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Der Mensch – Existenz zwischen Wollen und Müssen

Das Konzept des Lebens- und Todestriebes wackelt nach meiner Kenntnis. Offen gesagt wüsste ich auch nicht, ob ich den Drang zur Arbeit zu rennen, dem einen oder dem anderen Trieb zurechnen sollte. Ebenso zweifelhaft die Selbsttötung, ob sie ein Versuch ist, sich in eine andere Lebenswelt zu retten, oder nur Ausdruck ist eines bereits vollzogenen inneren Gestorben-Seins.
Als Eingangs-Hypothese biete ich an:
Es gibt einen natürlichen Wunsch nach Existenz und einen künstlichen Herrschaftstrieb.

Frisch geschlüpftes Blaupfeil-Weibchen

Existenz ist unabdingbar verbunden mit Energie. Woher diese kommt, vom Körper generiert, von der Psyche verfügt oder von Geist beschafft, spielt eher eine sekundäre Rolle Das Beschaffungs-Prinzip ist wichtig: Nutzt Mensch fließende Energie (Sog), oder muss er sich aus Angst sorgen, sich aus Not kümmern, sich anstrengen, auch Gewalt anwenden (Druck)

Die Energie-Systematik des Menschen funktioniert. Entscheidend ist die Bedienung des Systems. Sie geschieht mittels Vorstellungen, mittels Möglichkeiten und mittels Gewohnheiten. Bedient werden die verschiedenen energetischen Formen, Energiequellen, deren Erregungsformen wir hier Empfindungen (Körper), Psyche (Emotionen) und Gefühl (Wesen) nennen.

Brauner Waldvogel (Schornsteinfeger)

Wenn alle Energiequellen maximal sprudeln, ist Schicht, Exitus – wenn die Quellen versiegt sind, ebenfalls. Körperlich bedarf es einer Minimal-Versorgung, und auch emotional braucht die menschliche Existenz einen Antrieb jenseits der Apathie. Was das Gefühl betrifft, entsteht hier das sinnhafte Existieren. Ein echter Luxus, den Körper über die Runden zu bringen, funktioniert auch ohne Glücksgefühl.

Es gibt Menschen, die in eine suizidale Existenzlage gerieten. Keine Lust (Körper) mehr, keine Freude (Psyche) und kein Sinn (Gefühl). Das Bild einer wertlosen Existenz baut sich auf. Oft ohne Ausweg, aber es gibt Schlupflöcher. Eins ist die Wut (Emotion) auf das eigene Versagen, eins ist die Nicht-Akzeptierbarkeit (Ratio) des Verlierens. Wer Opfer wurde, kann sich auch mit der Rache (Emotion) am Täter aus dem Abgrund retten.

Gebänderte Prachtlibelle beim Ablaichen

Einige suizidgefährdete Menschen suchen, auch aus Angst vor dem Tod, Hilfe in der Psychiatrie. Was dort geschieht und nur geschehen kann ist das konzeptionelle und medikamentöse Überwinden der Lebendigkeitskrise. Die Suche nach den Ursachen (mindestens zwei!, logisch?) kann nicht erfolgen, weil das Personal weder kompetent ist, noch Zeit hat, noch der Patient in einer Verfassung sein kann, in der er an den Ursachen für seine existenzdesolate Verfasstheit arbeiten könnte.

Wenn ein suizidal gefährdeter Patient die Psychiatrie verläst, ist für ihn NICHTS geregelt. Er ist darauf angewiesen, sich ein künstliches Konzept zur Stabilisierung seiner Existenz zu basteln. Dass seine Existenz von der Richtigkeit seiner Existenz-Konstruktion abhängt, weiß er nicht, spürt es aber als bedrohlich, wenn daran gerüttelt wird. Das ist ungefähr so, als lebte jemand von seiner Vorstellung, er sei weltbester Schwimmer, und dann kommt ein Beobachter und sagt: Hier ist eine Wüste, und du bist gelähmt.

Westliche Keiljungfer

Schauen wir kurz auf das Lemming-Syndrom, das eine kollektive Selbsttötungs-Aktion beschreibt. Tut es das? Was Lemminge

mit ihrem Weg in den Tod machen, geschieht aus rationalem Motiv: Wir sind zu viele, wir opfern uns für die Erhaltung unserer Art; wir sind ja nicht blöd. Dieses rationale Motiv kennt der Mensch nicht. Woraus sich eigentlich nur eine Schlussfolgerung anbietet: Die Dämlichkeit des Menschen ist für die Entfaltung der sehr speziellen Lebensform Mensch unentbehrlich. Ebenso unentbehrlich, wie sich die Freude am Leben zu erhalten, kreativ, sportlich und auch willentlich mit der Absicht, dem Sinn des Lebens zu folgen.

Ich werde das Thema nicht diskutierend begleiten.

Euer Wolfgang

Kategorien:Gesellschaft
  1. der kleine hunger
    Januar 25, 2015 um 10:30 pm

    Naja nun da bewegen sie sich also im Bereich des ExistenzialSMUS eines Sartre, Heidegger, Camus, Dali, & Co.

    zitiere mal.

    „Im 20. Jahrhundert brachte Absurdes Theater die Sinnlosigkeit, unsinnige Handlungen, sinnlose Ereignisse, dem gesunden Menschenverstand Widersprechendes, auch auf die Bühne. Das Absurde ist ein zentraler Punkt in der Philosophie von Albert Camus.

    Er sieht darin die Erkenntnis eines Menschen, dass Leid und Elend in der Welt keinen Sinn haben, genauer: Dass jede Sinngebung bedeutet, vor dem Leid in der Welt die Augen zu verschließen.“

    Ich ergänze mal.

    Dem Leid und Elend Sinn zu vermitteln ist an sich absurd. Dem Leid und Elend auch noch in seiner Gegenständlichkeit Mitleid entgegen zu bringen, Lebensfeindlich.

    Das mag für diejenigen BÖSE klingeln, welche selbst vor allem Leid und Elend die Augen verschliessen, es selbst inizieren und ihr persönliches Leid und Elend auf die Tagesordnung setzen, alldenen sage ich *ickt Euch ins Knie, so absurd das auch klingen mag, so ist es dem Wesen nach ein erhebendes Glücksgefühl ohne erhaben sein zu wollen, man ist es einfach.

    • der kleine hunger
      Januar 26, 2015 um 9:19 pm

      Ergänzend und abschliessend (meinerseits)

      Würde, keine Frage von Recht und Moral

      dazu der folgende Artikel

      „Nicht jeder besitzt sie, man kann auch ohne sie leben. Sie beinhaltet zwei Ideen: Erstens die Selbstachtung, das Bewusstsein darüber, dass das eigene Leben objektiv wichtig ist. Damit geht eine Verantwortung einher: zu identifizieren, was eine gelungene Lebensführung bedeutet, und zu versuchen, so zu leben. Zweitens die Authentizität, nämlich dass Menschen eine Verantwortung haben, das gute Leben für sich zu definieren und nicht die Definition anderer zu übernehmen. Keine Würde zu haben, bedeutet, diese ethische Selbstständigkeit nicht zu schätzen.“

      http://www.cicero.de/weltbuehne/man-kann-auch-ohne-wuerde-leben/52502

      • der kleine hunger
        Januar 26, 2015 um 9:27 pm

        ok, keine falsche Bescheidenheit, das letzte Wort hat ……

  2. Sandra
    Januar 26, 2015 um 7:17 am

    objektive Bewertung

    Hattest du jemals das Gefühl, das ein anderer etwas tut, was in den Augen anderer einwandfrei und nicht zu bemängeln ist und trotzdem den Eindruck, es geht keinen Moment um Dich? Fühlst du dich von jemanden verraten und mißbraucht, kannst es aber nicht nachweisen, da keiner dir glauben würde? Hast du dich jemals gefragt, warum es so viele schlechte Eltern gibt, obwohl doch alle um ein perfektes Zeugnis bemüht?

    Falsche Annahme:
    Die Trennung von Pflicht (sollen, müssen) und Kür (können, dürfen).
    Eine freiwillige Leistung wird dabei als Zusatzleistung angesehen, die nachträglich erfolgen darf.

    Die Absicht einer Handlung
    z.B. lese ich meinem Kind freiwillig vor, weil ich es gerade möchte und Spaß daran habe, ist der Ergebniseffekt ein anderer, als würde ich es tun, weil es gesellschaftlichem anerkannten Wissen und der Norm für gute Eltern entspricht, das Kind in der Entwicklung zu unterstützen, ich es also tun sollte.

    Verdienst durch freiwillige Leistungen
    Im Außen wird dies meist nicht bezahlt, nicht (an-)erkannt, nicht gewürdigt.
    Tust du es, förderst und stärkst du die Verbindungsqualität und gewinnst Freiräume, da weniger dann mehr.

    • Sandra
      Januar 26, 2015 um 7:45 am

      Auch wenn ich selbst nicht die Erfahrung einer liebenden, da frei gebenden, Mutter gemacht habe, die ob der Wichtigkeit da sein sollte und müsste, kann und darf ich eine sein.
      Es ist stets mein freier Wunsch und Wille, zu wählen – wie ich es tun würde.

    • Sandra
      Januar 26, 2015 um 8:17 am

      Warum ist das so schwer, wird so erschwert und schwer gemacht?

      Ich begegne kaum einem Menschen, der eine anderes Handlungsmotiv als das seine für möglich erachtet. Anders zu sein und zu bleiben ist schwer, da ich keine geeignete Rückmeldung bekomme. Die Response ist immer mit anderen berechnenden Unterstellungen unterlegt, die ich aber nicht als zutreffend für mich annehmen kann. Daher kommt eine echte Kooperation (Kommunikation), die mich – als Mensch willkommen heißt, der ich bin und genauso wie ich bin – wie ich es gesagt und gemeint habe, kaum zu Stande. Ich habe keinen Spiegel, keine echte Möglichkeit der Spiegelung zur Orientierung.

      • Sandra
        Januar 26, 2015 um 8:33 am

        Das ich etwas nur mache, wenn und weil ich es gerne mache
        – dies mein Bedürfnis, das ich so befriedige –

        nicht aus der Erpressung heraus,
        nicht aus der Notwendigkeit heraus,
        nicht für die Inanspruchnahme einer zukünftigen Forderung heraus,

        wird nicht nur nicht als Option bedacht,
        dies kommt überhaupt nicht in Frage.

  3. Sandra
    Januar 26, 2015 um 8:56 am

    Soviel zu unterschiedlichen Bewußtseinszuständen in Theorie und Praxis.

  4. Sandra
    Januar 26, 2015 um 11:45 am

    Wer Hilfe grundsätzlich ablehnt (nicht brauchen möchte), bekommt irgendwann keine mehr.
    Wenn Unterstützung nur das ist, was als Vorgabewert definiert ist, kannst du nichts außerhalb dessen als das, was es ist und sein sollte, annehmen.

  5. Sandra
    Januar 26, 2015 um 12:29 pm

    In Abwandlung zum Titel des Artikels

    Für viele gibt es nur das ‚Begrenzte‘ in dem Rahmen, was sie selbst wollen oder nicht wollen. Diese Weltansicht ist lediglich unterlegt mit sollen, können, dürfen, müssen. Das Selbstbildnis ist alles.

    Einen anderen zu brauchen würde Objektivität erzeugen. Die potentielle Zerstörung der eigenen Arbeit, will insbesondere MANN ganz bestimmt nicht.

  6. Gerd Zimmermann
    Januar 28, 2015 um 12:26 pm

    12.09 Uhr
    „Wieviel Geld kostet Wollen
    und
    Wieviel Geld kostet Muessen“

    Geld, dem wir uns alle unterwerfen ist wie Gravitation, ein ungeschriebenes Gesetz.
    Eine kuenstliche Dinglichkeit. Alle akzeptieren es.

    Muss das sein? Nein.

    Wenn es keine Materie gibt, gibt es auch kein Geld.

    Gruss Gerd

    • federleichtes
      Januar 28, 2015 um 2:21 pm

      Ich biete mit diesem Thema Menschen einen Erklärungsrahmen für ihr Verhalten an. Ich brauche diesen Rahmen ebenso wenig wie meine Freunde – weil wir keine wesentlichen künstlichen Hilfsmittel zum Existieren benötigen. Interessant wäre daher, wenn sich hier Menschen melden, die sich in diesem Ramen handelnd erkennen und uns berichten.

      Dass „Wir“ uns alle dem Geld unterwerfen, ist eine nicht statthafte Unterstellung. Bleibe bitte bei Dir selber. Und wenn Du „Wir“ schreibst, verifiziere, wen Du meinst. Ja sicher nicht die jährlich über zehn Millionen verhungerenden Kinder, und wohl auch nicht die Hunderte von Millionen Kinder, die im Elend leben.

      Gruß
      Wolfgang

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