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Von der Korrelation von Macht und Zins …

Den Begriff der Zinssklaverei hatte ich hier schon mehrfach bemüht. Da kann man auch mal fragen, wie den Zins überhaupt in die Welt gekommen sein könnte. Joachim Weiß findet folgende Antwort auf die Frage:

Wie entstand der Zins?

Am plausibelsten und auch historisch belegt ist für mich die Machttheorie

1. Es beginnt mit der Abgabe in Naturalien. Diese Abgaben kommen ex nihilo. Es sind also nicht etwa „Rückgaben oder -zahlungen“ o. ä., sondern ein Novum für den Abgabenschuldner.

2. Der Abgabenschuldner (z. B. Nachbarstamm) geriet in diese missliche Position, nachdem er von einer fremden Macht unterworfen und zur entsprechenden Leistung gezwungen wurde.

3. Das eroberte Areal des unterworfenen Stammes ist Eigentum des Machthalters (der Eroberer ist der erste Eigentümer – Hudson), wie noch am Beispiel von William nach Hastings zu sehen: Das gesamte (damalige) England gehörte ausschließlich ihm und wurde erst per Magna Carta als Untereigentum an seine Barone verteilt.

4. Die Leistung der Abgabenschuldner ist der erste „Zins“ (Zinnß). Er hat nichts mit irgendwelchen (zuvor) vergebenen „Krediten“ zu tun. Also ZINS 1.

5. Der Abgabenschuldner kann sich allerdings die ihm fehlenden Abgabengüter leihen. Dies bei anderen Abgabenschuldnern, die gerade über ein Über-Soll verfügen.

6. Darüber wird ein „Leih“- bzw. „Schuldschein“ ausgestellt, der natürlich Fälligkeit hat. Dieses Dokument enthält zunächst keinen Zins. Der Vorgang wäre also unter „Solidargemeinschaft“ zu subsumieren, schließlich hatten wir es – vor Einfall der Fremdmacht und Unterjochung des Stammes – mit Stammesgesellschaften zu tun. Stämme kennen keinen Zins.

7. Will der Inhaber des Dokuments vor Fälligkeit an das von ihm zu Fordernde kommen, muss er ein Disagio akzeptieren, da der Käufer des Dokuments erst zu einem späteren Zeitpunkt an das Geschuldete kommen kann. Aus dieser Differenz ergibt sich schließlich der heutige Zins. Der (neue) Dokumenteninhaber erhält zum Fälligkeitstermin mehr als er vor dem Fälligkeitstermin seinerseits geben musste. Also ZINS 2.

8. Mit Hilfe der Abgabe kann der (neue) Machthalter zunächst dafür sorgen, an der Macht zu bleiben. Die Leistung umfasst nicht nur für den Machthalter und seine Clique nutzbare Naturalien (Versorgung, Kleidung, Metalle zur Machtwaffen-Produktion), sondern auch physische Leistungen (von Frondiensten, vgl. Mega-Bauten wie Tempel, Paläste usw. bis hin zur Verpflichtung, an militärischen Operationen teilzunehmen; dies allerdings nicht an Kommandostellen, sondern als „Fußvolk“).

9. Dieses „Fußvolk“ verfügt nicht über eigene Waffen, sondern erhält diese aus der Rüstkammer (Zeughaus), das streng unter Kontrolle der Machthalter bleibt. Und hat diese nach Feldzug bzw. Krieg wieder abzuliefern.

10. Im Fall Bronzewaffen wird nicht etwa Bronze abgefordert, sondern getrennt als Kupfer und Zinn, wie das Beispiel der Hethiter zeigt.

11. Bronze außerhalb des inneren Areals (Burg usw., siehe die Grundrisse sämtlicher großer Machtzentren) ist nicht existent. Bronzewaffen sind monopolisiert und die Waffenschmiede, die der Kunst mächtig sind, werden am Verlassen des inneren Machtareals gehindert (Wieland, Daedalos usw.).

12. Werden die Abgaben (Zinnß) nicht am von der Macht gesetzten Termin geleistet, sind verschiedene Sanktionen denkbar bzw. wurden auch so durchgeführt: Hochbuchen der Schuld (daher der agrarian usury, den Hudson herausstellt), Schuldknechtschaft von Familienmitgliedern bis hin zur Sklaverei Verlust des Eigentums an sich selbst), Tötungen, etc.

13. So halten sich die Machthalter und eigentlich wäre die Geschichte zu Ende. Die überschuldeten Abgabenschuldner („Zinser“) werden in bestimmten Abständen auch ihrer Schulden ledig: Erlassjahre zahlreicher Herrscher bei Wechsel (Tod) der Machthalter bzw. regelmäßig (z.B. Moses).

14. In der nächsten Phase treten nun weitere fremde Machthalter auf, die den bisherigen ihre Position streitig zu machen versuchen, d.h. diese ihrerseits in „Abhängigkeit“ Abgabenleistungen) zu zwingen.

15. Die „Alt“-Machthalter können mit ihren Mitteln (Menschen, Material) allein nicht standhalten, riskieren also den Machtverlust bzw. ihr Eigentum, das Machtmonopol.

16. Um sich aus dieser misslichen Lage zu befreien, müssen sie Hilfe anfordern und diese selbstverständlich auch bezahlen. Diese Hilfe sind die Söldner, kommen also aus ganz anderen, oft weit entfernten Gegenden.

17. Die Söldner können nicht in Naturalien bezahlt werden, sondern nehmen nur etwas, das „Kurs“ hat, weil es (in Parität zu den Naturalabgaben vom Machthalter gesetzt, vgl. Codex Hammurapi) als Abgabe akzeptiert wird. Dieses Etwas ist Silber.

18. Dieses war ex ante im mesopotamischen Schwemmland nicht vorhanden. Es kam über Herrschertausch in den Palast (wenig) bzw. via Waren, die von den Tempelwerkstätten hergestellt (und auswärtig nachgefragt) wurden, in die Tempel. Diese mutierten somit zu „Banken“, die Silber gegen Zins ausgaben. Also Zins 3.

19. Dies an Abgabenschuldner, die damit den Palast ausstatteten bzw. an den Palast (Sitz des bedrohten Machthalters) selbst.

20. Zu den Tempelbanken traten (später) noch private Bankiers, die nach etwa derselben Methode vorgingen.

Somit ist dieser Zins (Zins 3) eine Risikoprämie, die der Machthalter zu entrichten hat, will er sein Eigentum, das Machtmonopol nicht verlieren.
Bei den modernen Zentralbanken sehe ich dieses Risiko nicht, da sie ihr ZB-Geld-Emissionsmonopol nicht verlieren und auch nicht gezwungen werden kann, ihre Noten aus dem Verkehr zu ziehen.

Oder so: Abgabe = Zins 1. Disagio –> Zins 2. Machterhaltsprämie –> Zins 3.

Der Zentralbank-Satz wäre unter ZINS 1 zu rechnen, wobei die Zentralbank mit der Methode nach ZINS 2 arbeitet. ZINS 3 erscheint mit der Position Staatsverschuldung Machterhalt-Vehikel), die durch die gesetzlich festgelegten Abführung des Zinsüberschusses der ZB gemindert wird, womit dieser wiederum unter ZINS 1 zu subsumieren wäre.

Ohne Macht und Machtausübung Abgabenforderung plus Besicherung der Verzinsungsvorgänge), entfiele jeglicher Zins und wir wären wieder zur zinslosen Stammesgesellschaft und/oder kleinere soziale Einheiten reduziert.

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