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Frieden

Im Sommer 1989 auf Kreta schrieb ich einen Text, den ich hier im Original veröffentliche:

Vielerlei Vorstellungen, die verschiedenfarbigsten Bilder werden mit diesem Wort verbunden. Was ich unter Frieden verstehe ist jedenfalls nicht eine Zeit menschlichen Zusammenlebens, in der die Waffen schweigen, die Konflikte der Parteien vorübergehend auf politischer Ebene ausgefochten werden. Als ich mit dem Fahrrad durch Deutschland fuhr, über meine Ideen in der Öffentlichkeit sprach, lautete die zentrale Aussage:

Frieden zuerst muß im Menschen sein,
dann ist der Frieden auch in der Welt.

Dazu stehe ich. Meine Arbeit dient allein diesem Zweck, dem Menschen einige mögliche Ursachen für seine eigene Disharmonie aufzuzeigen, ihn mit einer neuen Realität seiner Fremd- und Eigenbestimmung zu konfrontieren, mit der er übereinstimmen – also friedlich existieren kann. Ich halte es für den wesentlichen Schritt überhaupt, die Rolle klar zu definieren, die Existenzen in den verschiedensten Lebensformen spielen müssen und spielen können. Nur so lassen sich zum Beispiel die Ängste abbauen, wegen der so viele Grenzen nicht verschwinden, territoriale, ideelle und menschlich-brüderliche.

Der erste Schritt geht zurück in die Vergangenheit, sowohl für den einzelnen als auch für das System als Ganzes, um mit dem bereits Geschehenen Frieden zu schließen. Wegen der vorhandenen Strukturbedingungen mußte das Gestern und Vorgestern genau so sein, wie es war; es gab keinen anderen Weg. Weder der Einzelne, Organisationen, Staaten noch das ganze System konnten sich aus diesem Prozeß der Entwicklung, von seinen Bedingungen befreien, denn hätten sie es tun können, sie hätten es getan. Seit Anbeginn der Zeit steuert der Plan der Evolution lebendige Existenzformen hin zu mehr und mehr Erkenntnis, offenbart durch die Verschiedenartigkeit individueller Fähigkeiten und Ideen stets neue Vorschläge zur Lösung der alten Probleme, sortiert aus in brauchbar-lebensfähig und unbrauchbar-sterben. Die Welt geht ihren Weg nach einem Plan, der so alt wie das Universum ist, daß Individuum ging seinen Weg entsprechend der Zufälligkeiten der an seiner Position vorherrschenden Bedingungen. Daraus fließt dieser Frieden, mit der Unabänderlichkeit seines derzeitigen Entwicklungsstandes übereinzustimmen, zu bejahen, was in ihm gewachsen ist.

Der zweite Schritt betrachtet die Gegenwart, um Frieden zu schließen mit dem derzeitigen Status unserer Welt. Dafür ist notwendig die Schuldfrage zweifelsfrei zu klären, jeden einzelnen freizusprechen von scheinbar nicht wahrgenommener Verantwortung. Jeder Mensch konnte (und wird auch künftig) nur mit seinen verfügbaren Fähigkeiten in einem vorgegebenen Rahmen von Möglichkeiten existieren, so daß die daraus entstandenen Produkte für ihn selbst nicht anders als so steuerbar waren, andererseits aber das Universum genau dieses Produkt brauchte, gleich in welcher Form es ausgefallen ist. Gott mißt dem Geschehen keinen Wert zu! Besonders der herrschenden Macht wird es nicht gefallen, daß ich den sogenannten freien Willen des Individuums bestreite, jedenfalls unter den derzeit gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen. Eindeutig dagegen steht jeder einzelne dem Universum völlig machtlos gegenüber, kann sich doch niemand von seinen Gesetzen befreien, und – niemand kennt den genauen Auftrag, den unser Planet für den ableistet, der die Bühne mit Leben erfüllte.

Der dritte Schritt schließlich soll die Frage nach dem weiteren Werdegang beantworten können, einen gangbaren Weg aufzeigen hin zu einem wünschenswerten Ziel mit dem Namen „Frieden in alle Ewigkeit“. Dieser ewige Frieden aber kann nur dann zu einem echten Motiv werden, alte Lebensideale aus dem Menschen verdrängen, wenn sich der einzelne über die tatsächliche Beschaffenheit, des Wesens seiner Existenz im klaren ist. Ewig kann nicht körperlich bedeuten, auch nicht, daß für alle kommenden Generationen ein friedliches körperliches Leben als möglich erscheint. Darüber möchte ich niemanden im Unklaren lassen: Mein zukünftiger Frieden ist rein geistiger Natur, ohne jedes Abbild von Gegensätzen, die mit der körperlichen Dimension fest verbunden scheinen. Der zeitlos (ewige) lebendige Geist erfährt hier auf der Erde die Veränderung seiner Fähigkeiten nur mittels eines dreidimensionalen Körpers, jedoch ist es nur eine seiner möglichen, und zwar (wegen der vom Körper realisierten Zwänge, Gegensätze und Widerstände) sehr eingeschränkten Form seiner Darstellung. Die Schulen für unsere Kinder werden beginnen zu lehren, die Kinder unserer Kinder werden sicher lernen können, daß die Form einer körperlichen Existenz weder die einzige Existenzform, noch der Tod des Körpers die Existenz des Geistes beendet. Subjektiv ist es für mich bis heute ein Rätsel geblieben, aus welchem Grund die absolute Gewißheit über die Unvergänglichkeit des Wesens oder der Seele nicht als Lehre in die Erziehungs- und Ausbildungspläne fest aufgenommen wurde, zumal damit die Ursachen für erhebliche Schwierigkeiten im sozialen Miteinander entfallen.

Objektiv aber erscheint dieser verbogene Wissens-Status über die Realität unserer Existenz, der Schleier über dem Sinn unseres Lebens als notwendig. Ich denke, wir könnten einen großen Teil des als Böse bezeichneten Geschehens auf das Konto „Macht des universellen Plans“ schreiben, dessen lebendige Kraft sich erfolgreich gegen jede nicht erwünschte Veränderung wehren kann. Vollständige Kontrolle über das System, Tendenzen von Entwicklungen erkennend und brechend, damit das notwendige geistige Produkt durch die universelle Evolution, deren kleiner Teil die menschliche Zivilisation ist, erbracht wird. Es liegt nicht in des Menschen Hand, in diesen Plan erfolgreich einzugreifen, und wenn der Ungläubige dies bestreitet, möge er sich die heftigen Gegenaktionen auf sogenannte Humanisierungsbemühungen genauer ansehen. Die Menschheit als Ganzes ist ohne jede Chance, sich aus den Zyklen des Prozesses zu befreien.
Ich sagte in einer Denkphase, in der es noch Gut und Böse für mich gab, das geistige Universum müsse sich – gleich dem materiellen Universum – als Kraft und Gegenkraft in einem relativen Gleichgewicht befinden. Heute bezeichne ich beide Kräfte als solche, die den Plan sowohl zur einen als zur anderen Seite verändern wollen, ja, wenn wir die Bewertung vergessen, den Plan überhaupt verändern wollen. Die beiden Kräfte aber sind nicht autonom, ruft doch das Erscheinen der einen Kraft automatisch die andere auf den Plan, so wie beim Volleyball der sich über die Mitte bewegende Ball eine Reaktion auf der Gegenseite auslöst. Der Ball jedoch ist keinesfalls gewaltsam aus dem Spiel zu entfernen, bleibt solange für Bewegung sorgend im Spiel, bis derjenige, der das Spiel verursachte, seinen Nutzen aus dem ablaufenden Geschehen ziehen konnte. Möge dieses Beispiel noch einmal erklären, warum ich nicht bereit bin zu kämpferischen Maßnahmen gegen einen scheinbar notwendigen Frieden, nicht ungeduldig mit großer Anstrengung versuche, den für mich erstrebenswerten Zustand zu erschaffen. Die Aktion zum unrechten Zeitpunkt gestartet schickte die Massen nur wieder in einen neuen Krieg für ihren Frieden, der nicht möglich ist, solange das Universum es nicht erlaubt.

Gruß
Wolfgang

Kategorien:Gesellschaft
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. Februar 1, 2015 um 8:12 pm

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