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War die Einführung der Schrift nicht Fort- sondern Rückschritt?

Römische Kopie eines griechischen Platonporträts, das wohl von Silanion stammt und nach dem Tod Platons in der Akademie aufgestellt wurde (Foto: Wikipedia)

Nur wo wahrhaft Faulheit herrscht, gedeiht Fortschritt.
Nur darf man Faulheit nicht mit Lethargie verwechseln.

Uwe Hilsenbek

Wir haben hier schon so Manches zum Fortschritt gelesen und diskutiert. Ich lese gerade in dem sehr empfehlenswerten Buch Der radikale Mittelweg: Überwindung von Atheismus und Monotheismus – Das Buch zum aktuellen Paradigmenwechsel von Armin Risi und möchte daraus den folgenden Abschnitt bringen, mit großem Aha mal wieder, aber lest selbst:

Kapitel 18 – Abschnitt 200 – Seite 172 – Der radikale Mittelweg

Aus materialistisch-evolutionärer Sicht stellt die Erfindung der Schrift einen großen Fortschritt für den vormals „primitiven“ und „kulturlosen“ Menschen dar. Wenn wir jedoch nicht von einer linearen, sondern von einer zyklischen Entwicklung ausgehen, ist die Schrift nicht das einzige Kriterium für Fortschritt. Der Mensch der früheren Zeitalter hat ein umfassendes Bewusstsein,wozu auch ein perfektes Gedächtnis gehörte. Die Notwendigkeit von Schrift entstand für den Menschen deshalb erst, als sie ihr perfektes Gedächtnis verloren und ihr Bewusstsein auf ein lineares, nicht mehr ganzheitliches Denken ausrichteten.

Ein wichtiger und früher Zeuge für diese Sichtweise ist Platon. Am Schluss des Dialogs Phaidros schildert er Sokrates´ Bericht über die Entstehung der Schrift. Sokrates kann die alte Überlieferung selbst kaum glauben, aber erzählt sie seinem Gesprächspartner Phaidros dennoch, indem er einleitend sagt: „Eine Sage hierüber kann ich von den Alten berichten, die Wahrheit aber wissen nur jene selbst.“ Es ist eine Sage aus dem alten Ägypten:

Einst habe es eine Gottheit gegeben namens Theut [heute bekannter in der Schreibweise Thoth] . Dieser habe zuerst Zahl und Rechnung erfunden, dann Messkunst und Sternkunde, dann Brettspiel und Würfelspiel und schließlich auch die Buchstaben. König über das gesamte Ägypten war damals Thamus in der großen Stadt des oberen Landes, welche die Hellen das ägyptische Theben nennen. Zu diesem kam Theuth und zeigte ihm sein Künste und sagte, man müsse sie auch den anderen Ägyptern mitteilen. Thamus aber fragte zu jeder dieser Künste, welchen Nutzen sie denn brächte […]. Als Theut zu den Buchstaben kam, sagte er:  „Diese Kunde, o König, wird die Ägypter weiser machen und ihr Gedächtnis erhöhen, denn zur Arznei für Gedächtnis und Weisheit wurde sie erfunden.“ Der aber erwiderte: „O kunstreicher Theuth, […] du sagtest jetzt als Vater der Buchstaben das Gegenteil dessen, was sie bewirken. Denn wer dies lehrt, dem pflanzt der durch Vernachlässigung des Gedächtnisses Vergesslichkeit in seine Seele, weil er im Vertrauen auf die Schrift von außen her durch fremde Zeichen, von innern her aus sich selbst die Erinnerung schöpft. Nicht also für das Gedächtnis,  sondern für das Erinnern erfandest du ein Mittel. Von der Weisheit aber verleihst du deinen Schülern den Schein, nicht die Weisheit. […] Sie werden nicht mehr zu Weisen, sondern zu Pseudo-Weisen.

Sokrates erzählt hier in Form einer Anekdote, die vermischte historische Elemente enthält, von einer fernen Zeit, als die Menschen, dank ihres Gedächtnisses, ohne Schrift auskamen. Erstaunlicherweise wird hier in dieser alten Überlieferung die Erfindung der Schrift nicht als eine große förderliche Errungenschaft bezeichnet. Sokrates betont gleich anschließend, dass Buchstaben und Schrift eine begrenzte Bedeutung haben, und nur von denen richtig verstanden werden können, die das darin enthaltene Wissen bereits in sich tragen:

Wer Schrift liest, als ob es aus ihnen etwas Klares und Festes zu gewinnen sei, der strotzt vor Einfalt  und kennt in Wirklichkeit nicht den göttlichen Wahrspruch, weil er sich einbildet, die geschriebenen Reden hätten noch irgendeine andere Bedeutung als die, den schon Wissenden an das zu erinnern, wovon das Geschriebene handelt.

***

Puh, möchte ich da spontan Mal rausschnaufen. Muss ich mich doch an einen Artikel erinnert, den ich titelte: Wir müssen nicht mehr wissen, weil uns der Content auf Schritt und Tritt verfolgen wird …

Da hat mich dann Platon doch eines Besseren belehrt? Aber waren ja auch nur Buchstaben und Schrift …

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG
    März 7, 2015 um 3:01 am

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:

    Nach Gutenberg der Martin Luther und danach der Karl Marx und nun auch noch – Siehe, was da die Religion an Unwesen treibt, wäre es nicht der Lichtbringer und Erdenmensch mit seiner Gehirnmasse! Und da sieht man, was Dekandent und was Machtdenken ist! An dem Besetztem Volke und derer Machtzentrale, Besatzer zu dienen, ist erkennbar, was auch Spache verdrehen kann! Von Demokratie ist ja nichts mehr, sondern nur noch SCHAEF-Gesetzgebung und das recht der Diebe! Glück, Auf, meine Heimat!

  2. Gerd Zimmermann
    März 7, 2015 um 3:48 am

    Quergedacht

    Schrift braucht es nicht. Die Bildersprache reicht.
    Jeder Mensch versteht die Bildersprache gleich.

    Und Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild.
    Nichts ist so wie es scheint. Die Realitaet ist ein Abbild der Wirklichkeit.

    Der Mensch ist verkoerpertes Bewusstsein.
    Bewusstsein ist die elektrische, energetische Grundlage allem Sein.

    Alle Formen sind gedachte Formen und werden als Bildersprache
    manifestiert.

    Schauberger : Der Mensch denkt nicht, er wird gedacht.

    Vom Gesamtbewusstsein. Deshalb ist alles EINS.

    Das Universum ist einfach. Sehr einfach.
    Zu einfach ?

    Der Mensch als verkoerpertes Bewusstsein kann selbst
    gedachte Formen manifestieren.
    Alles was gedacht werden kann, kann manifestiert werden
    und wird somit zur realen Bildersprache.
    Ein geistiges kosmisches Kino. Nicht so leicht zu durchschauen.
    Aber immerhin moeglich. Im kosmischen Lernprozess will
    Bewusstsein ja auch erkannt werden, ich meine :
    Das Leben, das Universum und der ganze REST.

    Gruss Gerd

  3. tulacelinastonebridge
    März 7, 2015 um 10:33 am

    Was würde da jetzt ein Kali-Graf sagen. 🙄

    Alles hat zwei Seiten würde jetzt ich mal sagen. ,-)

    ….die geschriebenen Reden hätten noch irgendeine andere Bedeutung als die, den schon Wissenden an das zu erinnern, wovon das Geschriebene handelt……

    richtig, also ist die Schrift doch zu was gut. 🙂

    Liebe Grüße

  4. März 7, 2015 um 12:27 pm

    AM ANFANG WAR DAS LICHT, aus dem Licht wurde der TON und erst dann kam die Sprache

  5. März 7, 2015 um 12:30 pm

    Das Bild entstand aus dem Schein, doch es war nur ein Abbild, was nicht lebte, der die Mystik nicht lebte.

  6. Der kleine Hunger
    März 8, 2015 um 10:32 am

    danke für den nochmaligen link zu „Schirrmacher“

    „Den Ballast über Bord werfen“, schön und gut und ich kann dem nur zustimmen. Das Problem: Wenn der Ballast lediglich das ist was für diejenigen das ist, was sie IHR denken/wissen nennen.

    In diesem Sinn. Programme können nicht denken und wissen wissen sie auch nicht´s. 😉

    • Der kleine Hunger
      März 8, 2015 um 10:39 am

      Ergänzung:

      Würde an dieser Stelle Willard Van Orman Quine erwähnen und auch in diesem Konsenz das nach ihm benannte (?) Computerprogramm erwähnen, dessen struktureller Aufbau im Zusammenhang mit Neurologischen Erkenntnissen (über den Tellerrand hinaus) hervorragend geignet ist, lern-fähig-keit als Basis „allem was ist“ (im Kontext mit den Voraussetzungen dazu) klärend zu beantworten.

      • Der kleine Hunger
        März 8, 2015 um 10:46 am

        Bildlich dargestellt, sieht das so aus

        Herr Bartonitz setzen sie doch das Bild unter die eRgänzung, alles nicht´s neues, gibt ja auch nicht´s altes 😉

        • Der kleine Hunger
          März 8, 2015 um 10:49 am

          Ach das ist noch vieeel ein-leuchtender 😉

          Anmerkung
          (Der Begriff Mise en abyme [mi:z‿ɑ̃n‿abim] (Altfranz. abyme, von griech. ἄβυσσος abyssos: „ohne Boden, unendlich“) stammt aus der Heraldik und bezeichnet ein Bild im Bild, ein Bild, das sich selbst enthält.)

  7. tulacelinastonebridge
    März 27, 2015 um 10:32 am

    Guten Morgen! 🙂

    Devanagari – die Sanskrit-Schrift
    Hinzugefügt von Sukadev Bretz am 27. März 2015 um 5:30am
    Blog anzeigen
    .

    Devanagari, die Schrift, in der Sanskrit geschrieben wird und die meisten nordindischen Sprachen. Deva heißt Gott, strahlend, leuchtend. Naga heißt Stadt. Devanagari ist die zur leuchtenden, strahlenden Stadt Gehörige. Devanagari – Deva-Naga bezieht sich auf die Stadt Gottes, den Wohnsitz Gottes, bezieht sich auf den Wohnsitz des Leuchtenden. Devanagari, als Sanskrit-Schrift, will helfen, das Höchste zu erfahren. Devanagari ist eine schöne Schrift, ist eine spirituelle Schrift. Wenn du dich ganz auf Devanagari konzentrierst, insbesondere wenn Mantras auf Devanagari geschrieben wurden, dann kannst du das spüren, da ist ein bestimmtes Leuchten, da ist ein bestimmtes Strahlen. Die Devanagari-Schrift ist nicht einfach nur geschrieben worden, um irgendwo praktisch etwas zu schreiben, sondern sie ist geschrieben oder sie ist entwickelt worden, letztlich offenbart worden, den Rishis offenbart worden, damit man durch Schreiben und Lesen und Anschauen von Sanskrit spirituelle Erfahrungen machen kann. Daher ist es nicht ohne Grund, dass die Sanskrit-Schrift genannt wird, Devanagari. Sanskrit ist der Name der Sprache, so ähnlich, wie z.B. die Sprache Deutsch ist. Devanagari ist der Name der Schrift, so ähnlich, wie römisch ein Name der Schrift ist. Latein ist die Sprache, römisch ist die Schrift. In diesem Sinne, Latein wird auf römisch geschrieben, auch Deutsch wird in römischer Schrift geschrieben. Sanskrit wird auf Devanagari geschrieben. Natürlich, heutzutage kann man auch Sanskrit-Worte in Umschrift schreiben. Also z.B., hier findest du die römische Umschrift von dem Ausdruck „Devanagari“, der ja eigentlich ein Sanskrit-Wort ist. Dann kann die Umschrift, die römische Umschrift, auch noch mit diakritischen Zeichen angereichert werden, dann ist es die so genannte IAST-Schrift. Und hier unten findest du die IAST-Schrift, da findest du das lange „a“ und das lange „i“, Devanagari. Das ist die römische Schrift mit diakritischen Zeichen, die IAST-Transkription von Devanagari. Jetzt hast du eine Menge gehört. Also, Devanagari, schlicht und ergreifend, die Sanskrit-Schrift.

    Die Vorträge des Sanskrit Lexikons als Video
    Die Vorträge des Sanskrit Lexikons als mp3 Audio, auch zum Downloaden
    Das vollständige Sanskrit Lexikon auf http://wiki.yoga-vidya.de

  1. März 7, 2015 um 1:11 am

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