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Gehen wir mit dem „WIR SIND ALLE EINS“ in den nächsten Totalitarismus?

Wir haben hier auf dem Blog immer wieder mal Texte zum höheren Selbst und der Idee, dass Alles EINS sei, was ja auch schon im Wort ALL-EIN steckt, diskutiert. Diesen Faden hat unser Fingerphilosoph gerade in einem Kommentar noch einmal aufgegriffen und einen für mich bedenkenswerten Schluss gezogen:

In diesem “Ich bin eins mit dem Kosmos” resp. “wir sind alle eins” hat meiner Ansicht übrigens jeder Totalitarismus seine Wurzeln.
Dass dieses “Wir-sind-Eins”-Gerede zur Zeit in erschreckendem Ausmaß zunimmt, deutet darauf hin, dass sich gerade ein neues totalitäres System etabliert.

Hat er Recht mit seiner Feststellung? Die Wurzeln dieser ALLES-EINS-Philosophie sind wohl spätestens in der New Age Bewegung zu finden. Diese wiederum soll auch von den Machern der neuen Weltordnung in die Welt gebracht worden sein, quasi als die eine Religion der einen Weltregierung. Daher lasst uns weiter den Kommentar vom Fingerphilosphen vertiefend lesen:

(hier noch die Quelle, so dass der Diskussionsstrang mit Luna verfolgt werden kann)

Ich gehe überdies davon aus, dass meine sinnlichen Wahrnehmungen inklusive meine Gefühle mir nicht das Ganze in Bezug auf den Kosmos vermitteln, sondern nur Ausschnitte davon. Meine sinnlichen Wahrnehmungen inklusive Gefühle plus Interpretation plus Reflexion konstituieren mein Ich-Gefühl.

Innerhalb dieses Ichs können sich Wahrnehmungen und Gefühle zeitweise vereinheitlichen. Dann bin ich eins mit mir selber. Wenn ich nicht eins mit mir selber bin, versucht mein Hirn, zwischen Wahrnehmungen und Gefühlen zu vermitteln und die Einheit durch Gedanken herzustellen. Gedanken können eine Eigendynamik entwickeln, wenn sie sich gegenseitig katalysieren. Identifiziere ich mich mit den Gedanken, verselbständigt sich dieses Gedankenkarussell und löst sich von den Wahrnehmungen und Gefühlen ab. Identifiziere ich mich nicht mit den Gedanken, bleibe ich für Wahrnehmungen und Gefühle offen.

In meiner Weltsicht kommt der “Quatsch” (wie Erleuchtung, höheres Selbst, “wir sind eins”) daher, dass dieses Einheitsgefühl, welches Ausdruck einer Ich-Vereinheitlichung ist, auf den Kosmos projiziert wird.

Die Erleuchteten mit ihrem höheren Selbst stellen es so dar, als würden ihre sinnlichen Wahrnehmungen plus Gefühle plus Interpretation/Reflexion den ganzen Kosmos, (also auch mich und Dich und den Rest der Welt) umfassen. Sie subsumieren mich, Dich und den Rest der Welt unter ihr ICH und verabsolutieren auf diese Weise ihr ICH.
Witzigerweise behaupten sie, dass sie ihr ICH losgelassen haben, dabei hat es sich bloß auf universale Größe aufgeblasen, sodass seine Grenzen nicht mehr erkannt werden können.

In diesem “Ich bin eins mit dem Kosmos” resp. “wir sind alle eins” hat meiner Ansicht übrigens jeder Totalitarismus seine Wurzeln.
Dass dieses “Wir-sind-Eins”-Gerede zur Zeit in erschreckendem Ausmaß zunimmt, deutet darauf hin, dass sich gerade ein neues totalitäres System etabliert.

Was die Determiniertheit und den Freien Willen angeht, sind das wahrscheinlich auch bloß unterschiedliche Perspektiven auf ein und dasselbe 🙂

Ich akzeptiere Determiniertheit zumindest dahingehend, dass bspw. eine Minderheit die Entwicklung eines totalitären Systems nicht verhindern kann, wenn die Mehrheit sich unbedingt darin wiederfinden will. Ich nehme schon an, dass wohl jeder Mensch in Zusammenhänge eingebettet ist, die er nicht beliebig verändern kann.

Der freie Wille besteht auf der Ebene der Interpretation. Es ist ja nicht so, dass die elektrischen Impulse, die im Gehirn ablaufen, identisch sind mit Gedanken. Dieselben Impulse können völlig unterschiedlichen Gedanken oder Wahrnehmungen entsprechen.

Aus den Wellenmustern, die man im Schlaflabor aufzeichnet, kann man nicht ablesen, was der Schläfer träumt. Was man träumt, kann man bedingt beeinflussen, wenn man das will. Ob und wie man Träume interpretiert, ist dem freien Willen überlassen.
Interpretationen wirken nicht direkt, aber indirekt mittel- und langfristig auf die elektrischen Impulse zurück und verändern sie.

Das sind so ein paar meiner Gedanken zu dieser Thematik. In Diskussionen geht es mir übrigens nicht drum, Dich oder Andere zu überzeugen. Ich diskutiere, weil ich mich permanent mit meinen eigenen Überzeugungen auseinandersetze. Meine eigenen Überzeugungen gewinnen in der Diskussion mit Anderen für mich selber deutlichere Kontur. Darin besteht für mich der Wert und der Sinn von Diskussionen.

  1. Gerd Zimmermann
    September 11, 2015 um 2:05 pm

    Die Wirklichkeit ist unsichtbar
    und deshalb sichtbar

    ein Phänomen

  2. Gerd Zimmermann
    September 11, 2015 um 2:16 pm

    Ein Phänomen lässt sich nur durch ein Phänomen erklären .
    Niemals rational.
    Wissenschaft glaubt rational zu sein, ist sie aber nicht,
    da sie eine irrationale Erfindung ist.

    Ist PHI Irrational ???

    Wie, NEIN

  3. Gerd Zimmermann
    September 11, 2015 um 2:23 pm

    Schreibt weiter über den Rosenkrieg,
    wenn euch „Gott“ am Arsch vorbei geht.

  4. September 27, 2015 um 10:06 am

    Der Sinn der Diskussionen wird zum Unsinn, sobald das persönliche Denken Auseinandersetzungen hat. Solange nur das Ego , „mitten“ im Denken sich befindlichen Element der Illusion der Separatheit , der Trennung, die Führung beibehält auf all der Wahrnehmungen, Empfindungen und also Denkvernetzungen des Menschen hat ,nimmt jede Diskussion nur eine pur persönliche , egoistische Facette teil. Die Oberfläche des Egos bleibt die einzige Kontaktlamelle zweier Wesen. Das heißt, es ist die Kommunikation zweier Egos . Es reicht ja nur ein hartes , uraltes Ego als „Diskussionspartner“, um eine Kommunikation regelrecht zunichte zu machen.
    Die allermeisten Kenntnisse über sich selbst , die Welt und den Kosmos basieren hauptsächlich nur auf Persönlichkeitsempfindungen . Elemente wie Zeit, Raum, Welt, Wesen, Leben,Tod, Sein, Nicht-Sein, Gott ,etc.bleiben für die allermeisten Menschen erdacht-gesehene Pappfiguren . Die Erkenntnisse basieren auf die direkten Wahrnehmungen- weit über jene theoretischen Kenntnisse, die zwar erlernt, doch nicht erlebt worden sind. Das Erlebte überholt immer das Erlernte. Und fast immer ist der Fall, dass die erlernten Kenntnisse nur Täuschungen waren.
    Es ist in der Tat so, dass das Ego sich ständig beleidigt fühlt und zu beleidigen zu glauben will. Das Ego ist es, was den Menschen untersteuert, anstatt ihn hochzusteuern. Der ganze Mensch zahlt insofern nur dem Ego Steuer.Der Mensch bleibt auf dieser Art ein Tribut , ein Opfer seines eigenen Denkidolen, anstatt sich davon überzeugen zu WOLLEN, WAS er in WIRKLICHKEIT ist. Würde er sein wahrhaftiges eigenes Licht wahrnehmen, würde er sich befreien aus dem Labyrinth seiner Sehnsüchte, Süchte und Leiden – und so sein eigenes Meister des Glücks, der wortwörtlichen Einheit ,welche er so lange vergessen und ignoriert hat , werden.

  5. September 27, 2015 um 11:14 am

    Auf der Welt fehlen nie die Ideen, sondern der Wille. Es fehlt nicht an Gedanken, sondern das Gedankengut. Es fehlt nicht an Quantität, sondern an Qualität. Es fehlt nicht am Fleiß, sondern am Fluß. Es fehlt nicht an Ambition, sondern an Kondition. Es fehlen nicht die Hiebe, sondern fehlt die Liebe.

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