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Freiheit und Gitterstäbe

Freiheit ist offenbar ein großes Thema der letzten Beiträge hier auf Martins Blog. Dem möchte ich mich gerne anschließen, mit einem kleinen Auszug aus meinem Roman Ich LIEBE meinen Tumor:
OOOO


OOOO
OOOOWeiter dem Wind beim Verpacken der Welt, von hier unten, zusehend, noch immer insgesamt vierzig Finger ein Gehege schaffend, das keineswegs Gefängnis ist, entspringen meinen flüchtigen Gedanken ein Panther und ein Wolf. Sich einander unbewusst, doch unterbewusst verbunden, trotz alledem.
Rainer Maria Rilke erneut, treuer Begleiter durch die wochenlange Ahnung. Seine Zeilen über den Panther. Mir vertraut inzwischen, wie die Hände meiner Frau und Kinder es längst sind. Meine Stimme gebe ich dem Wind an die Hand. Lasse sie erklingen, als ließe ich einen Drachen, aus feinem Papier gebaut, zu Beginn des Herbstes emporsteigen. Farbenfroh. Frohgemut.

OOOO
OOOOSein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe
OOOOso müd geworden, dass er nichts mehr hält.
OOOOIhm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
OOOOund hinter tausend Stäben keine Welt.

OOOODer weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
OOOOder sich im allerkleinsten Kreise dreht,
OOOOist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
OOOOin der betäubt ein großer Wille steht.

OOOONur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
OOOOsich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
OOOOgeht durch der Glieder angespannte Stille –
OOOOund hört im Herzen auf zu sein.
OOOO
OOOODie Finger meiner Frau bewegen sich leicht. Übertragen ihre Bewegung auf die Kinderhände. Ich spüre es bis hinein ins Gehege, in dem der Tumor lautlos weilt. Er wittert etwas.
OOOOSeht mal, ruft der Jüngste und zeigt mit der anderen Hand zu den Wolken. Könnte ein weißer Panther sein.
Dann fragt er leiser:
OOOOIst der Panther deiner Geschichte dein Tumor ?
Der weiße Panther ist gewichen. Entschwunden, inzwischen, zwischen weiteren Möglichkeiten. Oder weit mehr als zwei Notwendigkeiten. Die Antwort weiß, beileibe, nicht nur der Wind allein.
OOOOJetzt nicht mehr, sage ich. Sein Käfig ist offen. Es liegt nun an ihm, sein bisheriges Gefängnis zu verlassen.
OOOOAber wenn ein Raubtier seinen Käfig verlässt, rennen die Menschen dann nicht in Panik davon ? führt der Ältere das Schicksal des Panthers weiter aus.
OOOODas, antworte ich, ist ein anderes Problem. Eines, das überhaupt erst dazu führen konnte, dass wir meinen Panther hinter Gittern seien, für die Masse, eine Sehenswürdigkeit.
Irgendwer muss beim Verpacken etwas Wichtiges vergessen haben. Etwas mehr Blau wird zwischen viel Weiß und etwas Grau ersichtlich.
OOOOErinnert ihr euch an die Geschichte des Jungen, der sich im Dorf immer einen Spaß machte, indem er die Warnung vor dem Wolf ausrief ? Solange bis ihm niemand mehr glaubte und der Wolf schließlich tatsächlich kam ?
OOOOJa, antwortet der kleine Kinderchor.
OOOOIn Wirklichkeit ist der Panther ein Wolf, der davon träumt ein Schaf zu sein.
OOOOWarum sollte der Wolf ein Schaf werden wollen ?
OOOOStellt euch das Gesicht des Käfigbesitzers vor, wenn am Morgen, zur Fütterungszeit, anstelle eines Wolfes, ein Schaf meckernd anklagt, in einem Käfig eingesperrt zu sein.
Ich erhebe beide Hände, weise mit ihnen zu den Wolken.
OOOOSeht euch all diese Wolken an. Weiß. Flauschig. Diese Unmengen von Schafwolle. So viel Schafwolle, wie Wölfe in Käfigen gefangen gehalten werden, davon träumend frei sein zu können. Wirklich frei. Wild. Ihrem Wesen treu sein. Nicht länger als Raubtier verschrien. Denn rauben tun sie keineswegs.
Die Hälfte von sechs Händen verweilen auf mir. Fünf Rappen grasen irgendwo in der Ferne. Vier Schafe, wahrscheinlich auch mehr, werden vor unseren Augen geboren. Drei vertraute Menschen teilen mit Einem vertrauensvolle Zweisamkeit. Nullpunkt sieht anders aus. Keineswegs wie diese Urquelle. Aus der heraus ALLES möglich wird.

OOOOWir Menschen haben, von Ausnahmen abgesehen, ein völlig falsches Bild von Wölfen. Und nicht nur von ihnen, erzähle ich weiter.
OOOOFalsch ? wirft der Älteste ein. Ich dachte du magst dieses Wort nicht besonders ?
Exformation. Das Erleben von Gemeinschaft, durch gemeinsam erlebte Zeiten. Das gemeinsame Schwimmen in einem, von zahlreichen Bäumen umringten, See.
Ich lache. Ertappt.
Meine Frau stimmt ein. Ein zartes Lachen. Keineswegs fragil. Wie sich miteinander verschränkendes Flüstern von lichtsatten Blättern, die dem See am nächsten sind.
Wir setzen uns alle auf. Ohne auf ein Kommando reagiert zu haben. Ein Admiral fliegt durch den Garten. Zufall ?
Das verkörperte Gehege ist nun offen. Alle Finger wieder nur Teil von Händen. Nötig, zum Abstützen des Körpers auf dem Grün einer, zum Leben erwachten, Installation.
OOOOWarum sehen Menschen den Wolf falsch ? fragt der Älteste, das letzte Wort besonders betonend, daraufhin schelmisch kichernd.
Ich forme meine Hände zu Klauen. Deute an, meinen Sohn fangen zu wollen. Halte aber inne.
OOOOWeil die Wölfe in begrenzender Gefangenschaft, wahllos zusammengebracht mit ihren Artgenossen in einer künstlichen Umgebung, nicht die Wölfe sein können, die sie in ihrer eigentlichen, ursprünglichen Freiheit sind. Sie verhalten sich, wider ihrer Natur, in Gefangenschaft anders, sind aggressiver, und müssen, für ihr eigenes Überleben unter derart, für sie, unnatürlichen Bedingungen, andere Möglichkeiten nutzen, die aber ihrem Wesen völlig fremd sind.
OOOOUnd dein Tumor ?
Ich begleite den Admiral, mit meinen Augen, ein Stück seines Weges, welches der Weg ist. Eine weitere Notwendigkeit, zur Gestaltung des Bildes aus Klang.
OOOO Mein Tumor ist ein Symptom dessen, was wir Menschen Krankheit nennen, antworte ich.
Und das Symptom ist der Wolf in Gefangenschaft. Im Käfig. Eingesperrt in die mangelnde Weitsicht derer, die meinen, ein eingesperrtes wildes Tier sei eine gute Idee, um der staunenden Menge zeigen zu können, wie ein Wolf aussieht. Wie er lebt. Wofür die Kurzsichtigen obendrein auch noch Eintrittsgeld verlangen. Wofür nicht minder Kurzsichtige bereit sind Geld zu zahlen. Ihren Kindern zuliebe. Damit diese wilde Tiere erleben können.
Ich pflücke ein Gänseblümchen. Zerkaue es langsam. Nuancen entdeckend. Gedanken kommen. Muss an Todmorden denken. Eine Stadt in England, die, ihr Name lässt es nicht vermuten, im wahrsten Sinne des Wortes, essbar ist.
OOOOIn den Augen des Zoobesuchers ist der Käfig die Welt des Wolfes. Sie sehen den Käfig nicht als Abgrenzung zur Welt im Ganzen … und auch nicht als Folge einer Gesellschaft, die, in der Betrachtung des Wolfes, sich selbst betrachtet.
Dass die Kinder, allen voran der Jüngste, nicht die gesamte Tragweite dessen erfassen können, was ich, mit Hilfe dieses Vergleiches, auszudrücken versuche, ist mir bewusst. Vielmehr bin ich versucht meiner Frau zu verdeutlichen, warum ich im Büro meiner Ärztin derart, entgegen gängiger gesellschaftlicher Erwartungen, reagierte.
Ihr Schweigen bleibt. Doch ist etwas Anderes aus ihrem Antlitz gewichen. Als hätte eine Antwort die Konsonanz einer Frage gefunden. Ein Sonnenstrahl den See, durch eine Eröffnung in der Wolkendecke. Langsam kommt sie auf mich zu. Der Duft von Linden im Frühjahr, so erlebe ich sie in diesem Moment. Durch die Flügelschläge von Vogelschwärmen. Mir zugetragen. Sowie von befreiten Schmetterlingsflügeln und dem verspielten Wind. Unsere Umarmung dauert, gefühlt, die Schur einer gesamten Herde von Schafen. Ein Wolf, indes, kommt unter keinem der dichten Felle zum Vorschein. Nicht EINER.
Der Jüngste rennt durch den Garten. Ruft:
OOOOIhr könnt mich nicht fangen. Ich bin ein Wolf. Ich bin frei. Er rennt mit dem Wind, der weiß, wohin der Admiral flog. Wie nur Kinder, bis zu einem gewissen Alter, es vermögen. …..
OOOO


OOOO
GOLD-DNA
Die Goldene PHI(l)harmonie
Gemeinsam ins Tal
Ich LIEBE meinen Tumor

  1. Juli 6, 2015 um 3:49 am

    Dieses Gedicht hat mich zeit eines bisherigen Lebens
    im Tiefesten meines inneren Wesens beruehrt und bewegt.
    Schon allein aus diesem Grund kann ich kaum mehr in einen Zoo oder Zirkus gehen,
    wo man Tiere der Freiheit beraubt hat, und sie als reine Schauobjekte entartet hat.
    Der Panther, ein Symbol fuer die eingekerkerte, angekettete, erniedrigte, ausgebeutete, und versklavte Menschheit die von fanatischen, tyrannischen, brutalen, seelen-, geist–und herzlosen, scham- und schandlosen Typen in sozialen Systemen gehalten werden, die nichts als Kerker , Karzer und Kaefige sind.
    Gerhard A. Fuerst, 5.7.2015

  2. Gerd Zimmermann
    Juli 6, 2015 um 4:43 pm

    Ja, und dann gibt es noch
    Steppenwoelfe
    die sind eher selten und meist Einzeldgaengker.

    UPS , ist die Krankheit infektioes?
    Sofort impfen statt schimpfen,
    Wer heult heilt nicht.

    Ja, die NWO züchtet jetzt gefräßige Wölfe und die fressen dann
    6,5 Mrd Menschen auf. Biologisch abbaubar, wenn wir wüssten
    was da hinter unsre Ruecken läuft, eigentlich Nichts, ES schwebt
    eher. 😇

    Die Menschheit muss akzeptieren, dass es Inetelligentz ist, die
    dem Universum seine Form gibt und es aufrecht erhält, aber dazu
    gehört ein gewisses Mass an Demut. Und wir sind auf dem Gebiet
    der Demut nicht gerade gross!
    M. Roads

    Höhere Mathematik:
    Intelligenz = GesamtbewusstSinn

    Gesamtbewustsein = Physik + Metaphysik

    Gruss Gerd

  1. Juli 5, 2015 um 10:11 pm

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