfel ein entschlossenes Signal, dass wir stärker sind als jede Form von Terrorismus“, sagt Angela Merkel. Damit hat die deutsche Bundeskanzlerin wieder unter Beweis gestellt, dass sie eine Fehlbesetzung ist und die Probleme dieser Welt nicht versteht. Sie hätte sagen müssen: Wir sind Teil des Terrorismus, weil wir in den Vorderen Orient Waffen liefern und Öl- und Gaskriege führen. Erst wenn Obama, Merkel, Hollande und wie sie alle heißen begreifen, dass die Mütter in Afghanistan, im Irak, in Syrien, im Jemen und überall, wo die „westliche Wertegemeinschaft“ Kriege führt, genauso um ihre Kinder weinen, wie die Mütter in Paris, werden sie in der Lage sein, den Terrorismus zu bekämpfen.
    Von Oskar Lafontaine.

    Erstaunlich, dass eines der Leitorgane der deutschen Wirtschaft, das „Handelsblatt“, heute Morgen viel weiter ist, als die deutsche Bundeskanzlerin:

    Für das feindliche Klima zwischen den Kulturkreisen trägt der Westen eine Mitschuld. Von den 1,3 Millionen Menschenleben, die das Kriegsgeschehen von Afghanistan bis Syrien mittlerweile gekostet hat, bringt es allein … der Irak-Feldzug auf 800.000 Tote. Die Mehrzahl der Opfer waren friedliebende Muslime, keine Terroristen.

    Diejenigen, die Saddam 2003 beseitigt haben, tragen auch Verantwortung für die Situation 2015,

    sagt selbst Tony Blair, einst der willige Krieger an der Seite der USA.

    Der Handelsblatt-Herausgeber Garbor Steingart vergisst darauf hinzuweisen, dass die Kriegsverbrecher und Terroristen Bush und Blair immer noch nicht vor dem Internationalen Strafgerichtshof stehen. Das Antiterror-Dateigesetz verpflichtet, Terroristen in der Anti-Terror-Datei zu speichern. Dazu gehören nach Paragraf 2 Absatz 2 „Personen, die rechtswidrig Gewalt als Mittel zur Durchsetzung international ausgerichteter politischer oder religiöser Belange anwenden“. Darauf habe ich bereits vor Jahren im deutschen Bundestag hingewiesen. Warum befinden sich Bush und Blair in keiner Antiterror-Datenkartei? „

  4. Christian
    Januar 12, 2017 um 10:13 pm

    Auch auf DAS hätte man hier noch einmal ganz groß hinweisen sollen. Es steht zwar schon klein und unscheinbar auf dieser Seite unter „Mächtige Worte“, doch die Menschen kennen es nicht oder haben es vergessen. Diese „Lügenpresse“, Propaganda, diese Verflechtungen zwischen „Medien/ Journalisten und Politik gab es schon ca. 1200 v.C. bei den Phöneziern (reichen Griechen)… aus deren Oligachie später eine Demokratie entstand.
    Sanchuniathon, Phönizier ca, 1.200 vC: „Seit unserer frühesten Jugend sind wir daran gewöhnt, verfälschte Berichte zu hören, und unser Geist ist seit Jahrhunderten so sehr mit Vorurteilen durchtränkt, dass er die fantastischsten Lügen wie einen Schatz hütet, so dass schließlich die Wahrheit als unglaubwürdig und die Lüge als wahr erscheint.“
    Sieht so aus als wollen die Oligarchen wieder an die (Welt) Macht – hoffendlich schützt und verteidigt das Volk (Bundeswehr, Polizei usw… inbegriffen, schließlich sind deren Bediensteten Kinder aus unserem Volk) unsere Demokratie!!! Das kann jedoch nur dann gelingen, wenn es endlich aufwacht und fest zusammen hält!

  1. Januar 14, 2017 um 8:12 am

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