Startseite > Politik > Wer den Wind sät… Was westliche Politik im Orient anrichtet

Wer den Wind sät… Was westliche Politik im Orient anrichtet

Dr. Michael Lüders, "Analytisch klarster und medial einflussreichster Nahost-Experte Deutschlands"

Dr. Michael Lüders, „Analytisch klarster und medial einflussreichster Nahost-Experte Deutschlands“

An dem Tag, an dem am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag Anklage gegen die großen Verderber und Schreibtischtäter erhoben wird oder wenigstens doch gegen einige von ihnen, allen voran George W. Bush. Dick Cheney, Tony Blair, Donald Rumsfeld, hat sich das Wort von der ‚westlichen Wertegemeinschaft‘ tatsächlich mit Leben erfüllt.
Dr. Michael Lüders

Diese Tage zeigt uns die Flüchtlingswelle überwiegend von Menschen islamischer Wurzeln, dass etwas in unserer Welt völlig aus den Fugen geraten ist. Ich möchte zu diesem Thema eine Vortrag empfehlen, der zu verstehen gibt, warum wir uns mit dieser Flüchtlingswelle von vermutlich 800.000 Menschen allein in diesem Jahr auseinanderzusetzen haben.

Dr. Michael Lüders beginnt seine Anklage mit dem vom Briten und US-Amerikanern inszenierten Putsch gegen den demokratisch gewählten iranischen Präsidenten Mohammed Mossadegh im Jahre 1953. Lüders bezeichnet den Putsch als Sündenfall schlechthin, ohne den es die islamische Revolution Chomenies im Jahre 1979 nicht gegeben hätte. Während die Revolution für den politischen Islam, egal ob schiitisch oder sunnitisch, zum ‚Big Bang‘ wurde, sollte sich erweisen, dass alle Geheimoperationen in anderen Ländern wie ein Boomerang auf ihre Urheber zurückfallen können. Die CIA bezeichnet dieses Phänomen als ‚Blowback’…..

Kurze Zusammenfassung des Inhalts:

…zu dem auch Washingtons und Riads Unterstützung der Mudschahedin gegen die sowjetische Invasion Afghanistans gehörte (1979 – 1989), was schließlich zur Geburtshilfe von Al-Qaida führen sollte. Lüders bezeichnet den saudischen Wahabismus als den Schoß, aus dem der Fanatismus kroch. Bereits nach dem ersten Weltkrieg hatten die Briten den Saudis hierzu den Weg geebnet.

Nachdem die USA den irakischen Diktatur Saddam Hussein in seinem Krieg gegen die iranischen Mullahs unterstützt hatten, beging er den Fehler die angelsächsische ‚Tankstelle‘ Kuweit zu besetzten. Ihn aus Kuweit herauszuwerfen reichte jedoch nicht zur Verteidigung grundlegender Interessen [Big Oil], so dass man ihm die Entwicklung biologischer und chemischer Massenvernichtungswaffen andichtete, um ohne ein UNO-Mandat einen Angriffskrieg vom Zaune zu brechen. Das Ergebnis war ein Machtvakkum, welches letztendlich den ‚Islamischen Staat‘ entstehen und wachsen ließ.

Die westlichen Vorstellungen von Demokratie sind nur ein ideologisches Trugbild, in Gesellschaften die von Clans, Stämmen, Ethnien und Konfessionen getragen werden. Herr Lüders bemerkt hierzu, dass die amerikanische und, in ihrem Fahrwasser, europäische Politik nicht auf Interessenausgleich mit anderen Groß- oder Regionalmächten ausgerichtet ist, sondern unter Berufung auf eine vermeintlich höhere Moral Widersacher auszugrenzen und den eigenen Willen zu unterwerfen sucht. Besonders wurde dies im Falle Syriens deutlich: Assad sollte um jeden Preis gestürzt werden. Dass vom Westen unterstützte sogenannten ‚Gemäßigte‘ oder ‚gute Dschihadisten‘ auch zum ‚Islamischen Staat‘ überlaufen können, merkte des Westen erst als es zu spät und der ‚Islamische Staat‘ auch hier maßgeblich gestärkt worden war. Der Autor beklagt, dass von den USA und ihren Verbündeten stets mit zweierlei Maß gemessen und meistens die ‚falschen‘ unterstützt werden, nämlich diejenigen, welche den eigenen wirtschaftlichen Interessen von Nutzen sind. Hierbei wird auch nicht von ‚Heiligen Allianzen‘ mit Despoten sowie radikalreligiösen und rassistischen Parteien zurückgeschreckt, während man anderen vielleicht Kompromiss bereiten Organisationen Verhandlungen verweigert. In diesem Zusammenhang hinterfragt der Autor das Nahostproblem. Als ‚Worts-Case-Szenario‘ sieht Lüders, wenn der ‚Islamische Staat‘ den Kampf um Jerusalem zur Glaubenspflicht erklärt und dadurch seinen Vormarsch mit dem Kampf um Palästina verschränkt.

Fazit: Seit den 1970er Jahren haben die USA unter dem Vorwand von Freiheit und Demokratie den Zerfall ganzer Staaten ausgelöst oder vorangetrieben. Hierbei haben sie zum Erstarken radikaler, islamistischer Bewegungen maßgeblich beigetragen, von den Taliban über Al-Qaida bis hin zum Islamischen Staat.

Um Hintergründe besser oder überhaupt verstehen zu können, ist einmal mehr ein Blick in die Geschichte erforderlich. Michael Lüders Vortrag vermittelt eine Vielzahl tiefer Einblicke und kann daher uneingeschränkt empfohlen werden. Und wer das ganze nachlesen möchte, hier ist noch sein Buch: Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet

  1. Der kleine Hunger
    August 24, 2015 um 11:25 am

    Wer macht nun was lach

  2. August 24, 2015 um 10:45 am

    Aus einen Interview mit Obama:

    Wir müssen Gewalt anwenden, wenn Länder nicht das machen, was wir wollen! US-Präsident Barack Obama hat dem Fernsehsender Vox ein bemerkenswertes Interview gegeben. In diesem führt Obama aus, dass wegen dem “Bösen” in der Welt, die USA sich nicht immer an eine “regelbasierte” Außenpolitik halten können. Deswegen, so der US-Präsident mit einem süffisanten Lächeln weiter, müssen die USA Druck und Gewalt ausüben, “wenn Länder nicht das tun, was wir von ihnen wollen.”

    In einem umfassenden Interview mit dem Fernsehkanal Vox hat der US-Präsident die Wirksamkeit einer rein „regelbasierten“ Außenpolitik mit der Argumentation verneint, dass “es da draußen böse Menschen gibt, die versuchen uns zu schaden.”

    Aus der Sicht des Präsidenten hat die Realität dieser Bedrohungen die USA dazu genötigt, “das stärkste Militär der Welt” zu haben. Obama sagte weiter:

    […] Wir müssen gelegentlich den Arm von Ländern umdrehen, die nicht das tun, was wir von ihnen wollen. Wenn es nicht die verschiedenen wirtschaftlichen oder diplomatischen oder, in einigen Fällen, militärische Druckmittel die wir haben, gäbe, wenn wir diese Dosis Realismus nicht hätten, würden wir auch nichts erledigt bekommen.[…]

    Obama behauptet weiter, die USA hätte keine „militärischen Lösungen“ für alle Herausforderungen der modernen Welt und fügte hinzu:

    […] Wir haben niemanden Ebenbürtiges haben im Sinne von Staaten, die die Vereinigten Staaten angreifen oder provozieren könnten. Am nächsten uns kommt offensichtlich Russland mit seinen Atomwaffen, aber allgemein gesehen, ragen sie in der Welt nicht so hervor, wie wir. China auch nicht. Wir geben mehr für unser Militär aus als die nächsten zehn Länder zusammen. […]

    Auf die Frage zu den Grenzen der amerikanischen Macht, meinte Obama:

    […] Nun, die amerikanische Führung kommt teilweise aus unserer Anpackmentalität. Wir sind das größte, mächtigste Land der Erde. Wie ich schon in vorherigen Ansprachen betont habe, wenn Probleme auftauchen, ruft man nicht Peking. Man ruft nicht Moskau. Man ruft uns. Und wir nehmen diese Verantwortung bereitwillig an. Die Frage ist meiner Meinung nach, wie diese Führung ausgeführt wird. […]

    Er schloss das Interview mit dem bemerkenswerten Satz:

    […] Meine Administration ist sehr aggressiv und internationalistisch: Wir intervenieren, übernehmen und versuchen die Probleme zu lösen. […]

    Der russische Präsident Wladimir Putin hatte bereits in einem Gast-Beitrag für die New York Times im September 2013 gewarnt:

    […] Es ist extrem gefährlich Menschen zu ermuntern sich selbst als etwas Besonderes anzusehen, egal warum. Es gibt große Länder und kleine Länder, reiche und arme, die mit langer demokratischer Tradition und solche, die ihren Weg zur Demokratie noch finden. Deren Politik unterscheidet sich auch. Wir sind alle verschieden, aber wenn wir um den Segen Gottes bitten, dürfen wir nicht vergessen, dass Gott uns gleich erschaffen hat. […]

  3. August 22, 2015 um 10:42 pm

    Hat dies auf MURAT O. rebloggt.

  4. Giban
    August 22, 2015 um 10:24 pm

    Tolle Analyse besten Dank. Was wir alle schon wissen, aber niemand ausspricht. Sehr mutig Herr Dr. Lüders, alle Achtung!! Kann Ihnen als Iranerin nur zustimmen.

  5. August 21, 2015 um 2:25 pm

    Anzeichen des Zerfalls.

    Man sieht, man liest, man hört…
    Es ist nicht gut bestellt
    mit den “Dingen” so wie sie sind
    heutzutage in der Welt.
    Man erkennt die Symptome,
    man sieht täglich die Beweise.
    Es ist überall das Gleiche:
    “Fundamentalisten”
    und Fanatiker regieren.
    Opportunisten manipulieren.
    Ausbeuter sind am Werk.
    Sie schieben und schüren.
    Chaoten reagieren.
    Ideologen verführen.
    Sie lügen und betrügen.
    Medien sind Mittel zum Zweck.
    Die “Kleinen” existieren
    in Unsicherheit und Angst
    und werden sich wie immer
    beizeiten bereitwilligst fügen?
    Die Vernunft unterliegt.
    Die Menschheit wird bekriegt.
    Der Verstand wird besiegt.
    Die gierigen “Großen” behaupten
    und bestimmen nach wie vor
    daß ihnen ALLES gehört.
    Beschuldigt, beschimpft, beschämt,
    beschnüffelt, beschuppert,
    überwacht, beobachtet, belugt
    unterdrückt, bekämpft wird
    wer protestiert,
    wer sich in rechtlicher Weise wehrt
    und sich berechtigt empört,
    wer noch an die rapid hahin
    schwindende Vernunft appelliert.
    Ein letzter, vergeblicher Versuch?
    Der Friedliche wird ignoriert.
    Sind Ignoranz und Arroganz
    abermals am Ziel?
    Sind wir alle in Gefahr?
    Wird die Welt sehr mutwillig,
    sehr bewußt und wahnsinnig
    aufs Neue zerstört?

    Gerhard A. Fürst
    21.8.2015

  1. August 21, 2015 um 9:11 am

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: