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Eine Erfolgsgeschichte: wie das Mängelsiegel „made in Germany“ zum Qualitätssiegel wurde

Foto: Wikipedia

Was kaum einer weiß: „made in Germany“ sollte in England die Konsumenten vor den Billigwaren aus Deutschland schützen.

Wie das?

Nun, da müssen wir die Zeit bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückspulen. Damals war England die Weltmacht, die 50% der Erde kontrollierte. Der Handel mit den kontrollierten Ländern machte das Land reich.

Zudem hatte England sich durch die Entwicklung erster wirkungsvoller Dampfmaschine durch den Schotten James Watt ab 1770 einen großen technologischen Vorsprung herausgearbeitet.

In Deutschland nahm die Industrialisierung erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts Fahrt auf. Damit nahm Deutschland für das britische Empire die Rolle ein, die heute China in den letzten Jahren für die westliche Welt spielte.

Die deutschen Nachahmerwaren waren billig, und eben von mangelnder Qualität. So sah sich die englische Regierung gefordert, ihre Konsumenten vor diesen Waren zu schützen und beschloss 1887 den Merchandise Marks Act 1887. Importwaren mussten ab jetzt entsprechend gekennzeichnet sein.

Klar, was passierte: Diesen Makel wollen Verlierer im Wettbewerb in der Regel nicht auf sich sitzen lassen. Und so wurde überall in Deutschland eine Qualitätsoffensive gestartet. Und es dauerte nicht lange, da waren die Waren genauso gut und dann besser, aber preislich immer noch billiger.

So war „made in Germany“ am Ende ein Gütesiegel:

Die steigende Qualität sorgte dafür, dass deutsche Produkte den Briten nicht nur die Märkte in Übersee streitig machten, sondern auch in den britischen Binnenmarkt eindrangen. Zwischen 1883 und 1893 stieg der Gesamtwert der von Deutschland nach England exportierten Waren um 30 Prozent. Weil das Geschäft mit den Briten so gut lief, eröffneten etliche deutsche Unternehmen Filialen in London, darunter beispielsweise der Klavierbauer Bechstein und der Nähmaschinenhersteller Pfaff.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich heute noch existierende Marken wie Aspirin, 4711, Odol, Faber-Castell, Märklin, Steiff, Ibach (Klaviere) Beck’s oder Lange (Uhren) als Qualitätsgaranten „made in Germany“ etabliert, denen britische Produkte längst nicht mehr das Wasser reichen konnten. Damit hatte Deutschland sein Schmuddelimage als Ideendieb und Kopierer endgültig abgelegt.
(Quelle)

Dieses Siegel durchlebte allerdings im 1. und 2. Weltkrieg  nochmals ein Tief. Es half den Bürgern die Waren des Kriegsgegners zu boykottieren. Aber seit dem zweiten Weltkrieg hatte sich dieses Gütesiegel weiter gefestigt.

Im Zuge der Globalisierung dann auch weltweit. Und am Ende war Deutschland Exportweltmeister.

Mittlerweile werden allerdings deutsche Produkte nicht mehr komplett in Deutschland gefertigt, in großen Teilen nur noch bis zu 30-40%. So kommt ein „made in Germany“ nicht mehr wahrheitsgetreu an. Also stiegen viele Firmen auf eine andere Labelung um, z.B. „designed by Germany“.

Bei meiner Recherche zu diesem Thema ist mir allerdings eine unangenehme Konsequenz aufgefallen. Eine, die zu einem Thema führt, das in Deutschland seit dem Ende des 1. Weltkrieges gezwungenermaßen ein Tabuthema ist:

Als die amerikanischen und britischen Großunternehmer nicht mehr übersehen konnten, dass sich Deutschland anschickte, ein gleichwertiges Technologieland zu werden, sahen sie ihre wirtschaftliche Vormachtstellung gefährdet.

Nun, was sich daraus entwickelte, ist dann definitiv eine andere Geschichte mit wenig gutem Geschmäckle 😦

  1. Fluß
    Oktober 14, 2016 um 4:14 pm

    Also was medizinische Hilfsmittel betrifft, so gibts da keinen ordentlichen Tüv. Und Ärzte setzen diese dann ein.
    Tomme Hanken hat kurz vor seinem Tod einen Herzschrittmacher bekommen. Was lief da schief?
    Künstliche Gelenke lösen sich auf…

    Der Mensch als Ersatz-Teil-Lager. Die HSM werden vor der Beerdigung rausgeholt.

    Die Autoindustrie boomt ja auch im Ausland, also Export aus D.

  2. Oktober 14, 2016 um 1:55 pm

    Hallo Martin,
    super interessanter Beitrag! „Made in Germany“ hat sich wirklich zu einem der wichtigsten deutschen Qualitätssiegel entwickelt. Wie viel Vertrauen die Deutschen in das Gütesiegel stecken sieht man auch an den Reaktionen auf den Abgasskandal bei VW. Trotz des Skandals zeigt eine aktuelle DGQ-Studie, dass das Vertrauen in „Made in Germany“ ungebrochen ist. Daran kann man gut erkennen, wie sehr sich das Qualitätssiegel etabliert hat.

    Viele Grüße wünscht kundentests.com

  3. Ernst Duberr
    Dezember 3, 2015 um 9:04 am

    Ja , was sich daraus entwickelt hat ? Ewiger Krieg gegen Deutschland , unabhängig von den Personen , die Deutschland führten . Ob Kaiser oder Gefreiter Adolf Hitler . Und wenn es Heinz Meier gewesen wäre , sie hätten Krieg gegen uns geführt . Und schon läuft der nächste Versuch . Die Frage ist , wie eine neue , ewige Schuld ( RELIGION) der Deutschen konstruiert werden kann .Diese schusselligen Deutschen werden selbst als eifrige Nestbeschmutzer auftreten . Helfer gibt es genug , auch auf diesen Blog . Steckt euch EURE SCHULD in den verlängerten Rücken .

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