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Produzieren ohne Geld und Zwang – vom Commonismus

Spreche ich mit Anderen über unser derzeitiges Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, so steht da meist die Erkenntnis: So wie sie derzeit eingerichtet sind, scheinen wir an ihr systemisches Ende zu geraten. Und so machen sich immer mehr Gedanken darüber, wie eine Welt anders gestrickt sein könnte, eben nachhaltiger als es die kapitalistische, auf Profitmaximierung und damit fortwährendes Wachstum basierte. Der folgende Text beschäftigt sich mit einer alternativen Wirtschaft, einer bedürfnisorientierten Produktionsgemeinschaft. Es ist der Beitrag von Christian Siefkes für die Konferenz „Andere mögliche Welten?“ (¿Otros mundos posibles?), die im Mai in Medellín (Kolumbien) stattfand. Alle Beiträge der Konferenz werden in einem Sammelband der Rosa-Luxemburg-Stiftung erscheinen, der Ende des Jahres in deutscher sowie in spanischer Sprache veröffentlicht werden soll.

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Die Bewegung zum Commonismus – (Fundstelle: Keimform)

Stellen wir uns eine Welt vor, in der Produktion und Reproduktion bedürfnisorientiert zum Wohle aller stattfinden, organisiert von Menschen, die sich niemandem unterordnen müssen und sich freiwillig in die erforderlichen Tätigkeiten teilen. Ich nenne eine solche Gesellschaft Commonismus, weil ich glaube, dass darin die Commons, die Gemeingüter, eine wichtige Rolle spielen werden.

Man mag einwenden, dass eine solche Gesellschaft unmöglich sei, weil es sie noch nicht gab oder weil sie der Natur des Menschen widerspreche. Doch daraus, dass es etwas noch nicht gab, kann man nicht schließen, dass es unmöglich ist; und Argumente zur „Natur des Menschen“ übersehen, dass die Menschen nicht nur die Gesellschaft machen, sondern umgekehrt auch durch die Gesellschaft beeinflusst und geprägt werden. Ändern sich die Strukturen, ändert sich auch das Verhalten der Menschen.

Der Commonismus bliebe allerdings eine abstrakte Idee, wenn er nicht das Zeug hätte, aus der heutigen Gesellschaft, dem Kapitalismus, heraus zu entstehen. Karl Marx (1859, 9) sagte dazu, dass „die materiellen Existenzbedingungen“ neuer Produktionsverhältnisse „im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet“ werden müssen.

Eine commonistische Gesellschaft hat meiner Ansicht nach zwei wesentliche Voraussetzungen, deren Entwicklung durch die kapitalistische Logik zum Teil begünstigt wird, während ihre vollständige Umsetzung im Widerspruch zum Kapitalismus steht: (1) Menschliche Arbeit verschwindet aus dem Produktionsprozess, sie wird durch Automatisierung und Selbstentfaltung ersetzt. (2) Der Zugang zu Ressourcen und Produktionsmitteln steht allen gleichermaßen offen.

Wie diese Voraussetzungen die Produktionsprozesse verändern, wird bislang im Bereich der digitalen Produktion von Software und anderen Informationsgütern am deutlichsten sichtbar. Die Freie-Software- und Freie-Kultur-Bewegung hat diesen Kernbereich der modernen Produktion so grundsätzlich umgewandelt, dass bestimmte Märkte deutlich geschrumpft oder gar komplett verschwunden sind. Dies betrifft etwa Internetsoftware, Software für Programmierer/innen und Enzyklopädien. In diesen Bereichen haben sich frei verwendbare Programme wie Apache, Firefox, WordPress, frei nutzbare Programmiersprachen wie Python, Entwicklungsumgebungen wie Eclipse sowie die freie Internet-Enzyklopädie Wikipedia durchgesetzt. Konkurrenzangebote, die gemäß der üblichen kapitalistischen Logik nur käuflich erwerbbar sind, haben nahezu keine Chance mehr. Indem sie Märkte zum Verschwinden bringt, weist diese Bewegung über den Kapitalismus hinaus. Zugleich basiert sie aber auf Voraussetzungen, die im Kapitalismus entstehen und der kapitalistischen Logik zufolge entstehen müssen.

Ein Paradox des Kapitalismus ist, dass die menschliche Arbeit einerseits seine Grundlage ist, andererseits aber ein Kostenfaktor, den jedes Unternehmen möglichst stark reduziert. Arbeit ist Quelle des Mehrwerts und damit des Profits, doch zugleich kann jedes Unternehmen seinen Profit zumindest temporär dadurch erhöhen, dass es Arbeit einspart und so gegenüber seinen Konkurrenten einen Kostenvorteil erzielt. Arbeit in Billiglohnländer auszulagern, ist eine Möglichkeit zur Kostensenkung, doch noch besser ist es aus unternehmerischer Sicht, sie durch Maschineneinsatz oder durch von den Kund/innen freiwillig und unentgeltlich übernommene Tätigkeiten zu ersetzen.

Bis vor einigen Jahrzehnten ging der Einsatz von Maschinen und menschlicher Arbeit meist Hand in Hand, etwa bei der Fließbandarbeit. Doch mit zunehmender Automatisierung wird die menschliche Arbeit bei Routinetätigkeiten immer entbehrlicher. Übrig bleiben Arbeiten, die sich kaum automatisieren lassen, weil sie Kreativität, Intuition oder Einfühlungsvermögen erfordern. Deshalb ist in Bezug auf den modernen Kapitalismus oft von „Dienstleistungs-“ oder „Informationsgesellschaft“ die Rede, weil die meisten nicht automatisierbaren Tätigkeiten in diese Bereiche fallen.

Zudem werden Aufgaben an die Kund/innen selbst delegiert, was weitere Arbeitskräfte einspart. Dank Selbstbedienung brauchen Supermärkte weniger Verkäufer/innen; beim Online-Shopping und Online-Banking werden die Verkäufer bzw. Schalterangestellten ganz überflüssig; Ikea überlässt den Kund/innen das Zusammenbauen ihrer Möbel und spart so Personal und Transportkosten.

Doch diese Entwicklungen verändern zugleich den Charakter des Tuns. Als Angestellter arbeite ich, um Geld zu verdienen. Wenn ich jedoch meine eigenen Möbel zusammenbaue oder im Internet nach für mich geeigneten Produkten suche, dann interessiert mich das Ergebnis meines Tuns. Und durch die zunehmende Automatisierung werden langweilige Routinetätigkeiten, die man nur gegen (Schmerzens-)Geld erledigt, zunehmend durch kreativere und daher auch inhaltlich interessantere Tätigkeiten ersetzt.

Für letztere ist eine Bezahlung zwar (sofern man noch Geld braucht) ein netter Pluspunkt, aber – wie sich in den letzten Jahrzehnten zur Überraschung vieler Ökonom/innen gezeigt hat – keineswegs eine notwendige Bedingung. Seit das Internet es immer mehr Menschen ermöglicht, andere mit ähnlichen Interessen auch über größere Entfernungen hinweg zu finden, sind viele Projekte entstanden, in denen Menschen gemeinsam an Dingen arbeiten, die ihnen wichtig sind. Dazu gehören Freie Software, Freie Inhalte wie die Wikipedia und Open-Hardware-Projekte, in denen die Beteiligten gemeinsam materielle Dinge entwerfen und die Baupläne mit der ganzen Welt teilen. Beim Freifunk-Projekt, das offene Funknetzwerke aufbaut, und bei Gemeinschaftsgärten, wo Menschen gemeinsam städtische Freiflächen in offene Gärten umgestalten, steht dagegen die Zusammenarbeit vor Ort im Mittelpunkt. All diese Projekte haben zwei Grundlagen: zum einen die freiwillige, bedürfnisorientierte Zusammenarbeit der Beteiligten; zum anderen die Gemeingüter – Software, Wissen, Netzwerke oder Orte –, die sie nutzen, pflegen oder hervorbringen.

Manchen der Beteiligten geht es dabei ums Geldverdienen oder die Verbesserung ihrer Berufschancen, aber viele engagieren sich aus anderen Gründen: Weil sie selbst an dem entstehenden Werk Interesse haben, weil sie dabei Aufgaben übernehmen können, die ihnen Spaß machen, oder weil sie den anderen etwas zurückgeben möchten (ohne dazu verpflichtet zu sein). Arbeit zum Zweck des Geldverdienens wird so ersetzt durch Tätigkeiten, die man gerne um ihrer selbst willen, aufgrund ihres Ergebnisses oder den anderen Beteiligten zuliebe übernimmt: Selbstentfaltung.

Möglich ist das nur, weil die Beteiligten Zugang zu den benötigten Produktionsmitteln – wie Computern und Internetzugang – haben. Das mag als Begrenzung dieser freien, commonistischen Produktionsweise erscheinen, da die Konzentration der meisten Produktionsmittel in den Händen weniger für den Kapitalismus charakteristisch ist. Gemeinschaftlich produzieren kann man Software und Wissen, wo nur kleine, schon weit verbreitete Produktionsmittel nötig sind, aber wie steht es um Dinge, die riesige Fabriken erfordern?

Glücklicherweise treibt auch hier die Produktivkraftentwicklung den Kapitalismus in eine Richtung, die seine eigene Überwindung erleichtert. Ähnlich wie die heutigen Personalcomputer Nachfolger der Millionen kostenden und Räume füllenden Großrechner des letzten Jahrhunderts sind, werden auch andere Produktionstechniken immer günstiger und für Einzelne oder kleine Gruppen erschwinglicher. Kostengünstige, aber flexible computergesteuerte (CNC) Maschinen ersetzen in der industriellen Produktion zunehmend schwerfällige Großanlagen. Gleichzeitig hat sich rund um diese Maschinen eine Bewegung von Hobbyisten gebildet – die sogenannte „Maker“-Szene –, die sie nicht zum Geldverdienen benutzen, sondern um bedürfnisorientiert zu produzieren, zu experimentieren und Spaß zu haben.

In diesem Kontext sind auch erste Open-Hardware-Projekte entstanden, die selbst solche Produktionsmaschinen entwerfen und ihr Wissen als Gemeingut teilen. Damit werden die Grundlagen für eine bedürfnisorientierte, auf Gemeingütern basierende Produktionsweise gelegt.

Die Organisation einer Welt ohne Geld

Im Kapitalismus hat die Produktion gesellschaftlichen Charakter – man produziert immer für andere, nicht für sich selbst. Allerdings stellt sich der gesellschaftliche Charakter der Produktion erst im Nachhinein – und auch keineswegs in allen Fällen – heraus, da die Güter zunächst privat (in Firmen) produziert werden. Zur Vermittlung zwischen privater Produktion und gesellschaftlicher Nutzung (durch Andere) bedarf es des Markts und des Geldes. Verkaufen kann man nur, was einem formell gehört, deshalb braucht es das Privateigentum und den Staat, der es durchsetzt und auch sonst darauf achtet, dass sich alle an die „Spielregeln“ halten.

Im Commonismus wären alle diese Institutionen überflüssig, weil die Produktion von Anfang an gesellschaftlich [Anmerkung Martin: hier würde ich „gemeinschaftlich“ bevorzugen] und bedürfnisorientiert erfolgt. Im Folgenden soll dies vor allem anhand des Geldes durchgespielt werden, denn das Geld spielt in unserer Gesellschaft eine so große Rolle, dass es schwierig ist, sich eine Welt ohne Geld vorzustellen. Arbeiten die Menschen nicht nur, um Geld zu verdienen? Produzieren die Firmen nicht nur, um Gewinne zu machen? Würde ohne Geld nicht alles zum Stillstand kommen?

Zweifellos würden Firmen ohne Erwartung von Profiten nicht produzieren, doch für das Tun der Menschen spielt das Geld keine so große Rolle, wie man gewöhnlich denkt. So werden weniger als 40 Prozent der in Deutschland geleisteten Arbeiten bezahlt, der größere Teil wird nicht entlohnt: Tätigkeiten im Haushalt, private Pflege- und Betreuungsleistungen sowie ehrenamtliche Tätigkeiten (vgl. Meretz 2010). Gerade weil sie unbezahlt sind, werden diese Tätigkeiten in unserer Gesellschaft meist nicht sehr ernst genommen, doch ohne sie würde alles zusammenbrechen. Und sie demonstrieren eindrucksvoll, dass Menschen für Andere nützliche Dinge tun, auch wenn sie nicht mit Geld „bestochen“ werden.

Auch im Internet spielen weitgehend geldfreie Formen der Produktion eine wichtige Rolle. Für Freie Software, wie das Betriebssystem Linux oder den Browser Firefox, und Freie Inhalte, wie die Internet-Enzyklopädie Wikipedia oder das OpenStreetMap-Projekt, muss ich nichts bezahlen. Ich darf sie nutzen, an andere weitergeben, und sogar – wenn ich die entsprechenden Kenntnisse habe – erweitern und verbessern; und das alles kostet mich keinen Cent.

Bedürfnisorientierte Produktion

Bisweilen wird Freie Software von Firmen produziert, die damit auf indirektem Weg Geld verdienen, z.B. über den Verkauf von Supportverträgen, Dokumentation oder passender Hardware. Doch in vielen Fällen steht hinter solchen Projekten eine Community von Menschen, die sich freiwillig und unentgeltlich engagieren, weil ihnen das dort entstehende Produkt wichtig ist oder weil sie die Tätigkeit genießen. Anderen geht es darum, etwas zu lernen, ihre Kenntnisse zu demonstrieren oder der Community etwas zurückzugeben. Es gibt viele Gründe, warum Menschen sich engagieren – auch ohne Geld.

Entsprechend den Vorstellungen der modernen, neoklassischen Wirtschaftstheorie entstehen Firmen zur Reduzierung von sogenannten Transaktionskosten (Coase 1937). Das heißt, als Unternehmer meine Angestellten zu beauftragen, ist für mich günstiger, als jede einzelne Leistung einzukaufen. Die Angestellten haben den Vorteil, im Voraus zu wissen, welche Einnahmen sie erwarten können, statt sich täglich auf dem Markt bewähren zu müssen, aber sie sind Teil eines hierarchischen Systems und müssen den Anweisungen der Geschäftsführung folgen. Beziehungen auf dem Markt spielen sich dagegen zwischen formell Gleichberechtigten ab, sind jedoch rein funktionell: Die anderen interessieren mich nur als Tauschpartner, die mir etwas verkaufen oder abkaufen können.

Die Neoklassik kennt keine anderen Formen außer dem Markt und der Firma, doch die Communities von Menschen, die gemeinsam produzieren, zeigen, dass es auch anders geht. Anders als in Firmen sind alle freiwillig dabei, niemand erteilt den anderen Befehle. Deshalb wird diese Produktionsweise als Peer-Produktion bezeichnet: Die Beteiligten arbeiten auf gleichberechtigter Basis (als „Peers“) zusammen.

Und anders als auf dem Markt sind die anderen keine potenziellen Tauschpartner, sondern Menschen, die mit mir zusammen zu einem Ziel beitragen, das uns wichtig ist. Bei solchen Projekten geht es also ums Beitragen statt ums Tauschen. Beitragen ist im Gegensatz zum Tauschen kein Nullsummenspiel: Wenn ich beim Tauschen bzw. (Ver-)Kaufen ein „gutes Geschäft“ gemacht habe, bedeutet dies allzu oft, dass jemand übers Ohr gehauen wurde. Wenn dagegen jemand gute Beiträge liefert, gewinnen alle Beteiligten.

Solange die Produzent/innen Verkäufer sind und die Nutzer/innen Käufer, arbeiten alle tendenziell gegeneinander: Die Einnahmen der einen sind die Kosten der anderen. Und ein höherer Marktanteil für einen Produzenten schmälert die Einnahmen derjenigen, die dasselbe produzieren, weshalb die Produzenten zwangsläufig in einem Konkurrenzverhältnis zueinander stehen. Derselbe Interessengegensatz wie zwischen Verkäufern und Käufern besteht zwischen Angestellten und Inhabern bzw. Geschäftsführung einer Firma: Erstere wollen zu möglichst günstigen Konditionen ihre Arbeitskraft verkaufen; letztere wollen ein Maximum an Arbeitskraft für möglichst wenig Geld erhalten. Diese Gegensätze fallen bei der bedürfnisorientierten Peer-Produktion weg, da meine Bedürfnisse nicht auf Kosten der Bedürfnisse Anderer gehen müssen. Im Gegenteil: Alle Beteiligten unterstützen sich gegenseitig bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse, was für alle von Vorteil ist.

Ungezwungene Produktion für andere

Bedürfnisorientierte Produktion darf nicht dahingehend missverstanden werden, dass Jede und Jeder nur für sich produziert. Peer-Produktion beginnt zwar oft dort, „wo’s ihre Entwickler/in juckt“, wie Eric Raymond (2001), einer der Pioniere der Freien Software, sagte, aber gleichzeitig entstehen dabei immer auch für andere nützliche Güter. Und häufig beteiligen sich Menschen nicht aufgrund konsumtiver, sondern aufgrund produktiver Bedürfnisse: Sie machen etwas, weil sie es gerne machen, weil sie etwas lernen oder weil ihnen die Menschen wichtig sind, für die sie es machen.

Dass Peer-Produktion immer auch Produktion für Andere ist, widerspricht gängigen ökonomischen Vorstellungen, wonach die Alternative zum Markt eine Art Robinson-Modell ist: Alle würden nur noch für sich oder ihre Familie produzieren; Kooperation größeren Stils fände nicht mehr statt. Dass man mit so einem isolierten Modell nicht weit kommt, ist klar. Als weitere Alternative wird die zentralisierte Planwirtschaft – der verflossene „Realsozialismus“ – genannt: Die ganze Gesellschaft funktioniert nach dem Modell einer Firma. Das Management, die Planerinnen und Planer geben vor, was alles zu tun ist, verteilen die zu erledigenden Aufgaben und überwachen, dass sie ordnungsgemäß erledigt werden. Diese Alternative hat historisch nicht sonderlich gut funktioniert und klingt wenig attraktiv: Man ist weiterhin abhängiger Angestellter, jetzt allerdings des Staats, und muss tun, was die Vorgesetzten sagen.

Peer-Produktion ist dagegen Produktion für andere, die nicht erzwungen wird und nicht um des Geldes willen stattfindet. Peers produzieren für andere, weil sie es können und weil es eine Möglichkeit ist, weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu finden. Denn je mehr Menschen die Ergebnisse eines Projekts nutzen, desto mehr potenzielle Beitragende gibt es, da die Beitragenden meist nach und nach aus dem Kreis der Nutzerinnen und Nutzer dazustoßen. Wenn ein Projekt nicht mit anderen teilt und für andere mitproduziert, nimmt es sich die Chance, „Nachwuchs“ zu gewinnen.

Die Aufgabenverteilung bei Peer-Projekten erfolgt in einem offenen Prozess, für den sich der Begriff „Stigmergie“ etabliert hat (vgl. Heylighen 2007). Die Beteiligten hinterlassen Hinweise (griechisch stigmata) auf begonnene oder gewünschte Arbeiten, die andere dazu anregen, sich darum zu kümmern. Diese Zeichen, etwa To-Do-Listen und Bug-Reports in Softwareprojekten oder „rote Links“ auf noch nicht existierende Artikel in der Wikipedia, bilden einen wichtigen Teil der Kommunikation.

Alle Beteiligten folgen den Zeichenspuren, die sie am meisten interessieren, und sorgen auf diese Weise sowohl für eine automatische Priorisierung der offenen Aufgaben – was mehr Menschen am Herzen liegt, wird im allgemeinen schneller erledigt – als auch dafür, dass die unterschiedlichen Kenntnisse und Fähigkeiten der Beitragenden nahezu optimal eingesetzt werden. Man arbeitet zumeist an dem, was man sich am ehesten zutraut. Und da man sich aussucht, ob und wo und wie viel man mitarbeitet, sind die Beteiligten motivierter als Menschen, denen eine Aufgabe zugeteilt wird oder die als Angestellte oder Selbständige auf dem „freien Markt“ nur wenig Alternativen haben.

Die unangenehmen Aufgaben

Aber reicht das? Was passiert, wenn man das Modell der Peer-Produktion auf alle Bereiche der Gesellschaft projiziert? Was wäre, wenn sich für bestimmte Aufgaben keine Freiwilligen finden, weil sie von allen als unangenehm, gefährlich oder aus anderen Gründen unattraktiv empfunden werden?

Ein geldbasiertes System zwingt die schwächsten Glieder der Gesellschaft zur Übernahme solcher Aufgaben – diejenigen, die keine anderen Möglichkeiten zum Geldverdienen haben. Dass das eine gute Lösung ist, würden nur Zyniker behaupten – aber wie geht es anders?

Manche dieser Aufgaben würden sich wahrscheinlich als verzichtbar erweisen; wo das nicht der Fall ist, bleiben Automatisierung, Umorganisation und faire Aufteilung als Lösungen. Die Automatisierung hat seit Beginn der „industriellen Revolution“ schon enorme Wirkungen entfaltet; immer größere Teile der Produktion werden ganz oder teilweise automatisiert.

Allerdings stellt im Kapitalismus der Lohn eine Grenze der Automatisierung dar. Je schlechter bezahlt ein Job ist, desto schwieriger wird es, ihn ohne Mehrkosten zu automatisieren. Deshalb lohnt sich dies bei vielen undankbaren Tätigkeiten, wie etwa Putzen, gemäß der kapitalistischen Kalkulation nicht. Anders bei der Peer-Produktion: Wenn es hier Aufgaben gibt, an deren Erledigung alle oder viele interessiert sind, die aber niemand selbst tun will, dann ist der Anreiz, sie zumindest teilweise zu automatisieren, sehr hoch. Und da die Automatisierung von Tätigkeiten selbst eine spannende und herausfordernde Beschäftigung ist, sind die Chancen, dafür Freiwillige zu finden, sehr viel besser.

Wo dies unmöglich ist, dürften sich Tätigkeiten häufig so umgestalten lassen, dass sie angenehmer werden. Im Kapitalismus finden manche Arbeiten unter sehr schlechten Bedingungen statt. Man denke an eine Angestellte, die um vier Uhr morgens Büros putzen soll. Das würden gleichberechtigte, freiwillig kooperierende Menschen von sich aus nicht so organisieren.

Automatisierung und Umorganisation lassen sich auch kombinieren. Beispielsweise werden in einigen spanischen Städten heute Müllautos mit Greifarmen eingesetzt, mittels derer die Mülltonnen vom Fahrerhaus aus ferngesteuert aufgenommen und geleert werden. So kommt niemand mehr mit dem Müll direkt in Berührung, und die Müllabfuhr wird zu einer einem Videospiel ähnlichen Geschicklichkeitsaufgabe, für die sich leicht Freiwillige finden.

Falls weder Automatisierung noch Umorganisation greifen, ist ein Pool von unangenehmen Aufgaben denkbar, von denen Jede und Jeder anteilig einige übernimmt. Wenn sich so Alle oder die Meisten an der Erledigung dieser Aufgaben beteiligen, hat Niemand lange damit zu tun, und was Alle machen müssen, ist erfahrungsgemäß auch weniger schlimm.

Freiheit ist die Einsicht in die NOT-wendigkeit
Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Gemeingüter und Besitz produzieren

In jeder Gesellschaft verhalten sich die Menschen zur Natur und zu den Produkten ihres Tuns in einer Weise, die dieser Gesellschaft entspricht.

Im Kapitalismus werden Ideen, Produkte und natürliche Ressourcen vorwiegend als Privateigentum betrachtet, das nur mit Zustimmung der Eigentümerin oder des Eigentümers – und in aller Regel gegen Geld oder eine andere Gegenleistung – den Besitzer wechseln kann.

Im Commonismus werden sie dagegen zu Gemeingütern und Besitz, denn wo das Geld überflüssig wird, verliert auch das Eigentum, also die Berechtigung, Dinge „zu Geld zu machen“, seine Bedeutung. Etwas zu besitzen, bedeutet dagegen, es zu benutzen: Die Wohnung, die ich gemietet habe, ist mein Besitz, aber das Eigentum meines Vermieters.

Gemeingüter (englisch commons) sind Güter, die von einer Gemeinschaft produziert oder gepflegt werden und die für die Nutzerinnen und Nutzer nach gemeinsam festgelegten Regeln verfügbar sind. Freie Software und Freie Inhalte sind Gemeingüter, die alle nicht nur nutzen, sondern auch verändern und weiterentwickeln dürfen. Wasser, Luft, Wälder und Land galten oder gelten in vielen Gesellschaften als Gemeingüter, die von größeren oder kleineren Gruppen genutzt und gepflegt werden.

Peer-Produktion basiert auf Gemeingütern und bringt ihrerseits neue Gemeingüter hervor. Deswegen spricht der US-amerikanische Jurist Yochai Benkler (2006), der den Begriff geprägt hat, auch von commons-based peer production. Das von Peers produzierte Wissen – ob Software, Inhalte oder Freies Design, freie Bauanleitungen und Konstruktionspläne, die die Herstellung, Nutzung und Wartung materieller Güter dokumentieren – wird zum Gemeingut, das andere anwenden und weiterentwickeln können. Aber Peer-Produktion kann nicht nur Informationen, sondern auch Infrastrukturen und materielle Güter hervorbringen. So sind in vielen Städten Freie Funknetze entstanden, die allen in der Umgebung kostenfreien drahtlosen Internetzugang ermöglichen. Häufig sind diese Projekte als „Mesh-Netzwerke“ organisiert, die ohne privilegierte Server auskommen – alle beteiligten Computer sind gleichberechtigt. Mittels solcher dezentraler, selbstorganisierter Netzwerke können sich die Menschen nicht nur mit Kommunikationsmöglichkeiten versorgen (vgl. Rowe 2010, 2011), sondern auch mit Energie und Wasser. Selbstorganisierte commonsbasierte Projekte zur Wasserversorgung existieren beispielsweise in Südamerika (vgl. De Angelis 2010).

Gleichzeitig sind auch erste offene Einrichtungen für die Produktion materieller Güter entstanden. Hackerspaces und Fab Labs werden von Freiwilligen betrieben und verfügen oft über computergesteuerte Maschinen – z.B. Fräsmaschinen und sogenannte 3D-Drucker oder Fabber –, die eine weitgehend automatisierte Produktion kleiner Stückzahlen ermöglichen. Die Baupläne der verwendeten Maschinen werden nach Möglichkeit selbst als Freies Design offengelegt, und man arbeitet daran, dass sich mit ihnen wiederum mindestens gleichwertige Maschinen herstellen lassen. So schafft sich die commonsbasierte Peer-Produktion selbst die Basis für ihre weitere Ausbreitung und gleichzeitig für die Versorgung der Menschen mit dem, was sie zum Leben brauchen.

Wo die Dinge als Gemeingüter und Besitz produziert werden, wird die Frage der Verteilung viel entspannter. Ich kann beliebig viele Lebensmittel verkaufen, aber nur eine sehr begrenzte Anzahl essen. Dasselbe gilt für alle anderen Güter: Jedes Bedürfnis, sie zu nutzen, ist tendenziell begrenzt. Potenziell grenzenlos ist nur die Möglichkeit und gegebenenfalls das Interesse, sie zu Geld zu machen (sofern es genug Käufer/innen gibt). Aber diese Möglichkeit verschwindet in einer Welt, wo die Produktion bedürfnisorientiert erfolgt und niemand kaufen und verkaufen muss.

Peers produzieren für sich und andere. Ich tue etwas für die Anderen und vertraue darauf, dass die Anderen etwas für mich tun. Alle suchen sich die Bereiche aus, die ihnen wichtig sind oder gut gefallen. Auch wenn einige gar nichts machen, ist das kein Problem, solange genügend andere aktiv werden. Dabei funktioniert Peer-Produktion immer nur dann, wenn man die anderen tatsächlich als Peers, als ebenbürtig begreift. Einzelne können sich nicht auf Kosten der Anderen verwirklichen, weil die Anderen nicht dumm sind und sie dabei nicht unterstützen werden – und ohne Unterstützung kommt man nicht weit.

Auch eine commonistische Gesellschaft wird entscheiden müssen, wie die vorhandenen Ressourcen eingesetzt werden – produziert man lieber Lebensmittel für alle oder Biosprit, damit Einige nach Erschöpfung der Ölvorräte weiter Auto fahren können? Setzt man für die Energieversorgung auf dezentrale, erneuerbare Energiequellen oder auf Atomkraftwerke, deren Abfälle noch für Jahrtausende ein Risiko darstellen? Wie lassen sich die Interessen der Nutzer/innen eines Guts, die sich eine neue Fertigungsstätte wünschen, mit denen der Nachbarn, die sich dadurch gestört fühlen, in Einklang bringen?

Wer verstanden hat, wie und warum Peer-Produktion funktioniert, wird sich vorstellen können, wie die Antworten auf solche Fragen ausfallen dürften. Aber das Wichtigste ist, dass sie von denen gestellt und beantwortet werden können, die sie angehen – uns allen.

Autor: Christian Siefkes – freier Programmierer

Und wer lieber einen Vortrag anschaut, der mag hier gerne hinein schauen:

Literatur

  1. September 20, 2015 um 12:18 pm

    Noch eine Buchempfehlung zum Thema:

    Beitragen statt tauschen: Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software

    Dieter Koschek hat bei Amazon eine schöne Rezension (»Produktbeschreibung«) zu Christians Buch »Beitragen statt tauschen. Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software« geschrieben:

    »Es ist einfach erstaunlich, das Buch von Christian Siefkes („Beitragen statt tauschen“, erschienen in AG SPAK Bücher, 2008, aber auch unter Creative Commons Lizenz CC-BY-SA im Internet). Er entwirft, aufgrund seiner Erfahrung als Programmierer in Open Source- und Free Software-Projekten, seine Peer-Ökonomie als eine Alternative Ökonomie zum marktförmigen Kapitalismus und zur Planwirtschaft.

    „Beitragen statt tauschen“ (so der Titel des Buches) geht von einer völlig neu orientierten Wirtschaftsweise aus: Auf Grund von Bedürfnissen nach bestimmten Produkten (oder Dienstleistungen) bilden Menschen eine Assoziation, um diese Dinge gemeinsam herzustellen und zu verteilen. Nicht der Markt und nicht das Geld (als Tauschmittel) spielen eine Rolle, sondern das Bedürfnis, die Fähigkeiten und der Spaß an der Sache. Der Spaß ist deshalb gewährleistet, weil das Prinzip auf Freiwilligkeit und Kooperation beruht. Die Menschen tun diese Dinge, weil sie es wollen. Da ist die Bedürfnisorientiertheit auf den einfachsten Nenner gebracht.

    Nun kennen wir alle die Müllabfuhr, die keiner erledigen will. Mit der Selbstverständlichkeit eines erfolgreichen Programmierers nennt Siefkes drei Möglichkeiten diese notwendige Arbeit zu gewährleisten. 1. überlegt man sich, ob man diese Aufgabe nicht wegautomatisieren kann. Wenn dies nicht möglich sein sollte, dann werden 2. diese Aufgaben so aufgeteilt, dass nur ein kleiner Teil für jeden übrig bleibt, und wenn das nicht hilft, werden diese Aufgaben versteigert, so dass ein Tag Müllabfuhr vielleicht drei Wochen Programmieren entspricht — und schwups hat man fast drei Wochen Muße. Gearbeitet wird nicht für Profit und Verschwendung, sondern nur soviel wie die Bedürfnisse verlangen, also hat der Tag Müllabfuhr tatsächlich drei Wochen minus einem Tag Freizeit zur Folge. Die kann man dann nutzen wie man will. Allein hier werden schon die faszinierenden Bestandteile sichtbar: Arbeit als Spass, bedürfnisorientiert, keine Verschwendung, Freizeit.

    Auch fasziniert Siefkes durch seine selbstverständliche Offenheit: die Menschen werden es sich so einrichten, wie sie es brauchen. Klugheit, Spass und Engagement werden Lösungen vorbringen, die gefallen. Dabei werden Entscheidungen fallen, die entweder vom Leader eines Projektes (dank seiner Fähigkeit) oder der Führungsgruppe gefällt werden, oder eben demokratisch, dadurch, dass Menschen aus Projekten fernbleiben und neue, eigene Projekte entstehen. Auch für die Nutzung (statt Eigentum) gibt es vielfältige, den jeweiligen Produkten angepasste Verteilungssysteme: Flatrates (zum Beispiel im Gesundheitswesen), Produktversteigerungen oder durch Beiträge dem Produktionsaufwand entsprechend.

    Das Ganze basiert auf dem gemeinschaftlichen Eigentum der benötigten Güter. Während es mit Bytes relativ einfach ist, die Hardware den Entwicklern gehört oder in Assoziationen geteilt wird, wird es bei der materiellen Produktion dann etwas schwieriger. Doch wir begegnen hier wieder einem alten Bekannten: dem Fabricator, einer PC-gesteuerten Herstellungsmaschine, wie sie heute schon für Prototypen genutzt wird. Frithjof Bergmann hat ihn schon bei seinen Gedanken zu einer „Neuen Arbeit“ entdeckt und angeführt. Siefkes steht dieser Wundermaschine skeptisch gegenüber, aber er gibt der technischen Entwicklung jede Möglichkeit, die wir heute (noch) nicht erkennen können. Modulare Produkte, dezentrale Produktionsprozesse, Rapid Manufacturing sind Stichworte für die Veränderung der Produktion und damit der Energieversorgung und der Transporte.

    Durch lokale oder regionale Versorgung mit Energie und auch etwa durch Fahrzeug-Pools werden sich die Verhältnisse auf eine materielle Produktion in einer Peer-Produktion einstimmen. Diese Projektideen überträgt er auf „die“ Gesellschaft: Lokale Projekte bilden regionale und überregionale Assoziationen, je nachdem wie groß die Aufgaben sind. Da nicht jeder Mensch in jeder Produktassoziation mitmachen kann sind Verteilungspools mit Aufwands- und Produktversteigerungen eine logische Folgerung. Dies trägt dann weiter bis zu Verteilungspools für Ressourcen, wobei erneuerbare Ressourcen von vornherein im Vorteil sind.

    Schöne Ideen, was aber ist mit ihrer Verwirklichung. Auch hier hat Siefkes überzeugende Argumentationen: „All das ist möglich, aber wird es auch Wirklichkeit werden? Das ist eine Frage, die nicht ernsthaft beantwortet werden kann, da sie Ereignisse betrifft, die noch nicht geschehen sind. Die Zukunft ist nicht vorhersagbar. Aber ein Blick auf Vergangenheit und Gegenwart kann Anzeichen liefern – und es gibt positive Anzeichen. Ein Indiz ist, dass die Formeln, mit denen der Kapitalismus als Lösung aller Probleme propagiert wird, von Tag zu Tag hohler klingen. Immer mehr Menschen sind von materieller Verelendung betroffen; die Schere zwischen reichen und armen Menschen und reichen und armen Ländern öffnet sich immer weiter; das Gefühl vieler Menschen, außen vor zu bleiben, nimmt zu, was Hass und Fanatismus oder Resignation und Hoffnungslosigkeit befördert; Stärke und Häufigkeit von Umweltkatastrophen verschlimmern sich. Die meisten Menschen haben wahrscheinlich noch nicht verstanden, dass der Kapitalismus die tiefere Ursache dieser Probleme ist, aber immer mehr Menschen glauben auch nicht mehr ernsthaft daran, dass er sie lösen könnte. Noch zögern viele, sich diese Tatsache einzugestehen (oder sie gar offen auszusprechen), da sie keine besseren Alternativen kennen – und eine unbegründete Hoffnung scheint immer noch besser als Hoffnungslosigkeit. Aber sobald klar wird, dass es eine Alternative gibt, besteht kein Grund mehr, in dieser Selbsttäuschung zu verharren.“

  2. September 20, 2015 um 12:27 pm

    Danke, Christian Siefkes. Sehr interessant, sehr wichtig, was du denkst und auffächerst.
    Ich werde den Vortrag in bumibahagia.com verlinken

    Ich möchte auch auf ein (nicht veröffentlichtes) Buch hinweisen. Der Autor, Hans Steinle, hat uns erlaubt, es in bumibahagia.com einzustellen. Ich habe die Schrift moderiert. Titel: Das Wildganssystem.
    Wenn eine Wildgans Futter sichtet, was macht sie? Sie schnappt es für sich? Falsch.
    Sie ruft ihre Artgenossen herbei!
    Das ist das Wildgansprinzip. Das Buch handelt von A bis Z von einem Leben ohne Geld.

    Martin, darf ich verlinken?
    🙂
    http://bumibahagia.com/2015/01/14/leben-ohne-geld-das-wildgans-prinzip/

    • September 20, 2015 um 12:43 pm

      Ich bitte darum!!

      Siehe auch: Die Lektion der Gänse

      Wenn wir soviel Verstand wie eine Gans haben, werden wir in der Formation mit denen bleiben, die genau dahin wollen, wo auch wir hin wollen. Wir nehmen deren Unterstützung in der gleichen Weise an, wie auch wir bereit sind, die anderen zu unterstützen.

  3. September 20, 2015 um 1:27 pm

    Die Gänse sind immer noch den Menschen überlegen, da die Menschen nur aus Not fliegen lernen.

    • September 20, 2015 um 1:51 pm

      @ Muktananda

      Ja sieh einer an, er lebt noch 😉
      Freue mich, etwas von dir zu vernehmen.

      • September 20, 2015 um 3:11 pm

        Und wäre er nicht mehr am Leben, so wäre `s doch noch weiter Leben an ihm… 🙂

  4. September 20, 2015 um 1:29 pm

    Laufen ist zwar dem Menschen angeboren, doch auch das Stolpern und das Am -Boden- sich- nur-ständig-fragen.

  5. September 20, 2015 um 1:36 pm

    Der Mensch ist noch hilflos , obwohl machtvoll, da er seine Macht vergisst, in dem er sich nur als Produkt ansieht, nie als Hersteller, oft als Schauspieler, doch nie als Produzent. Er ist meisterhaft darin , „sein“ Leiden als Beiprodukt seiner Mitmenschen anzusehen und dabei, obwohl König, wie ein Bettler zu agieren.

  6. September 20, 2015 um 1:50 pm
  7. September 21, 2015 um 9:14 am

    @Martin

    Die Gesellschaft, von der Du träumst, ist schon dabei, sich zu verwirklichen. Geld wird abgeschafft und die neue Währung heißt „Anerkennung“, ausgedrückt in „Likes“.

    Ihrem Wesen nach sind die Mitglieder dieser Gesellschaft süchtig nach Anerkennung. In der Verwirklichung wird daraus wie bei jeder Sucht existenzielle Abhängigkeit. Die Mitglieder dieser Gesellschaft existieren nur noch durch Andere, und wer nicht genug Likes bekommt, wird nicht überleben. Keine Sorge, es kommt genauso, wie Du Dir das wünschst. Aber beklag Dich dann hinterher nicht, wenn es Dich nicht mehr gibt 🙂

    • September 21, 2015 um 10:01 am

      Laut Esoterik dient Dir die Außenwelt als Spiegel Deiner Innenwelt. Also ist auch Anerkennung nur ein Feedback, das Du benötigst, um einschätzen zu können, ob Du auf einem passenden Pfad bist? Aber gefährlich, wie wir schon hier sehen konnten:

      Eine Streitschrift: Verlieren wir Menschen unser Selbstvertrauen, wenn wir gelobt und getadelt werden?

      • Der kleine Hunger
        September 21, 2015 um 4:53 pm

        Man muss differenzieren. Ego an sich ist zunächst mal ein neutraler Begriff, der die Selbstwahrnehmung und den eigenen Begriff des „Ich“ beschreibt.

        Das Ego kann krank oder gesund sein. Weitere Differenzierung ist in meinen Augen nicht nötig.

        In erster Linie baut sich ein gesundes Ego auf einer realistischen Selbstwahrnehmung auf.

        Ein krankes Ego entsteht eigentlich nur durch Fremdprojektionen.

        Das Ego an sich ist von Geburt an erstmal ein weißes Blatt und wird dann durch Erfahrung und Erziehung geprägt. Dabei wird die Erziehung den wenigsten Egos auch wirklich gerecht, denn Erziehung findet heute eher linear statt, anstatt die individuellen Eigenschaften zu fördern und zu unterstützen.

        Selbstbewusstsein ist im Grunde genommen nichts anderes als das Ego, verdeutlicht aber in seinem Wortsinn besser, worum es bei der ganzen Sache geht. Das Ego ist davon abhängig, wie sehr man sich seines Selbst bewusst ist. Das bedeutet nicht, dass man bestimmten Vorgaben hinterher rennen müsste, sondern dass man erkennt, wer man ist und mit welchen Vor- und Nachteilen man gesegnet ist.

        Echtes Selbstbewusstsein stellt sich übrigens nicht ein, indem man sich eine Illusion von sich aufbaut. Erwartet als bei einem Bodybuilder kein echtes Selbstbewusstsein, sondern eher eine Überkompensation eines zu geringen Selbstbewusstseins. Erwartet bei einem erfolgreichen Banker nicht, dass er über ein gesundes Ego verfügt und erwartet das auch nicht bei Frauen, die jeden Morgen zwei Stunden im Bad brauchen um sich eine hübsche Fassade aufzumalen. Erwartet es ebensowenig bei „starken“ Frauen in Hosenanzügen.

        Überkompensation von mangelndem Selbstbewusstsein ist eine treibende und sehr offensichtliche Kraft in unserer gegenwärtigen Kultur, denn echtes Selbst-Bewusstsein ist kaum zu erlangen ohne sich gegen all die Überkompensierer zu stellen.

        Überkompensation ist somit in Wahrheit ein Zeichen einer Unterkompensation.

    • luna
      September 21, 2015 um 3:56 pm

      @fingerphilosoph

      „“Die Gesellschaft, von der Du träumst, ist schon dabei, sich zu verwirklichen. Geld wird abgeschafft und die neue Währung heißt “Anerkennung”, ausgedrückt in “Likes”““

      Das sehe ich ein wenig anders. Mag sein, dass viele „Likes“ (und damit der Anschein von Anerkennung) für Leute mit geringem Selbstwertgefühl wichtig sind, aber mit vielen „Likes“ bzw. vielen „Followern“ wird auch viel Geld verdient, warum wohl sonst kann man „Likes“ und „Follower“ bei Ebay kaufen.

      Hab‘ hier noch was gefunden, wusste nicht, dass Leute sogar ihre Accounts verkaufen:

      http://www.ebay.de/itm/Instagram-Account-60-Tausend-Follower-/252091695700?hash=item3ab1d60254#viTabs_0

      Der Preis erscheint mir jetzt trotzdem etwas unrealistisch…

      Wie auch immer, auch wenn es dem Einzelnen vielleicht um Anerkennung geht, insgesamt gesehen, geht es letzten Endes doch wieder nur um Geld (wobei beides natürlich auch wieder voneinander abhängen kann, aber das führt jetzt zu weit).

      P.S.

      Ok, natürlich ist es absurd, aber rein theoretisch weiß ich gar nicht, ob ich die Idee Geld durch „Likes“ zu ersetzen so übel fände, zumindest hätte man deutlich mehr Einfluß (im positiven wie im negativen Sinn) auf sein „Einkommen“, als es mit herkömmlicher „Arbeit“ der Fall ist.
      Und um es jetzt mal in „Werten“ auszudrücken: Wäre jeder „Like“ z.B. 1€ und jeder „Follower“ 10€ wert, könnte man ganz gut davon leben.

      • September 21, 2015 um 7:18 pm

        Ja, ich habe das schon so gemeint, dass Likes als Währung verstanden werden und analog wie Geld gehandhabt werden. So wie man Likes und Followers kaufen kann, kann man sie auch verkaufen, beispielsweise an jemand, der Werbung schalten will. Diese Entwicklung hat schon ein gewisses Potenzial, das herkömmliche Geldspiel mal zu ersetzen. Die „neuen Banker“ sind dann die, die über die Internet-Plattformen verfügen. Wie Google, Apple Facebook oder Twitter. Die „neuen Reichen“ sind die, die wissen, wie man Followers und Likes generiert.

        Vielleicht besteht der Unterschied darin, dass Geld ursprünglich gegen irgendeine Art von Leistung (ein Produkt, einen Dienst, eine Fähigkeit oder schlicht Arbeit) getauscht wurde. Der Erbringer der Leistung konnte ein Kotzbrocken sein oder nicht, das hatte auf die erbrachte Leistung und die Entlohnung dieser Leistung in der Vergangenheit relativ wenig Einfluss. Bewertet wurde die Leistung als solche und nicht der Erbringer der Leistung. Bei Likes als Währung wird, denke ich, in erster Linie die Persönlichkeit und nicht mehr nur die Leistung bewertet. Es genügt nicht mehr, dem Anderen nur einen Dienst zu erweisen, der Andere muss den Leistungserbringer überdies auch noch sympathisch finden, damit er seine Likes rausrückt.

        Das heißt: zwischenmenschliche Beziehungen werden in weit größerem Ausmaß kommerzialisiert als in der Vergangenheit. Oder auch anders: vielleicht waren unsere zwischenmenschlichen Beziehungen schon immer hauptsächlich kommerzieller Natur und durch die Likes-Wirtschaft wird diesem Umstand endlich offiziell Rechnung getragen.

        Vielleicht entstehen Sympathie und Wohlwollen ja auch nicht bedingungslos, wie die Religiösen und Esoteriker sich und uns pausenlos einreden, sondern auf der Basis von ganz banalem Nützlichkeitsempfinden.

        • luna
          September 21, 2015 um 9:20 pm

          @ fingerphilosoph

          „“Die “neuen Reichen” sind die, die wissen, wie man Followers und Likes generiert.““

          Fein, dann könnte ich evtl. ja mal dazugehören 🙂

          „“Es genügt nicht mehr, dem Anderen nur einen Dienst zu erweisen, der Andere muss den Leistungserbringer überdies auch noch sympathisch finden, damit er seine Likes rausrückt.““

          Abgesehen davon, dass Sympathie immer eine Rolle spielt (das fängt ja schon bei der Jobsuche bzw. Kundenakquise an), stimmt das so nicht ganz. Wie gesagt, es geht bei Social Media nicht nur um Selbstdarstellung, es kann z.B. auch um Kunst gehen, um sachliche Themen, um Produktvermarktung etc.

          Und „Likes“ rückt man auch nicht raus, das ist ja nichts, womit man geizen muss, damit geht man eher spontan und relativ großzügig um.

  8. Der kleine Hunger
    September 21, 2015 um 5:30 pm

    Die in den sozialen Netzwerken forcierte Entprivatisierung „leistet“ einen relevanten Beitrag zur Fremdinszenierung (oft an den Publikumsbedürfnissen orientierten Inhalten) und täuscht somit eine Präsentation der „eigenen Authentizität“ vor und formt diese Selbsttäuschung noch weiter aus. So avancieren die sozialen Medien zum dynamischen Interaktionsrahmen, in dem sich Akteure und Publikum in einer gemeinsamen, emotionalisierten Selbsttäuschung annähren.

    • luna
      September 21, 2015 um 6:00 pm

      „“Die in den sozialen Netzwerken forcierte Entprivatisierung “leistet” einen relevanten Beitrag zur Fremdinszenierung (oft an den Publikumsbedürfnissen orientierten Inhalten) und täuscht somit eine Präsentation der “eigenen Authentizität” vor und formt diese Selbsttäuschung noch weiter aus.““

      Ja, kann passieren und tut es häufig wohl auch. Muss aber nicht zwangsläufig so sein. Sich ein wenig an den Publikumserwartungen bzw. -bedürfnissen zu orientieren ist nicht unbedingt gleichbedeutend damit, sich unauthentisch zu präsentieren, im Übrigen nutzt auch nicht jeder Social Media um sich selbst zu (fremd)inszenieren.

      • Der kleine Hunger
        September 21, 2015 um 6:31 pm

        Authentizität ist an keine „Publikumserwartungen bzw. -bedürfnissen“ gekoppelt. Du widersprichst Dir selber.

        • luna
          September 21, 2015 um 7:06 pm

          Ich sagte „ein wenig“.

          Mal als Beispiel: Ich poste auf Instagram ausschließlich Berlin-Fotos und natürlich weiß ich auch so ungefähr, was gut ankommt z.B. Graffiti und moderne Architektur und daran orientiere ich mich schon ein wenig. Aber das würde ich erstens nicht machen, wenn ich es selbst nicht gut finden würde (Sehenswürdigkeiten z.B. gehen auch gut, aber darauf verzichte ich nahezu komplett, weil mich das langweilt) und zweitens heißt das nicht, dass ich nicht auch andere Motive poste.

          Wie gesagt, authentisch sein und Publikumsbedürfnisse erfüllen ist für mich kein Widerspruch, im Idealfall kann es sogar ein und dasselbe sein.

          • Der kleine Hunger
            September 21, 2015 um 7:15 pm

            Das ist kein Bsp. sondern ein Bsp. dafür was dahinter steht. Die Intension, nicht zu verwechseln mit Intention.

          • luna
            September 21, 2015 um 7:22 pm

            Hm? Bist Du sicher, dass Du nicht Intention meinst?

            Der Einfachheit halber verwende ich mal das Wort „Absicht“, die darf natürlich nicht Vordergrund stehen, sonst ist haut das mit der Authentizität meistens nicht mehr so hin.

          • Der kleine Hunger
            September 21, 2015 um 7:52 pm

            Du kannst auch an Stelle von „Intension“ mit „Eifer“ beginnen. 😉

            Ach und zu den Button, mal was…..

            http://www.welt.de/satire/article146486658/Facebook-kuendigt-Mir-voll-egal-Button-an.html

            gähn

      • September 21, 2015 um 7:27 pm

        Wenn man eine gezwungen ist, eine gewisse Anzahl von Likes zu generieren, damit man Miete und Lebensmittel zahlen kann, bleibt die Authentizität wohl zwangsläufig auf der Strecke.

        • luna
          September 21, 2015 um 8:27 pm

          @ Kleiner Hunger

          Hm, also doch „Intension“… Dann verstehe ich tatsächlich nicht, was Du meinst…

          Und der „Mir-voll-egal-Button“ käme vermutlich wirklich gut an… 🙂

          @ fingerphilosoph

          Nö, bei der von mir oben vorgeschlagenen „Währung“ würde das m.E. jeder ohne große Anstrengung und ohne unauthentisch werden zu müssen hinkriegen.

          In der „normalen“ Arbeitswelt muss man sich mit Sicherheit viel mehr verbiegen.

          • Der kleine Hunger
            September 21, 2015 um 8:36 pm

          • Der kleine Hunger
            September 21, 2015 um 8:47 pm

            P.S. Nun ist es aber nicht so, das im Internet anders agiert wird als im realen Leben. Studien zeigen das sich das Verhalten sehr wohl geändert hat, früher startete man eher mit gefakten Profilen etc., heute wird ganz offen verlogen hin und her gepostet 😉

          • Der kleine Hunger
            September 21, 2015 um 8:53 pm

            funzt an dieser Stelle lach

            In diesem Sinn………..

          • luna
            September 21, 2015 um 8:53 pm

            @ Kleiner Hunger

            🙂

            Ok, das Video ist gut und ich bestreite ja gar nicht, dass es tatsächlich oft so ähnlich läuft…

            http://www.jolie.de/bildergalerien/zehn-instagram-klischees-2617483.html

            Nur zwingt einen ja niemand, dabei mitzumachen.

          • September 22, 2015 um 8:21 am

            Zu Beginn der Agrarisierung hat die Leute auch niemand gezwungen, Getreidekörner auszusäen. Zu Beginn der Metallverarbeitung hat die Leute auch niemand gezwungen, in Bergwerken nach Erzen zu buddeln und diese Erze zu schmelzen. Die Leute haben das angefangen, weil sie zunächst mal einen Vorteil davon hatten.

            Aber Agrarisierung, Metallverarbeitung und im Gefolge Industrialisierung haben zu der bekannten „Arbeitswelt“geführt, in der jedermann, der seinen Lebensunterhalt verdienen muss, sich auch verbiegen muss.
            Fast jedermann ist heute gezwungen, seinen Lebensunterhalt durch die eine oder andere Verbiegung zu verdienen. Und es gibt ja nicht wenige, denen das sogar ausnehmen gut gefällt und die sich damit identifizieren.

            Es würde mich wundern, wenn das Internet die gewünschte „Erlösung“ aus diesem Verbiege-Prozess namens Arbeitswelt bringt. Dagegen spricht schon, dass das Internet zum permanenten Überwachungs- und Kontrollorgan mutiert. Allerdings denke ich nicht, dass von einer Zentralstelle aus überwacht und kontrolliert wird, wie das die Verschwörungstheoretiker glauben, sondern die Teilnehmer überwachen und kontrollieren sich gegenseitig über die Vergabe von Likes, über Shitstorms und Followers.

            Zu dieser Welt der Likes, Shitstroms und Followers dazuzugehören, wird ebenso zum Zwang wie Getreidekörner säen oder in Bergwerken buddeln, wenn damit künftig der Lebensunterhalt verdient werden MUSS.

            Wer vom Schreiben leben will, muss Bücher schreiben, die von Leuten gekauft werden. Die Mehrzahl der Leute kauft blutrünstige Thriller, Liebes- oder Fantasy-Geschichten. Also kannst Du Dir als Schriftsteller überlegen, ob Du lieber Thriller, Fantasy und/oder Erotik schreibst. Ja sicher gibt es Schriftsteller, die gern Thriller und Fantasy schreiben und sich darin wiederfinden. Die sind dann authentisch. Der Mainstream wird so zum einzig Authentischen, und alle, die nicht authentisch Mainstream sind, haben Pech gehabt und müssen lügen, wenn sie ebenfalls leben wollen.

          • September 22, 2015 um 8:48 am

            Es ist richtig, dass die Top 300 Familien hier überwachen. Brauchen sie auch nicht. Denn sie haben alle Direktiven implementiert, die dazu benötigt werden, dass wir in dieser Matrix selbst dafür sorgen uns zu überwachen …

          • September 22, 2015 um 10:31 am

            @ Martin.

            Du sagst es. Es ist entscheidend, das zu wissen. Es ist äusserst schwierig, im eigenen Inneren aufzuspüren, was da alles an implantierten Programmen rummacht. Zu wissen, dass auch ich welche am Laufen habe (wie könnte es anders sein), ist der erste Schritt, sie konkret zu erkennen und ins Leere laufen zu lassen.

            Ganz wichtig, was du da nebenbei schnell gesagt hast.

          • luna
            September 22, 2015 um 3:06 pm

            @ fingerphilosoph

            Von Agrarisierung und Industrialisierung habe ich keine Ahnung, weil ich mich nicht im Geringsten für Geschichte interessiere, deshalb kann ich zu diesem Vergleich nichts sagen.

            „“Es würde mich wundern, wenn das Internet die gewünschte “Erlösung” aus diesem Verbiege-Prozess namens Arbeitswelt bringt.““

            Naja, ich spreche ja jetzt nur von einem persönlichen und außerdem sehr hypothetischen „Modell“, inwieweit das realistisch wäre, kann ich nicht beurteilen. Aber nach diesem „Modell“ bräuchte sich deshalb niemand verbiegen, weil jeder seinen Lebensunterhalt mit dem bestreiten könnte, was ihn am meisten interessiert. Natürlich gibt es Themen, die den Zeitgeist mehr treffen, damit würde man dann natürlich auch mehr verdienen, aber grundsätzlich gibt es im Internet auch für jedes Nischenthema Interessenten.

            Das Thema „Überwachung“ interessiert mich nicht mehr, erstens habe ich mich lange genug mit diversen Verschwörungstheorien beschäftigt und bin zu dem Schluß gekommen, dass es keine Rolle spielt, ob da was dran ist oder nicht. Das Leben wird nicht besser, wenn man sich darüber Gedanken macht, im Gegenteil, man läuft Gefahr paranoid zu werden.

            Zweitens dient die ganze „Überwachung“ im Internet m.E. hauptsächlich Marketingzwecken und nicht, wie die VT behaupten, um „Systemgegner“ aufzuspüren o.ä.

            Und drittens fühle ich mich bei jedem „normalen“ Job deutlich mehr überwacht und kontrolliert als im Internet.

            „“Die Mehrzahl der Leute kauft blutrünstige Thriller, Liebes- oder Fantasy-Geschichten.““
            „“Der Mainstream wird so zum einzig Authentischen, und alle, die nicht authentisch Mainstream sind, haben Pech gehabt und müssen lügen, wenn sie ebenfalls leben wollen.““

            Zunächst mal stimmt das mit dem Mainstream nicht so ganz. Ich habe neulich gelesen, dass man als Autor mit Nischenthemen oft besser bedient ist, weil der Liebes-Fantasy-Thriller-Markt so überlaufen ist, dass man da meistens ganz schnell wieder untergeht (sofern man überhaupt erst auftaucht) und außerdem können sowieso die wenigsten Schriftsteller vom Schreiben leben, im Print-Bereich bekommt ein Autor pro verkauftem Buch nur 5-10% vom Netto-Ladenpreis, da kann man sich ja leicht ausrechnen, was da übrig bleibt.

            Ansonsten weiß ich nicht so recht, was ich dazu sagen soll, ich meine, wo genau fängt denn „lügen“ an? Bei Dir klingt das irgendwie so, als würde man schon lügen bzw. wäre unauthentisch, wenn man etwas macht, was einem nicht zu 100% entspricht.

            Bei mir fängt das aber erst da an, wo ich etwas mache, hinter dem ich nicht stehen kann.

            Mal als Beispiel: Ich bin zwar schreibtechnisch erst mal ziemlich auf Romantic-Comedy festgelegt, könnte mir aber auch vorstellen Mystery zu scheiben, weil ich das Genre ganz gerne mag. Was jetzt aber gar nicht ginge wäre z.B. Krimi, weil ich Krimis grundsätzlich blöd finde, mal davon abgesehen, dass ich es wahrscheinlich auch gar nicht könnte.

            P.S. @ Kleiner Hunger

            Hier mal ein Beispiel zum dem, was ich gestern damit gemeint habe, dass Authentizität und Publikumsbedürfnis im Idealfall dasselbe sind:

            http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2495862/Hipster-Opa-wird-zum-Internet-Star#/beitrag/video/2495862/Hipster-Opa-wird-zum-Internet-Star

          • September 23, 2015 um 7:03 am

            Du stellst ganz richtig fest, dass die meisten Schriftsteller sowieso nicht vom Schreiben leben können. Von den Indies, die versuchen, sich abseits der Verlagswelt zu platzieren, ist die Anzahl derer, die vom Schreiben leben können, noch geringer. Klar gibt es welche wie Amanda Hocking, Marah Wolff oder Poppy Anderson, aber es sind eben extrem wenige.

            Andererseits gibt es eine Überfülle von Ebooks, die für 0,99 bis 2,99 oder zeitweise sogar kostenlos angeboten werden (Amazon Premium). Damit kommt unterm Strich auch nicht mehr als die 5-10% raus, meistens sogar weniger.

            Schriftstellern ist aber mit Deinem hypothetischen Modell am nächsten verwandt. Schließlich kommt’s beim Schreiben darauf an, genügend Interessenten zu finden, die bereit sind, das Buch oder Ebook zu kaufen. Amazon zahlt bereits einen Bonus nach gelesenen Seiten, dh. die bezahlen einen danach, wie lange man die Aufmerksamkeit Anderer in Echtzeit absorbiert hat.

            Amazon ist nun neben Google, Apple, WordPress, Facebook und diversen Foren eine Plattform, die früher oder später die Leitlinien festlegen und bestimmen, wie Du Dich auf der jeweiligen Plattform zu verhalten hast. Von wegen, dass man da tun kann, was man will.

            „… weil jeder seinen Lebensunterhalt damit bestreiten könnte, was ihn am meisten interessiert …“

            … und was ist, wenn mich nun was interessiert, was Andere nun gar nicht interessiert, wie die Agrarisierung bspw.? 🙂
            … und was ist, wenn es mich nun gar nicht interessiert, ständig Aufmerksamkeit zu generieren?“

            Was Authentizität angeht, behaupte ich mal, dass diese den Menschen seit der Erfindung der Berufe und der damit verbundenen Erziehung sowieso abhanden gekommen ist.
            Mit der Erfindung von Berufen haben die Menschen angefangen, sich wie staatenbildende Insekten zu verhalten. Mit dem Internet erreicht diese Verameisisierung ein durch die bisherige Arbeitswelt nicht erreichtes höheres Niveau.

          • luna
            September 23, 2015 um 1:39 pm

            @ fingerphilosoph

            „“Schriftstellern ist aber mit Deinem hypothetischen Modell am nächsten verwandt. Schließlich kommt’s beim Schreiben darauf an, genügend Interessenten zu finden, die bereit sind, das Buch oder Ebook zu kaufen““

            Ich weiß schon, worauf Du hinaus willst, aber so richtig vergleichen kann man das nicht, denn wie Du schon sagst, die Bücher müssen gekauft werden. Social Media Content ist dagegen umsonst. Und dann kommt noch der Zeitfaktor dazu. Ein Buch zu schreiben kann Jahre dauern, ein Foto auf Instagram hochzuladen dauert ein paar Minuten, einen Tweet zu schreiben nur ein paar Sekunden.

            „“Amazon zahlt bereits einen Bonus nach gelesenen Seiten, dh. die bezahlen einen danach, wie lange man die Aufmerksamkeit Anderer in Echtzeit absorbiert hat.““

            Das hab‘ ich jetzt mal gegoogelt, so richtig steige ich durch das System nicht durch, allerdings klingt 0,53 Cent pro gelesener Seite erst mal sehr wenig, damit müssten ja über 200 Seiten gelesen werden, um auf die frühere Leihgebühr von 1,13€ zu kommen.

            „Absorbiert“ klingt irgendwie so negativ, die Leute lesen die Bücher ja freiwillig. Und das mit der Echtzeit stimmt so nicht, die Seiten gelten auch dann als gelesen, wenn sie nur durchgeblättert werden.

            „“… und was ist, wenn mich nun was interessiert, was Andere nun gar nicht interessiert, wie die Agrarisierung bspw.? 🙂 „“

            Das wäre jetzt ein extremes Beispiel und ich halte es auch für unwahrscheinlich, dass es viele Leute gibt, die sich nur für ein einziges und darüber hinaus sehr uninteressantes Thema interessieren, aber auch das wäre kein Problem. Im diesem Fall könnte man z.B. Food-Fotos instagrammen, die gehen ganz gut und essen muss schließich jeder 😉

            Und das wäre auch nicht unauthentisch, es sei denn natürlich, Du fotografierst Salat und isst in Wirklichkeit Burger. 🙂

            „“… und was ist, wenn es mich nun gar nicht interessiert, ständig Aufmerksamkeit zu generieren?““

            Die Frage ist doch müßig, genauso könntest Du fragen: was ist, wenn es mich nicht interessiert, zur Arbeit zu gehen? Abgesehen davon, dass Likes zu generieren kein Vollzeit-Job wäre.

          • September 23, 2015 um 5:22 pm

            Ich fotografiere so gut wie gar nicht, weil ich’s doof finde, die Welt in Bildern einzufangen. Was sind schon Fotos? Erstarrte Augenblicke, vergangene Momente, das ist für mich uninteressant. Und warum soll ich vergangene Augenblicke angucken? Ich find das komisch.

            Ich hab’s schon mal versucht mit Fotografieren, im Urlaub und so, mit dem Ergebnis, dass mir viele schöne Urlaubsmomente entwischt sind, weil ich die ganze Umgebung nur noch daraufhin abgecheckt habe, ob das jetzt ein schönes Motiv ist oder nicht. Das war ja total daneben. Und die Fotos habe ich dann einmal angeguckt und dann nie wieder.

            Fotografieren an sich ist für mich also schon mal unauthentisch, ganz egal, ob ich Salat oder Burger fotografiere. Und essen tu ich übrigens beides, je nachdem, worauf ich Lust habe.

            Und was nun ein Foto von einem Salat oder einem Burger mit der Agrarisierung von vor 8.000 Jahren zu tun haben soll, erschließt sich mir auch nicht.

            Und klar habe ich immer gefragt: was ist, wenn es mich nicht interessiert, zur Arbeit zu gehen? Das ist eine extrem wichtige Frage. Mit dem Ergebnis, dass ich schon lange nicht mehr zur Arbeit gehe, sondern inzwischen das tu, was mir gefällt. 🙂

            Aber natürlich hapert es dafür sowohl mit dem Geld wie mit den Likes 🙂

          • September 23, 2015 um 5:37 pm

            Ich weiß nicht, die Grenzen zwischen umsonst und nicht umsonst verwischen sich doch bereits.
            Wenn Du mit einem Text oder einem Roman auf einer Internet-Plattform genug Aufmerksamkeit erregst und so und soviele Likes kriegst, machen Dir Verlage auch schon mal ein Angebot. Dabei geht es weniger um den Roman, sondern darum, dass Du bereits ein Publikum als Followers hast.
            Mit dem Vertragsangebot will der Verlag mit Dir zusammen Dein Publikum einkaufen.
            Manche Verlage haben auch schon eigene Plattformen, wo angehende Autoren erst mal beweisen sollen, dass sie in der Lage sind, die Leute zu interessieren und Likes zu generieren, bevor sie dann mit einem Vertrag rausrücken.
            Und ja, für viele lohnt sich so ein Vertrag dann immer noch und die machen dann lieber das anstelle von Self-Publishing.

            Wir spielen doch jetzt grad ein bisschen mit der Idee, dass Likes als neue Währung das Geld ablösen. Wenn Du von Likes nachher Deine Miete zahlen musst, wird Likes generieren wahrscheinlich doch schnell zum Vollzeit-Job.

            Das Leute sich ungelesene Bücher ins Regal stellen, kann ich noch irgendwie nachvollziehen, aber dass sie in ihrem Kindle einfach so zum Spaß Seiten durchblättern, ist doch recht unwahrscheinlich, meinst Du nicht?

          • luna
            September 24, 2015 um 2:04 pm

            @ fingerphilosoph

            Was das Fotografieren angeht bin ich an sich ganz bei Dir, aus den gleichen Gründen hab‘ ich auch nie fotografiert.

            Und jetzt mache ich das halt nebenbei, hab‘ ja neulich gesagt, dass ich viel zu Fuß unterwegs bin, da geht das gut und macht auch Spaß.

            Im Übrigen sollst Du Dir ja nicht die Fotos anschauen, die sind ja für die Instagram-User, vor allem für Deine Follower.

            „“Und was nun ein Foto von einem Salat oder einem Burger mit der Agrarisierung von vor 8.000 Jahren zu tun haben soll, erschließt sich mir auch nicht.““

            Na gar nichts, das war nur ein Vorschlag, wie du an Likes kommen kannst, an die Du mit Deinem Agrarisierungs-Thema nicht kommst.

            Du kannst auch Fotos von Deiner Katze machen, dem Buch, das Du gerade liest (wenn es nicht gerade von Agrarisierung handelt 😉 ), dem Wein, den Du zum Essen trinkst oder dem Sonnenuntergang, es ist im Grunde völlig egal.

            Zu der Sache mit dem Roman: Der ist ja von vornherein nicht umsonst und ein Roman ist (außer zum Vermarkten) eigentlich auch kein Social Media Objekt, es sei denn man veröffentlicht ihn häppchenweise auf Tumblr oder so.

            Wenn wir schon vom „Verwischen“ sprechen, würde ich jetzt eher YouTube als Beispiel nehmen, wo man durch Werbeanzeigen Geld einnimmt, allerdings halt nur 1€ pro 1000 Klicks, da muss man schon ziemlich bekannt sein, um davon leben oder sogar reich werden zu können.

            Die Inhalte sind und bleiben aber umsonst, wenn man vielleicht von der Zeit absieht, die es kostet, sich vorgeschaltete Werbung anzusehen.

            „“Wenn Du von Likes nachher Deine Miete zahlen musst, wird Likes generieren wahrscheinlich doch schnell zum Vollzeit-Job.““

            Nein, so wie ich meine „Währung“ angesetzt habe, müsste eigentlich jeder mit relativ wenig Aufwand davon leben könnte.

            Und das mit dem „Durchblättern“ ist natürlich unwahrscheinlich, ich wollte damit nur sagen, dass Amazon die Lesezeit nicht berücksichtigt, sondern nur die aufgeschlagenen Seiten.

          • September 24, 2015 um 7:58 pm

            @ luna

            Irgendwo hast Du geschrieben, dass Du dieses Social Media Dings als Erholung von spirituellem Zeug ansiehst: in diesem Fall kann ich verstehen, dass da sogar Fotosmachen und Instagrammen hilft 🙂
            (wobei ich von Dir gelernt habe, was Instagrammen überhaupt ist. Mit Youtube kenne ich mich auch nicht so besonders aus.)

            Also ich finde, es geht die Leute nichts an, welchen Wein ich zum Abendessen trinke. Womöglich wollen die sonst was abhaben. 🙂 Okay, das ist jetzt natürlich nicht richtig „social“, aber was das angeht, bin ich wahrscheinlich sowieso ziemlich inkompatibel.

            Sich mit Agrarisierung und dem Einfluss der Feuerbeherrschung auf die menschliche Psyche zu beschäftigen, ist übrigens meine Gegenreaktion auf spirituellen Overflow. Das wirkt herrlich ernüchternd, wenigstens auf mich. Ich find das Thema schon sehr unterhaltsam.

            Und wenn’s dafür keine Likes gibt: auch egal. Naja, halt jeder so, wie’s zu ihm passt.

            Zu Fuß gehen, finde ich gut. Das macht mir auch Spaß.

          • luna
            September 24, 2015 um 8:41 pm

            @ fingerphilosoph

            „“in diesem Fall kann ich verstehen, dass da sogar Fotosmachen und Instagrammen hilft 🙂 „“

            Ja, das tut es wirklich 🙂

            „“Und wenn’s dafür keine Likes gibt: auch egal. Naja, halt jeder so, wie’s zu ihm passt.““

            Eben, vorläufig muss man ja noch nicht von den Likes leben, und falls es doch mal soweit kommt: Nicht vergessen, mit Fotos von Essen, Katzen und Sonnenuntergängen kannst Du nichts falsch machen 😉

          • September 24, 2015 um 9:57 pm

            Okay. Essen, Katzen, Sonnenuntergänge: werde ich mir merken 🙂

          • Der kleine Hunger
            September 24, 2015 um 11:20 pm
          • Der kleine Hunger
            September 24, 2015 um 11:39 pm

            „“Denn sie haben alle Direktiven implementiert, die dazu benötigt werden, dass wir in dieser Matrix selbst dafür sorgen uns zu überwachen …““

            Zitat von Herrn Bartonitz, von weiter oben

            Das dieses App mehrheitlich von Frauen genutzt wird, verwundert nicht. Gefühl und Glück produzieren Bilder sicher nicht allerdings täuschen sie selbiges vor, eben das altbekannte Frauenleiden, von frühster Kindheit an und ihren Freundeskreis „verweibischt“ bis zum geht nicht mehr, woher kommts, „die beste Freundin, meine Mutter“ na wen wundert eigentlich noch irgendwas.

            auch nichts neues und nicht erst seit 2010

            http://www.welt.de/debatte/kommentare/article6521441/Jungs-von-heute-verweichlicht-und-verweiblicht.html

            Kurz, es ist schlicht gesagt, einfach nur widerlich.

          • Der kleine Hunger
            September 25, 2015 um 12:09 am

            Selfie-Wahn bei jungen Frauen: Schminken, posieren, inszenieren – wo soll das enden?

            http://www.chip.de/news/Selfie-Wahn-bei-jungen-Frauen-Schminken-posieren-inszenieren-wo-soll-das-enden_79180465.html

            „Ein erschreckend hoher Anteil der Probanden begründete sein exzessives Selfie-Verhalten mit einem niedrigen Selbstwertgefühl. Das Selbstvertrauen der betroffenen Frauen korreliere dabei mit der Anzahl der Likes, die sie für ihre Fotos bekämen. Dazu passt auch ein weiterer Trend der jüngeren Generation: 27 Prozent der Frauen gab an, veröffentlichte Fotos nach ein paar Minuten wieder zu löschen, wenn dieses nicht genügend Likes bekommen hatten.“

            „Der Selfie-Wahn ist vordergründig eine Sucht nach Selbstdarstellung. »Seht hin, das bin ich!« In Wirklichkeit steckt dahinter das Bedürfnis, wahrgenommen zu werden, die Suche nach der eigenen Identität. “

            http://www.huffingtonpost.de/niklaus-zemp/selfie-wahn-authentisch-leben_b_7199172.html

            Dimension 1: interpersonell-affektiv

            (Kernmerkmale der psychopathischen Persönlichkeit, selbstsüchtig und ausnützlerisch – stabil über die Lebenszeit)

            *trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme*
            erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
            pathologisches Lügen (Pseudologie)
            betrügerisch-manipulatives Verhalten
            Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein
            *oberflächliche Gefühle*
            Gefühlskälte, Mangel an Empathie
            mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen
            

            Dimension 2: antisozial-deviant

            (Verhaltensstörung, chronisch instabiler und antisozialer Lebensstil – tendenziell Abnahme mit dem Alter)

            Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger), *ständiges Gefühl der Langeweile*
            unzureichende Verhaltenskontrolle
            frühere Verhaltensauffälligkeiten
            Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen
            Impulsivität
            Verantwortungslosigkeit
            Abwertung anderer Menschen
            

            https://de.wikipedia.org/wiki/Psychopathie

            usw.usv.

          • luna
            September 25, 2015 um 12:22 am

            Den Artikel kannte ich schon und ich verstehe ihn nicht.

            Die Autorin ist doch offenbar ein Follower des Hundes und seiner Besitzerin. Sie bräuchte sie doch nur entfolgen, schon würde sie diesen Hund nie wieder zu Gesicht bekommen… Wo ist bitte das Problem?

            Auch sonst weiß ich nicht, worüber sie sich aufregt, die Leute haben sich lifestylemässig schon immer leicht beeinflussen lassen, früher halt mehr durch TV und Modemagazine und jetzt eben durch Social Media, und auch das berühmte „mehr Schein als Sein“ ist nix Neues.

            Die Dame scheint im Übrigen nicht viel Ahnung von dem zu haben, worüber sie schreibt (zumindest weiß ich nicht, worüber sie schreibt, mal abgesehen von den üblichen Klischees) das sieht man ja schon daran, dass sie offenbar glaubt, Instagrammer würden sich „Blogger“ nennen.

            „“Ein Bild, das nicht innerhalb der Instagram-Logik perfekt ist, landet dort erst gar nicht.““

            Und dieser Satz ist schlicht und ergreifend nicht wahr.

            P.S.
            Hier mal ein paar Beispiele, dass es bei Instagram auch noch was anderes gibt als selbstdarstellerische Möchtegern-It-Girls etc.*

            http://www.lead-digital.de/aktuell/social_media/die_muessen_sie_kennen_fuenf_instagrammer_von_fuenf_kontinenten

            *(deren Selfie-Wahn ist ihr Problem, sorry, daran kann man keiner App die Schuld geben, gäbe es Instagram nicht, dann würden sie ihr mangelndes Selbstwertgefühl halt irgendwie anders kompensieren).

          • Der kleine Hunger
            September 25, 2015 um 12:51 am

            Von Schuld spricht auch keiner (auch nicht dem App gegenüber, was an sich in Deiner Denkweise schon absurd ist)

            Es geht darum, was die Nutzung aufzeigt, die dahinterliegenden Motivationen, da kommst auch Du nicht herum @Luna (siehe oben)

            Es ist doch lächerlich sämtliche Hinweisschilder zu missachten, wissentlich das es ernsthafte Problematiken in der Persönlichkeitsstruktur einer breiten Masse gibt und in erschreckenden Maße gerade bei jungen Müttern und Vätern.
            Der Multiplikator ist immens.

            Unter einer Psychopathie (Kunstwort aus griechisch ψυχή, psychḗ, „Seele“ und πάθος, páthos, „Leiden“; jeweils altgriechische Aussprache)

            http://journal.sjdm.org/15/15701/jdm15701.pdf

            Sie sind nicht gewalttätig […] Der Schaden, den sie aber in unserer Gesellschaft anrichten, ist immens.“
            – Niels Birbaumer (Neurobiologe)

          • luna
            September 25, 2015 um 1:22 am

            „“Von Schuld spricht auch keiner (auch nicht dem App gegenüber, was an sich in Deiner Denkweise schon absurd ist)““

            Das ist nicht meine Denkweise, sondern die der Artikelschreiberin, schließlich hat sie Instagram als „schädlichste, böseste und kaputteste App“ bezeichnet, die „uns alle zu Psychopathen macht“.

            „“Es geht darum, was die Nutzung aufzeigt, die dahinterliegenden Motivationen, da kommst auch Du nicht herum @Luna (siehe oben)““

            Ich will da auch gar nicht drumherum kommen, nur gab es die dahinterliegenden Motivationen m.E. mehr oder weniger schon immer und durch Social Media werden sie eben deutlich sichtbar. Vielleicht hat das ja auch was Gutes, wer weiß das schon.

            Außerdem sind längst nicht alle so.
            In meiner Twitter-Community z.B. finden sich eigentlich hauptsächlich Leute, die ich als halbwegs vernünftig einschätzen würde und das erstaunlicherweise trotz (oder vielleicht gerade wegen) der TrashTV-Thematik.

          • Der kleine Hunger
            September 25, 2015 um 2:07 am

            „halbwegs vernünftig…………..“

            Der Begriff der projektiven Identifikation (oder auch projektiven Identifizierung) stammt von der Psychoanalytikerin Melanie Klein. Es handelt sich hierbei, ihrer Ansicht nach, um einen unbewussten Abwehrmechanismus von Konflikten, bei dem Teile des Selbst abgespalten und auf eine andere Person projiziert werden. Dadurch werden eigene Inhalte (Werte, Gedanken, Gefühle) als die der anderen Person/en wahrgenommen.

            https://de.wikipedia.org/wiki/Projektive_Identifikation

            „…………durch Social Media werden sie eben deutlich sichtbar.“

            Genau darum ging es auch.

            „Vielleicht hat das ja auch was Gutes, wer weiß das schon.“

            Das ist mir persönlich völlig wurscht, verlassen würde ich mich da auf nicht´s lach

  9. steffen
    September 21, 2015 um 6:13 pm

    Dieser commonismus existiert in einem Abhängigkeitsverhältnis vom Privatkapitalismus, dessen Organisationsmuster mit Zähnen und Klauen verteidigt werden, bis zum Heulen und Zähneklappern. Der commonismus kann sich auf der Grundlage des in diesem Text vermittelten Bewusstseins nicht vom Privatkapitalismus lösen, aber ist ein notwendiger Schritt. Der Wendepunkt der Geschichte ist der Tag der Abrechnung, das Jüngste Gericht. Wenn die alte Angststörung überwunden wird und keiner mehr den Typen mit der größeren Gewalt folgt, sondern sich Selbst-bewusstsein entwickelt hat. Eines der wichtigsten Gemeingüter wird dann verstanden sein: die Währung.

  1. September 20, 2015 um 1:48 pm
  2. September 21, 2015 um 11:36 am
  3. September 21, 2015 um 11:36 am
  4. September 21, 2015 um 11:37 am

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